Baselerconcil

Baselerconcil, das, wurde 1431 eröffnet, um die Reformation an Haupt und Gliedern zu vollenden, welche in Pisa u. Konstanz unvollendet geblieben, doch fügte es sich so, daß die Hauptarbeit des B. sich auf die Versöhnung der Hussiten beschränkte. Martin V. hatte noch das Concil berufen und den ausgezeichneten Cardinal Cäsarini zum Präsidenten desselben bestimmt. allein Eugen IV. betrachtete die Vereinigung mit der griech. Kirche als Hauptaufgabe der Zeit und stellte das B. in Folge übertriebener Berichte von Unruhen in und um Basel ein, um ein Concil in seine Nähe zu berufen. Das B. nahm aber die Grundsätze von Konstanz wieder auf. Eugen IV mußte auf die Verlegung verzichten, der Geist des Mißtrauens war damit geweckt und blieb thätig, obwohl die Schrift des Nikolaus Kusanus: »concordia catholica« beweist, daß das protestant. Prinzip der Subjektivität keine bewußte Herrschaft in der Baseler Versammlung ausübte. – Seit der letzten argen Niederlage bei Tauß verzweifelte Sigismund am Erfolg der Waffen gegen die Hussiten, die Väter zu Basel verfuhren versöhnlich und dies blieb nicht ohne Wirkung 1433 im Sommer erschien der große Prokop selbst in Basel, der Friede ward eingeleitet u. noch vor Ende des Jahres durch die Prager Compaktaten in 4 Artikeln geschlossen. Eine versöhnende Erklärung des Papstes veranlaßte einer Wortstreit der allzu mißtrauischen Väter und Eugen beendigte denselben, indem er eine Anerkennungsformel des B. unterzeichnete. In der 20. und 21. Sitzung wurden die Bestimmungen gegen Concubinat der Priester verschärft, Interdikt und Excommunication beschränkt, Annaten und Sporteln für Kirchenämter und verschiedene Mißbräuche beseitiget. Nicht sowohl die Bestimmungen der 23. Sitzung über päpstliche Reservationen u. Wahl der Päpste, sondern die Griechensache brachte neue Zwietracht zwischen Eugen IV. und das B. Der Papst berief, um das Einigungswerk mit der griech. Kirche zu Stande zu bringen, das Concil nach Ferrara, die Mehrheit der Väter in Basel wollte es in Basel oder in einer savoieschen Stadt, oder in Avignon vollziehen, des Papstes Gesandte eilten denen des Concils nach Konstantinopel voraus; die Minderheit der Baseler, darunter die intelligentesten Köpfe, zog nach Italien, die zurückbleibende Mehrheit aber suspendirte in der 31. Sitzung Eugen IV. und bedachte nicht, daß die Christenheit nichts ärger als ein neues Schisma scheue. Zwar erklärten sich die deutschen Fürsten neutral und nahmen 1439 zu Mainz frühere Dekrete an, eine französische Synode that ähnliches, doch Alles wünschte Versöhnung des B. mit dem Papste. Statt dessen überstürzten sich die Väter, indem sie den Grundsatz der Stellung eines Concils über dem Papste in 8 Artikeln als Glaubenssatz aufstellten. Dadurch verloren sie ihre moralische Macht bei Fürsten und Völkern, neue Stürme und Spaltungen kamen unter sie, doch der starrsinnigen. beredte Allemand (s. d. Art.) riß alle mit sich und 1439 wurde in der 34. Sitzung Eugens IV. Absetzung ausgesprochen. Herzog Amadeus von Savoien, ein Laie und Einsiedler, wurde vom B. gewählt als Felix V., aber nur von wenigen Fürsten, Städten und Universitäten anerkannt. Unter ihm tagte das aufgelöste Concil in Basel fort, und in Florenz saß das allgemeine Concil mit Eugen IV. an der Spitze. Letzteres hatte sich bereits den Ruhm einer Vereinigung mit den Griechen erworben und stieg im Ansehen, je mehr jenes sank. Fürsten-Congresse sollten 1439–1442 der Kirche helfen. Eugen IV. gewann Kaiser Friedrichs III. Freundschaft, hingegen verloren die Baseler allmälig ihre Gönner; 1442 zog sich Felix V. »aus Gesundheitsrücksichten« nach Lausanne zurück, das B. wurde vertagt – aber Eugen IV. bannte es und setzte allzurasch die Kurfürsten von Mainz u. Trier als die thätigsten