Aston Martin Virage
Aston Martin
Aston Martin Virage Saloon

Aston Martin Virage Saloon

Virage
Hersteller: Aston Martin
Produktionszeitraum: 1989–2000
Klasse: Gran Turismo
Karosserieversionen: Coupé, zweitürig 2+2
Cabrio („Volante“), zweitürig 2+2
Motoren: 5,3 Liter V8-Ottomotor
Länge: 4735 mm
Breite: 1855 mm
Höhe: 1320 mm
Radstand: 2610 mm
Leergewicht: ab 1790 kg
Vorgängermodell: Aston Martin V8
Nachfolgemodell: Aston Martin V12 Vanquish

Der Virage war Aston Martins Nachfolger für die in die Jahre gekommenen V8-Modelle. Die Baureihe wurde 1988 vorgestellt und im Jahre 1993 um den Hochleistungssportwagen Vantage ergänzt. 1996 wurde die Baureihe nach einem Facelift in V8 umbenannt.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung des Virage begann im Frühjahr 1986. Mit der Gestaltung der Karosserie wurden fünf Designer unabhängig voneinander beauftragt; unter ihnen war wiederum William Towns, der bereits den Aston Martin V8 gestaltet hatte. Den Zuschlag erhielt im Oktober 1986 allerdings der Entwurf von John Heffernan und Ken Greenley vom Royal College of Arts. Das Design war bei der Vorstellung frisch und modern. Die Linien erinnerten weit mehr an den Lagonda als an den Vorgänger V8, den er ersetzte. Gleichwohl zitierten Heffernan und Greenley zahlreiche klassische Details, darunter die Form des in der Fahrzeugmitte angehobenen Kühlergrills und die in ein Stufenheck mündende, stark abfallende Dachlinie des DB5. Der Innenraum war gänzlich eigenständig; das Armaturenbrett hatte keinerlei Ähnlichkeiten mehr mit der Ausführung des Vorgängers.

Um Kosten zu sparen, kamen viele Teile wie bereits bei früheren Modellen von anderen Herstellern. Die Heckleuchten sind Teile des VW Scirocco der zweiten Serie. Die Frontscheinwerfer stammen vom bis 1991 gebauten Audi 200 C3.[1] General Motors, Jaguar und Ford steuerten Lenksäule, Klimaanlage und Schalter am Armaturenbrett bei.

Die technischen Entwicklungen wurden weitgehend bei Aston Martin selbst durchgeführt. Als technische Basis wurde das Fahrgestell des Aston Martin Lagonda S2 verwendet, das verkürzt und mit einer modifizierten Aufhängung versehen wurde. Das Fahrwerk ähnelte dem des Lagonda mit De-Dion-Hinterachse und einer Doppelquerlenker-Aufhängung vorne.

Die Entwicklung der Motorisierung erfolgte allerdings bei Callaway Cars in Connecticut. Dort wurde ein neuer Vierventilkopf für den klassischen Achtzylinder entwickelt. Das Triebwerk wurde zudem an die neuesten Abgasbestimmungen angepasst.

Die Name des neuen Autos wurde in einem Wettbewerb gefunden, den Aston Martin in der Belegschaft und unter den Mitgliedern des Aston Martin Owners Clubs durchgeführt hatte. Der letztlich erfolgreiche Vorschlag Virage - französisch für Kurve - ging auf den Firmenchef Victor Gauntlett zurück.

Ausführungen

Das Basismodell, das Virage Coupé, wurde auf der Birmingham Motor Show im Oktober 1988 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das erste Fahrzeug wurde allerdings erst im Januar 1990 ausgeliefert. Im Laufe der Jahre entwickelte Aston Martin eine Reihe von Abwandlungen dieses Modells.

Virage

Heckpartie des Aston Martin Virage: Mit Rückleuchten des VW Scirocco

Die Modelle mit dem 5,3-Liter-V8-Motor waren die Topmodelle der Marke, die ihre Modellpalette 1994 mit dem DB7 abrundete, der zunächst mit einem Sechszylindermotor ausgestattet wurde. Obwohl der DB7 später einen V12-Motor erhielt und damit der potentere Aston Martin war, blieben die handgefertigten V8-Modelle die exklusiveren und teureren Spitzenfahrzeuge. Nach elf Jahren Bauzeit wurde die Baureihe 2000 nach insgesamt 1050 gebauten Fahrzeugen eingestellt. Es folgte der Vanquish als neues Topmodell, während der Name V8 Vantage seit 2005 vom neuen Einsteiger-Aston geführt wird.

