Bad Aibling Station
Radome der Bad Aibling Station

Bad Aibling Station (Abkürzung BAS, offizielle amerikanische Bezeichnung 18th United States Army Security Agency Field Station, BND-Deckname Hortensie III) war eine große Abhörbasis des amerikanischen Geheimdienstes NSA in Bad Aibling, Bayern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten Truppen der USA einen Militärflugplatz (Fliegerhorst und Flugtrainingsbasis), der ab 1936 von der NS-Regierung auf dem Gelände eines Sportflugplatzes in Bad Aibling-Mietraching errichtet worden war.[1] Er wurde von der Verwaltung der amerikanischen Besatzungszone zunächst als Lager für Kriegsgefangene, DP-Lager und Waisenhaus eingerichtet und unter die Betreuung der UNRRA gestellt. Dort sollen sich Günter Grass und Joseph Ratzinger als Gefangene begegnet sein.[2][3][4]

Das Areal wurde 1952 von der US Army übernommen. Nach und nach wurde es während des Kalten Krieges durch die United States Army Security Agency (ASA) zu einer Abhörstation der amerikanischen Auslandsgeheimdienste ausgebaut.

Im Jahre 1971 übernahm die National Security Agency (NSA) gemeinsam mit dem US-Verteidigungsministerium das Kommando. Die Aktivitäten der ASA wurden gleichzeitig von allen drei deutschen Field Stations (Rothwesten, Bad Aibling und Herzogenaurach) nach Augsburg verlagert.

1994 übergab die NSA die Kontrolle über die Einrichtung an die INSCOM, die oberste militärische Geheimdienstbehörde der USA.[5]

Nach dem Ende des Kalten Krieges, dem Regierungswechsel in der Bundesrepublik Deutschland und einem Verfahren der EU, die unter anderem in einem Sonderausschuss des Europäischen Parlaments der Anlage eine Aufgabe in der Wirtschaftsspionage zuschrieb, war zunächst vorgesehen, die Bad Aibling Station 2002 zu schließen.[6] Die Anschläge des 11. September 2001 boten jedoch Anlass, von diesen Plänen Abstand zu nehmen. Unmittelbar nach den Terroranschlägen wurden die Sicherheitsmaßnahmen an der Anlage, u. a. durch Installation von Panzersperren, stark ausgebaut.

Im Rahmen von Umstrukturierungen der amerikanischen Geheimdienste zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Bad Aibling Station schließlich am 30. September 2004 endgültig geschlossen, das ausgedehnte Gelände wurde an die Bundesrepublik Deutschland übergeben. So weit bekannt ist, wurden die Einheiten nach Menwith Hill in Großbritannien, Griesheim und in die Türkei verlegt. Auf dem ehemaligen August-Euler-Flugplatz in Griesheim bei Darmstadt wurde im Frühjahr 2004 der neue Abhörstützpunkt mit fünf Radomen fertiggestellt.

In unmittelbarer Nachbarschaft wurde in Bad Aibling etwa gleichzeitig auf dem Gelände der Mangfall-Kaserne ein Stützpunkt des Bundesnachrichtendienstes errichtet.

Einrichtungen (soweit bekannt)

Siegel der NSA
  • Verschiedene Abteilungen der NSA (Einzelheiten unbekannt)
  • HOC 718th Military Intelligence Brigade (auch als „operations company“ bezeichnet)
  • C COMPANY 66th Military Intelligence Group
  • Air Force-402ND Intelligence Squadron
  • 108th Military Intelligence Group (frühere Bezeichnung: 718th MI Group)
  • Navy-NSGA (Naval Security Group Activity, „Lightning Fast Chicken Pluckers“)
  • 18th USASAFS Field Station
  • 312th ASA Battalion
  • 320th ASA Battalion
    • Headquarters Company
    • 180th ASA Company
    • 181st ASA Company
    • 186st ASA Company
  • 402nd Intelligence Squadron[7]
  • British Royal Signals Detachment (UK)

Geheimdienstliche Bedeutung

Die Bad Aibling Station war eine wichtige Abhöreinrichtung des Echelon-Systems (RSOC, Regional SIGINT Operation Center), in der zeitweise bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigt waren. Ihre Aufgaben bestanden in der Beschaffung von Informationen für amerikanische Bundesbehörden und andere, darunter auch britische Geheimdienste. Weltbekannt wurde die Lopez-Affäre, die durch Abhörmaßnahmen der BAS aufgeklärt wurde.

