Bill Moody

Bill Moody (* 1941 in Webb City, Missouri) ist ein US-amerikanischer Krimiautor, Jazz–Autor und –Schlagzeuger.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Bill Moody wuchs in Santa Monica auf und studierte nach vier Jahren in der United States Air Force am Berklee College of Music in Boston. Seine Karriere als professioneller Schlagzeuger begann er in einer südkalifornischen Surfband, doch bald wurde im dies zu langweilig und er begann im Trio mit dem Pianisten Junior Mance und dem Sänger Jimmy Rushing als Jazzmusiker.

Auf Einladung eines tschechoslowakischen Kommilitonen aus Berklee spielte er vertretungsweise 1967 mit der Big Band von Gustav Brom bei Auftritten während des Jazz Festivals Prag. Nach den ursprünglich geplanten zwei Wochen blieb er in Brünn hängen. Während des nächsten Jahres war er der einzige Amerikaner, der mit der Band die Sowjetunion und die DDR bereisen durfte. Der Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag und das Ende des Prager Frühlings überraschte ihn bei einem kurzen Aufenthalt in London und es dauerte mehrere Monate bis er wieder in seine Wohnung nach Brünn kam und sein Schlagzeug zurück erhielt. Er blieb noch weitere zwei Jahre in Europa, wo er u. a. mit Maynard Ferguson, Annie Ross und Jon Hendricks spielte und an einer Theaterproduktion mit Peter Herbolzheimer in Hamburg mitwirkte. Nachdem er mit dem Orchester des Sängers Lou Rawls auf dessen Europatournee gespielt hatte, heuerte ihn dieser als festes Mitglied an und er kehrte in die Vereinigten Staaten nach Los Angeles zurück, wo er auch mit Earl Hines auftrat. Mit Lou Rawls spielte er ab Mitte der 1970er in den großen Hotels von Las Vegas ebenso wie in Japan und Australien. Der Sänger sollte ihm später als Vorbild für die Figur des Lonnie Cole in seinem ersten Roman Solo Hand dienen – ein Jazzsänger, der auf Betreiben seiner Plattenfirma in einen Popstar und Allround-Entertainer verwandelt wird.

Neben seinen Engagements studierte Moody Literatur an der University of Nevada, Las Vegas, wo er auch später unterrichten sollte. Er begann als Musikkritiker für JazzTimes zu schreiben, verfasste aber auch erste Kurzgeschichten z. B. für Ellery Queens Mystery Magazine).[1] 8 Jahre lang war er Jazz-DJ beim universitätseigenen Radiosender KUNV-FM.

Erfahrungen aus seinem Europaaufenthalt verarbeitete er zu einem Buch über die Expatriates unter den US-amerikanische Jazzmusikern. Das Buch The Jazz Exiles. American Musicians Abroad beruht auf Interviews mit Art Farmer, Mark Murphy, Jon Hendricks, Bud Freeman, Bob Dorough u. a. Bekannt wurde Bill Moody jedoch ab 1994 durch seine Kriminalromane aus dem Jazz-Milieu, die ebenfalls Erfahrungen aus Europa (Looking for Chet Baker) und Las Vegas einfließen ließen (Death of a tenor man um die Ermordung von Wardell Gray). Sein Protagonist ist dabei der Pianist Evan Horne, der gezwungenermaßen Privatdetektiv wird, nachdem ihm bei einem Unfall die rechte Hand zerschmettert wurde. Als Vorbild diente im teilweise der Pianist Bill Evans. In seinen Romanen mixt er häufig reale Charaktere und Ereignisse mit fiktiven Vorgängen. In Bird Lives kommt er einem Serienmörder auf die Spur, der Smooth Jazz–Musiker ermordet und dabei eine Kette von Hinweisen aus der Jazzgeschichte hinterlässt. In Shades of Blue dreht es sich um die Birth of the Cool–Session von Miles Davis und die Frage, inwieweit er dabei „Anleihen“ bei anderen Musikern machte.[2] Außerdem schildert er das Milieu von Monte Rio, wo Moody lange wohnte. In The Sound of the Trumpet geht es um verlorengegangene Aufnahmen von Clifford Brown.

Moody lebt bei San Francisco. Er lehrt Creative Writing an der Sonoma State University in Kalifornien, ist aber auch weiterhin als Jazzmusiker in der San Francisco Bay Area mit dem Terry Henry Trio und Dick Cole aktiv.

Veröffentlichungen

Sachbücher

  • The Jazz Exiles. American Musicians Abroad. University of Nevada Press, 1993

Kriminalromane

  • Solo Hand. Walker, 1994
    • deutsch: Solo Hand. Unionsverlag, Zürich 2001, ISBN 3-293-20198-9 (aus dem Engl. von Anke Caroline Burger).
  • Death of a tenor man. Walker, 1995
    • deutsch: Moulin Rouge, Las Vegas. Unionsverlag, Zürich 2002, ISBN 3-293-20231-4 (aus dem Engl. von Anke Caroline Burger).
  • The Sound of the Trumpet. Walker, 1997
  • Bird Lives! Walker, 1999
    • deutsch: Bird Lives! Unionsverlag, Zürich 2006, ISBN 3-293-00356-7 (aus dem Engl. von Anke Caroline Burger).
  • Looking for Chet Baker. Walker, 2002
    • deutsch: Auf der Suche nach Chet Baker. Unionsverlag, Zürich 2004, ISBN 3-293-00330-3 (aus dem Engl. von Anke Caroline Burger).
    • als Hörbuch: Auf der Suche nach Chet Baker. Delta Music, Frechen 2006, ISBN 3-86538-209-6 (gelesen von Karl-Heinz Tafel).
  • Shades of Blue. Poisoned Pen Press, 2008
  • Fade to Blue. Poisoned Pen Press, 2011

Weblinks

Anmerkungen

  1. Z. B. veröffentlicht in Randisi (Herausgeber): Murder and all that Jazz, Signet Books, 2004
  2. Nach eigenen Angaben erzählte ihm Red Mitchell, mit dem er in Schweden spielte, von den Aufnahme-Sessions, und die Musik des Albums zählt zu Moodys persönlichen Favoriten.

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