Binz
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Binz
Binz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Binz hervorgehoben
54.39984166666713.6099805555567
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Vorpommern-Rügen
Höhe: 7 m ü. NN
Fläche: 25,22 km²
Einwohner:

5.407 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 214 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18609
Vorwahl: 038393
Kfz-Kennzeichen: RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 73 011
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Jasmunder Straße 11
18609 Binz
Webpräsenz: www.gemeinde-binz.de
Bürgermeister: Karsten Schneider
Lage der Gemeinde Binz im Landkreis Vorpommern-Rügen
Rostock Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Altenpleen Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Klausdorf (bei Stralsund) Kramerhof Preetz (bei Stralsund) Prohn Bartelshagen II b. Barth Barth Divitz-Spoldershagen Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Karnin (Nordvorpommern) Kenz-Küstrow Löbnitz (Vorpommern) Lüdershagen Pruchten Saal (Vorpommern) Trinwillershagen Bergen auf Rügen Buschvitz Garz/Rügen Gustow Lietzow Parchtitz Patzig Poseritz Ralswiek Rappin Sehlen Ahrenshoop Born a. Darß Dierhagen Prerow Wieck a. Darß Wustrow (Fischland) Franzburg Glewitz Gremersdorf-Buchholz Millienhagen-Oebelitz Papenhagen Richtenberg Splietsdorf Velgast Weitenhagen (Nordvorpommern) Wendisch Baggendorf Elmenhorst (Nordvorpommern) Sundhagen Wittenhagen Baabe Gager Göhren (Rügen) Lancken-Granitz Middelhagen Sellin Thiessow Zirkow Groß Kordshagen Jakobsdorf Kummerow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Neu Bartelshagen Niepars Pantelitz Steinhagen (Vorpommern) Wendorf Zarrendorf Altenkirchen (Rügen) Breege Dranske Glowe Lohme Putgarten Sagard Wiek (Rügen) Bad Sülze Dettmannsdorf Deyelsdorf Drechow Eixen Grammendorf Gransebieth Hugoldsdorf Lindholz Tribsees Ahrenshagen-Daskow Schlemmin Ribnitz-Damgarten Semlow Altefähr Dreschvitz Dreschvitz Gingst Hiddensee Kluis Neuenkirchen (Rügen) Neuenkirchen (Rügen) Rambin Samtens Schaprode Schaprode Trent (Rügen) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Binz Grimmen Marlow Putbus Putbus Sassnitz Stralsund Stralsund Süderholz Zingst Zingst ZingstKarte
Über dieses Bild

Binz ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geographische Lage

Binz aus der Luft
Binz: Blick über die Düne, den Strand und das Prorer Wiek zum Granitzer Ort

Binz liegt an der Ostküste der Insel Rügen zwischen der Bucht Prorer Wiek und dem Schmachter See. Nördlich von Binz erstreckt sich die Schmale Heide, eine Landzunge, die das Muttland Rügens mit der Halbinsel Jasmund verbindet. Östlich und südlich der Gemeinde ist das Gebiet hügelig, im Südosten werden in der Granitz Höhen knapp über 100 m ü. NN erreicht. Zu Binz gehört der Ortsteil Prora.

Klima

Der Jahresniederschlag liegt bei 611 mm und ist damit vergleichsweise niedrig, da er in das untere Viertel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 23 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juli. Im Juli fallen 1,9 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren kaum und sind sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 10 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte

Fischer- und Bauerndorf

1318 wurde der Ort erstmals als Byntze in einer Steuererhebung der Grafschaft Streu erwähnt. Siedlungskern war die heutige mittlere Bahnhofstraße und die Rabenstraße, daneben existierten die Einzelgehöfte Granitz-Hof und Aalbeck. Kirchdorf und Zentrum des Kirchspiels war Zirkow.

Eine erste Andeutung der späteren Bedeutung als Ostseebad ergab sich bereits um 1830, als Gäste des Fürsten zu Putbus an der Mündung der Ahlbeck (Abfluss des Schmachter Sees) badeten. 1835 wurde eine einklassige Schule eingerichtet. Um 1850 durften Binzer Bauern das bis dahin vom Fürsten zu Putbus gepachtete Land kaufen.

Der Ort war bis 1326 Teil des Fürstentums Rügen und danach des Herzogtums Pommern. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde Rügen und somit auch der Ort Binz ein Teil von Schwedisch-Pommern. Im Jahr 1815 kam Binz als Teil von Neuvorpommern zur preußischen Provinz Pommern.

Von 1818 bis zum 4. September 2011 gehörte Binz mit einer kurzen Unterbrechung (1952–1955 Kreis Putbus) zum Kreis/Landkreis Rügen.

