BSG Post Rostock (Frauenfußball)
Wappen BSG Post Rostock

Die BSG Post Rostock (Frauenfußballabteilung) war in den 1970er und 1980er Jahren einer der erfolgreichsten Frauenfußballvereine der DDR. 1979 wurde die Betriebssportgemeinschaft Dritter bei der 1. DDR-Bestenermittlung im Frauenfußball, 1990 letzter DDR-Meister und DDR-Pokalsieger.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

1970 wurde bei der BSG Post Rostock eine Frauenfußball-Abteilung gegründet und der Aufbau des Rostocker Frauenfußballs war in jenen Jahren untrennbar mit dem Namen Josef (Jupp) Pilz verbunden, der langjährig die Fußballdamen betreute.

In den siebziger Jahren nahm Rostock an vielen Turnieren in der DDR aber auch im sozialistischen Ausland (z.B. der CSSR) teil. Zu einem starken Gegner entwickelte sich damals bereits Turbine Potsdam, heute einer der stärksten gesamtdeutschen Vereine.

Pfingsten 1972 richtete die BSG Turbine Potsdam ein Turnier aus, zu dem die damals als stark eingeschätzten Frauenfußballteams der DDR anreisten, so spielten im Bezirk Magdeburg (für den Tangermünde antrat) bereits 12 Teams einen Bezirksmeister aus. In der Vorrunde gewann die BSG Post Rostock gegen die BSG Motor Berlin-Baumschulenweg mit 8:0. Wider Erwarten gelang Rostock auch ein 2:1 Erfolg gegen die Heimmannschaft aus Potsdam, die damals bereits von Bernd Schröder trainiert wurde und als Favorit gegolten hatte. Im Überkreuzungsspiel gegen Empor Tangermünde gelang ein 3:2 Erfolg im Elfmeterschießen und die Rostocker Mannschaft stand im Finale, wo es zur Revanche gegen Potsdam kam. Hier behielt das Schröder-Team mit 2:0 die Oberhand, dennoch stellte die Vorrundenniederlage eine der wenigen überhaupt auf Großfeld in den 1970er und 1980er Jahren für Turbine Potsdam dar. Die Ergebnisse: 1. BSG Turbine Potsdam; 2. BSG Post Rostock; 3. Stahl Brandenburg; 4. Empor Tangermünde; 5. Empor Dresden-Mitte; 6. BSG Motor Berlin-Baumschulenweg.[1]

Eine sehr erfolgreiche Rostocker Torjägerin dieser frühen Jahre war Marion Bialas, die Tochter des früheren DDR-Oberligaspielers Franz Bialas.

1979 qualifizierte sich die BSG Post Rostock für die Bestenermittlung in der DDR, nachdem der Verein wie angeführt bereits in den Jahren zuvor im gesamten DDR-Gebiet den Vergleich mit anderen Teams gesucht hatte. Jetzt galt es die Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Die erste DDR-Bestenermittlung 1979 in Templin

Post Rostock (Spielerinnen Anfang der 1970er Jahre)

Im Jahr 1979 wurde erstmals ein Wettbewerb der besten Frauenfußballmannschaften der DDR durchgeführt. In Ausscheidungsturnieren hatten sich die Meister der jeweiligen DDR-Bezirke zu qualifizieren - das Finale der besten vier Mannschaften, die siegreich aus den Ausscheidungswettkämpfen hervorgegangen waren, sollte in Templin stattfinden.

Die Vorrunde in Neubrandenburg

In Neubrandenburg fanden am 15. September 1979 die Spiele der Gruppe 1 statt, für die sich die Meister der drei Nordbezirke (Aufbau Schwerin, NGMB Neubrandenburg und Rostock) bewarben.

Nachdem die Rostockerinnen zum Auftakt Schwerin mit 1:0, Torschütze Katrin Erdmann, knapp besiegt hatten, kamen sie auch im entscheidenden Vergleich gegen Neubrandenburg zu einem 2:0 Erfolg. Die Gastgeberinnen wirkten in diesem Spiel allerdings lange überlegen, bis wieder die 17jährige Katrin Erdmann durch zwei Konterstöße (30. und 34. Minute) den Sieg für die Post-Damen sicherte. Im Vergleich um Platz 2 setzte sich Neubrandenburg klar mit 4:1 gegen Schwerin durch. Katrin Erdmann wurde als beste Torschützin und Hildtraut Groppe als beste Torhüterin ausgezeichnet.

