Bayerische Eisenbahngesellschaft
Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH
Bayerische Eisenbahngesellschaft logo.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 1995
Sitz München, Deutschland
Leitung Fritz Czeschka (Geschäftsführer)
Mitarbeiter 36 (2010)
Umsatz 1,8 Mio. EUR (2009)
Branche ÖPNV
Website www.bahnland-bayern.de/beg

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH (BEG) ist der Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Bayern. Das in München ansässige Unternehmen wurde 1995 gegründet und befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Freistaats Bayern.

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft

Als 1996 die Regionalisierung inkraft trat, wurde die Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs auf die jeweiligen Bundesländer übertragen. In Bayern war somit das Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie für den SPNV verantwortlich, das daraufhin ein hundertprozentiges Tochterunternehmen, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), gründete. Die BEG ist für die Planung, Koordinierung und Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs zuständig.

Die BEG betreibt keine eigenen Verkehre und besitzt weder Fahrzeuge noch Strecken, sie beauftragt lediglich verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen – im größten Teil des Landes ist das noch die DB Regio AG – mit der Durchführung von Verkehren. So wurde bereits 1996 mit der Deutschen Bahn ein Verkehrsdurchführungsvertrag abgeschlossen, der Ende 2004 erneuert wurde. Dieser neue Vertrag läuft für den Regional- und Nahverkehr bis zum Jahr 2013, für die S-Bahn-Netze in München und Nürnberg bis 2017.

„Integral“-Triebzug der Bayerischen Oberlandbahn in Geitau zwischen Holzkirchen und Bayrischzell

Die BEG besitzt außerdem die Möglichkeit, einzelne Linien oder Streckennetze europaweit auszuschreiben. In einem Wettbewerbsverfahren wird dann unter verschiedenen Bewerbern der günstigste Anbieter ermittelt, der daraufhin den Auftrag zur Erbringung der ausgeschriebenen Leistungen erhält. Ziel des Wettbewerbs im SPNV ist es, einerseits die Zuschüsse des Freistaats an die Bahnunternehmen zu senken und andererseits den Fahrgästen mehr Komfort durch in den Ausschreibungsbedingungen festgelegte Standards bieten zu können. Während in anderen Bundesländern bereits regelmäßig Ausschreibungen durchgeführt wurden, lief der Wettbewerb in Bayern zunächst sehr zögerlich an. Die als Pilotprojekt geplante Ausschreibung der Bayerischen Oberlandbahn endete zudem durch die technischen Probleme der neuartigen Triebzüge in einem Desaster. Mittlerweile ist der Wettbewerb jedoch auch in Bayern in Fahrt gekommen, während der Laufzeit des zweiten Verkehrsdurchführungsvertrags mit der Deutschen Bahn werden über 31 Millionen Zugkilometer ausgeschrieben, was rund einem Drittel des gesamten SPNV in Bayern entspricht.

Die Regionalisierung in Bayern

Der größte Erfolg der Bayerischen Eisenbahngesellschaft war die Einführung des landesweiten Bayern-Taktes im Jahr 1996. Seitdem werden der größte Teil der Bahnstrecken in einem regelmäßigen Stundentakt, schwächer nachgefragte Strecken zumindest im Zwei-Stunden-Takt, befahren. Wichtigstes Merkmal des Bayern-Taktes sind die festen Taktzeiten, zu denen ein Zug verkehrt. An den Anfangs- und Endpunkten einer Strecke sowie an wichtigen Umsteigestationen wurden die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Anschlusszüge zudem aufeinander abgestimmt, um Umsteigevorgänge zu erleichtern und die Aufenthaltszeit zu verkürzen.

Zwischen 1996 und 2005 wurde die Zugleistungen um 26 Prozent erhöht, die Zahl der Fahrgäste nahm im gleichen Zeitraum um rund 35 Prozent zu.[1]

Auch nach der 2006 beschlossenen Kürzung der Regionalisierungsmittel um bundesweit 2,8 Milliarden Euro zwischen 2007 und 2011 wurde das Angebot nicht gekürzt. Während die meisten übrigen Bundesländer die Angebote teilweise stark einschränken oder ganze Strecken abbestellen mussten, konnte Bayern als einziges Bundesland sein SPNV-Angebot zusätzlich erweitern. Grund dafür war vor allem der umfangreiche Wettbewerb während der Laufzeit des neuen Verkehrsdurchführungsvertrags.