Entwicklung zum Ostseebad

Strand um 1900
Wilhelmstraße um 1900
Villa Aegir, Villa Helene, die Nymphe um 1920

Um das Jahr 1875 kommt das Baden im Meer in Mode. Die ersten Gäste kamen in den kleinen Ort Binz, fanden Gefallen an ihm, empfahlen ihn weiter. Im gleichen Jahr entstand die erste Verbindungsstraße vom Dorf zum Strand (Putbuser Straße). Zehn Jahre später wird Binz offiziell Badeort, was zur Folge hat, dass mächtig gebaut wird: die Strandpromenade, die Seebrücke, das Kurhaus, ein neues Wegenetz und der Kleinbahnanschluss. Um 1870 wurden schon 80 Badegäste im Jahr gezählt. In Binz und in anderen Badeorten an der Ostseeküste entstanden Ende des 19. Jahrhunderts keine großen Hotels, sondern Logierhäuser im Villenstil der sogenannten Bäderarchitektur. Sie erhielten vom Zeitgeist geprägte Namen: nationalistische wie „Germania“ oder Namen von Familienangehörigen – oft zum Beispiel der Vorname der Frau des Erbauers. 1876 wurde das erste Hotel gebaut. 1880 ließ Wilhelm Klünder das Strandhotel als erstes Hotel in Strandnähe errichten.

1888 wurde die „Aktiengesellschaft Ostseebad Binz“ gegründet, die 1890 das erste Kurhaus Binz eröffnete und 1891 in Konkurs ging. 1892 erlangte Binz die Stellung einer selbständigen Landgemeinde.

Gegen 1896 verband die Reederei „Bräunlich“ die Orte Stettin-Binz-Sassnitz miteinander. Es folgte eine rege Bautätigkeit. 1893 wurde das erste Kurhaus und der Kaiserhof gebaut. 1895 folgte der Bau der Kleinbahnstrecke Putbus-Binz und die Anlage der Strandpromenade, 1898 schließlich der Bau der ersten Post (Haus Kliesow, Hauptstraße). Am Strand wurden getrennte Damen- und Herrenbäder angelegt. Im Jahr 1902 wurde eine 600 Meter lange Seebrücke erbaut. Weitere Infrastrukturmaßnahmen waren die Errichtung einer Trinkwasserversorgung und Kanalisation (1903) und der Bau eines Elektrizitätswerkes (Jasmunder Straße).

Zwei Züge im Schmalspurbahnhof

Zwei Rückschläge waren die Zerstörung der Seebrücke durch einen Sturm in der Neujahrsnacht 1905 und der Brand des Kurhauses 1906. Nach dem Wiederaufbau der Seebrücke wurde 1908 auch ein neues Kurhaus erbaut. Zugleich entstand ein Familienbad. 1912 stürzte ein Brückenteil der Seebrücke ein, wobei 17 Menschen ums Leben kamen. Daraufhin wurde 1913 in Leipzig die DLRG gegründet.

1913 wurde die evangelische Kirche eingeweiht, 1928 das neue Postgebäude eingeweiht (Zeppelinstraße). Nach und nach verschwanden die am Strand errichteten Badeanstalten. 1922 wurde das Herrenbad, 1932 als letztes das Familienbad abgerissen.

Nationalsozialismus

Im Jahr 1937 begannen die umfangreichen Arbeiten am KdF-Seebad Prora, das zum größten und modernsten Seebad Europas ausgebaut werden sollte. Im gleichen Jahr wurde der Kurplatz neu angelegt. 1938 wurde das Bahnhofsgebäude Binz (heute DB) erbaut, 1939 erfolgte die Eröffnung der Bahnlinie Lietzow-Binz.

Durch Eisgang wurde 1942 die Seebrücke wieder zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1945 in Hotels, Pensionen und Villen Flüchtlinge und Umsiedler untergebracht.

DDR

1950 wurde Binz Bad der SDAG Wismut. Die unterbrochenen Arbeiten an den Gebäuden des KdF-Bades werden nach 1950 fortgesetzt, um Kasernen für die Volkspolizei zu schaffen, die später durch die Nationale Volksarmee genutzt wurden.

1952 wurde die Bahnstrecke Lietzow–Binz wieder in Betrieb genommen.

Im Jahr 1953 fand auch in Binz die „Aktion Rose“ statt. Besitzer von Hotels, Pensionen und Häusern wurden willkürlich kriminalisiert, verhaftet und enteignet. Der FDGB übernahm 1956 mit dem Seeschloß das erste Ferienheim in Binz. Ab 1972 wurden für den FDGB noch weitere Ferienheime (z. B. Haus Arkona, Haus Rügen, Haus Rugard) errichtet. Es entstand nördlich des bisherigen Ortes ein Wohngebiet in Plattenbauweise, welches das gewachsene Ortsbild beeinträchtigt. Die Ahlbeck, die das Wasser des Schmachter Sees in die Ostsee abführt, wurde in den 1950er Jahren verrohrt. Die „Mündung“ der Rohrstrecke befindet sich am Binzer Strand und ist heute mit einem Hinweisschild versehen. Von 1970 bis 1985 entstand ein großes Wohngebiet West mit 736 Wohnungen in Plattenbauweise.

In den Jahren von 1952 bis 1955 war Binz dem Kreis Putbus zugehörig.

