Pfizer


Pfizer
Pfizer Inc.
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Rechtsform Incorporated
ISIN US7170811035
Gründung 1849
Sitz New York, NY, Vereinigte Staaten
Leitung Ian Read
Mitarbeiter ca. 100.000 (Stand August 2011) [1]
Umsatz 67,8 Mrd. USD (Stichtag 31. Dezember 2010)[2]
Branche Pharmazie, Humanmedizin, Tiergesundheit
Produkte Medikamente, Impfstoffe
Website www.pfizer.com www.pfizerah.com

Die Pfizer Inc. [ˈfaɪzəɹ], ursprüngliche Aussprache [ˈpfizəɹ] ist ein weltweit vertretener Pharmakonzern mit Hauptsitz in New York, Vereinigte Staaten. Gegründet wurde er von Charles Pfizer (eigentlich Karl Pfizer) aus Ludwigsburg. Pfizer ist das größte Pharmaunternehmen der Welt.[3],[4]

Inhaltsverzeichnis

Wirtschaftliche Lage

Die Firma Pfizer ist, gemessen am weltweiten Umsatz von 67,8 Mrd. USD im Jahr 2010[2] das größte Pharmaunternehmen der Welt.[3],[4] Damit konnte der Umsatz nach 50,0 Mrd. USD (2009) - und 48,3 Mrd. USD (2008) - um 36 Prozent gegenüber Vorjahr gesteigert werden, in erster Linie durch die Akquisition von Wyeth. Nach Umstrukturierungen im Unternehmen und Akquisitionen hat sich die Mitarbeiterzahl weltweit auf ca. 100.000 eingependelt.[1] Pfizer investierte im Jahr 2010 in Forschung und Entwicklung 9,4 Mrd. USD gegenüber 7,8 Mrd. USD im Vorjahr (2009).[2]

Pfizer in deutschsprachigen Ländern

Die deutschen Niederlassungen befinden sich in Düsseldorf, Freiburg und Illertissen. Die Firmenzentrale wurde 2008 von Karlsruhe nach Berlin verlegt.[1] Das ehemalige Gebäude der Berliner Volksbank am Potsdamer Platz wird bezogen. Dort ist bereits der Branchen-Dritte weltweit, Sanofi-Aventis ansässig. In Deutschland beschäftigt Pfizer rund 4.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010 rund 2,0 Mrd. Euro Umsatz.[1] Die österreichische Niederlassung von Pfizer hat ihren Sitz in Wien und beschäftigt 190 Mitarbeiter.[5] Für den Verkauf und Vertrieb von Medikamenten und Tierprodukten in der Schweiz ist die Niederlassung von Pfizer in Zürich zuständig.[6] Im April 2010 erwarb Pfizer den OTC-Pharmahersteller Whitehall-Much.

Pfizer Illertissen

Am Standort Illertissen stellt Pfizer Manufacturing Deutschland GmbH jährlich mehr als 80 Millionen Packungen fester Humanarzneimittel her. Eine der Kernkompetenzen ist die Verarbeitung hochaktiver Substanzen. Auch das Raucher-Entwöhnungsmedikament Champix (Vareniclin) wird hier produziert. 2008 wurde die neue Fabrik für hochwirksame Arzneiformen mit dem ISPE Award Facility of the year ausgezeichnet.

Pfizer Freiburg

Das Werk in Freiburg betreibt seit Oktober 2009 die größte Holzpelletheizanlage in Europa. Es wird damit der für die Medikamentenherstellung nötige Prozessdampf erzeugt. Im Jahr werden dadurch ca. 5.500 Tonnen CO2 eingespart. Die Anlage wird im nächsten Jahr durch einen Absorber mit Kraft-Wärmekopplung erweitert, dadurch kann sich das Werk Freiburg vollkommen energieautark machen. [7]

Geschichte

Die Firma Charles Pfizer & Company wurde von Karl Pfizer und Charles Erhart 1849 in Brooklyn, New York gegründet. Das erste Produkt war Santonin, ein Mittel gegen Parasiten. Die Firma war sehr erfolgreich und erweiterte sich in den folgenden Jahren um weitere Produktions-, Verwaltungs- und Lagerstätten in New York.

