Primzahl
Die Zahl 12 ist keine Primzahl.

Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl, die größer als eins und ausschließlich durch sich selbst und durch eins teilbar ist. Eine Primzahl ist also eine natürliche Zahl mit genau zwei natürlichen Zahlen als Teiler. Die kleinsten Primzahlen sind

2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19, 23, 29, 31, 37, 41, 43, 47, 53, 59, 61, 67, 71, 73, 79, 83, 89, 97 … (Folge A000040 in OEIS)

Eine natürliche Zahl größer als 1 heißt prim, wenn sie eine Primzahl ist, andernfalls heißt sie zusammengesetzt. Die Zahlen 0 und 1 sind weder prim noch zusammengesetzt. Warum die Zahl 1 nicht als Primzahl angesehen wird, wird im Abschnitt "Warum ist die Zahl 1 keine Primzahl?" erklärt.

Das Wort „Primzahl“ kommt aus dem Lateinischen (numerus primus) und bedeutet „die erste Zahl“. – Die Bedeutung der Primzahlen für viele Bereiche der Mathematik beruht auf drei Folgerungen aus dieser Definition:

  • Existenz und Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung: Jede natürliche Zahl lässt sich als Produkt von Primzahlen schreiben. Diese Produktdarstellung ist bis auf die Reihenfolge der Faktoren eindeutig. – Zum Beweis dient das
  • Lemma von Euklid: Ist ein Produkt zweier natürlicher Zahlen durch eine Primzahl teilbar, so ist bereits einer der Faktoren durch sie teilbar.
  • Primzahlen lassen sich nicht als Produkt zweier natürlicher Zahlen, die beide größer als 1 sind, darstellen. Diese Eigenschaft wird für Verallgemeinerungen genutzt.

Bereits die antiken Griechen interessierten sich für die Primzahlen und entdeckten einige ihrer Eigenschaften. Obwohl sie über die Jahrhunderte stets einen großen Reiz auf die Menschen ausübten, sind bis heute viele die Primzahlen betreffenden Fragen ungeklärt, darunter solche, die mehr als hundert Jahre alt und leicht darzustellen sind. Dazu gehören die Goldbachsche Vermutung, wonach jede gerade Zahl >2 als Summe zweier Primzahlen darstellbar ist, und die Vermutung, dass es unendlich viele Primzahlzwillinge gibt (das sind Paare von Primzahlen, deren Differenz 2 ist).

Über 2000 Jahre lang konnte man keinen praktischen Nutzen aus dem Wissen über die Primzahlen ziehen. Dies änderte sich erst mit dem Aufkommen elektronischer Rechenmaschinen, bei denen die Primzahlen beispielsweise in der Kryptographie eine zentrale Rolle spielen.

Inhaltsverzeichnis

Primfaktorzerlegung

Hauptartikel: Primfaktorzerlegung

Es gilt der Fundamentalsatz der Arithmetik: Jede positive ganze Zahl lässt sich bis auf die Reihenfolge eindeutig als Produkt von Primzahlen darstellen. Die in dieser Darstellung auftretenden Primzahlen nennt man die Primfaktoren der Zahl. Die Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Primfaktorzerlegung bezeichnet man als Faktorisierungsprobleme. Man versucht, sie mit geeigneten Faktorisierungsverfahren zu minimieren.

Aufgrund dieses Satzes, also dass sich jede natürliche Zahl größer 0 durch Multiplikation von Primzahlen eindeutig darstellen lässt, nehmen die Primzahlen eine besondere atomare Stellung in der Mathematik ein. Alexander K. Dewdney bezeichnete diese als den Elementen der Chemie weitgehend ähnlich.

Eigenschaften von Primzahlen

Mit Ausnahme der Zahl 2 sind alle Primzahlen p ungerade, denn alle größeren geraden Zahlen lassen sich außer durch sich selbst und 1 auch noch (mindestens) durch 2 teilen. Damit hat jede Primzahl außer 2 die Form 2k + 1 mit einer natürlichen Zahl k.

