Fluss
Blick auf das Ulmer „Fischerviertel“ und die Donau vom Münster aus.
Beispiel für einen Naturfluss mit ungestörter Dynamik: Rapaälv im schwedischen Nationalpark Sarek
Der Inn bei Ried im Oberinntal (Tirol, Österreich).

Ein Fluss (althochdeutsch: fluz zu fliozan - „fließen“) ist in der allgemeineren Bedeutung ein natürliches, linienhaft fließendes Gewässer auf Landoberflächen. Der Begriff wird landläufig enger gefasst und bezieht sich dann nur auf Fließgewässer mittlerer Größe im Unterschied zu den größeren Strömen und den kleineren Bächen. Allgemeingültige Grenzwerte für diese historisch und räumlich variierenden sprachlichen Unterscheidungen gibt es nicht, so dass die Begriffe Strom und Bach im geowissenschaftlichen Sprachgebrauch vermieden werden.

Als Fluss bezeichnet man nur einen bestimmten Fließweg innerhalb des jeweiligen verästelten Systems zusammenströmender Landgewässer. Üblicherweise eingeschlossen ist flussaufwärts der Hauptstrang mit der größten Wasserführung, dem meistens auch die seit alters überkommene Namengebung folgt und dessen oberster Wasseraustritt üblicherweise als die Quelle des Flusses insgesamt gilt. Der längste Fließweg in einem Flusssystem ist nicht selten ein anderer. Die das Weltmeer oder einen sonstigen Endpunkt erreichenden Flüsse nennt man Hauptflüsse, die einmündenden kleineren Flüsse Nebenflüsse. Hierbei kommt es nicht selten vor, dass die Namengebung hinsichtlich der Haupt- und Nebenflüsse in die Irre führt (s. hierzu Nebenfluss).

Die Eigenschaften eines Flusses sind bestimmt durch die Oberflächenformen in dem von ihm entwässerten Einzugsgebiet, die dortigen Gesteine und besonders die klimatischen Bedingungen wie Niederschlagsreichtum oder Frostdauer. Viele größere Flüsse sind in ihrer Region von herausragender Bedeutung für den Naturhaushalt, die kulturgeschichtliche Entwicklung, die Wasserversorgung und das Verkehrswesen.

Inhaltsverzeichnis

Einordnung und Abgrenzung

Die Flüsse der Erde sind keine klar abgegrenzten Wasserkörper. Sie stellen in ihrer Gesamtheit den Teil des Wasserkreislaufs dar, in dem der nicht verdunstete Anteil der Niederschläge über Landoberflächen schließlich gesammelt den Ozeanen zuströmt. Dabei sammelt sich das Wasser aus einer kaum überschaubaren Anzahl von Quellgerinnen, die sich zu immer größeren Bächen und Flüssen vereinigen. Der Hauptstrang eines solchen verästelten Flusssystems ergibt sich an den vielen Vereinigungspunkten durch den jeweils größeren Fluss. Ein Hauptstrang lässt sich im übrigen auch über weitere Merkmale definieren wie Länge, Einzugsgebiet oder Konstanz der Fließrichtung (die Namengebung mancher Flüsse aufgreifend). Nach dem Hauptfluss ist zumeist auch das Flusssystem und das Einzugsgebiet benannt. In Fließrichtung gesehen werden linke und rechte Nebenflüsse unterschieden, diese wiederum geordnet nach Anzahl der Vereinigungen bis zum Erreichen des Hauptflusses oder, umgekehrt, ausgehend von den Quellen.

Nicht zu den Flüssen gerechnet werden kurzzeitige Schichtfluten auf Spülflächen der wechselfeuchten Tropen oder bei Gletscherläufen. Ebenfalls nicht zu den Flüssen gerechnet werden Mündungstrichter (Ästuare wie der Río de la Plata oder die Gironde), die nicht als Fließgewässer, sondern als Unterkategorie von Küstengewässern gehandhabt werden, und Meeresbuchten, in die die Flüsse münden (Obbusen, Rio Pará, Außenweser). Uneinheitlich ist die Handhabung am Beginn mancher Ästuare wie an der Unterweser oder der Niederelbe. Auch unterirdisch fließendes Wasser wird nicht als Fluss bezeichnet (siehe unter Grundwasser). Flüsse können zwar kanalisiert sein, bei künstlichen Wasserwegen aber, die nicht in eine natürliche Abflusslinie eingebunden sind, handelt es sich um Kanäle.

