Bit Adini

Bit Adini war ein aramäisches Fürstentum an der großen Flusschleife des oberen Euphrat, die Hauptstadt war Til Barsip (Masuwari). Es wurde vermutlich im 10. Jahrhundert v. Chr. gegründet und hatte in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts die Vorherrschaft über Aram naharaim (Nordsyrien) inne.

Zwischen 877 und 866 v. Chr. wird Bit Adini unter dem damaligen König Aḫuni von Aššur-nasir-apli II. tributpflichtig gemacht. Im 8. Jahrhundert gelang es den örtlichen Herrschern, die westlichen Teile des Gebietes von Karkemisch einzunehmen. So wurde Til-Baschir 857 und Til Barsip 865 eingenommen.

Bit Adini stand dem assyrischen Vordringen nach Westen im Weg. Assyriens neue Hauptstadt Kalhu wurde durch Aššur-nasir-apli II. unter anderem mit Deportierten aus Bit Adini besiedelt.

Sein Sohn Šulmanu-ašared III. (regierte 858–824) kämpfte bereits in seinem ersten Regierungsjahr, als er bis zum "Meer des Sonnenaufgangs" (Mittelmeer) zog, gegen Bit Adini, Bit Agusi und Karkemisch. Im zweiten Regierungsjahr belagerte er Til Barsip, allerdings erfolglos. Der König Aḫuni floh jenseits des Euphrats. Im Jahr 3 konnte Šulmanu-ašared Til Barsip einnehmen, zusammen mit den Festungen Pitru und Mutkinu, die sich die Aramäer angeeignet hatten. Im Jahr 4 schließlich zog der assyrische König gegen Aḫuni und nahm ihn und seine Familie gefangen. Zahlreiche Einwohner von Bit Adini wurden deportiert (22.000 nach den Annalen), das Land der Provinz Harran angegliedert und Til Barsip selbst in Dūr-Šulmanu-ašared umbenannt.

In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. ist Schainschi-ilu als Statthalter überliefert, der die westlichen Teile von Aram naharaim, darunter auch Bit Adini verwaltete. Die Torlöwen des Nordosttores von Til-Barsip tragen den Namen von Schainschi-ilu, mit den Titeln tûrtan (Zweiter nach dem König) und nagīru rabû (oberster Herold), Verwalter der Tempel und Oberbefehlshaber des Heeres. Er war außerdem Statthalter von Hatti, Guti und des gesamten Landes von Narmar. Er rühmt sich auch der Unterwerfung von Urartu. Der Name des Königs taucht nirgendwo in der Inschrift auf, was extrem ungewöhnlich ist und auf eine Schwächeperiode der Zentralregierung hindeutet.

Schainschi-ilu war in den Jahren 780 unter Šulmanu-ašared IV., 770 unter Aššur-dan III. und 752, unter Aššur-nirari V. Eponymenbeamter, hatte also für mindestens 29 Jahre eine hervorragende Stellung inne.

Bit Adini ist eventuell mit dem biblischen Bet Eden (byt ʿdn) (Buch Amos 1, 5) identisch.

Herrscher

  • Aḫuni (zur Zeit von Aššur-nasir-apli II. und Šulmanu-ašared III.)

Literatur

  • Dietz-Otto Edzard: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie (RLA). Bd. 1. Nachdruck. de Gruyter, Berlin 1993, ISBN 3-11-004451-X, S. 217–218.
  • Abraham Malamat: Amos 1:5 in the Light of the Til Barsip Inscriptions. In: Bulletin of the American Schools of Oriental Research Bd. 129, 1953, S. 25–26.
  • F. Thureau-Dangin, Maurice Dunand: Til Barsip I-II. Paris 1936.
  • J. D. Hawkins: North Syria and South-East Anatolia. In: M. Liverani (Hrsg.): Neo-Assyrian geography. Università di Roma, Dipartimento di scienze storiche, archeologiche e antropologiche dell'Antichità, Roma 1995 (Quaderni di geografia storica. 5).
  • Fischer Weltgeschichte, Band 4: Die altorientalischen Reiche III. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt.

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