Nach offiziellen Angaben lagen die Aufgaben der BAS bei "Rapid Radio Relay and Secure Common, Support to DoD and Unified Commands, Medium and Longhand Common HF & Satellite, Communication Physics Research, Test and Evaluate Common Equipment".[8]

Einzelheiten sind nur bruchstückhaft bekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass von der BAS aus vielfältige Telekommunikationskanäle einschließlich des Funk-, Fernsprech- und Internetverkehrs überwacht wurden. Insbesondere scheint die Kommunikation mit Satelliten, auch außerhalb des Intelsat-Systems, abgehört worden zu sein.[9]

Derzeitige und zukünftige Nutzung

Nach einer Abschiedsparade mit ca. 25.000 Besuchern im April wurde der Stützpunkt am 30. September 2004 von Oberst Susan Huggler, die zuletzt das Kommando innehatte, wieder an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.[10] Danach lag das Areal für einige Zeit brach, verwaltet von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Für die zukünftige Nutzung waren unterschiedliche Konzepte im Gespräch – angefangen von Wohnanlagen über ein Freizeitgelände bis hin zum Regionalflughafen.[11]

Etwa die Hälfte des 134 Hektar großen Areals wird derzeit durch die B&O Parkgelände GmbH & Co. KG. zur „Nullenergiestadt Mietraching“ umgestaltet. Vorgesehen ist eine Mischnutzung aus Gewerbeeinheiten, Wellness, Freizeit, Wohnbebauung und sozialen Dienstleistungen.

Bereits im Laufe des Jahres 2008 wurden im Bereich „Technologiepark“ einige Firmen angesiedelt,[12] im „Wohlfühlpark“ der Nullenergiestadt wurde im Oktober 2008 das B&O Parkhotel mit 42 Zimmern und 4 Tagungsräumen eröffnet.[13]

Bereits seit 1989 betrieb der als "Chicken Joe" bekannte Josef Ecker einen Gastronomiebetrieb auf dem Gelände der Geheimdienstbasis, seit 1999 war dieser die "Biker Base" des Motorradclubs BAB Bavarian American Brotherhood e. V.[14][15] Auf Betreiben des Stadtrats von Bad Aibling musste der Betrieb im Jahre 2011 geschlossen werden.

Die Fliegerhalle und andere Einrichtungen des Geländes werden darüber hinaus für verschiedene Veranstaltungen wie Flohmärkte, die Oablinger Rocknacht[16] oder das jährlich stattfindende Süd Ost Rock Festival SORF[17] genutzt.

Siehe auch

Literatur und Verweise

Einzelnachweise

  1. Geschichte des Fliegerhorsts Mietraching auf www.mietraching.de
  2. Kölner Stadt-Anzeiger: Grass: Mit Ratzinger zusammen als Kriegsgefangener
  3. stern.de: Würfelte Grass mit dem Papst im Erdloch?
  4. open book: Ratzinger and Grass
  5. RAVEN: INSCOM in Bad Aibling
  6. Yorkshire CND: Bad Aibling Station to close
  7. Gerhard Piper: Die strategische Bedeutung der US-Luftwaffenbasen in der BRD. In: antimilitarismus information. Nr. 3-4, 2003, S. 1–16 (online, abgerufen am 11. September 2011).
  8. Bericht an das Europäische Parlament über die Existenz eines globalen Abhörsystems für private und wirtschaftliche Kommunikation (Abhörsystem ECHELON)
  9. European Union and FBI launch global surveillance system. A Statewatch report. 27. Februar 1997, archiviert auf cryptome.org
  10. „Bad Aibling festival signals farewell“ in Stars And Stripes vom 26. April 2004 (engl., abgerufen am 24. März 2009)
  11. PDF über die Geschichte des Geländes der B&O Wohnungswirtschaft GmbH & Co. KG, S. 17 (abgerufen am 24. März 2009)
  12. „Vom Keller in die Halle“ in Wasserburger Nachrichten Nr. 25/08 vom 19. Juni 2008, S. 15
  13. Webseite des B&O Parkhotels (abgerufen am 24. März 2009)
  14. Webseite Chicken Joe's Ranch (abgerufen am 24. März 2009)
  15. Webseite BAB Bavarian American Brotherhood e. V. (abgerufen am 24. März 2009)
  16. Webinformationen der Oablinger Rocknacht (gesehen am 19. März 2010)
  17. Webseite des SORF (abgerufen am 24. März 2009)
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