Berberei

Berberei, die Küstenstaaten des nördl. Afrika mit Ausschluß Aegyptens, vom Mittelmeere bis an die Sahara reichend. Sie ist von dem Atlas in mehrfachen Längenzügen von West nach Ost durchzogen, diese selbst durch viele Querthäler gespalten, so daß das Terrain sehr zerrissen erscheint. Große Flüsse können sich bei dem mit dem Gebirge parallelen Laufe des Meeres und der Wüste nicht bilden; sie sind Küstenflüsse oder verrinnen im Sande der Wüste oder in einem der vielen Salzseen. Das Klima ist nach der Erhebung des Bodens sehr verschieden; das Gebirge kennt Winterkälte und Schneestürme und selbst das tiefer liegende Land hat oft empfindlichen Temperaturwechsel; im Ganzen ist es der Uebergang von dem gemäßigten Klima zum tropischen; Weizen und Weintraube gedeihen neben den Südfrüchten, der Baumwolle und Dattelpalme; letztere ist besonders auf den Oasen am Wüstenrand sehr zahlreich und wird von den Einwohnern sehr sorgfältig und verständig gepflegt. Dasselbe Verhältniß zeigt die Thierwelt; Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Kameel, Eber u.s.w. leben neben Löwen, Panther, Schakal, Hyäne und Affen. Der metallische Reichthum des Atlas ist noch nicht bekannt, scheint jedoch nicht sehr bedeutend zu sein. Die Ureinwohner, die Berbern, von welchen das Land den Namen hat, bewohnen besonders das Gebirge; in den Städten ist die maurische Bevölkerung vorherrschend, in den Ebenen die eingewanderte arabische; im Gebiete von Algier nimmt seit 1830 die europ. Bevölkerung jährlich mehr zu. Im Alterthum siedelten sich um das Jahr 900 v. Chr. bereits Phönicier an. Die eine Kolonie derselben, Karthago, bedeckte die Küste mit einigen hundert Töchterstädten und brachte den Numidiern und Mauren ihre Cultur; an der Gränze gegen Aegypten gründeten die Griechen die 5 Städte in der Cyrenaika. Im letzten Jahrh. v. Chr. traten die Römer ein und dies in solcher Anzahl, daß die latein. Sprache die herrschende wurde. Damals war Nordafrika so angebaut, daß es für Rom eine Kornkammer wurde; die zahlreichen und großartigen Ruinen, die sich überall diesseits des Atlas finden, zeugen für die Menge und Größe der Städte. Das Christenthum verbreitete sich sehr schnell und die afrikan. Kirche hatte 400 Bisthümer und Kirchenväter wie St. Cyprian und St. Augustin. Nach der Theilung des röm. Reichs zählte die B. zu dem abendländ. Reiche; 429 n. Chr. wurde sie von den Vandalen erobert, welche 533 von dem byzantin. Feldherrn Belisar unterworfen wurden. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts drangen die Araber ein, eroberten außer dem Gebirge alles Land, bevölkerten die Ebenen mit ihren Stämmen und vernichteten das Christenthum bis auf die letzte Spur. Von dem Khalifate trennte sich die B. frühe und in Tripolis, Tunis, Algier und Marokko herrschten periodische und theilweise glänzende Dynastien. Als die osman. Türken die Uebermacht am östl. Mittelmeere errangen, erstreckte sich ihr Einfluß bis Algier; sie vernichteten die kleinen Dynastien und so bildeten sich die sogen. Barbareskenstaaten, die den europ. Ländern am Mittelmeere so gefährlich wurden. Es ist indessen nicht zu leugnen, daß die Christen durch ihren Haß gegen die Moslemin, namentlich aber durch die Ritterorden der Johanniter, später Rhodiser und Maltheser, welche ihrem Gelübde gemäß gegen die Moslemin einen immerwährenden Krieg führen mußten, die sogenannten Barbaresken in beständiger Feindschaft erhielten und ihnen Seeraub und Sklavenjägerei zur Gewohnheit machen mußten. Mit der Herrschaft der Franzosen über Algier und dem einstweiligen Uebergewicht der Europäer über Aegypten scheint für Nordafrika eine neue Epoche angefangen zu haben.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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  • Berberei — bezeichnete vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert die nordafrikanischen Territorien des Maghreb zwischen Marokko und Ägypten.[1] Im Zuge der Kolonialisierung dieser Gebiete durch europäische Mächte (z. B. Frankreich) setzten sich die Bezeichnung …   Deutsch Wikipedia

  • Berberei — Berberei, nördlichster Theil Afrikas, zwischen dem Atlantischen u. Mittelmeere (bisweilen Barbarisches Meer genannt), Ägypten u. der Sahara, umfaßt bei einem Flächengehalt von 32,000 QM. die Reiche Marokko, Algier, Tunis, Tripolis. Der Name B.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Berberei — Berberei, der nordwestliche Teil von Afrika zwischen Mittelmeer und Sahara (s. Karte »Algerien etc.«), begreift Marokko, Algerien, Tunis und Tripolis (s. diese Artikel) und trägt seinen Namen von den das Land vorwiegend bewohnenden Berbern (s.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Berberei — Berberei, der vorwiegend von Berbern bevölkerte nordwestl. Teil von Afrika zwischen dem Mittelmeer und der Sahara: Marokko, Algerien, Tunesien, Tripolis. Als im 16. Jahrh. die Osmanen diese Gebiete unterworfen und den Seeraub vollständig… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Berberei — Ber|be|rei, die; (alter Name für die Küstenländer im westlichen Nordafrika) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Afrika [1] — Afrika (gesch. Geogr.) I. In der alten Zeit wurde der Erdtheil, welcher jetzt A. heißt, nach der Eintheilung der Erde in 2 Erdtheile bald zu Europa, bald zu Asien gerechnet, u. gewöhnlich der Nil als die Grenze angenommen. Der Name A. kam erst… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Mauren — Mauren, eines der den Nordrand Afrikas (die Berberei) bewohnenden Völker, die ihren Namen von den alten Mauren od. Maurusiern, den Bewohnern des alten Mauritanien (s.d.), übernommen haben, ohne deren echte Nachkommen zu sein. Denn während die… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tunis [1] — Tunis, 1) Staat der Berberei in Afrika, grenzt nördlich u. östlich an das Mittelmeer, westlich an Algier, südlich an Tripolis; hat 125 Meilen Küste u. 3700 QM. Flächengehalt. Die Beschaffenheit des Küstensaumes ist östlich vorherrschend stach,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Barbaresken — Barbaresken, Einwohner der Berberei; die die Berberei bildenden Staaten heißen Barbareskenflaaten u. sind Algier, Tunis u. Tripolis …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Löwe [1] — Löwe (Felis leo L.), Raubtier aus der Familie und der Gattung der Katzen, hat einen kurzen, gedrungenen Körper, kurze, glatt anliegende, einfarbige Behaarung, eine ansehnliche Mähne um Hals und Vorderbrust des männlichen Tieres, breites Gesicht… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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