  • 1951 werden weltweit neue Werke aufgebaut, unter anderem in Belgien, Brasilien, Puerto Rico, Kanada, Kuba und England.
  • 1952 Pfizer beginnt mit dem Aufbau einer Agrarsparte
  • 1953 Übernahme der J.B. Roerig & Co., einer Firma, die auf Nahrungsergänzungsmittel spezialisiert war
  • 1971 Übernahme des deutschen Pharmaherstellers Heinrich Mack in Illertissen
  • 1996 Neue Antibiotika werden an Kindern in Nigeria während einer schweren Meningitis-Epidemie getestet, ohne dass hierfür ausreichende Genehmigungen vorlagen; elf von ihnen starben. Pfizer wurde nach dem Bekanntwerden in New York 2007 von der nigerianischen Provinz Kano verklagt.[8][9] Die außergerichtliche Einigung 2009 wurde von den Familien der Opfer wegen der Gentests, mit denen ermittelt werden sollte, wer Anspruch auf Entschädigung hat, abgelehnt. Nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Juni 2010 einen Einspruch von Pfizer abwies, ist der Weg für einen Prozess in den Vereinigten Staaten frei.[10]
  • 2000 Übernahme von Warner-Lambert (ehemals Gödecke), in Freiburg
  • 2003 Übernahme von Pharmacia
  • 2006 Verkauf der Consumer-Sparte an Johnson & Johnson
  • 2007, 21. Januar: Ankündigung des Abbaus von 10.000 Arbeitsplätzen zur Einsparung von bis zu 1.5 Mrd. Euro Kosten
  • 2007, 1. Juli: Ankündigung der Verlegung der Deutschlandzentrale von Karlsruhe nach Berlin[11]
  • 2009: Übernahme von Wyeth [12]
  • 2009: Pfizer gründet Joint-Venture für HIV-Medizin mit GlaxoSmithKline [13]
  • 2010: Übernahme von Whitehall-Much

Produkte

Ausgewählte bekannte und umsatzstarke Produkte der letzten Jahre

Bekannt wurden einige Präparate durch Marktrücknahmen und einer Einstellung der firmeninternen Forschung und der klinischen Testphasen wie etwa:

  • der Cholesterinsenker Torcetrapib
  • das Antibiotikum Trovan® (Trovafloxacin)
  • der Schmerz- und Entzündungshemmer Bextra® (Valdecoxib)

Ein neuartiges Arzneimittel zur Therapie des Diabetes mellitus war das inhalative Insulinpräparat Exubera®, dessen Produktion laut Pfizer-Ankündigung vom 18. Oktober 2007 aufgrund zu geringer Verkaufsraten eingestellt wurde.[14]

Im Juni 2010 wurde das Knochenmarkkrebs-Medikament Mylotarg® (Wirkstoff: Gemtuzumab ozogamicin) vom US-Markt genommen, da das im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens in den USA zugelassene Arzneimittel, das Pfizer bei der Übername des Pharmakonzerns Wyeth übernommen hatte, ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis zeigte.[15]

Förderung der Naturwissenschaften

Pfizer Inc. verleiht hoch dotierte Forschungs-Preise an Wissenschaftler (siehe Pfizer Forschungspreis).

Verfahren gegen Pfizer in den USA und Nigeria

Laut Angaben nigerianischer Behörden und verschiedener Organisationen testete Pfizer im Jahr 1996 das mittlerweile verbotene Antibiotikum Trovafloxacin (Trovan®) an etwa 200 Kindern aus dem Umkreis von Kano (Nigeria).[16] Durch die Wirkung des zuvor noch nicht am Menschen erprobten Mittels starben fünf Kinder, weitere erlitten Schäden.[17] Zahlreichen Kindern wurde im Rahmen dieser Studie der Zugang zu einem erwiesenermaßen wirksamen Medikament vorenthalten.

Diese Thematik wird in dem Film Der ewige Gärtner (basiert auf dem gleichnamigen Roman von John le Carré) von Fernando Meirelles aufgegriffen und verarbeitet.