Quantitative Merkmale von Flüssen

Die üblicherweise ermittelten typisierenden Merkmale von Flüssen, also die Wasserführung in verschiedenen Kennzahlen, die Länge und das Einzugsgebiet, sind in unterschiedlichem Maße veränderlich und nicht immer einfach zu ermitteln, weshalb die Werte in der Literatur sehr unterschiedlich sein können. Manchmal werden auch die maximale Breite und Tiefe (außerhalb durchflossener Seen) und Fließgeschwindigkeiten angegeben.

Flüsse sind veränderliche Gebilde, deren Zustände an mehreren Punkten laufend registriert werden. Die Höhe des Wasserstandes wird durch einen Pegel erfasst. An vielen Pegeln wurden in ausreichendem Maße Abflussmessungen durchgeführt, um aus den Pegelständen die jeweilige Durchflussmenge abzuleiten und so Vorhersagen etwa zum Hochwasserschutz möglich zu machen. Auch der chemische und biologische Gewässerzustand wird dort und an weiteren Stellen erfasst (Gewässermonitoring).

Wasserführung

Flüsse haben mehrere Merkmale, nach denen ihre Größe verglichen werden kann. Das augenfälligste Merkmal ist die Breite, die jedoch je nach Fließgeschwindigkeit und Tiefe räumlich und zeitlich stark variieren kann. Sie wird wesentlich bestimmt durch die regelhaftere Wasserführung, die meistens in Kubikmeter pro Sekunde (m³/s) angegeben wird, der mittlere Abfluss (MQ) gelegentlich auch in Kubikkilometern pro Jahr (km³/a). Die Wasserführung kann langfristig veränderlich sein und unterliegt typischen jährlichen Schwankungen, weshalb erst Mittelwerte langjähriger Messreihen aussagekräftig sind. Die Abflussmessung bereitet besonders bei großen Flüssen technische Probleme und wird heute auch durch rechnerische Modellierungen gesamter Flusssysteme abgesichert. So wurde der Abfluss des Amazonas noch um die Mitte des 20sten Jahrhunderts auf 100.000 m³/s geschätzt und musste inzwischen auf 209.000 m³/s korrigiert werden (Rhein bei Emmerich, Donau bei Budapest: je gut 2.300 m³/s).

Ergänzend zur mittleren Wasserführung wird oft auch die mittlere Niedrigwasserführung (MNQ) verglichen, die für den Normalzustand eines Flusses typischer sein kann. Immerhin ist bei Passau der Inn nach der mittleren Wasserführung der größere Fluss, nach dem mittleren Niedrigwasser aber die Donau mit ihrem ausgeglicheneren Abflussregime. Auch der Blaue Nil bei Khartum ist im Mittel größer als der Weiße Nil, bei mittlerem Niedrigwasser ist jedoch der Weiße Nil größer. Der Nil ist auch ein Beispiel dafür, dass der den Fluss charakterisierende Abflusswert nicht in jedem Fall der Mündungswert ist, denn sein natürlicher Abfluss ist unterhalb der Atbara-Mündung mit rund 2.700 m³/s noch gut doppelt so groß wie an der Mündung. Erst recht gilt dies für versiegende Flüsse, die durch den Punkt des Maximalabflusses individueller gekennzeichnet werden als durch ihren Endwert Null. Weitere wirtschaftlich interessante Abflusswerte sind das mittlere Hochwasser (MHQ), Hochwasserwerte bestimmter Jährlichkeiten (etwa 10- oder 100-jährig) und die bisherigen Extremwerte (HHQ und NNQ).

Länge

Die Längenangaben zum gleichen Fluss können aus mehreren Gründen sehr unterschiedlich sein.

  • Die Längen von Flüssen selbst können variabel sein, besonders in den Laufabschnitten, in denen sie freie, sich verändernde Mäander bilden.
  • Oft werden die kleinen Mäander an Oberläufen nicht gemessen, wohl aber die größeren an Unterläufen.
  • Bei Verzweigungen ist nicht immer zu entscheiden, welcher der den Fluss repräsentierende Hauptarm ist.
  • Gelegentlich wird nur der eher gestreckte Weg gemessen, dem ein maximales Hochwasser folgen würde.