Der Virage war ein großes und schweres Auto, doch der Vierventil-V8 mit 5,3 Litern Hubraum und 475 Nm Drehmoment ermöglichte respektable Fahrleistungen. Beschleunigung und Fahrverhalten wurden ebenso gelobt wie das Ansprechverhalten des 246 kW (330 PS) starken Motors. Das 1790 kg schwere Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 254 km/h. Bis 1995 wurden 365 Virage hergestellt.

Virage Volante

Cabrioletversion Virage Volante

Das Cabriolet zur Baureihe wurde traditionell mit dem Zusatz Volante geführt. Es wurde 1992 zunächst als Zweisitzer vorgestellt. In der Produktion wurde jedoch schließlich auf die klassische 2+2-Anordnung gewechselt. Bis zur Ablösung des Virage Volante durch den optisch modernisierten V8 Volante 1998 wurden 233 Fahrzeuge gebaut. Bei den letzten 11 Fahrzeugen wurde schon der 95er-Serie-Motor des Nachfolgemodells V8 Coupe und LWB Volante eingebaut. Die Leistung erhöhte sich dadurch auf 260 kW (354 PS) und die Dreistufenautomatik wurde bei diesem Modell durch eine Vierstufenautomatik mit Overdrive ersetzt.

Vantage und V8 Coupé

Aston Martin V8 Coupé
Aston Martin Vantage LeMans

Wie bei vielen anderen Aston Martins wurde die leistungsstärkste Version als Vantage bezeichnet. Nach der Präsentation 1992 wurde der Vantage zwischen 1993 und 2000 insgesamt 280 mal gebaut. Wie schon oft zuvor war der Vantage zum Schluss die einzige Variante. Tatsächlich war der ab 1996 als Nachfolger des Virage angebotene V8 Coupé ein Vantage mit anderem Motor, 101 Exemplare wurden gebaut.

Das Design des Vantage war deutlich aggressiver und moderner. Lediglich die Türen und die Dachpartie entsprachen denen des Virage. Insgesamt war er breiter, wirkte tiefer und erhielt vier runde Heckleuchten. Die Frontscheinwerfer waren eigenständig. Wie der 6,3 Liter Works Service bekam der Vantage innenbelüftete Bremsscheiben mit 362 mm Durchmesser.

Während der normale V8 die Leistungen des Virage übernahm, wurde der Motor bei der Vantageversion sehr verändert. Der 5,3 Liter-V8 leistete mit zwei Eaton-Kompressoren 410 kW (550 PS) und 746 Nm. Diese Leistungsdaten ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h bei einer Beschleunigung von 4,6 s von 0 auf 100 km/h. Später war es gegen Aufpreis möglich, den Ladedruck in einem Vantagemodell nochmals erhöhen zu lassen, so dass die Motoren 447 kW (600 PS) leisteten. Diese Autos wurden als V600 bezeichnet.

Die letzten 40 gebauten Vantages wurden mit dem Zusatz Le Mans in Gedenken an den 40. Jahrestag des Siegs von Aston Martin beim 24-h-Rennen verkauft. Wie die Vantage-Versionen des Aston Martin V8 besaßen sie einen weitgehend geschlossenen Kühlergrill.

Works Service

Ab Januar 1992 bot Aston Martin einen Umbau zum Virage 6,3 an. Wie der Name bereits andeutet, beinhalteten die Veränderungen einen auf 6,3 Liter vergrößerten Hubraum. Der Motor lieferte in dieser Ausführung 373 kW (500 PS) bei 6000/min und 651 Nm bei 5800/min, was dem Fahrzeug zu einer Höchstgeschwindigkeit von 282 km/h verhalf. Weitere Modifikationen beinhalteten größere, innenbelüftete Bremsscheiben und 18 Zoll-Felgen, breitere Kotflügel, tiefere Schweller sowie geänderte Lufteinlässe. Die Bremsscheiben mit 362 mm waren lange Zeit die größten in einem Personenwagen.

Des Weiteren entwickelte der Works Service einen V8 Vantage Volante, von dem neun Exemplare die Werkshallen verließen.

