Srivijaya

Srivijaya
Tempelberg von Borobudur, 9. Jh., buddhistische Anlage auf Java

Srivijaya, auch Sri Vijaya, Sriwijaya oder Shri Vijaya; war ein buddhistisches Handelsreich in Sumatra. Seine Vorherrschaft in der Region dauerte vom Ende des 7. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Handelsrouten im 12. Jahrhundert

Für die moderne Geschichtsschreibung entdeckt wurde dieser Staat erst 1918, als der französische Historiker George Coedès den Namen Sri Vijaya deutete und mit dem Sribuza und Sarbaya[1] der arabischen bzw. dem San-fo-tsi der chinesischen Quellen identifizierte[2].

Die Hauptstadt setzt man mit dem heutigen Palembang auf Sumatra gleich, d.h. sie liegt wahrscheinlich darunter begraben (Als Indiz dient der Fund einer großen Ganesha-Statue). Ihr Geflecht aus Klöstern, (z.T. öffentlichen) Parks, Märkten und Häfen wurde durch das Flusssystem des Musi begrenzt, der heilige Berg Sri Vijayas war wahrscheinlich der Bukit Seguntang.

Gegründet wurde Sri Vijaya wohl um 500, vielleicht anstelle von Kan-t'o-li oder einem anderen Vorgängerstaat. Ein Jahrhundert später sprachen chinesische Quellen von zwei Königreichen auf Sumatra: eines in Jambi und eines in Palembang, wobei Jambi vielleicht das bedeutendere Königreich war, da es eher Beziehungen nach China pflegte. Jambi wurde aber schon 686 von Sri Vijaya übernommen, wovon der Pilgermönch (Yì Jìng) Zeugnis ablegt.

Der Aufstieg des Staates war in der günstigen Lage Palembangs als Hafen bzw. Warenumschlagsplatz (Stoffe, Juwelen, Elfenbein, Elefanten, Rohsilber, Ambra, Kampfer, Gewürze, Edelhölzer) zwischen der Straße von Malakka und der Sundastraße begründet. Mit dem Monsun kamen Schiffe aus China, Indien und Arabien, so dass man hier von der Seidenstraße des Meeres spricht. Wichtig waren hierbei günstige Beziehungen nach China, so dass die Schiffe möglichst nicht in Kanton festgehalten, übervorteilt oder sogar ausgeraubt wurden.

Machthöhepunkt

Sri Vijaya dehnte ab der Mitte des 7. Jahrhunderts seinen Machtbereich aus. Zwischen 683 und 686 machte es unter König Jayanasa seinen Einfluss an der Sundastraße und in West-Java geltend. Von großer Bedeutung war dabei die Unterstützung der indonesischen Urbevölkerung, die unter dem Namen Orang Laut (Seefahrer) Piraterie betrieb, aber bei entsprechender Behandlung auch das Rückgrat der Flotte stellte.

Zwischen 702 und 724 schickte Sri Vijaya vier Gesandtschaften nach Tang-China. Bis 775 hatte es sein Herrschaftsgebiet auf die malaiische Halbinsel ausgedehnt und dabei 14 Stadtstaaten besetzt. Zu dem Zeitpunkt hätte es sowohl die Malakka- als auch die Sundastraße kontrollieren können. Aber die Javaner waren mit dem Piratenkönig Sanjaya (um 730) an der Spitze gefährliche Gegner. Erst 775 kam es zum Frieden. Man legte die gegenseitigen Beziehungen zu den gerade an die Macht gekommenen Sailendra-Königen Javas fest und festigte sie durch eine Heirat. Um 850 konnte sogar ein vertriebener Sailendra-Prinz namens Balaputra die Regierung in Sri Vijaya übernehmen, weil seine Mutter von dort stammte.

Da Sri Vijaya seinen Reichtum dem Handel verdankte, arrangierte es sich auch mit Song-China und erkannte dessen Kaiser formell als Oberherren an. 905 könnte sogar ein König Sri Vijayas selbst bei Hofe erschienen sein - der Besucher bekam den Titel "General, der fremde Länder befriedet" verliehen. Jedenfalls ersuchte der Maharaja/König Chulamanivarmadeva 992 erfolglos chinesische Unterstützung gegen die Javaner, als beide Staaten wegen Religions- und Handelsfragen wieder in einen Kriegszustand gerieten (990-1006). Sri Vijaya siegte mit der Eroberung der feindlichen Hauptstadt und 1030 festigte König Sangrama Vijayottungavarman den Frieden mit einer Heirat.