Daneben gibt es bei Längenangaben definitorische Probleme. Besonders bei allmählich sich aufweitenden Trichtermündungen können die Auffassungen zum Mündungspunkt sehr voneinander abweichen. Gesamtlängen von Flüssen werden teilweise entlang des namentlichen Hauptflusses gemessen und gegebenenfalls zusätzlich entlang des größeren oder aber des längeren von zwei Quellflüssen. Längenangaben zu einzelnen Laufabschnitten unterschiedlichen Namens sind seltener und sagen auch wenig über die Größe des Flusses aus. Selten erfolgt die Längenmessung entlang des flussaufwärts jeweils größten Flusses (hydrologischer Hauptfließweg), am häufigsten wohl entlang des längsten Fließweges. Die wohl bekanntesten Beispiele sind: Red Rock River – BeaverheadJeffersonMissouriMississippi (6.051 km) und Lloquera – Callamayo – Hornillos – ApurímacEneTamboUcayali – Amazonas (6.448 km).

Besonders zu den Längenangaben sind Ranking-Listen verbreitet, die zu zweifelhaften Längenangaben motivieren können. So waren eine Zeitlang weit überhöhte Werte zum Missouri-Mississippi verbreitet, und noch 2008 wurden (technisch korrekte) Werte zum Amazonas veröffentlicht, die auf längstmöglichem Weg auch noch das benachbarte Mündungsgebiet des Tocantins einbeziehen.[1]

Wie bei den Quellästen lässt sich auch bei den Verzweigungen, die viele Flüsse am Ende ihres Laufes bilden, der wasserreichste und der längste Arm bestimmen, der dann meist auch in die Längenangabe des gesamten Flusses eingeht.

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet eines Flusses ist gekennzeichnet durch eine Landoberfläche, die im Allgemeinen gleichsinnig zum Endpunkt des Flusses (meistens die Mündung) hin geneigt ist, weshalb das abfließende Wasser das Gebiet dort zu einem Vorfluter oder zum Meer hin verlässt. Es ist zu benachbarten Einzugsgebieten hin durch Wasserscheiden begrenzt. Nur bei ähnlichen klimatischen Bedingungen stehen die Größen von Einzugsgebieten und den sie entwässernden Flüssen in vergleichbarem Verhältnis. Die Wassermenge, die als Fluss einem Einzugsgebiet entströmt, ist im Wesentlichen Ausdruck der klimatischen Situation. In humiden Klimaten wie den Tropen oder der gemäßigten Zone sind bei gleichem Einzugsgebiet die Flüsse deutlich größer als unter ariden Klimabedingungen etwa der Subtropen. Das Verhältnis von Einzugsgebietsfläche und Abfluss wird in der Abflussspende (Mq) ausgedrückt.

Das Einzugsgebiet (AE) ist bei unebenem Relief über undurchlässigem Gestein und humidem Klima eindeutig zu ermitteln. Dagegen können sich bei ebenem Relief Wasserscheiden abhängig von Wasseranfall oder Abflusshindernissen verschieben (küstennahe Marschen, Nebenflüsse im Amazonas- oder Orinoco-Gebiet). Bei durchlässigen Gesteinen (Sande, Karst-Gebiete) hat das oberirdische Einzugsgebiet (AEO) seinen Einfluss weitgehend an das unterirdische Einzugsgebiet (AEU) verloren. In ariden Gebieten erreichen viele Flüsse nicht das Meer, weil sie vorher verdunsten. Solche so genannten abflusslosen Gebiete können kompliziert verzahnt sein mit den Einzugsgebieten großer Flüsse wie dem Nil oder dem Niger, deren Fläche darum nur annähernd bestimmt werden kann. Besonders großflächige Einzugsgebiete können mehrere Klimazonen umfassen, deren Effekte sich dann im Abflussregime eines Flusses überlagern.