Jede Primzahl p > 3 lässt sich einer der beiden Klassen „Primzahl der Form 4k + 1“ oder „Primzahl der Form 4k + 3“ zuordnen, wobei k eine natürliche Zahl ist. Darüber hinaus hat jede Primzahl p > 3 die Form p = 6k + 1 oder p = 6k − 1, wobei k eine natürliche Zahl ist. Nach dem dirichletschen Primzahlsatz gibt es in jeder dieser vier Klassen unendlich viele Primzahlen.

Jede natürliche Zahl der Form 4m + 3 mit einer nichtnegativen ganzen Zahl m enthält mindestens einen Primfaktor der Form 4k + 3. Eine entsprechende Aussage über Zahlen der Form 4m + 1 oder Primfaktoren der Form 4k + 1 ist nicht möglich.

Eine Primzahl p > 2 lässt sich genau dann in der Form a2 + b2 mit ganzen Zahlen a,b schreiben, wenn p die Form 4k + 1 hat. In diesem Fall ist die Darstellung im Wesentlichen eindeutig, d.h. bis auf Reihenfolge und Vorzeichen von a,b. Diese Darstellung entspricht der Primfaktorzerlegung

p = (a + bi)(abi)

im Ring der ganzen gaußschen Zahlen.

Die Zahl −1 ist ein quadratischer Rest modulo jeder Primzahl der Form 4k + 1 und quadratischer Nichtrest modulo jeder Primzahl der Form 4k + 3.

Der kleine Satz von Fermat

Es sei p eine Primzahl. Für jede ganze Zahl a, die nicht durch p teilbar ist, gilt (für die Notation siehe Kongruenz):

a^{p-1} \equiv 1 \mod p.

Für nicht durch p teilbare Zahlen a ist die folgende Formulierung äquivalent:

a^p\equiv a\mod p.

Es gibt Zahlen, die keine Primzahlen sind, sich aber dennoch zu einer Basis a wie Primzahlen verhalten und somit den kleinen Satz von Fermat erfüllen. Solche zusammengesetzten Zahlen nennt man fermatsche Pseudoprimzahlen zur Basis a. Eine fermatsche Pseudoprimzahl n, die pseudoprim bezüglich aller zu ihr teilerfremden Basen a ist, nennt man Carmichael-Zahl.

In diesem Zusammenhang zeigt sich die Problematik fermatscher Pseudoprimzahlen: sie werden von einem Primzahltest, der den kleinen Satz von Fermat nutzt (Fermatscher Primzahltest), fälschlicherweise für Primzahlen gehalten. Wenn allerdings ein Verschlüsselungsverfahren wie RSA eine zusammengesetzte Zahl statt einer Primzahl verwendet, ist die Verschlüsselung nicht mehr sicher. Deshalb müssen bei solchen Verfahren bessere Primzahltests verwendet werden.

Euler und das Legendre-Symbol

Eine einfache Folge aus dem kleinen Satz von Fermat ist die folgende Aussage: Für jede ungerade Primzahl p und jede ganze Zahl a, die nicht durch p teilbar ist, gilt entweder

a^{\frac{p-1}{2}} \equiv 1 \mod p

oder

a^{\frac{p-1}{2}} \equiv -1 \mod p.

Man kann zeigen, dass der erste Fall genau dann eintritt, wenn es eine Quadratzahl m2 gibt, die kongruent zu a modulo p ist, siehe Legendre-Symbol.

Binomialkoeffizient

Für Primzahlen p und 1\leq k\leq p-1 gilt

p\,\Big|{p\choose k};

zusammen mit dem binomischen Satz folgt daraus

(a+b)^p\equiv a^p+b^p\mod p.