Der oberste Gerichtshof in den USA ebnete im Juni 2010 die Wege für ein Entschädigungsverfahren, nachdem eine außergerichtliche Einigung zwischen Pfizer und dem Bundesstaat Kano von den Opfern abgelehnt wurde .[18]

Der deutsche Kinderarzt und Infektiologe Juan Walterspiel, der damals bei Pfizer die pädiatrischen Studien leitete, hatte schwerwiegende Kritik an der Planung und Durchführung der Versuche geübt und eine weitere Mitarbeit verweigert. Daraufhin wurde ihm gekündigt.[19] Ein Gerichtsverfahren wurde von der Washington Post aufgegriffen, die die Studie und ihre Fragwürdigkeit thematisierte.[20] Pfizer besteht darauf, dass Walterspiel aus anderen, nicht genannten Gründen gekündigt worden sei und dass die Studie ethischen Normen entspreche.[21] Zurzeit laufen mehrere Verfahren in Nigeria mit zum Teil erheblichen Schadensersatzforderungen.[22] Zwei weitere Klagen sind von nigerianischen Eltern in den USA eingereicht worden. Die Verfahren sind im Januar 2009 in New York wieder aufgenommen worden.[23]

Am 2. September 2009 bestätigte das Unternehmen zur Beilegung eines Streits mit der US-Regierung über unlautere Werbepraktiken die Rekordsumme von 2,3 Milliarden Dollar (etwa 1,6 Milliarden Euro) zu zahlen. In dem Streit ging es unter anderem um die Werbung für das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Bextra. Nach Berichten über starke Nebenwirkungen hatte das Unternehmen das Arzneimittel 2005 vom Markt genommen. Mit dem Vergleich werden auch zivil- und strafrechtliche Vorwürfe rechtswidriger Werbepraktiken im Zusammenhang mit den Medikamenten Zyvox, Geodon und Lyrica beigelegt.

Im Dezember 2010 wurden von WikiLeaks Dokumente veröffentlicht, nach denen Pfizer auch versuchte hatte, den nigerianischen Staatsanwalt unter Druck zu setzen, um hohen Strafzahlungen zu entgehen.[24]

Weblinks

 Commons: Pfizer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Zahlen und Fakten auf der deutschen Herstellerseite [1]
  2. a b c Jahresbericht 2010 (englisch) auf der Herstellerseite www.pfizer.com
  3. a b Ranks the world's largest pharmaceutical companies by global sales of prescription drugs, Pharm Exec's Top 50 Pharma Companies 2011
  4. a b Ausgewählte Marktinformationen zum Thema „Unternehmensranking im deutschen und internationalen Vergleich“, IMS: Einjahreszeitraum Juli 2010 bis Juni 2011
  5. [2] Pfizer Österreich
  6. [3] Pfizer Schweiz
  7. ein „grüner Leuchtturm“ in Freiburg, Olaf Völker, Badische Zeitung vom 5. Oktober 2009
  8. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,485781,00.html
  9. http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docid=106012
  10. Tests an Kindern in Nigeria: Weg frei für Pfizer-Prozess (Abgerufen am 30. Juni 2010)
  11. Financial Times vom 22. Januar 2007
  12. Sueddeutsche: Pfizer übernimmt Wyeth
  13. GlaxoSmithKline und Pfizer gründen Joint-Venture für HIV-Medizin
  14. Herstellerseite www.pfizer.de
  15. Pfizer nimmt Krebsmedikament Mylotarg vom US-Markt. Finanznachrichten.de, abgerufen am 22. Juni 2010
  16. [http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/4/0,3672,8085764,00.html
  17. Pfizers Versuche an Kindern in Nigeria;
    Hauke Goos: Das Labor der Weißen, Der Spiegel 46 (12. November 2007), S. 112–118.
  18. http://www.n-tv.de/wirtschaft/Pfizer-muss-sich-verantworten-article952161.html n-tv Artikel von 30. Juni 2010
  19. Nicole Perlroth: Pfizer’s Nigerian nightmare. Forbes Magazine (9. Dezember 2008), S. 66-68 [4]
  20. Joe Stephens. Where Profits and Lives hang in Balance. Washington Post (17. Dezember 2000 ); S. A01 [5]
  21. Nicole Perlroth: Pfizer’s Nigerian nightmare. Forbes Magazine (9. Dezember 2008), S. 66-68 ( http://www.forbes.com/forbes/2008/1208/066.html )
  22. Oluokun Ayorinde. Settlement On The Way. The News – Nigeria’s leading Newspaper ( 24.November 2008 ) [6]
  23. Washington Legal Foundation. Court Reinstates Tort Suit Alleging International Law Violation in Abdullahi v. Pfizer, Inc., ( 30. Januar 2009) pdf
  24. Heise (online)

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