Mitlieder desselben ab. Gegen die Absetzung erhoben sich sofort die deutschen Fürsten und zumeist nur durch Aeneas Sylvius Vermittlertalent wurde der ganze Streit 1446 durch das Fürsten- oder Wienerconcordat (bisher gemeiniglich Aschaffenburger Concordat genannt) auf eine Weise gelöst, die außer den Baselern alle Parteien befriedigte. Eugen IV. genehmigte 1447 sterbend den Vertrag, der allein stehende Felix V. entsagte seiner Würde, der Rest der Baseler, der mit ihm nach Lausanne gegangen, wählte den bereits gewählten Papst Nikolaus V. ebenfalls und zerstreute sich 1449 allmälig, Nikolaus V. Amnestie annehmend.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Ferrara-Florenz — Ferrara Florenz, das Concil von, ward am 8. Januar 1438 eröffnet, namentlich um Eugens IV. Lieblingswunsch: Vereinigung mit den Griechen zu Stande zu bringen und von letzteren, deren Kaiser zu Venedig von Cäsarini feierlich empfangen wurde,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Pius — (lat. = der Fromme), Name von 9 Päpsten. – P. I., gebürtig aus Aquileja, ein Bruder des Hermas (s.d.) und Zeitgenosse des Justin, Papst 142–157, benützte die Ruhe unter Antoninus P., um energisch gegen die Gnostiker Marcion u. Valentin… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Cardinal [1] — Cardinal. Cardinäle (von cardines, die Thürangeln) hießen ursprünglich alle an Hauptkirchen angestellten Geistlichen, allmälig nur die an den Hauptkirchen in Rom selbst angestellten Prälaten, welche den ständigen Senat des Papstes in der höchsten …   Herders Conversations-Lexikon

  • Clarissinen — Clarissinen, der Orden der, ordo S. clarae, wurde von der 1193 zu Assisi geb. hl. Clara gestiftet, einer Schülerin und Geistesverwandtin des hl. Franziscus, welche 1212 dem vornehmen elterlichen Hause und damit einer Heirath entfloh, allem… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Eselsfeste — Eselsfeste, wurden im Mittelalter zu Ehren der Esel, welche die hl. Familie nach Aegypten oder Christum nach Jerusalem hineintrugen, besonders vom franz. Volke gefeiert. Sie arteten bald in unpassende Schwänke aus und verschwanden trotz dem… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Eugen [2] — Eugen, Namen von 4 Päpsten. – E. J., ein Römer, wurde der Nachfolger des verbannten hl. Martin 654, wenig bekannt, nach seinem Tode 657 als Heiliger verehrt. – E. II., ein 824 erwählter Römer, traf mit Ludwigs d. Fr. Sohn und Mitkaiser Lothar… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Felix — Felix, Name von 5 Päpsten. F. I., wurde wahrscheinlich 269 Papst und durch Aurelian 274 Martyrer. – F. II., soll 355 durch die arianische Partei des Kaisers Constantius Papst geworden sein. Nach dem liber pontificalis sowie laut einer 1582… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Gallikanische Kirche — Gallikanische Kirche, könnte man die franz. heißen, insofern Charakter u. Geschichte des Volkes wie überall auf kirchl. Gewohnheiten und Gebräuche Einfluß ausübten, allein gewöhnlich versteht man unter g. K. den Inbegriff der sog. Freiheiten,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Heimburg — Heimburg, Gregor von, ein durch seine Feindseligkeit gegen die Kirche sowie durch seine Grobheit berühmter Vorläufer der Reformatoren im 15. Jahrh., wurde wahrscheinlich zu Würzburg geb., war auf dem Baselerconcil Sekretär des Aeneas Silvius u.… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Hussiten — Hussiten, die meist tschechischen Anhänger Hussens in Böhmen, die nach seinem Tode rasch zur überwiegend starken Partei heranwuchsen, das von ihm und 1417 von der Prager Universität empfohlene Abendmahl unter beiderlei Gestalt, den Laienkelch zu… …   Herders Conversations-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”