Für ganze Zahlen a,b folgt diese Aussage auch direkt aus dem kleinen fermatschen Satz, aber sie ist beispielsweise auch für Polynome mit ganzzahligen Koeffizienten anwendbar; im allgemeinen Kontext entspricht sie der Tatsache, dass die Abbildung x\mapsto x^p in Ringen der Charakteristik p ein Homomorphismus ist, der so genannte Frobenius-Homomorphismus.

Aus dem Satz von Wilson (p ist genau dann eine Primzahl, wenn (p-1)! \equiv -1 \pmod p ist) folgt, dass für jede Primzahl p und jede natürliche Zahl n die Kongruenz

{{np-1}\choose{p-1}} \equiv 1 \pmod{p}

erfüllt ist.

Charles Babbage bewies 1819, dass für jede Primzahl p > 2 diese Kongruenz gilt:

{{2p-1}\choose{p-1}} \equiv 1 \pmod{p^2}

Der Mathematiker Joseph Wolstenholme (1829–1891) bewies dann 1862, dass für jede Primzahl p > 3 die folgende Kongruenz gilt:

{{2p-1}\choose{p-1}} \equiv 1 \pmod{p^3}

Giuga

Aus dem kleinen Satz von Fermat folgt, dass für eine Primzahl p gilt:

 1^{p-1} + 2^{p-1} + ... + (p-1)^{p-1} \equiv -1 \pmod{p}

Beispiel p = 5:

1^4 + 2^4 + 3^4 + 4^4 = 1 + 16 + 81 + 256 = 354 = 71\cdot 5 - 1\equiv -1 \pmod{5}

Giuseppe Giuga vermutete, dass auch die umgekehrte Schlussrichtung gilt, dass also eine Zahl mit dieser Eigenschaft stets prim ist. Es ist nicht geklärt, ob diese Vermutung richtig ist. Bekannt ist aber, dass ein Gegenbeispiel mehr als 10.000 Dezimalstellen haben müsste. Im Zusammenhang mit Giugas Vermutung werden die Giuga-Zahlen untersucht.

Lineare Rekursionen

Den kleinen fermatschen Satz kann man auch in der Form lesen: In der Folge ana ist das p-te Folgenglied für eine Primzahl p stets durch p teilbar. Ähnliche Eigenschaften besitzen auch andere Folgen von exponentiellem Charakter, wie die Lucas-Folge (p\mid L_p-1) und die Perrin-Folge (p\mid P_p). Für andere lineare Rekursionen gelten analoge, aber kompliziertere Aussagen, beispielsweise für die Fibonacci-Folge (f_n)_{n=0,1,2,\ldots}=0,1,1,2,3,5,\ldots: Ist p eine Primzahl, so ist f_p-\Big(\frac p5\Big) durch p teilbar; dabei ist

\Big(\frac p5\Big)=\begin{cases}1&p\equiv 1,4\mod 5\\-1&p\equiv2,3\mod 5\\0&p=5\end{cases}

das Legendre-Symbol.

Divergenz der Summe der Kehrwerte

Die Folge der Summen der Kehrwerte der Primzahlen \textstyle \left( a_n=\sum_{i=1}^{n} \frac{1}{p_i} \right) hat keinen Grenzwert. Das bedeutet, für ein genügend großes n lässt sich jede erdenkliche reelle Zahl übertreffen. Dies ist zunächst einmal verblüffend, da die Primzahllücken im Schnitt immer weiter zunehmen.

Weiteres

Zwei natürliche Zahlen, deren Summe eine Primzahl ergibt, sind immer teilerfremd. Umgekehrt zeigt jedoch das einfache Gegenbeispiel 3 + 5 = 8, dass die Summe zweier teilerfremder Zahlen nicht zwingend eine Primzahl ergibt.