Ein weiterer Erfolg war die Einführung des Bayern-Tickets, eines landesweit gültigen Fahrscheins für den SPNV. Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Regionalbusgesellschaften in den Geltungsbereich aufgenommen. Weiterhin wurde die Gültigkeit des Bayern-Tickets auch auf die Verkehrsverbünde im Umland der Großstädte München, Nürnberg, Augsburg, Würzburg, Aschaffenburg und zuletzt Regensburg ausgeweitet. Das Bayern-Ticket gilt einen Tag lang für fünf Personen einer Reisegruppe, die Aufnahme weiterer Personen nach Fahrtantritt ist jedoch nicht zulässig. In den letzten Jahren wurden mit dem Bayern-Ticket Single, einem speziellen Angebot für Alleinreisende, und dem Bayern-Ticket Nacht für die Zeit 18:00 bis 6:00 Uhr weitere Spartenangebote geschaffen. Des Weiteren gibt es noch das Bayern-Ticket Single 1. Klasse. Es ist analog den Bayern-Ticket Single gültig für eine Person, berechtigt aber zur Benutzung der ersten Klasse und kostet 31 €.[2]

Ausschreibungen im Schienenpersonennahverkehr

1998 vergab die BEG erstmals Regionalverkehrsleistungen im Wettbewerb.[1]

Die folgende Auflistung umfasst die bisher veröffentlichten SPNV-Ausschreibungen, die durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft durchgeführt wurde. In den kommenden Jahren sind noch weitere Wettbewerbsprojekte vorgesehen.

