Bitterer Reis
Filmdaten
Deutscher Titel Bitterer Reis
Originaltitel Riso amaro
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1949
Länge ca. 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Giuseppe De Santis
Drehbuch Corrado Alvaro
Carlo Musso
Ivo Perilli
Produktion Dino De Laurentiis
Musik Goffredo Petrassi
Kamera Otello Martelli
Schnitt Gabriele Varriale
Besetzung

Bitterer Reis ist ein italienischer Film von Giuseppe De Santis aus dem Jahr 1949, der dem Italienischen Neorealismus zugeordnet wird. Er schildert nicht nur die amourösen Verwicklungen zwischen zwei Paaren, sondern zeigt vor allem auch ein Beispiel für den Klassenkampf in einer Gesellschaft, die durch weit verbreitete Armut geprägt ist und sich noch lange nicht vom Zweiten Weltkrieg erholt hat.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Um unterzutauchen begibt sich Francesca, die Geliebte des Ganoven Walter, mit Hunderten von Saisonarbeiterinnen zur Reispflanzung in die Poebene. Walter folgt ihr, doch Francesca weist ihn ab. Mit falschen Versprechungen gewinnt er Silvana, eine der Helferinnen, als Komplizin für seinen Plan, den für die Bezahlung der Arbeiterinnen vorgesehenen Reis zu stehlen. Als Silvana ihn durchschaut, ist es bereits zu spät.

Kritik

  • film-dienst: Eines der bekanntesten Werke des italienischen Neorealismus, das 1949 zu einem Skandal führte, weil es die leidenschaftlichen Verwicklungen realistisch einfing. Der in der Schauspielerführung miserable Film enthält sich jeder geistig-moralischen Bewertung; er überzeugt jedoch immer noch durch seine exemplarisch schöne Bildgestaltung.
  • Reclams Filmführer: Seinen großen Publikumserfolg verdankte der Film indessen eher Äußerlichkeiten - den leichtgeschürzten Arbeiterinnen, der erotischen Ausstrahlung seiner Hauptdarstellerin. In der Umgangssprache in der Bundesrepublik galt "Bitterer Reis" geraume Weile als Synonym für überproportionierte Busen. So geriet in den Ruch des Spektakels, was trotz mancher Kolportage-Elemente im Ansatz ein realistisches Stück Sozialkritik war. [1]

Auszeichnungen

Die Originalgeschichte von Giuseppe De Santis und Carlo Lizzani, auf der das Drehbuch beruht, wurde 1951 für den Oscar nominiert.

Trivia

Der Schenkel-Skandal[2]

Die Arbeiterinnen im Reisfeld raffen ihre Kleider, um sie nicht mit Schlamm zu beschmutzen. Dadurch sind in etlichen Szenen weibliche Oberschenkel zu sehen, was im prüden Jahr 1949 noch als unerhört galt. Nicht nur aus heutiger Sicht kann vermutet werden, dass dahinter die Absicht steckte, dem Film Publicity zu verschaffen, zumal die Hauptdarstellerin im Reisfeld sogar ihre Strümpfe anbehält [3], was vom textilen Standpunkt her ganz bestimmt nicht sinnvoll ist. Silvana Mangano wurde dadurch jedenfalls zu einem der ersten Sex-Symbole der Nachkriegszeit.

Tanz und Musik

Der Film enthält einige Boogie-Woogie-Tanzszenen [4], die durch ihre leidenschaftliche Ausdruckskraft bestechen. Auch der Gesang der Arbeiterinnen demonstriert Lebensfreude unter härtesten Arbeitsbedingungen.

Das berühmte Partisanenlied „Bella Ciao“ hat seinen Ursprung in den padanischen Reisfeldern.

Irrtum

Viele Beschreibungen des Films geben an, dass der Film während der Reisernte spiele.[2] Tatsächlich findet die Handlung jedoch während der Pflanzung[5] im Mai statt. Der im Lager vorhandene Reis stammt aus dem Vorjahr und ist zur Bezahlung der Frauen vorgesehen. Jede Arbeiterin soll davon 1 kg pro Arbeitstag erhalten.

Die deutsche Variante von Bitterer Reis: Heiße Ernte

1956 drehte der deutsche Regisseur Hans Heinz König den Film Heiße Ernte. Im Bodenseeraum während der Hopfenernte angesiedelt, lehnt sich das als Heimatfilm angelegte Leidenschaftsdrama deutlich an Bitterer Reis an. König-Schwägerin Edith Mill war in der Rolle der verführerischen Landarbeiterin Auschra zu sehen. Produzent war Richard König.

Weblinks

Quellen

  1. Reclams Filmführer, 2.A. 1973, ISBN 3-15-010205-7
  2. a b Schenkel-Skandal und Ernte-Irrtum bei cinema.de
  3. Skandalfoto: Silvana Mangano
  4. Boogie-Woogie-Tanzszenen am Zug und nach der Arbeit
  5. Szenenphoto: Reispflanzung

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