Primzahltests

Hauptartikel: Primzahltest

Ob eine Zahl eine Primzahl ist, kann man mit einem Primzahltest entscheiden. Es gibt mehrere solcher Verfahren, deren Grundlagen meist besondere Eigenschaften von Primzahlen sind. In der Praxis wird der Miller-Rabin-Test am häufigsten verwendet, der eine extrem kurze Laufzeit hat, allerdings mit kleiner Wahrscheinlichkeit falsch-positive Ergebnisse liefert. Mit dem AKS-Primzahltest ist es möglich, Zahlen in polynomialer Laufzeit zu testen. Allerdings ist er in der Praxis deutlich langsamer als der Miller-Rabin-Test.

Größte bekannte Primzahl

Der Grieche Euklid hat im vierten Jahrhundert vor Christus logisch geschlussfolgert, dass es unendlich viele Primzahlen gibt; diese Aussage wird als Satz von Euklid bezeichnet. Euklid führte einen Widerspruchsbeweis für die Richtigkeit dieses Satzes (Elemente, Buch IX, § 20): Ausgehend von der Annahme, dass es nur endlich viele Primzahlen gibt, lässt sich eine weitere Zahl konstruieren, die eine bisher nicht bekannte Primzahl als Teiler hat, oder selbst eine Primzahl ist, was einen Widerspruch zur Annahme darstellt. Somit kann eine endliche Menge niemals alle Primzahlen enthalten, also gibt es unendlich viele. Heute kennt man eine ganze Reihe von Beweisen für den Satz von Euklid.[1]

Der Satz von Euklid besagt, dass es keine größte Primzahl gibt. Es ist jedoch kein Verfahren bekannt, das effizient beliebig große Primzahlen generiert – deshalb gab es stets eine jeweils größte bekannte Primzahl, seitdem sich die Menschen mit Primzahlen befassen. Derzeit ist es 243.112.609 − 1, eine Zahl mit 12.978.189 (dezimalen) Stellen, die am 23. August 2008 mit einem Computer der mathematischen Fakultät an der University of California, Los Angeles berechnet wurde. Der Verantwortliche für die Computer der Fakultät, Edson Smith, hatte das Programm des GIMPS-Projekts als Bildschirmschoner auf den Rechnern der Fakultät eingerichtet. Für die Entdeckung der ersten Primzahl mit mehr als 10 Millionen Dezimalstellen hatte die Electronic Frontier Foundation einen Preis von 100.000 US-Dollar ausgelobt. Dieser Betrag wurde am 14. Oktober 2009 an das GIMPS-Projekt ausgezahlt. Davon gingen 50.000 US-Dollar an die University of California, Los Angeles. Zwei kleinere Primzahlen mit mehr als 10 Millionen Stellen, die am 3. September 2008 und am 12. April 2009 entdeckt worden waren, wurden mit jeweils 3000 US-Dollar belohnt.

Die größte bekannte Primzahl war fast immer eine Mersenne-Primzahl, also von der Form 2n − 1, da in diesem Spezialfall der Lucas-Lehmer-Test angewendet werden kann, ein im Vergleich zur allgemeinen Situation sehr schneller Primzahltest. Bei der Suche nach großen Primzahlen werden deshalb nur Zahlen dieses oder eines ähnlich geeigneten Typs auf Primalität untersucht.