Damit durfte die BSG Post Rostock an der Endrunde am 6. Oktober 1979 in Templin zusammen mit Aufbau Dresden-Ost, Motor-Mitte Karl-Marx-Stadt und Chemie Wolfen teilnehmen.

Das Turnier

Die Bestenermittlung am 6. Oktober 1979 in Templin kann als erstes größeres Ereignis des DDR-Frauenfußballs bezeichnet werden. 3.100 Zuschauer besuchten die Spiele im Templiner Stadion der Freundschaft, von denen 2.000 ihre Karten im Vorverkauf erworben hatten. Zudem war der stellvertretende Generalsekretär des DFV, Hans Müller, persönlich zugegen, um sich die Spiele anzuschauen und die Siegerehrung vorzunehmen. Die vier Endrundenteilnehmer vertraten überdies rund 300 Frauenfußballmannschaften des DFV der DDR.

Zur Rostocker Mannschaft von 1979 gehörten Trainer Josef Pilz sowie die Spielerinnen:

Hildtraut Groppe ( Tor )
Bianca Puffpaff, Christiane Mühlenbruch, Renate Draheim..
Andrea Unkhoff, Sandra Unkhoff
Heike Wittfoth, Angelika Hünemörder, Sybille Lange, Gabriele Kunze, Kerstin Trinks, Kerstin Kollath, Katrin Erdmann (Prühs)

Die Mannschaft von Karl-Marx-Stadt wurde erster „DDR-Meister“, setzte sich mit 1:0 gegen Rostock und 2:0 gegen Wolfen durch - das Remis gegen Dresden brachte schließlich den Titel. Dresden seinerseits belegte gefolgt von den Rostockerinnen den zweiten Platz. Die BSG Post Rostock musste sich mit dem dritten Platz begnügen, konnte damit aber zeigen, dass sie das beste Team des Nordens der DDR darstellte. Zudem wurde Wolfen deutlich mit 3:0 geschlagen und auch der Meister Karl-Marx-Stadt konnte nur ein 1:0 gegen die Norddeutschen erzielen.

Torfrau Hildtraut Groppe wurde als Beste Torhüterin der DDR ausgezeichnet.

Das kontinuierliche Training von Übungsleiter Jupp Pilz hatte sich somit über die Jahre bewährt.

Bis zur Wende - DDR-Meister

Bei der Bestenermittlung 1980 erlangte die Mannschaft den fünften, 1984 den vierten Platz. 1990 wurde die BSG Post Rostock letzter DDR-Meister gegen Wismut Chemnitz und auch DDR-Pokalsieger,[2] der Verein gehörte somit ab den 1970er Jahren zu den besten Mannschaften des DDR-Frauenfußballs.

Im einzigen Länderspiel der DDR-Frauenfußballnationalmannschaft 1990 wurden mit Katrin Erdmann-Prühs, Sybille Lange und Katrin Baaske auch Rostocker Spielerinnen eingesetzt. Katrin Prühs gehörte seit den achtziger und neunziger Jahren zu den stärksten Rostocker Spielerinnen und auch dem Bundesligateam von 1995 an.

Entwicklung nach der Wende

Nach der Wende spielte die Mannschaft in der Regionalliga Nordost. 1992 trat die Abteilung dem FC Hansa Rostock bei. Schon ein Jahr später wechselte sie wieder den Verein. Nunmehr spielte sie beim Polizei SV Rostock, womit die erfolgreiche Zeit des Vereins, zumindest kurzzeitig, fortgesetzt wurde. 1995 wurden die Frauen Meister der Regionalliga Nordost und stiegen in die Fußball-Bundesliga auf. Doch schon nach einem Jahr mussten sie wieder absteigen. 2005 stieg das Team auch aus der Regionalliga ab, und die Abteilung wechselte geschlossen zum SV Hafen Rostock 61. Die Mannschaft wurde auf Anhieb Meister der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern und schaffte in der Aufstiegsrunde den sofortigen Wiederaufstieg, stieg aber in der Spielzeit 2007/08 wieder ab.