Name der Ausschreibung Strecken Vertragslaufzeit Leistungen Gewinner
kein Name
  • München – Lenggries / Bayrischzell / Tegernsee
11/1998 – 12/2012 Bayerische Oberlandbahn GmbH
IR 25 Ersatz Süd
  • München – Kempten (Allgäu) – Oberstdorf
12/2003 – 12/2007 Regentalbahn AG +
SBB GmbH
Kissinger Stern
  • Schweinfurt – Meiningen
  • Schweinfurt – Bad Kissingen – Gemünden (Main)
12/2004 – 12/2014 [3] 1,0 Mio. Zugkilometer Erfurter Bahn GmbH
Kahlgrundbahn
  • (Hanau –) Kahl (Main) – Schöllkrippen
12/2005 – 12/2015 0,3 Mio. Zugkilometer HLB Hessenbahn GmbH
Regionalverkehr
Nürnberg – München
  • München – Ingolstadt – Nürnberg
12/2006 – 12/2013 2,0 Mio. Zugkilometer DB Regio AG
IR 25 Ersatz Süd
  • München – Kempten (Allgäu) – Oberstdorf / Immenstadt
12/2007 – 12/2017 1,5 Mio. Zugkilometer Regentalbahn AG
IR 25 Ersatz Nord
  • München – Regensburg – Hof / Furth im Wald
12/2007 – 12/2017 1,8 Mio. Zugkilometer Regentalbahn AG
Dieselnetz Nürnberg
  • Nürnberg – Fürth – Neustadt (Aisch)
  • Neustadt (Aisch) – Steinach bei Rothenburg
  • Steinach bei Rothenburg – Rothenburg o.d.T.
  • Fürth – Markt Erlbach
  • Fürth – Cadolzburg
  • Nürnberg Nordost – Gräfenberg
  • Nürnberg – Simmelsdorf-Hüttenbach / Neuhaus (Pegnitz)
12/2008 – 12/2018 3,2 Mio. Zugkilometer DB Regio Franken (damals DB Regio Mittelfranken)
Südhessennetz
  • Aschaffenburg – Darmstadt – Wiesbaden
12/2008 – 12/2018 1,4 Mio. Zugkilometer DB Regio AG, Region Hessen [4]
E-Netz Augsburg
  • München – Augsburg – Ulm
  • Augsburg – Donauwörth – Aalen / Treuchtlingen
12/2008 (12/2009) – 12/2019 4,3 Mio. Zugkilometer
(5,0 Mio. Zugkilometer)
DB Regio AG
Dieselnetz Augsburg I
  • Augsburg – Landsberg (Lech)
  • Augsburg – Bad Wörishofen
12/2007 – 12/2017 1,2 Mio. Zugkilometer DB Regio AG
Dieselnetz Augsburg II
  • Augsburg – Weilheim (Oberbayern) – Schongau
12/2008 – 12/2018 2,4 Mio. Zugkilometer
(2,7 Mio. Zugkilometer)
Veolia Verkehr GmbH
  • Augsburg – Ingolstadt (– Eichstätt)
12/2009 – 12/2019
kein Name
  • Freilassing – Berchtesgaden
12/2009 – 12/2021 0,5 Mio. Zugkilometer Regentalbahn AG +
Salzburg AG
E-Netz Würzburg
  • Würzburg – Nürnberg
12/2009 – 12/2021 5,7 Mio. Zugkilometer DB Regio AG München [5]
  • Würzburg – Schlüchtern / Lohr (Main)
  • Würzburg – Schweinfurt – Bamberg
  • Würzburg – Ansbach – Treuchtlingen
12/2010 – 12/2021
kein Name 12/2009 – 12/2021 2,6 Mio. Zugkilometer DB Regio AG
E-Netz Regensburg +
Donautalbahn
  • Neumarkt (Oberpfalz) – Regensburg – Plattling
  • Landshut – Regensburg – Ingolstadt
12/2010 – 12/2022 5,0 Mio. Zugkilometer +
0,45 Mio. Zugkilometer (Option)
BeNEX GmbH
[ Hamburger Hochbahn AG/
International Public Partnerships]
  • Ingolstadt – Donauwörth – Ulm
12/2011 – 12/2022
Dieselnetz Oberfranken
  • Forchheim – Ebermannstadt
  • Bamberg – Ebern
  • Bad Rodach – Coburg – Lichtenfels
  • Lichtenfels  – Kulmbach – Bayreuth
  • Bayreuth – Weiden
  • Bayreuth – Weidenberg
  • Bayreuth – Marktredwitz
  • Hof – Bad Steben
  • Hof – Selb Stadt
  • Hof – Münchberg
  • Münchberg – Helmbrechts
06/2011 – 12/2023 ca. 4,0 Mio. Zugkilometer
+ 0,3 Mio. Zugkilometer (Option)
BeNEX GmbH
  • Hof – Marktredwitz
12/2011 – 12/2023
E-Netz Franken
  • Nürnberg – Bamberg – Sonneberg
  • Nürnberg – Schweinfurt – Würzburg
  • Nürnberg – Kronach – Jena
  • Bamberg – Kronach/Saalfeld
12/2011 (12/2013) – 12/2023 4,6 Mio. Zugkilometer
Regional- und Stadtverkehr Bayern GmbH (RSB)
(Omnibusverkehr Franken; DB Stadtverkehr)
Werdenfels-Netz
  • München – Garmisch-Partenkirchen – Mittenwald (– Seefeld in Tirol)
  • Tutzing – Kochel
  • Murnau – Oberammergau
  • Garmisch-Partenkirchen – Reutte in Tirol
12/2013 – 12/2025 2,9 bis 4,1 Mio. Zugkilometer
DB Regio Bayern GmbH
E-Netz Rosenheim
  • München – Rosenheim – Traunstein – Salzburg
  • München – Rosenheim – Kufstein
  • München – Holzkirchen – Rosenheim
12/2013 – 12/2025 4,8 Mio. Zugkilometer
+ 1,0 Mio. Zugkilometer (Option)
Veolia Verkehr
Regionalzüge Ostbayern
(Teilnetze Waldbahn, Naabtalbahn, Oberpfalzbahn)
  • Plattling – Bayerisch Eisenstein (– Klattau)
  • Zwiesel – Grafenau
  • Zwiesel – Bodenmais
12/2013 – 12/2023 5 Mio. Zugkilometer Regental Bahnbetriebs-GmbH [FS Netinera]
  • Regensburg – Weiden – Marktredwitz
  • Marktredwitz – Schirnding (– Eger)
  • Schwandorf – Furth i. Wald (– Taus)
  • Cham – Waldmünchen
  • Cham – Bad Kötzting – Lam
12/2014 – 12/2023
Regionalschnellbahn Ostbayern[6]
  • Nürnberg – Bayreuth – Hof
  • Nürnberg – Marktredwitz – Hof/Schirnding
  • Nürnberg – Weiden – Neustadt a. d. Waldnaab
  • Nürnberg – Amberg – Schwandorf – Regensburg
12/2016 – 12/2028 5,9 Mio. Zugkilometer noch nicht bekannt

Anmerkung: Die in Klammern genannten Unternehmen stellen die Haupteigentümer der Verkehrsunternehmen da.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Meldung Zehn Jahre BEG. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 5/2006, ISSN 1421-2811, S. 216.
  2. Bayern-Ticket, abgerufen am 20. September 2011
  3. RB-Leistungen in Unterfranken gehen an die EIB, in Bahn-Report (3-2003), Seite 69, http://www.bahnland-bayern.de/beg/wettbewerbsprojekte/abgeschlossene-wettbewerbsprojekte.pdf
  4. Vergabemitteilung im Anhang zum Amtsblatt der EU 2006/S 162-174166 vom 26.08.2006
  5. Vergabemitteilung im Anhang zum Amtsblatt der EU 2007/S 66-080095 vom 04.04.2007
  6. Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union: Ausschreibung „Regionalschnellbahn Ostbayern“

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