Liste der Rekordprimzahlen nach Jahren

Zahl Anzahl der
Dezimalziffern
Jahr Entdecker (genutzter Computer)
217 - 1 6 1588 Cataldi
219 - 1 6 1588 Cataldi
231 - 1 10 1772 Euler
(259 - 1)/179951 13 1867 Landry
2127 - 1 39 1876 Lucas
(2148+1)/17 44 1951 Ferrier
180·(2127-1)2+1 79 1951 Miller & Wheeler (EDSAC1)
2521-1 157 1952 Robinson (SWAC)
2607-1 183 1952 Robinson (SWAC)
21279-1 386 1952 Robinson (SWAC)
22203-1 664 1952 Robinson (SWAC)
22281-1 687 1952 Robinson (SWAC)
23217-1 969 1957 Riesel (BESK)
24423-1 1332 1961 Hurwitz (IBM7090)
29689-1 2917 1963 Gillies (ILLIAC 2)
29941-1 2993 1963 Gillies (ILLIAC 2)
211213-1 3376 1963 Gillies (ILLIAC 2)
219937-1 6002 1971 Tuckerman (IBM360/91)
221701-1 6533 1978 Noll & Nickel (CDC Cyber 174)
223209-1 6987 1979 Noll (CDC Cyber 174)
244497-1 13395 1979 Nelson & Slowinski (Cray 1)
286243-1 25962 1982 Slowinski (Cray 1)
2132049-1 39751 1983 Slowinski (Cray X-MP)
2216091-1 65050 1985 Slowinski (Cray X-MP/24)
2216193-1 65087 1989 „Amdahler Sechs“ (Amdahl 1200)
2756839-1 227832 1992 Slowinski & Gage (Cray 2)
2859433-1 258716 1994 Slowinski & Gage (Cray C90)
21257787-1 378632 1996 Slowinski & Gage (Cray T94)
21398269-1 420921 1996 Armengaud, Woltman (GIMPS, Pentium 90 MHz)
22976221-1 895932 1997 Spence, Woltman (GIMPS, Pentium 100 MHz)
23021377-1 909526 1998 Clarkson, Woltman, Kurowski (GIMPS, Pentium 200 MHz)
26972593-1 2098960 1999 Hajratwala, Woltman, Kurowski (GIMPS, Pentium 350 MHz)
213466917-1 4053946 2001 Cameron, Woltman, Kurowski (GIMPS, Athlon 800 MHz)
220996011-1 6320430 2003 Shafer (GIMPS, Pentium 4 2 GHz)
224036583-1 7235733 2004 Findley (GIMPS, Pentium 4 2,4 GHz)
225964951-1 7816230 2005 Nowak (GIMPS, Pentium 4 2,4 GHz)
230402457-1 9152052 2005 Cooper, Boone (GIMPS, Pentium 4 3 GHz)
232582657-1 9808358 2006 Cooper, Boone (GIMPS)
243112609-1 12978189 2008 Smith, Woltman, Kurowski, et al (GIMPS)

Verteilung und Wachstum

Pi-Funktion und Primzahlsatz

In der Grafik wird die π-Funktion in blau dargestellt. Die Funktion n / ln (n) in grün und das Logarithmische Integral Li in rot sind Approximationen der π-Funktion.

Zur Untersuchung der Verteilung der Primzahlen betrachtet man unter anderem die Funktion

\pi \colon \Bbb N\to \Bbb N,\;n\mapsto\pi(n),

die die Anzahl der Primzahlen \leq n angibt und auch Primzahlzählfunktion genannt wird. Zum Beispiel ist

\pi(10) = 4\ ;\ \pi(100) = 25\ ;\ \pi(1000) = 168 .

Diese Funktion und ihr Wachstumsverhalten ist ein beliebter Forschungsgegenstand in der Zahlentheorie. Mit der Zeit wurden einige Näherungsformeln entwickelt und verbessert.

Der Primzahlsatz besagt, dass

\pi(x) \sim \frac{x}{\ln x}

gilt, das heißt dass der Quotient von linker und rechter Seite für x\to\infty gegen 1 strebt.

Der dirichletsche Primzahlsatz dagegen schränkt die Betrachtung auf Restklassen ein: Es sei m eine natürliche Zahl. Ist a eine ganze Zahl, die zu m nicht teilerfremd ist, so kann die arithmetische Folge

a,a+m,a+2m,a+3m,\ldots

höchstens eine Primzahl enthalten, weil alle Folgenglieder durch den größten gemeinsamen Teiler von a und m teilbar sind. Ist a aber teilerfremd zu m, so besagt der dirichletsche Primzahlsatz, dass die Folge unendlich viele Primzahlen enthält. Beispielsweise gibt es unendlich viele Primzahlen der Form 4k + 1 und unendlich viele der Form 4k + 3 (k durchläuft jeweils die nichtnegativen natürlichen Zahlen).