Weitere Karosserieversionen

Virage Shooting Brake

Die Werksversion

Vom Virage wurde, einer alten Tradition folgend, vorübergehend auch eine Shooting Brake-Version angeboten, d.h. ein zweitüriger Kombiwagen mit Heckklappe. Im Gegensatz zu früheren Modellen der Baureihen DB5, DB6 und DBS wurden die Umbauten nicht in externen Karosseriebaubetrieben durchgeführt, sondern im Werk selbst. Der Virage Shooting Brake hatte drei Seitenfenster, von denen das hintere ausstellbar war. Die Rückleuchten des Shooting Brake stammten vom Renault 21 Nevada. Der Shooting Brake wurde auf dem Genfer Auto-Salon 1992 im Beisein des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Jackie Stewart präsentiert. Das Werk stellte insgesamt nur drei Exemplare des Virage Shooting Brake her[2].

Weitere Shooting Brakes

Auf der Basis der späten 6,3 Liter-Version des V8 Coupés stellte das Schweizer Unternehmen Roos Engineering eine Shooting Brake-Version her. Anders als die Werksversion, die über sehr dünne Fahrzeugsäulen verfügte, setzte Roos eine breite, geschwungene C-Säule ein mit einem halbrund gestalteten dritten Seitenfenster. Die Rückleuchten entsprachen dem V8 Coupé[3]. Der Roos-Shooting Brake wurde 1999 fertiggestellt und ausgeliefert. Das Schweizer Unternehmen Dante Design, das ebenso wie Roos Engineering in Fraunkappelen ansässig ist und Dante Rubli gehört, führt ein sehr ähnlich aussehendes Fahrzeug in seinem Portfolio[4]. Ob der Dante-Shooting Brake und der Roos-Wagen identisch sind, ist nicht geklärt.

Auch britische Aston Martin-Händler Oselli[5] aus Oxford stellte eine Shooting Brake-Version des Virage her. Hierbei dürfte es sich um ein Einzelstück gehandelt haben.

Viertürige Stufenhecklimousine

1993 leitete das Werk vom Virage eine viertürige Stufenhecklimousine ab, die auf einem verlängerten Virage-Fahrgestell ruhte und die Bezeichnung Aston Martin Lagonda erhielt. Von ihr entstanden vier Exemplare.

Fünftüriger Shooting Brake

Ebenfalls 1993 wurde eine fünftürige Version des Virage Shooting Brake vorgestellt[6]. Sie verfügte über drei Sitzreihen und insgesamt sieben Sitzplätze[7]. Nach einigen Quellen[8] erhielt sie die Bezeichnung Lagonda Vacances. Sie blieb ein Einzelstück.

Weblinks

Literatur

  • Andrew Noakes: Faszination Aston Martin. Parragon, Bath 2006, ISBN 978-1-40547-900-4.
  • Rainer Schlegelmilch, Hartmut Lehbrinck, Jochen von Osterroth: Aston Martin. Verlag Könemann 2005. ISBN 3-8331-1058-9.
  • The Last Bulldog. Entwicklungsgeschichte des Aston Martin Virage in: Classic & Sports Car, Heft April 2001, S. 132 ff.

Einzelnachweise

  1. Nick James: Aston Martin Virage -- End of The End or an Entirely New Beginning? Abgerufen am 15. Februar 2010
  2. Classic & Sports Cars, Heft April 2001, S. 137
  3. Entwicklungsgeschichte des Roos Shooting Brake
  4. Dante Design
  5. Oselli Classics and Sports Cars
  6. Abbildung des Lagonda Vacances
  7. Noakes: Faszination Aston Martin, S. 151
  8. Schlegelmich, Lehbrink, v. Osterroth: Aston Martin, S. 216


Zeitleiste der Aston-Martin-Modelle von 1948 bis heute
Typ Ära David Brown 1947–1972 Diverse Besitzer Ab 1986 zu 75 %, von 1993 zu 100 % Teil von Ford Unabhängig
1940er 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er
8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3
Kleinstwagen Cygnet
Sportwagen DB1 DB2 DB2/4 DB4 DB5 DB6 DB7
DB2 Vantage DB4 Vantage DB5 Vantage DB6 Vantage
DBS /
DBS V8
V8 Virage V8 V8 Vantage
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Virage
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