Blönduós
Stadtgemeinde Blönduós
(Blönduósbær)
COA Blönduósbær.png
Basisdaten
Staat: Island
Region: Norðurland vestra
Wahlkreis: Norðvesturkjördæmi
Sýsla: Austur-Húnavatnssýsla
Einwohnerzahl: 907 (1. Januar 2009)
Fläche: 183 km²
Bevölkerungsdichte: 4,96 Einwohner/km²
Postleitzahl: 540, 541
Politik
Gemeindenummer 5604
Bürgermeister: Jóna Fanney Friðriksdóttir
Kontakt
Adresse der Gemeindeverwaltung: Húnabraut 6
540 Blönduós
Webpräsenz: www.blonduos.is
Karte
Lage von Stadtgemeinde Blönduós
65.663888888889-20.294444444444

Die Stadtgemeinde Blönduós ['plœntʏˌouˑs ] (isl. Blönduósbær) liegt in der Region Norðurland vestra im Nordwesten Islands.

Am 1. Januar 2011 hatte die Gemeinde 904 Einwohner, davon lebten 842 Einwohner im gleichnamigen Hauptort.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Blönduós

Die Gemeinde liegt an der Mündung des Gletscherflusses Blanda in die Bucht Húnaflói, eigentlich in deren Verzweigung, den Fjord Húnafjörður, im Westen der Halbinsel Skagi.

Ca. 25 km südöstlich von Blönduós befindet sich das nördliche Ende der Kjölur, einer der Pisten, die ins Isländische Hochland führen. Der Weg streift zunächst den Stausee Blöndulón.

In einer Entfernung von ca. 30 km westlich des Ortes liegt, ebenfalls direkt am Hringvegur das Vatnsdalur mit den Erdhügeln Vatnsdalshólar.

Die Entfernung nach Reykjavík beträgt 244 km.

Name

Der Name bezieht sich auf die Lage des Ortes an der Flussmündung der Blanda und bedeutet genau dies. ós im Isländischen entspricht Flussmündung[1], blanda hingegen entspricht dem deutschen Wort Mischung[2].

Geschichte

Alte Kirche in Blönduós
Der Gletscherfluss Blanda bei Blönduós

Schon vor dem Jahr 1000 war die Gegend von Blönduós besiedelt.

Der heutige Ort entstand in seinem westlichen Teil auf Land der Höfe Hjaltabakka und Hnjúka, in seinem östlichen auf dem des Hofes Ennis.[3]

1875 bzw. 1876 erhielt der Ort die Handels- und Hafenrechte. Die Ansiedlung wuchs zunächst um das Handelshaus des Thomas J. Thomsen, eines Norwegers aus Bergen und seiner Familie[4] , herum, das allerdings 1914 niederbrannte. 1976 errichtete man ein Denkmal zum Andenken an den Händler.[5]

Bis 1914 war der Ort Teil der Landgemeinde Torfalækjarhreppur und wurde dann eine eigene Landgemeinde (isl. Blönduóshreppur). 1988 erhielt Blönduós den Status "kaupstaður", d.h. kreisfreie Stadt (isl. Blönduoskaupstaður).[5]Im Juni 2002 wurde die Landgemeinde Engihlíðarhreppur mit Blönduós vereinigt.

Verkehrsanbindung

Ein beträchtliche Verbesserung der Anbindung ergab sich zunächst durch die Errichtung einer Brücke aus Stahl über die Blanda im Jahre 1897, welche im Jahre 1963 durch die erste große Spannbetonbrücke ersetzt wurde.[5]

In Blönduós kreuzen sich zwei größere Verbindungsstraßen, die um das ganze Land führende Ringstraße und die die nördliche Halbinsel Skagi querende Straße 74 nach Sauðárkrókur im Skagafjörður (Gemeinde).[6]

Seit 1973 wird zudem südlich des Ortes ein Flugplatz unterhalten.[5]

Wirtschaft und Dienstleistungen

Blönduós war seit seiner Entstehung am Ende des 19. Jahrhunderts Wirtschafts- und Dienstleistungszentrum der Region. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Hauptarbeitgeber neben dem Handelshaus eine Schlachterei, die die Landwirtschaftsprodukte der Gegend verarbeitete. Eine Molkerei entstand 1947. Trotz der Lage am Meer spielte wegen der schwierigen Hafenumstände die Fischerei hier nie eine Rolle. Allerdings wurden hier ca. 30 Jahre lang Krabben verarbeitet. Zudem gab es eine Wollverarbeitung.[7]

Schon 1931 wurde das erste Elektrizitätswerk am Ort gebaut.[8]

Ab 1908 gab es eine Volksschule am Ort.

Heutzutage findet man in Blönduós Tankstellen, Geschäfte, Banken, eine Gesamtschule, eine Musikschule, Kindergärten, ein Krankenhaus, ein Seniorenheim[5] sowie ein Sportzentrum mit Schwimmbad[9].

Auch ist der Ort Sitz des höchsten Verwaltungsbeamten der Region (Sýslumaður).[9]

Dem Tourismus dienen Hotels und Gästehäuser, ein Zeltplatz und ein Auskunftsbüro. Besonders beliebt ist die Gegend wegen der zahlreichen Lachsflüsse bei Hobbyanglern.[10]

Auch etliche kleinere Handwerks- und Verarbeitungsbetriebe findet man im Ort[9].