Abflussregime

Die Wasserführung ist abhängig von den nicht verdunstenden Niederschlägen und Schmelzwässern, die entweder direkt abfließen oder erst versickern und später als Grundwasser in Quellen austreten. Entsprechend den klimatischen Verhältnissen ist die Wasserführung Schwankungen unterworfen. Bei ständiger Wasserführung spricht man von perennierenden oder Dauer-Flüssen, bei jahreszeitlich begrenzter Wasserführung (während der Regenzeit oder Schneeschmelze) von periodischen oder intermittierenden, bei nur gelegentlicher Wasserführung von episodischen Flüssen (Fiumare, Creeks, Wadis). Im Hinblick auf Flüsse in ariden Klimaregionen unterscheidet man in der Hydrogeographie folgende vom Abflussregime und vom Verlauf charakterisierte Typen:

  • Endorheischer Fluss: Die Flüsse entspringen im humiden Randbereich einer Trockenregion, verlieren das Wasser beim Durchfließen der ariden Region (Verdunstung > Niederschlag) oder münden in einen Endsee, aus dem das verbleibende Wasser gänzlich verdunstet. Die im Wasser enthaltenen Salze bleiben zurück und bilden landwirtschaftlich schwer oder nicht nutzbare Salzkrusten (z. B. viele Flüsse am Rand der Wüste Gobi).
  • Exorheischer Fluss: Der Fluss mündet ins Meer.
  • Arheischer Fluss: Diese episodischen Wasserläufe entspringen und enden in ariden Gebieten (z. B.: Wadis in Nordafrika, Humboldt River im Großen Becken der USA).
  • Diarheischer Fluss: Diese Flüsse haben ihr Quell- und Mündungsgebiet in humiden Regionen (Niederschlag > Verdunstung), durchfließen aber unter erheblichem Wasserverlust aride, wüstenhafte Gebiete (z. B.: Nil, Niger). Sie werden auch als Fremdlingsflüsse oder allochthone Flüsse bezeichnet, da ihre Wasserführung in den ariden Regionen nicht den dortigen klimatischen Bedingungen entspricht.

Strukturelle und genetische Merkmale von Flüssen

Flussnetze

Je nach Entstehung der Landoberfläche, der Entwicklungsdauer des Flussnetzes und der dabei freigelegten Gesteinsstrukturen entstehen gelegentlich typische Muster von Entwässerungsrichtungen und Flussverläufen.

Auf einen noch geringen Entwicklungsgrad der Flussnetze deuten Strukturmuster hin, die parallel sein können (auf jungen, weitflächig geneigten Landoberflächen), radial (auf jungen, dom- oder kegelförmigen Großformen) oder chaotisch (in jungen Aufschüttungslandschaften). Auf frei gelegte Strukturen des Untergrundes wie Schichtstufen oder -kämme, Faltungen oder Verwerfungs- und Kluftmuster reagieren Flussnetze mit ringförmigen, nahezu rechtwinkligen oder spalierförmigen Strukturen. Besonders über gleichmäßig ausräumbaren Gesteinen kann sich das Flussnetz mit der Zeit optimieren und eine baumförmige, dendritische Struktur bekommen. Hierbei sind die Fließstrecken nahezu minimiert, was allerdings die Hochwassergefahr erhöht. Etappen auf dem Weg zu einem derart geformten Flussnetz sind Flussanzapfungen. An sehr flachen Wasserscheiden können ihnen Gabelungen, so genannte Bifurkationen vorausgehen.

Flussverläufe

Das durch die Erdschwere abfließende Wasser nimmt mit zunehmend gebündeltem Lauf Bewegungsenergie auf und bringt so im zunächst erodierenden, dann auch um- und ablagernden Einwirken auf den Gesteinsuntergrund Strömungs- und Geländeformen hervor, die für den jeweiligen Flussabschnitt (Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf) typisch sind. Das zunächst hohe Gefälle nimmt regelhaft im Verlauf deutlich ab, wobei sich das Längsprofil theoretischen Gleichgewichtslinien zwischen Transport- und Erosionskraft annähert. Die tektonischen und klimatischen Veränderungen führen jedoch zumeist zu wechselnden Phasen von Aufschüttung und Abtragung, die an terrassenförmigen Resten einstiger Talfüllungen und Erosionskanten ablesbar sind. Die wechselnden Verhältnisse von Transport- und Erosionsleistung lassen typische Formen von Flussbetten entstehen. Verschiedene entsprechend geartete Abschnitte können ineinander übergehen (siehe auch: Talform).

