Bocage

Karte der Normandie und der alliierten Front mit eingezeichneter Bocage-Landschaft, angefertigt von der US Army
Bocage-Landschaft
Bocage-Landschaft
Amerikanische Soldaten vor einer Wallhecke in der Normandie, 1944
Ein Sherman-Panzer durchquert den Bocage mit angeschweißten Krallen

Als Bocage bezeichnet man ein Gebiet in der Normandie, in der Bretagne und auch in den Pays de la Loire, das aus vielen Feldern, abgegrenzt von Wallhecken, Knicks, kleinen Wegen, Flüssen und Bächen, besteht.

Die Wallhecken waren zum Zweck von Flurgrenzen durch keltische Bauern vor etwa 2.000 Jahren errichtet worden. In diesen zwei Jahrtausenden hatten sich die Wallhecken zu bis zu drei Meter breiten Wällen, im Normalfall jedoch etwa einen Meter breiten und bis zu dreieinhalb Meter hohen Wällen herausgebildet. Diese Wallhecken waren meist von Brombeer- und anderen dornigen Sträuchern, sowie Büschen bewachsen, sodass die Hecken insgesamt bis zu 4,5 Meter an Höhe erlangen konnten.

Militärhistorische Bedeutung

Die Hecken boten während der alliierten Invasion in der Normandie gute Verteidigungspositionen für die Deutschen. Die Wallhecken befanden sich in Abständen von 100 bis 200 Metern und schränkten das Sicht- und Schussfeld der alliierten Truppen ein. Außerdem stellten die Wallhecken ein nahezu unüberwindbares Hindernis für die alliierten Panzer dar. Auf den Wegen stellten die Deutschen Panzerabwehrgeschütze auf, sodass der alliierte Vormarsch stark verlangsamt wurde. Hinzu kam, dass Artilleriebeschuss wegen der Vegetation größtenteils unnütz war, da die Splitter der Granaten in den Hecken steckenblieben und so keinen Schaden anrichteten. Der einzige Vorteil des Bocages für die Alliierten bestand darin, dass die Sherman-Panzer den deutschen Panzerkampfwagen VI Tiger auf die geringeren Entfernungen im Bocage erheblich größeren Schaden zufügen konnten als im offenen Gelände.

Der US-Sergeant Curtis G. Culin jr. schweißte zwei stählerne Sicheln aus Schrottresten der zerstörten Panzer an den Bug eines Panzers und durchbrach damit die Wallhecken. General Walter M. Robertson, der Kommandeur der 2. US-Infanteriedivision, berichtete General Omar Bradley von der Vorrichtung Culins, woraufhin Bradley befahl, so viele Panzer wie möglich damit auszustatten. Mit dieser Vorrichtung und hohen Verlusten gelang es den Alliierten schließlich, das Gelände zu erobern und zu durchqueren.

Überlebende alliierte Soldaten berichteten, dass jedes einzelne Feld durch heftige Kämpfe erobert werden musste. Sie nannten das Bocage-Gelände „gottverfluchtes Land“ [1].

General James M. Gavin berichtete:

„Obwohl sie [die Wallhecken] schon vor dem Invasionstag in Großbritannien zur Sprache kamen, hatte keiner von uns vorhergesehen, welche Schwierigkeiten sie uns tatsächlich bereiten würden.[2]

Literatur

  • Stephen Hart: The Battle of the Hedgerows: June-July 1944, Zenith Imprint, ISBN 0760311668

Weblinks

Quellen

  1. Tony Hall (Hrsg.): Operation "Overlord", ISBN 3613024071, Seite 119
  2. John Keegan: Der Zweite Weltkrieg, ISBN 0670823597, Seite 573

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