Der Ort wird mittels einer 14 km langen Leitung mit heißem Wasser für Heizung und Haushalte versorgt, die von Reykir við Reykjabraut 1977 bis hierher verlegt wurde.[5]

Auf einem hohen Hügel südlich des Ortes befindet sich die örtliche Sendeanlage für Fernsehen u.ä.[5]

Kirchen und Pfarrei

Die neue Pfarrkirche in Blönduós

Erst kurz vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden die Kirche mit der evangelisch-lutherischen Pfarrei von Hjaltabakki nach Blönduós verlegt, 1895 geweiht[5], steht seit 1990 unter Denkmalsschutz und ist seit 1997 Privateigentum.[11]

Die neue Pfarrkirche (1982–1993) mit ihrem besonderem Stil, ein Entwurf des Architekten Maggi Jónsson,wird für ihre Akustik gerühmt und daher auch für Konzertaufführungen genutzt. In ihr befinden sich eine Altartafel von Jóhannes Sveinsson Kjarval, die Jesus mit seinen Jüngern in Emmaus zeigt, sowie ein Taufbecken von Ríkarður Jónsson[11].

Sehenswürdigkeiten in Blönduós

Das Sea Ice Exhibition Center

Das Kunsthandwerksmuseum (Heimilisiðnaðarsafn') zeigt u.a. die traditionelle Wollverarbeitung. Teile des Museums bestehen aus dem Nachlass der isländischen Frauenrechtlerin Halldóra Bjarnadóttir, die Lehrerin an der hier bis 1976 bestehenden Kvennaskólinn (Mädchenschule) gewesen war, deren Gebäude heutzutage zum Museum gehören. In der Nähe der ehemaligen Schule hatte im 2. Weltkrieg das britische Heer ein Lager.[8]


Ein Hafíssetrið (engl. Sea Ice Exhibition Center) im ältesten Haus des Ortes, dem Hillebrandshúsið, zeigt seit 2006 Informationen zum Thema Packeis und bzgl. dessen Einfluss auf die isländische Seefahrt.[12]

Hrútey, eine kleine Insel liegt direkt beim Ort im Fluss Blanda. Diese steht inzwischen unter Naturschutz und ist mit Bänken, Spazierwegen und Erklärungstafeln ausgestattet.[13]

Angeln in der Region

Zahlreiche Lachsflüsse in der Region gehören zu den besten von Island. Dazu rechnen v.a. Blanda[14], Laxá á Ásum[15] und Víðidalsá[16].

Einwohnerentwicklung

Wie inzwischen in nur noch wenigen Gebieten Islands außer dem Südwesten rund um die Hauptstadt Reykjavík ist in Blönduós die Bevölkerungsentwicklung rückläufig (1997 bis 2006: –14,5 %). 2007 stieg die Einwohnerzahl wieder leicht an.

Datum Einwohner
1. Dez. 1997: 1.043
1. Dez. 2003: 958
1. Dez. 2004: 917
1. Dez. 2005: 903
1. Dez. 2006: 892
1. Dez. 2007: 895

Städtepartnerschaften

  • DanemarkDänemark Horsens, Dänemark
  • SchwedenSchweden Karlstad, Schweden
  • NorwegenNorwegen Moss, Norwegen
  • FinnlandFinnland Nokia, Finnland

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Blönduós – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. H. U. Schmid: Wörterbuch Isländisch - Deutsch. Buske, Hamburg, 2001, 180
  2. H. U. Schmid: Wörterbuch Isländisch - Deutsch. Buske, Hamburg, 2001, 25
  3. Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 343
  4. vgl. Jón Torfason: "Húnaþing eystra frá jöklum til ystu stranda. Ferðafélag Íslands, árbók 2007. Reykjavík 2007, 109
  5. a b c d e f g h Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 344
  6. vgl. Vegahandbókin Hg. Landmælingar Íslands, 2006, 68f.
  7. Jón Torfason: "Húnaþing eystra frá jöklum til ystu stranda. Ferðafélag Íslands, árbók 2007. Reykjavík 2007, 112
  8. a b Jón Torfason: "Húnaþing eystra frá jöklum til ystu stranda. Ferðafélag Íslands, árbók 2007. Reykjavík 2007, 113
  9. a b c http://blonduos.is/atvinnulif.asp Off. Website Blönduós, zu Wirtschaft und Dienstleistungen (isländisch); Zugriff: 30. Juli 2011
  10. http://www.blonduos.com (englisch); Zugriff: 30. Juli 2011
  11. a b http://www.nat.is/Kirkjur/Kirkjur%20NL%20blonduoskirkja.htm nat.is (isländisch); Zugriff: 30. Juli 2011
  12. Off. Website, Sea Ice Exhibition Center (englisch); Zugriff: 30. Juli 2011
  13. Jón Torfason: "Húnaþing eystra frá jöklum til ystu stranda. Ferðafélag Íslands, árbók 2007. Reykjavík 2007, 111
  14. Blanda, off. Website des isl. Angelvereins (englisch); Zugriff: 30. Juli 2011
  15. Laxá á Ásum, off. Website des isl. Angelvereins (englisch); Zugriff: 30. Juli 2011
  16. Víðidalsá, Off. Website des isländischen Angelvereins: Víðidalsá (englisch); Zugriff: 30. Juli 2011



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