360°

360° – Das studentische Journal für Politik und Gesellschaft ist ein halbjährlich erscheinendes gesellschaftswissenschaftliches Journal, das 2005 von der gleichnamigen interdisziplinären Studierendeninitiative gegründet wurde. Herausgeber ist der als gemeinnützig anerkannte dreihundertsechziggrad e. V. mit Sitz in Münster. Als bundesweite Studierendeninitiative ist er dezentral organisiert, mit größeren Redaktionsgruppen in Berlin, Bremen, Freiburg, Hamburg, Marburg und Mitarbeitern an rund 20 weiteren Universitätsstandorten.[1] Alle Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig.

Der Vereinsvorstand sitzt zurzeit in Marburg, die Chefredaktion hat von Hamburg nach Berlin gewechselt (Stand 1. Halbjahr 2009). Die Zeitschrift erscheint in einer Auflage von 3.600 Exemplaren und wird neben der eigenen Website und Verkaufsstellen an den Universitäten von polisphere über den regulären Buchhandel vertrieben. Je Exemplar wird eine Schutzgebühr von 3,60 € erhoben.[1]

Inhaltsverzeichnis

Editorisches Konzept

Textausschreibung

Vom Modell US-amerikanischer Law Reviews inspiriert, veröffentlicht 360° wissenschaftliche Artikel und Essays von Studierenden nach dem Ausschreibungsprinzip. Unter dem Leitthema der jeweilig geplanten Ausgabe ruft die Redaktion zur Einsendung von Typoskripten auf, die auch „nicht genannte[n] Aspekt[e der Ausschreibung] ausleuchten und in Randbereiche vorstoßen“ dürfen. Die Redaktion ist „für außergewöhnliche Interpretationen des Ausschreibungsthemas und ganz spezielle Untersuchungsansätze nicht nur offen, sondern wünscht sich diese ausdrücklich“.[2]

Fotoausschreibung

Seit 2007 ruft die Bildredaktion auch zur Einsendung von themenbezogenen Fotostrecken auf. 360° hat seitdem auch international ausgezeichnete studentische Fotoarbeiten erstveröffentlicht, unter anderem Gewinnerarbeiten des Canon ProfiFoto Förderpreises, der PGB Photo Awards oder des Deutschen Jugenfotopreises.[3][4][5] Die Fotostrecke „Kashmir – Valley of tears“ aus der Ausgabe 1/2009 ist außerdem beim Sony World Photography Award 2009 und bei den New York Photo Awards 2009 nominiert.[6]

Redaktionelle und Gastbeiträge

Die Redaktion rollt die Schwerpunkte jeder Ausgabe in einem Grundlagenartikel, dem „Aufschlag“ auf. Beim „Nachschlag“ werden Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und von Forschungs- und Lehreinrichtungen weltweit um prägnante Statements zu einer das Titelthema zuspitzenden Frage gebeten. Neben den Beiträgen der Studierenden besprechen ein, höchstens zwei Gastautoren ausgewählte Aspekte des Themas aus Forschungs- und oder Lehrsicht. Im Experteninterview der jeweiligen Ausgabe werden Begriffe, Kontexte und dahinterliegende Zusammenhänge hinterfragt. Interviewt wurden bisher Gudrun Wacker, Dieter Oberndörfer, Gesine Schwan, Karl-Rudolf Korte, Ulrich Herbert, Hans Joachim Gießmann und Susanne Buckley-Zistel.[7] Ein Glossar erklärt zentrale und kontextbezogen missverständliche Begriffe aus den Fachgebieten der jeweiligen Redakteure, Autoren oder Interviewpartner.

Auf der 360°-Website sind der Grundlagenartikel der jeweiligen Ausgabe, die Experteninterviews sowie je nach Ausgabe weitere Inhalte zum kostenlosen Download verfügbar. Artikel, die aus heftdramaturgischen oder Platzgründen nicht in die jeweilige Ausgabe aufgenommen werden können, ergänzen die Printausgabe als Online-Supplement.

Selbstverständnis

360° versteht sich als Schnittfläche von Hochschule und Öffentlichkeit. Das Journal will das wissenschaftliche Potenzial von Studierenden über die Grenzen der Universität hinaus zugänglich machen und dabei nicht bei der schlichten Reproduktion einschlägiger Lehrmeinungen stehenbleiben. Von studierender Seite aus soll einen Beitrag zum gesellschaftspolitischen Diskurs über nachwirkend aktuelle Themen geleistet werden. Der Redaktion ist dabei an der Präsentation relevanter Erkenntnisse gelegen, die den Lesern nützlich sind und über schlichte Information hinausgehen.