Diese Aussage kann noch in der folgenden Form präzisiert werden: Es gilt

\lim_{x\to\infty}\frac{\#\{p\ \mathrm{prim},\ p\leq x\ \mathrm{und}\ p\equiv a\pmod m\}}{\#\{p\ \mathrm{prim},\ p\leq x\}}=\frac1{\varphi(m)};

dabei ist ϕ(m) die eulersche φ-Funktion. In diesem Sinne liegen also für ein festes m in den Restklassen a+m\mathbb Z mit ggT(a,m) = 1 jeweils „gleich viele“ Primzahlen.

Siehe auch: Ulam-Spirale

Schranken

Nach der (unbewiesenen) Legendreschen Vermutung gibt es stets eine Primzahl zwischen n2 und (n + 1)2.

Die (bewiesene) Bonsesche Ungleichung garantiert, dass das Quadrat einer Primzahl kleiner ist als das Produkt aller kleineren Primzahlen.

Nach der (unbewiesenen) Andricaschen Vermutung ist die Differenz der Wurzeln der n-ten und der n + 1-ten Primzahl kleiner als 1.

Primzahllücken

Hauptartikel: Primzahllücke

Die Differenz zwischen zwei benachbarten Primzahlen heißt Primzahllücke. Diese Differenz schwankt, und obwohl es unendlich viele Primzahlen gibt, lassen sich Primzahllücken beliebiger Mindestgröße finden.

Formeln zur Generierung von Primzahlen

Veranschaulich des Algorithmus Sieb des Eratosthenes.

Einer der ältesten Algorithmen zur Bestimmung von Primzahlen ist das Sieb des Eratosthenes, bei dem nacheinander aus einer Liste der natürlichen Zahlen >1 die Zahlen gestrichen werden, die Vielfache der jeweils kleinsten noch nicht gestrichenen Zahl sind. Dadurch bleiben die Primzahlen innerhalb der Ausgangsliste übrig.

Man kennt keinen effizienten Primzahlgenerator, also Formeln, die eine effiziente, direkte Berechnung der n-ten Primzahl ermöglichen würden. Es gibt allerdings Formeln, bei denen eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass die erzeugten Zahlen eine Primzahl sein könnten. Trotzdem müssen die erzeugten Zahlen auf ihre Eigenschaft als Primzahl getestet werden.

Schon Euler gab die Formeln n2 + n + 17 und n2n + 41 an, die für 0 < n < 16 bzw. 0 < n < 41 Primzahlen liefern. Auch für größere Werte von n liefern die beiden Formeln viele Primzahlen, weil das Ergebnis nie durch Primzahlen p < 17 bzw. p < 41 ganzzahlig teilbar ist. Allgemein gibt es viele solche Formeln an2 + bn + c, wodurch sich die auffällige Ulam-Spirale erklärt.

Die beliebteste ist die der Mersenne-Zahl Mn = 2n − 1 bei der Mn eine Primzahl ist. Durch die besonderen Eigenschaften der Teiler von Mersenne-Zahlen eignen sie sich für die Suche nach möglichst großen Primzahlen.

Fermat vermutete, dass alle Zahlen der Form 2^{2^n}+1 prim sind; man nennt sie Fermat-Zahlen. Tatsächlich ist aber für n > 4 keine derartige Primzahl bekannt.