Zeit ab 1990

Hauptstraße
Neuer Wendepunkt am Ende der Hauptstraße
Restaurierte Bäderarchitektur in Binz, 2002

Die Gemeinde gehörte bis 1990 zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock und wurde Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung ergaben sich auch für Binz deutliche Veränderungen. Viele der alten Villen an der Strandpromenade und im gesamten Ort wurden an die früheren Eigentümer zurückübertragen. Es setzte eine Welle von Sanierungen, Rekonstruktionen und Neubauten ein. Auch die ehemaligen Ferienheime des FDGB wurden privatisiert und völlig modernisiert. Daneben entstanden zahlreiche neue Gebäude, sowohl an der Peripherie als auch im Ortszentrum. Die Straßen und Bürgersteige wurden umfangreich instand gesetzt, die Strandpromenade in Richtung Prora verlängert. Der Kurplatz erhielt eine neue Gestaltung.

1990 wurde der Fremdenverkehrsverein Binz e. V. gegründet, 1994 die neue, 370 Meter lange, Seebrücke eingeweiht, die die 1942 zerstörte Brücke ersetzt.

In der Jasmunder Straße wurde 1998 das neue Gebäude der Gemeindeverwaltung eingeweiht. Im Jahr 2000 wurde das Haus des Gastes und 2002 der Kurpark Binz eröffnet. 2003 konnten die Promenade am Schmachter See und der Park der Sinne eröffnet werden. Seit Mai 2007 erstrahlen nun auch die komplette Hauptstraße und der prunkvolle Wendeplatz in neuem Glanz.

Politik

Gemeindevertretung

Der Gemeindevertretung der Gemeinde Ostseebad Binz hat 17 Mitglieder. Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis:[2]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 29 % 5
Wählerinitiative „Für Binz“ 28 % 5
Die Linke 19 % 3
SPD 11 % 2
FDP 9 % 1
Förderkreis Binz 5 % 1

Bürgermeister

Bürgermeister der Gemeinde ist Karsten Schneider. Er wurde am 5. Juni 2011 gewählt und am 1. September 2011 in sein Amt eingeführt.

Wappen

Das Wappen wurde am 25. Januar 1928 von der Gemeinde angenommen und unter der Nr. 79 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Gold zwei erniedrigte schwarze Wellenbalken; auf dem oberen schwimmt ein roter Kahn, aus dem ein rot gekrönter, gezungter und bewehrter, doppelgeschweifter schwarzer Löwe wächst.“

Flagge

Die Flagge besteht aus gelbem Tuch, das in der Mitte mit den Figuren des Gemeindewappens belegt ist. Die Figuren des Wappens nehmen sieben Neuntel der Flaggenhöhe und die Hälfte der Flaggenlänge ein. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.

Partnerschaften

Die Gemeinde Binz unterhält Partnerschaften mit Białogard in Polen und Cuxhaven in Deutschland.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswert sind das Jagdschloss Granitz und die Bäderarchitektur entlang der Promenade an der Ostsee, die Seebrücke Binz, das Kurhaus Binz, die Schmachter See-Promenade (2003 restauriert), der Park der Sinne, der Kurpark und das Binz-Museum. Außerdem sind hervorzuheben die Dorfkirche Binz und die katholische Kirche Stella Maris. etwa fünf Kilometer nördlich der Ortschaft befindet sich die ehemalige, nie komplett fertiggestellte KdF-Anlage Seebad Prora, die als längstes Gebäude der Welt gilt.

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Binz

Strand

Der feinsandige Strand ist etwa fünf Kilometer lang und bis zu 50 Meter breit. Parallel zum Strand verläuft die Strandpromenade mit Gastronomie und Hotels. Der Strand geht in Richtung Süden in einen schmaleren und etwas steinigen Naturstrand über.

Wirtschaft und Infrastruktur

Eisenbahn

Empfangsgebäude des Bahnhofs Ostseebad Binz

Von Stralsund über Bergen auf Rügen ist der Bahnhof Ostseebad Binz der Endpunkt der Zweigstrecke nach Binz und Endstation mehrerer Fernverkehrslinien der Deutschen Bahn. Außerdem wird er stündlich von Regionalzügen angefahren.

Der zweite Binzer Bahnhof Binz LB liegt an der Dampfschmalspurbahn Rasender Roland von Putbus nach Göhren (sie auch über Sellin und Baabe). Außerdem gibt es noch die Bahnhöfe Prora und Prora-Ost.

Busse

Im Nahverkehr wird Binz über die Buslinien des Rügener Personennahverkehrs z. B. nach Sassnitz, Bergen und Göhren angebunden.

Die sogenannte Binzer Bäderbahn, deren Benutzung mit der Kurkarte kostenlos ist, erschließt als Ringlinie den Ort.

Ortsansichten

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die in Binz gewirkt haben

  • Wolfgang Schnur (* 1944), deutscher Politiker, war zwischen 1973 und 1978 in Binz als Rechtsanwalt tätig.

Einzelnachweise

  1. Mecklenburg-Vorpommern Statistisches Amt – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2010 (PDF; 522 KB) (Hilfe dazu)
  2. Website der Gemeinde Ostseebad Binz

Weblinks

 Commons: Binz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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