Inhaltliche Ausrichtung

Das editorische Konzept richtet sich nach der Überzeugung, dass die Expertise der einzelnen Wissenschaften und Fachbereiche in einen Gesamtkontext überführt werden muss, um soziale Phänomene verstehen und erklären zu können. 360°-Autoren sollen die Bandbreite des Themenspektrums der jeweiligen Ausgabe, aber auch die Bandbreite des möglichen und sinnvollen wissenschaftlichen Zugangs lesbar machen. Leser ohne spezifische Fachkenntnisse sollen im Journal veröffentlichte Texte verstehen und abgebildete Prozesse nachvollziehen können. Die anvisierte Leserschaft reicht deshalb von Oberstufenschülern über Studenten aller Fachrichtungen bis hin zu Lesern im Post-Doktoranden-Alter.

Gestalterische Ausrichtung

Um eine bestmögliche Vermittlung der Inhalte zu erreichen, verfolgt 360° einen journalistischen Grundsätzen folgenden Schreibstil. Von den wissenschaftlichen Texten wird gefordert, die Lesemotivation fachunkundiger Leser bei der Aufbereitung im Blick zu haben und den Text auch dramaturgisch zu prüfen. 360° arbeitet dabei für wissenschaftliche Journale ungewöhnlich mit textstilistischer, fotografischer und illustrativer Gestaltung, wie man sie vornehmlich von Publikumszeitschriften, Special-Interest-Titeln und Nachrichtenmagazinen kennt. Gleichwohl verlangt die Redaktion bei allen Einsendungen Quellenangaben und Abstracts, die wie in wissenschaftlichen Zeitschriften üblich ebenfalls im Heft veröffentlicht werden.

Transdisziplinarität

Das Spektrum der angesprochenen Disziplinen ist ausdrücklich nicht auf die Sozialwissenschaften beschränkt. Jede zielführende Perspektive ist im Rahmen des Ausgabenthemas willkommen. Studierende ausdrücklich aller akademischen Disziplinen sind aufgerufen, dem Call for Student Papers zur jeweiligen Ausgabe mit thematisch relevanten Texten zu folgen. Einreichungen in englischer Sprache sind möglich.[8] Der Umgang mit graphischer Gestaltung, Illustration und Fotografie trägt diesem Verständnis Rechnung.

Auswahlverfahren und Lektoratsprozess

Von den eingereichten Beiträgen wird lediglich eine Auswahl fundierter und argumentativ stringenter Arbeiten in Artikel und Essays konvertiert. 360° veröffentlicht im Gegensatz zu anderen studentischen Fachzeitschriften keine Seminararbeiten oder unbearbeitete Auszüge aus Seminar- oder Abschlussarbeiten. Bereits vor der Einsendung müssen die Autoren ihre Texte entsprechend der Autorenrichtlinien des Journals aufbereiten.[9] Nach Bewerbungsschluss wählt die Redaktion aus den Einsendungen die Beiträge aus, die für eine Veröffentlichung in Frage kommen.

Im Lektoratsprozess wird jeder Text von Autor und Redaktion bis zur Publikationsreife aufbereitet. Zwischen den Lektoratsphasen wird der Text zusätzlich mindestens einem, in der Regel zwei Dozenten oder hochschulexternen Wissenschaftlern anonym zur Begutachtung vorgelegt. Beiträge von Gastautoren werden von der Redaktion in einem vereinfachten Lektoratsprozess ebenfalls gemeinsam mit dem Autor diskutiert und aufbereitet, um gerade auch anerkannte Experten von studentischer Seite kritisch zu würdigen und Autorität als Argument nicht gelten zu lassen. Auch innerhalb der Redaktion wird, etwa beim Grundlagenartikel des jeweiligen Themenhefts, nach dem Autor-Lektor-Prinzip gearbeitet.

Wissenschaftlicher Beirat

Der wissenschaftliche Beirat setzt sich aus ausgewählten Professoren, Dozenten und hochschulexternen Wissenschaftlern zusammen. Die Beiratsmitglieder begutachten die eingereichten Beiträge der studentischen Autoren nach der ersten Lektoratsphase und unterstützen die Redaktion außerdem in Sachfragen. Dem interdisziplinären Gedanken des Journals folgend werden die eingereichten Beiträge nicht durchgängig Beiratsmitgliedern vorgelegt, die im Fachgebiet des jeweiligen Autors tätig sind.

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Mediadaten (PDF) auf der 360°-Website.
  2. 360°-Website: Häufig gestelle Fragen
  3. 360°-Ausgabe 2/2007, S. 62
  4. 360°-Ausgabe 2/2008, S. 36ff.
  5. 360°-Ausgabe 1/2009, S. 62ff.
  6. Website des Fotografen Andy Spyra
  7. 360°-Website: Ausgabenübersicht
  8. 360°-Website: Häufig gestellte Fragen
  9. 360°-Website: Autor werden

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