1. Frauen: Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern (Absteiger aus der Regionalliga Nordost)

Tradition (Jupp-Pilz-Cup)

Am 11. November 2000 wurde erstmals ein Traditionsturnier in Toitenwinkel ausgetragen, bei dem sich die Frauen- und Mädchenmannschaft des Polizei SV Rostock, aber auch das Bundesliagteam von 1995 und das Traditionsteam miteinander maßen. Dem Bundesligateam, das auch gewann, gehörte u.a. die PSV-Spitzenspielerin und ehemalige DDR-Nationalspielerin Kathrin Krüger-Baaske an. Das Traditionsteam bestand aus den Spielerinnen, die 1970 den Rostocker Frauenfußball begründet hatten und dann ab Ende der 1970er Jahre als BSG Post Rostock zu den besten DDR-Mannschaften zählen sollten. Die 50-jährige ehemalige BSG Post Rostock-Torfrau Hildtraut Groppe wurde als beste Torhüterin ausgezeichnet. Jupp Pilz (damals 80) war mit seiner Frau zugegen, ebenso PSV-Präsident Dieter Hempel.[3]

Anfang 2004 fand in der Sporthalle Bertha-von-Suttner-Ring in Toitenwinkel ein weiteres Traditionsturnier statt, zu dem Jupp Pilz extra aus Bad Honnef anreiste. Ihm zu Ehren wurde das Turnier in Jupp-Pilz-Cup umbenannt. Wie 2000 gewann auch diesmal das Bundesliga-Regionalliga Team der Ehemaligen.

Der 2. Jupp-Pilz-Cup fand am 19. Februar 2006 in der Sporthalle Marienehe in Rostock statt, diesmal schon unter der Regie des SV Hafen Rostock bzw. des Fördervereins für Frauen- und Mädchenfußball.[4]

Personen

  • Katrin Prühs, erfolgreiche Torjägerin seit Ende der 1970er Jahre - DDR-Nationalspielerin 1990 sowie im selben Jahr Meisterin und Pokalsiegerin - gehörte 1995 dem Bundesligateam des PSV Rostock an - spielte 2007, 45-jährig, noch einmal für Tennis Borussia Berlin in der 2. Frauenfussballbundesliga [5]

Galerie

Literatur

  • Alles über Fußball (Das universelle Handbuch zum Thema Fußball; Zahlen, Daten und Tabellen; alle Bundesligen, Champions League, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften etc.)/(Projektleitung: Martin-Andreas Schulz), Gütersloh 2008.
  • Ronny Galczynski: Frauenfußball von A - Z. Das Lexikon für den deutschen Frauenfußball. Spielerinnen, Vereine und Rekorde. Viele Hintergrundgeschichten, Hannover 2010, ISBN 978-3-86910-813-1.
  • Rainer Hennies/ Daniel Meuren: Frauenfussball - Der lange Weg zur Anerkennung, Göttingen 2009, ISBN 978-3895336393.
  • Eduard Hoffmann/Jürgen Nendza: Verlacht, verboten und gefeiert - Zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland, 2. Auflage, Weilerswist 2006, ISBN 3-935221-52-5.
  • Carina Sophia Linne: Frei gespielt - Frauenfußball im geteilten Deutschland, Berlin 2011, ISBN 978-3-937233-89-5.
  • Hannelore Ratzeburg/ Horst Biese: Frauen Fußball Meisterschaften (Mit einem Beitrag zum Frauenfußball in der DDR von Doreen Meier), Kassel 1995, ISBN 3-928562-87-8.
  • Norddeutsche Neueste Nachrichten (NNN), Rostock.
  • Ostseezeitung

Einzelnachweise

  1. Norddeutsche Neueste Nachrichten vom 24. Mai 1972, Sportteil.
  2. Alles über Fußball (Das universelle Handbuch zum Thema Fußball; Zahlen, Daten und Tabellen ; alle Bundesligen, Champions League, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften etc.)/(Projektleitung: Martin-Andreas Schulz), Gütersloh 2008, S. 198.
  3. Ostseezeitung vom 13. November 2000 (Rubrik Lokalsport) , S. 16.
  4. Flyer zum 2. Jupp-Pilz-Cup am 19. Februar 2006 vom Förderverein für Frauen- und Mädchenfußball des SV Hafen Rostock (36 Jahre Frauenfussball in Rostock).
  5. Artikel im FOCUS

Weblinks


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