Kultur und Staat

Kulturell war das Königreich vom Buddhismus dominiert, auch noch, als der in Indien und im benachbarten Java bereits vom Hinduismus verdrängt wurde. Der chinesische Pilgermönch Yì Jìng besuchte es auf seiner Reise nach/von Indien (671/695). Er fand dort nicht weniger als 1000 Gelehrte internationaler Herkunft und eine ausgezeichnete Bibliothek vor bzw. ein buddhistisches Zentrum, das in ständigem Kontakt mit Nalanda stand. Der König Balaputra tätigte dort sogar Stiftungen, um sich zu legitimieren. Allerdings darf man den indischen Einfluss auch nicht überbewerten. Die Verkehrssprache (lingua franca) war wahrscheinlich Malaiisch, mit eingestreutem Sanskrit.

Neben dem bereits beschriebenen Handel und den damit verbundenen Handelssteuern stützte sich Sri Vijaya auch auf die Produktion von Luxus- und Bedarfsgütern, speziell Nipamatten, Schildpatt, Bienenwachs, aromatische Hölzer und Kampfer. Beim Sammeln der Naturprodukte nahm man ebenfalls die Dienste der hier Orang Asli (Waldbewohner) genannten indonesischen Urbevölkerung in Anspruch.

Das indische Erbe prägte die Gesetze, die Politik und die Religion des Staates Sri Vijaya, auch wenn er im Zuge des Handels ebenfalls chinesischen und später islamischen Einflüssen ausgesetzt war. Der Staatsaufbau ähnelte wie in Indien einer Fürstenpyramide mit einem System von Abhängigkeiten bzw. Treueverhältnissen. Wurde ein Kleinstaat angeschlossen, so behielt er seinen freien Handel, musste aber Tribut zahlen, Heiratsverbindungen eingehen und auf eigene Gesandtschaften verzichten.

Zerfall und Untergang

Das lockere Staatsgefüge erwies sich als Nachteil, als im 11. Jahrhundert mit den Chola-Königen auch Eroberer aus Südindien kamen. Die Chola attackierten Sri Vijaya 1017, 1025 und 1068 mit ihrer neugeschaffenen Flotte und konnten einige Gebiete an sich binden, obwohl ihnen nie an einer dauerhaften Herrschaft, sondern eher an der Ausschaltung der Handelskonkurrenz gelegen schien. In jedem Fall war der Angriff des Chola-Königs Rajendra I. 1025 ein Schock - 14 Häfen wurden geplündert und der Handel mit China stockte für einige Jahre, so dass die chinesischen Behörden sogar um den Handel bitten mussten.

Von da an begann der Abstieg Sri Vijayas, das unter dem Einfluss von Unabhängigkeitsbestrebungen und Piraterie zerfiel. Das erkennt man daran, dass nun abhängige Könige wie die von Kedah, Malayu bzw. Jambi und Kampe eigene Gesandtschaften schickten. Im 12. Jahrhundert stellten die Könige von Jambi auf Sumatra – und nicht mehr die im benachbarten Palembang – die Herren Sri Vijayas dar. Ein weiterer Abstiegs-Faktor war anscheinend die Zunahme des chinesischen Schiffsverkehrs zur Song-Zeit, der dem malaiischen Zwischenhandel bzw. Sri Vijaya Konkurrenz machte. Trotzdem besaß Sri Vijaya im frühen 13. Jahrhundert noch 15 Vasallen.

Der König von Singhasari auf Java, Kertanagra (reg. 1268–1292) eroberte bzw. übernahm um 1275-90 einen großen Teil des heutigen Indonesiens und beendete damit die Vormachtstellung Sri Vijayas. Das Königreich stand im folgenden Jahrhundert unter javanischer Oberhoheit, endete allerdings erst 1377 endgültig, als die Truppen von Majapahit Palembang eroberten. Vielleicht hat es auch noch etwas länger fortbestanden, denn ein rebellischer Prinz aus Sri Vijaya nahm 1414 den Islam an und gründete Malakka.

Die bekannten Könige bis zum 11. Jahrhundert

  • 682/95 Jaya-nasa
  • 702/24 Sri Indra-varman
  • 728/42 Rudra Vikkama
  • ca. 775 Dharmasetu
  • 832-60 Balaputra-deva
  • 960/62 Sri Udayaditya
  • 980/83 Haji
  • 1003/05 Sri Culamani Varma-deva
  • 1017 Haji Sumatra-bhumi
  • 1024/30 Sri Sangramu Vijayottunga-varman
  • 1064 Dharmavira

Literatur

  • Hermann Kulke: Srivijaja - Ein Großreich oder die Hanse des Ostens?, in: Stephan Conermann (Hrsg.): Der Indische Ozean in historischer Perspektive. EB-Verlag, Hamburg 1998 (= Asien und Afrika 1), S. 57-89, ISBN 3-930826-44-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Edward Dillon: Porcelain. London 1904, S. 210
  2. G. Cœdès: Le royaume de Çrivijaya. Bulletin de l'École Francaise d'Extrème Orient (Hanoi). XVIII (1918), H. 6, 1-36

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