  • Gerader Fluss: Er hat ein Flussbett und einen Flusslauf. Ein gerader Fluss entsteht vor allem bei großer Tiefenerosion. Seitenerosion spielt nur eine untergeordnete Rolle. Material wird nicht oder nur ganz vereinzelt abgelagert. Diesen Flusstyp findet man vor allem in Gebirgen, Berg- und Hügelländern, bei denen die Flüsse ein recht großes Gefälle haben.
  • Mäandrierender Fluss: Er hat ebenfalls ein Flussbett und einen Flusslauf, mäandriert jedoch. Von mäandrierenden Flüssen spricht man ab einem sogenannten Sinuositätsindex von 1,3, wobei gerade Abschnitte eingeschaltet sein können. Die Seitenerosion überwiegt die Tiefenerosion deutlich. Die Mäanderbögen verlagern sich langsam und stetig flussab und in Richtung der außen liegenden Prallufer. Gelegentlich kommt es zu abkürzenden Mäanderhalsdurchbrüchen. Am innen liegenden Gleitufer lagern sich Sedimente in grobbogiger Schrägschichtung ab, bei der die Korngröße nach oben hin abnimmt. Im Flussbett finden sich nur wenige Kies- und Sandbänke. Der Fluss wird von natürlichen Wällen gesäumt und überflutet bei Hochwasser die Auen. Das Gefälle ist mittel bis gering.
  • Verflochtener Fluss: Er hat ein Flussbett, aber mehrere Flussläufe. Ein verflochtener Fluss ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Flussläufe und -rinnen häufig und unsystematisch verlagern. Er führt viel, größtenteils aus Sanden und Kiesen bestehende Sedimentfracht mit sich, die vor allem bei Niedrigwasser abgesetzt wird. Die Wasserführung ist jahreszeitlich konzentriert, beispielsweise auf die Schneeschmelze, was zu starken Hochwässern führt. Die Flussbettsedimente sind horizontal geschichtet und weisen keine Sortierung nach Korngrößen auf. Dieser Flusstyp ist in Hochgebirgen sowie in ariden und arktischen Gebieten verbreitet. Das Gefälle kann sehr unterschiedlich sein, ist aber oft hoch.
  • Anastomosierender Fluss: Er hat mehrere, untereinander verbundene Flussbetten mit einem gemeinsamen Überschwemmungsgebiet. Der anastomosierende Fluss führt vor allem Sande und Schluffe mit sich. Durch das geringe Gefälle erodiert er nicht, sondern baut in die Höhe. Die Sedimente sind horizontal geschichtet. Des Weiteren wird ein anastomosierender Fluss von ausgedehnten Auen begleitet und hat ausgeprägte Uferdämme. Letztere bewirken, dass Nebenflüsse längere Strecken parallel fließen, bevor sie schließlich entweder in den Fluss oder parallel zu diesem ins Meer münden. Dieser Typ tritt in Ebenen und in Mündungsgebieten in Erscheinung und hat ein sehr geringes Gefälle, weshalb Vermoorungen typisch sind. Anastomosierende Flüsse werden fälschlicherweise oft als Binnendeltas bezeichnet, obwohl verzweigter Dammuferfluss zutreffender ist.

Bei der Mündung von Flüssen ins Meer überwiegt entweder die Formung durch abgelagertes Flusssediment, die ein Flussdelta entstehen lässt oder die umlagernde Formung durch die Gezeiten, die die Flussmündung zu einem Ästuar aufweitet. Zwischenformen finden sich am Rheindelta und an der Mündung des Amazonas.

Manche Flüsse haben vor der Mündung unter dem Meer Flussrinnen gebildet (Kongo-Rinne), die teils zu Zeiten eiszeitlicher Meerestiefstände erodiert wurden, teils durch Suspensionsströme entstehen.

