Bellikon
Bellikon
Wappen von Bellikon
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau
Bezirk: Badenw
Gemeindenummer: 4022i1f3f4
Postleitzahl: 5454
Koordinaten: (668601 / 249225)47.3902778.34723597Koordinaten: 47° 23′ 25″ N, 8° 20′ 50″ O; CH1903: (668601 / 249225)
Höhe: 597 m ü. M.
Fläche: 4.94 km²
Einwohner: 1576 (31. Dezember 2010)[1]
Website: www.bellikon.ch
Karte
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Bellikon (in einheimischer Mundart: [ˈb̥æ.li.kχə])[2][3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt zwischen Baden und dem Mutschellen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Dorf liegt hoch über dem Reusstal am Südwesthang des Heitersbergs. Der Hang fällt ziemlich gleichmässig ab. Mit Ausnahme eines kleinen Plateaus, auf dem sich das Dorfzentrum befindet, gibt kaum flache Stellen. Etwa einen Kilometer nördlich des Dorfzentrums liegt auf einer Höhe von 635 Metern der langgezogene Ortsteil Hausen, der mittlerweile mit dem weiter unten liegenden Bellikon zusammengewachsen ist. Über das gesamte Gemeindegebiet liegen Einzelhöfe verstreut.[4]

Das Gemeindegebiet ist 494 Hektaren gross, davon sind 143 Hektaren bewaldet und 50 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle liegt auf dem Kamm des Heitersbergs auf 787 Metern, der tiefste auf 500 Metern an der nordwestlichen Gemeindegrenze.

Nachbargemeinden sind Remetschwil im Norden, Spreitenbach im Nordosten, Bergdietikon im Osten, Widen im Süden, Eggenwil im Südwesten und Künten im Westen.

Geschichte

Schon in römischer Zeit war die Gegend des heutigen Bellikon besiedelt. Hier führte die Römerstrasse zwischen Vindonissa (Windisch) und Turicum (Zürich) durch. 1934 kamen bei Grabungen südlich des Dorfes Ziegel zum Vorschein. 1941 wurde ein Gutshof ausgegraben und dokumentiert, danach mit Hilfe internierter polnischer Soldaten wieder eingedeckt. Gefundene Kunstgegenstände weisen darauf hin, dass das Haus Ende des 1. Jahrhunderts errichtet worden war und bis zum frühen 4. Jahrhundert bewohnt war.[5]

Schloss Bellikon

Der frühste sichere Beleg für Bellikon stammet aus dem frühen 13. Jahrhundert (ad Pellichon 11 sol. in festo); die Erwähnungen in zweien älteren Urkunden (1189 predium Bellenchon; 1179 predium Pellinchon cum pertinentiis suis) werden zum Teil Bellingen am Oberrhein zugeschrieben, beziehen sich angesichts der dort ebenfalls genannten Ortschaften Urdorf und Spreitenbach aber wahrscheinlich auch auf Bellikon. Der Ortsname besteht aus einem um das Suffix -ing- erweiterten althochdeutschen Personennamen *Ballo/*Pallo oder Paldo und dem daran angehängten Grundwort hof im Dativ der Mehrzahl (-ing-hovun > -ikon) und bedeutet etwa ‚bei den Höfen der Sippe des Ballo/Paldo‘.[2][3]

Bellikon und Hausen waren zuerst dem Kloster Murbach im Elsass, später den Habsburgern zehntenpflichtig. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und die Dörfer gehörten nun zum Amt Rohrdorf in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Bellikon war daraufhin eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. 1803 wurde sie mit Hausen fusioniert und gehört seither zum Kanton Aargau.

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein blieb Bellikon ein kleines Bauerndorf, die Einwohnerzahl stieg nur leicht an. Doch dann wurde die landschaftlich reizvolle Lage Bellikons entdeckt und das Dorf machte aufgrund seiner Nähe zu Zürich eine stürmische Entwicklung durch. Die Zahl der Einwohner stieg seit 1960 um mehr als das Dreifache an. 1974 eröffnete die SUVA eine Rehabilitationsklinik. Die alte Pfarrkirche St. Joseph war zu klein geworden, weshalb man sie 1977 abriss und durch einen modernen Neubau ersetzte.

