Boden-Boden-Rakete

Boden-Boden-Rakete

Eine Boden-Boden-Rakete ist eine Rakete, welche vom Boden aus gegen Bodenziele abgefeuert wird.

Dazu zählen bereits Panzerabwehrwaffen der Infanterie wie Panzerfaust oder Raketengranate (z. B. RPG-7) sowie Panzerabwehr-Lenkwaffen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Gebräuchlich ist auch, die Bezeichnung für Artillerieraketen für den indirekten Beschuss zu verwenden. Dazu zählen von Raketenwerfern abgefeuerte ungelenkte Raketen, so bei der Katjuscha ("Stalinorgel"), die Reichweiten zwischen 10 und 90 km erreichen, teils auch 300 km.

Auch ballistische Raketen sind Boden-Boden-Raketen, die meist ein eigenes Steuerungssystem benutzen, um eine bessere Treffergenauigkeit (CEP) zu erzielen.

Sie werden nach Angaben der Range Association, London und des Centre for Defence and International Security Studies (CDISS) seit 1996 wie folgt klassifiziert:

Klasse Internationale Bezeichnung Reichweite [km]
Gefechtsfeld-Kurzstreckenraketen Battlefield Short Range Ballistic Missiles (BSRBM) 0 - 150
Kurzstreckenraketen Short Range Ballistic Missiles (SRBM) 150 - 799 (früher bis 999)
Mittelstreckenraketen mittlerer Reichweite Medium Range Ballistic Missiles (MRBM) 800 - 2.399 (früher 1.000 bis 2.700)
Mittelstreckenraketen größerer Reichweite Intermediate Range Ballistic Missiles (IRBM) 2.400 - 5.499 (früher 2.700 bis 5.500)
Interkontinentalraketen Intercontinental Ballistic Missiles (ICBM) 5.500 - 15.000
Ubootgestützte ballistische Raketen Submarine Launched Ballistic Missiles (SLBM) keine Reichweitenklassifizierung

Die Nutzlast dieser Raketen ist sehr verschieden und reicht von einfachen Sprengladungen bis hin zu thermonuklearen Sprengköpfen. Auch Minen können mittels Boden-Boden-Raketen gelegt werden (z. B. Schmetterlingsminen).

Die englische Bezeichnung lautet Surface-to-surface missile. Die Abkürzung dieser Bezeichnung, SSM oder SS, wird für die Namensgebung zahlreicher Boden-Boden-Raketen verwendet (z. B. SS-20), wobei es sich hier ursprünglich um den NATO-Code handelt.

Raketen, welche Ziele erreichen können, die sich außerhalb der Sichtweite des Schützen befinden, werden auch als Beyond Visual Range-Raketen bezeichnet.

Entwicklung

Wegen der Festlegungen im Versailler Vertrag durfte das Deutsche Reich keine großen Kanonen entwickeln oder besitzen. Fernraketen waren im Vertrag nicht genannt. Die Reichswehr kommandierte Ende der 1920er Jahre Walter Dornberger zum Maschinenbaustudium an die Technischen Hochschule Charlottenburg ab.

Dort lernte er Arthur Rudolph kennen, welcher in den Heylandt-Werken an Raketenexperimenten arbeitete. Rudolph zeigte sich interessiert und arbeitete von da an in seiner Freizeit gemeinsam mit Walter Riedel an Valiers Raketenprojekten.

Am 17. Mai 1930, einen Tag, nachdem Arthur Rudolph die Arbeit an dem Raketenprojekt aufgenommen hatte, starb Raketenpionier Max Valier bei der Explosion eines Raketentriebwerk-Prototypen. Weitere Raketen-Experimente wurden zunächst durch Paulus Heylandt verboten, Rudolph setzte seine Arbeit jedoch gemeinsam mit Riedel und Alfons Pietsch fort.

Nach dem Studium wurde Dornberger 1932 die Entwicklung von Feststoffraketen im Heereswaffenamt übertragen. Er warb Wernher von Braun und andere an. 1936 wurde Dornberger die verantwortliche Leitung der Raketenentwicklung des Heeres übertragen, die zur Entwicklung des Aggregats 4 (A4, besser bekannt als V2) führte.

Von 1936 bis 1943 war Dornberger Chef der Raketenabteilung des Heereswaffenamtes. 1943 wurde er Kommandeur der Heeresversuchsanstalt Peenemünde.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Boden-Boden-Raketen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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