Merkmale und Typen von Flussbetten

Der Querschnitt eines Flusses wird in den Wasserkörper, die Gewässersohle und das Ufer bis zur Böschungsoberkante unterteilt. Ausgedehnte Uferbereiche in einer Flussaue werden auch als Vorländer bezeichnet und dienen im natürlichen Fall als Überschwemmungsfläche bei Hochwasser.

Nahezu jeder Fluss transportiert an der Gewässersohle zerkleinerte Gesteine, sogenanntes fluviales Sediment oder Fluss-Geschiebe. Menge und Transportgeschwindigkeit sind unter anderem von der Schleppkraft des Flusses abhängig. Die hierfür entscheidende Fließgeschwindigkeit hängt ab von Gefälle, Untergrund und Wasservolumen. (Sie kann beispielsweise durch eine Geröllsperre verringert und durch eine Befestigung des Flussufers erhöht werden.) Innerhalb des Flussabschnittes ist die Fließgeschwindigkeit unterschiedlich. Sie ist an der Gewässersohle am niedrigsten und einige Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche am höchsten, wobei eine Flussbiegung die Linie der größten Geschwindigkeit, den Stromstrich, nach außen verschiebt.

Eine besondere Form der Flussbettformung können Wasserfälle dann darstellen, wenn dort Prozesse vorherrschen, die eine Gefällestufe akzentuieren, und so die allgemeine Tendenz zum Ausgleich des Flusslängsprofils unterbrochen sein kann.

Ökologische Aspekte

Die meisten Flüsse führen Süßwasser und sind Lebensraum einer entsprechenden Süßwasserflora und -fauna. In der Limnologie und Hydrologie werden Flüsse in Lebensraumregionen eingeteilt, denen ungefähr die fischereirechtliche Einteilung in Fischregionen entspricht. Unterhalb der Quellregion (Krenal) folgt die Bachregion, das Rhithral, dem oben die Forellenregion und weiter unten die Äschenregion entspricht. Die Flussregion, das Potamal, wird in die Barbenregion (Epi-Potamal), die Brachsenregion (Metapotamal) und die Kaulbarsch-Flunder-Region (Hypopotamal) unterteilt. Bestimmend für die Lebensraumeigenschaften sind die Wassertemperatur, der Sauerstoffgehalt, die Fließgeschwindigkeit und besonders der Nährstoffgehalt.

Flüsse sind in einem Gebiet die natürlichen Hauptausbreitungslinien von neuen Arten. So sind etwa nach den Eiszeiten viele Arten über die Flüsse und Täler wieder in Mitteleuropa eingewandert.

Die Gewässerbelastung wird überwiegend nach dem Saprobiensystem ermittelt und in Gewässergüteklassen eingeteilt.

Begriffe und Etymologie

Große, ins Meer mündende Flüsse, werden auch als Strom bezeichnet. Als ungefähre Grenzen werden oft eine Länge über 500 km, ein Einzugsgebiet von über 100.000 km² und ein mittlerer Abfluss von über 2.000 m³/s angegeben. In früheren Jahrhunderten wurde der Begriff auch für andere schiffbare Flüsse gebraucht.[2]

Kleinere Fließgewässer werden als Bach bezeichnet, jedoch ohne definierte Abgrenzung. Mitunter werden die Schiffbarkeit, der Abfluss (weniger als 20 m³/s[3]) oder die Breite (weniger als 5 m[4]) als Kriterium herangezogen.

Die Namen von Flüssen gehören zur ältesten Schicht geographischer Namen. Viele Flussnamen haben als Namensbestandteil oder -zusatz Au(e), die vom germanischen *awjo in der Bedeutung Insel, Flussaue, zum Gewässer gehörig hergeleitet werden. Die oberdeutsche Entsprechung ist Ache (zu althochdeutsch aha [st. f.], «Fluss») oder Ohe, die westfälische ist Aa.[5] Die an der deutschen Nordseeküste in ein Netz von Entwässerungskanälen und Tidegewässern eingebundenen Flüsse werden auch als Tief bezeichnet.

Wirtschaftliche Nutzung

Wirtschaftlich werden Flüsse vor allem für den Transport (siehe auch: Transportweg), zur Trinkwassergewinnung, zur Elektrizitätserzeugung in Laufkraftwerken und zur Kühlung von konventionellen und nuklearen Elektrizitätswerken genutzt. Oft wird Abwasser nicht oder unzureichend geklärt eingeleitet.