Sehenswürdigkeiten

Sankt Josefskirche
Fachwerkhaus in Bellikon

Westlich des Dorfzentrums befindet sich in einer ausgedehnten Parkanlage das Schloss Bellikon. Erbaut wurde es in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch die Patrizierfamilie Krieg aus Zürich. Seit 1605 gab es mehrere Besitzerwechsel, zu Beginn des 20. Jahrhunderts diente das Schloss vorübergehend als Kuranstalt. Das viergeschossige Gebäude ist spätgotisch geprägt, daran angebaut ist ein kreisrunder Treppenturm. Östlich davon steht die 1676 erbaute Schlosskapelle. Im alten Dorfkern sind einzelne Bauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten geblieben.[6]

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau weisse Burg mit Treppengiebel und linksseitig angebautem bedachtem Rundturm.» In einer Chronik von 1548 und auf der Karte des Kantons Zürich von 1667 wurde dem Dorf irrtümlich das Wappen der Herren von Bellikon (heute Bad Bellingen im Breisgau) zugewiesen, ein gelber Wappenschild mit schwarzem Balken. Die Gemeinde führte 1827 das Wappen mit der Abbildung des Schlosses Bellikon ein. Die heutige Form wurde 1965 festgelegt.[7]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 305 440 377 340 434 426 627 905 1035 1303

Am 31. Dezember 2010 lebten 1576 Menschen in Bellikon, der Ausländeranteil betrug 9,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 49,3 % römisch-katholisch und 29,2 % reformiert; 3,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 94,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,1 % Serbokroatisch, je 0,8 % Englisch und Italienisch.[9]

Politik und Recht

Gemeindehaus

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Bellikon gehört zum Friedensrichterkreis Rohrdorf.

Wirtschaft

Rehaklinik der SUVA

In Bellikon gibt es gemäss Betriebszählung 2005 rund 500 Arbeitsplätze, davon 11 % in der Landwirtschaft, 5 % im Kleingewerbe und 84 % im Dienstleistungssektor.[10] Der mit Abstand grösste Arbeitgeber und Steuerzahler der Gemeinde ist die SUVA, die hier eine Rehabilitationsklinik mit über 200 Betten betreibt. Viele Erwerbstätige arbeiten in den Agglomerationen von Baden oder Zürich.

Verkehr

Bellikon liegt an der Hauptstrasse zwischen Baden und der Mutschellen-Passhöhe. Zwischen diesen beiden Orten verkehrt eine Postautolinie. In Baden besteht Anschluss an das nationale Schnellzugsnetz der SBB, auf dem Mutschellen befindet sich die Station Berikon-Widen der Bremgarten-Dietikon-Bahn. Ausserdem gibt es eine Postautolinie von Widen über Bellikon zum Bahnhof Mellingen-Heitersberg (Anschluss an die Linie S3 der S-Bahn Zürich) sowie eine BDWM-Schnellbuslinie von Oberrohrdorf über Bellikon und den Uetlibergtunnel nach Zürich-Enge.

Bildung

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Für die Führung der Realschule und der Sekundarschule hat Bellikon mit den Nachbargemeinden Remetschwil, Oberrohrdorf und Niederrohrdorf einen Schulverband gegründet. Schüler aus Bellikon gehen deshalb meist nach Oberrohrdorf in die Schule. Die Bezirksschule kann in Baden besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Baden oder Wettingen.

Persönlichkeiten

Weblinks

 Commons: Bellikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 2. Halbjahr 2010, Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 28. März 2011
  2. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 77f. Angegebne Lautschrift: bé͈likxə.
  3. a b Gabrielle Schmid/Andres Kristol: Bellikon AG (Baden) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 134. Angegebne Lautschrift: [ˈbælikχə].
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  5. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 164.
  6. Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band VI, Bezirk Baden I. Birkhäuser Verlag, Basel 1976, ISBN 3-7643-0782-X. S. 340–348.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 113.
  8. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Baden, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  9. Gemeindeporträt, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  10. Betriebszählung 2005, Statistisches Amt des Kantons Aargau

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