Pixis, Francilla

Pixis, Francilla. Diese Sängerin, obschon noch in der ersten Jugendblüthe, fast noch im Beginne ihrer artistischen Laufbahn, ist doch bereits eine europäische Erscheinung geworden, deren mächtiger Zauber allein in dem Grundbedingniß aller Poesie, in der Wesenheit jeder echten Kunstweihe, in der Seele liegt. Diese Seele spiegelt sich eben so wohl in Francilla's Augen, wenn sie die Begeisterung überhaucht, als in den wundersamen Tönen aus der tiefempfindenden Brust, welcher die Nachtigallen ihren Schmelz verliehen zu haben scheinen. Mit jedem Tone verschönt, veredelt sich diese Gestalt, dieses Antlitz, man lernt hier fühlen, was Gesang ist, man lernt begreifen, welche unerklärliche Macht in der Menschenstimme liegt! – Als seelenvolle Sängerin trägt vielleicht Francilla unter den Zeitgenossinnen den ersten Kranz. Paris, London und das ganze musikal. Deutschland haben dieß anerkannt. Ihr Familienname ist Francisca Göringer, ihr Geburtsort Lichtenthal, ein Dorf bei Baden-Baden, wo sie im December 1816 in's Dasein trat. Der berühmte Componist und Virtuose, Professor Pixis, befand sich 1829 in Baden und hörte zufällig die starke und wohllautende Naturstimme Francisca's. Als ein Kenner ahnte er den funkelnden Edelstein unter der rauhen Hülle. Er machte die verständigen Eltern verantwortlich für die Ausbildung des Talentes ihrer Tochter, und so kam ein Uebereinkommen zu Stande, dem zu Folge Prof. Pixis die künstlerische Ausbildung des Kindes übernahm und Vaterrechte über sie erhielt. Er nahm von da an seine Adoptivtochter mit nach Paris, wo ihr Studium begann. Es bleibt ungewiß: soll man mehr die Unterrichtskunst des Lehrers, oder die Auffassungsgabe des Kindes bewundern! Francilla machte die erstaunlichsten Fortschritte, und Mad. Malibran, Gräfin Rossi, geborne Sonntag etc., übernahmen mit edler Bereitwilligkeit einen Theil der Ausbildung des seltenen Talentes. Schon 1831 war diese so weit gediehen, daß die junge Künstlerin in Begleitung ihres Adoptivvaters eine größere Kunstreise unternehmen konnte. Was seitdem Francilla geworden, welche Blumenkränze und Kronen sie erworben, das melden die Zeitblätter. Rein gebildet in jedem Genre der Musik, ist sie gleich ausgezeichnet als Concert-wie als dramatische Sängerin. Noch ist in London der Enthusiasmus im frischen Andenken, den sie vor dem Publikum, und namentlich bei Hof durch den Vortrag der 3 allemannischen Volkslieder mit Variationen von Pixis (oeuvre 123, Lpz. Hofmeister) erregt. Den Winter 1836–37 brachte sie wieder in Paris zu.

–n.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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