Auch bekannt ist eine Anwendung des Satzes von Euklid, bei der auf das Primorial eine 1 aufaddiert wird:

p\# + 1 = p_1 \cdot p_2 \cdot \ldots \cdot p_n + 1

Hierbei werden alle aufeinanderfolgenden Primzahlen von 2 bis pn = p miteinander multipliziert.

p\# + 1 ist prim für p = 2, 3, 5, 7, 11, 31, 379, 1019, 1021, …

Weitere Formeln:

  • n! − 1 ist prim für n = 3, 4, 6, 7, 12, 14, 30, 32, 33, 38, 94, 166, … (Folge A002982 in OEIS)
  • n! + 1 ist prim für n = 1, 2, 3, 11, 27, 37, 41, 73, 77, 116, 154, …
  • Primzahlen der Form kgV(1,…,n)+1 sind: 2, 3, 7, 13, 61, 421, 2521, 232792561, …

Spezielle Primzahlen und Primzahlkonstellationen

Weitere spezielle Arten von Primzahlen finden sich in der Kategorie:Primzahl.

Warum ist die Zahl 1 keine Primzahl?

Zu Beginn dieses Artikels wurde folgende Primzahldefinition gegeben:

Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl, die größer als eins und nur durch sich selbst und durch eins teilbar ist.

Damit ist die Zahl 1 zunächst einmal per definitionem keine Primzahl. Die äquivalente Charakterisierung der Primzahlen

Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl mit genau zwei natürlichen Zahlen als Teiler

schließt ebenfalls die Zahl 1 als Primzahl aus, da diese nur durch eine natürliche Zahl, nämlich die Zahl 1, teilbar ist.

Die entscheidende Frage ist nun, warum man die Definition so wählt wie oben. Intuitiv würde man eine Definition wählen, die die Zahl 1 mit einschließt, da auch die 1 durch sich selbst und durch 1 teilbar ist - dies wurde historisch auch teilweise so gehandhabt. Primzahlen haben jedoch nicht nur die spezielle Teilbarkeits-Eigenschaft, sondern sie "erzeugen" gewissermaßen auch alle anderen natürlichen Zahlen: Jede natürliche Zahl, die keine Primzahl ist, lässt sich eindeutig in eine Anzahl von Primfaktoren zerlegen, entsteht also aus dem Produkt von Primzahlen. Die 1 jedoch ist das neutrale Element der Multiplikation und kann demzufolge multiplikativ keine weiteren Zahlen "erzeugen". Nimmt man die 1 in die Definition der Primzahlen mit auf, verliert sich außerdem die Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung, weil man zu jeder Zerlegung beliebig viele Einsen hinzufügen kann, ohne den Wert der Zahl zu ändern.

Die 1 hat also als neutrales Element eine gesonderte Stellung, weshalb sie auch aus der Definition der Primzahlen ausgeschlossen wurde.

Siehe hierzu auch: Wikibooks: Warum 1 keine Primzahl ist

Verallgemeinerung

In der Ringtheorie wird das Konzept der Primzahl auf die Elemente eines beliebigen kommutativen unitären Rings verallgemeinert. Die entsprechenden Begriffe sind Primelement und irreduzibles Element.

Die Primzahlen und deren Negative sind dann genau die Primelemente und auch genau die irreduziblen Elemente des Rings der ganzen Zahlen. In faktoriellen Ringen, das sind Ringe mit eindeutiger Primfaktorisierung, fallen die Begriffe Primelement und irreduzibles Element zusammen; im Allgemeinen ist die Menge der Primelemente jedoch nur eine Teilmenge der Menge der irreduziblen Elemente.

Insbesondere im zahlentheoretisch bedeutsamen Fall der Dedekindringe übernehmen Primideale die Rolle der Primzahlen.

Einzelnachweise

  1. Für Beweise des Satzes von Euklid siehe Beweisarchiv.

Literatur

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Primzahl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks Wikibooks: Fundamentalsatz der Arithmetik – Lern- und Lehrmaterialien
Wikibooks Wikibooks: Primzahlen von 2 bis 100.000 – Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Prime numbers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Primzahl — Prim|zahl die; , en <zu lat. prima, vgl. ↑prim> Zahl größer als 1, die nur durch 1 und sich selbst teilbar ist (z. B. 7, 13, 29, 67; Math.) …   Das große Fremdwörterbuch

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