Neben der Breite und gleichmäßigen Fließgeschwindigkeit ist für die Binnenschifffahrt die Wassertiefe entscheidend, da dies den maximalen Tiefgang festlegt. Hierfür wurden viele Flüsse in eine Folge von Stauhaltungen umgewandelt, was die Anlage von Wasserkraftwerken ermöglichte, aber auch den Bau (oder die Nachrüstung) von Fischwegen erforderlich machte. Andere Flussabschnitte werden mit Baggerschiffen offen gehalten. Es gibt verschiedene Schiffstypen, die einem Fluss angepasst wurden. So z. B. das Große Rheinschiff, welches den Schiffsschleusen an Nebenflüssen von Rhein oder Donau angepasst ist. Weitere Schiffstypen sind das Rhein-See-Schiff oder Schubverbände.

Staatlicher Rahmen

Die 10 längsten Flüsse der Erde

Fluss Kutscherla im Altai (Gletschermilch)
  1. 6.670 km - Nil: Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Kagera-Weißer Nil-Nil - (Afrika)
  2. 6.448 km - Amazonas: Apurimac-Ene-Tambo-Ucayali-Amazonas - (Südamerika)
  3. 6.380 km - Jangtsekiang - (Asien)
  4. 6.051 km - Mississippi-Missouri - (Nordamerika)
  5. 5.476 km - Jenissei-Angara-Selenga-Orchon-Tuul - (Asien)
  6. 5.410 km - Ob-Irtysch - (Asien)
  7. 5.052 km - Amur-Schilka-Argun-Kerulen - (Asien) - (entsteht nur in niederschlagsreichen Jahren)
  8. 4.845 km - Huáng Hé (Gelber Fluss) - (Asien)
  9. 4.500 km - Mekong - (Asien)
  10. 4.374 km - Kongo - (Afrika)

Für weitere „längste Flüsse“ siehe: Liste der längsten Flüsse der Erde

Die 10 längsten Flüsse, die durch Deutschland fließen

  1. 2.852 km - Donau (davon 647 km in Deutschland)
  2. 1.233 km - Rhein (davon 865 km in Deutschland)
  3. 1.165 km - Elbe (davon 727 km in Deutschland)
  4. 866 km - Oder (davon 187 km in Deutschland)
  5. 744 km - Weser
  6. 545 km - Mosel (davon 242 km in Deutschland)
  7. 524 km - Main
  8. 510 km - Inn (davon 218 km in Deutschland)
  9. 413 km - Saale
  10. 382 km - Spree

Für weitere deutsche Flüsse siehe: Liste von Flüssen in Deutschland

Die 5 längsten Flüsse, die durch die Schweiz fließen

  1. 1.233 km - Rhein (davon 291 km in der Schweiz) - mündet in die Nordsee
  2. 812 km - Rhône (davon 264 km in der Schweiz) - mündet ins Mittelmeer
  3. 510 km - Inn (davon 104 km in der Schweiz) - mündet in die Donau
  4. 288 km - Aare - mündet in den Rhein
  5. 248 km - Ticino - mündet in den Po

Für weitere Schweizer Flüsse siehe: Liste der Flüsse in der Schweiz, Kategorie:Fluss in der Schweiz

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Messung des brasilianischen Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais (INPE) im Amazonas- und Tocantins-Mündungsgebiet: (Messweg: rote Linie)
  2. Enzyklo Online Enzyklopädie; E. Gothein: Die Schiffahrt der deutschen Ströme, 1903
  3. Lexikon der Geowissenschaften, Akademischer Verlag Heidelberg-Berlin, Bd 1 (2000), Seite 179
  4. http://www.landwirtschaft-mlr.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1069783_l1/index.html
  5. Das Herkunftswörterbuch, Au, Duden Band 7, Mannheim 1989

Quellen

Literatur

  • Uwe A. Oster (Hrsg.), Flüsse in Deutschland. Eine Kulturgeschichte, Darmstadt 2007.
  • Lexikon der Geowissenschaften, Akademischer Verlag Heidelberg-Berlin, Bd 1 (2000), Seite 179 (Definition Bach)

Weblinks


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