Ballistische Rakete
V2-Rakete, die erste bekannte militärische genutzte ballistische Rakete
Kreiselsteuerung der V2

Eine ballistische Rakete (engl.: ballistic missile) ist eine in der Regel militärische Rakete, die ihr Ziel auf einer Flugbahn gemäß den Gesetzen der Ballistik erreicht. Im Unterschied zu reaktiven Artilleriegeschossen wie beispielsweise Raketenwerfer sind ballistische Raketen wegen ihrer großen Reichweiten generell gelenkt. Im Unterschied zu Marschflugkörpern und Lenkwaffen besitzen sie kein Tragwerk sowie kein Marschtriebwerk und werden nur in der Startphase angetrieben, um sie auf die zum Erreichen des Ziels nötige Geschwindigkeit zu bringen. Ballistische Raketen werden meist senkrecht von mobilen oder festen Vorrichtungen gestartet.

Je größer die Reichweite einer ballistischen Rakete ist, desto mehr weicht ihre Flugbahn von der Parabelform ab und wird zu einer ballistischen Kurve, da dann auch die Krümmung der Erdoberfläche und die sphärische Form des Gravitationsfeldes zunehmenden Einfluss haben. Gemäß den Gesetzen der Himmelsmechanik wird die Flugbahn dabei mit Annäherung an die Erste Kosmische Geschwindigkeit nach dem Ersten Keplerschen Gesetz zunehmend elliptisch.

Aufgrund der langen Flugstrecke, die wegen der Flugkurve zudem deutlich größer ist als die Reichweite, verbietet der Einfluss atmosphärischer Bedingungen und Wind eine Zielausrichtung allein beim Start. Damit wird der Einsatz eines Steuerungssystems notwendig - heute meist ein Inertiales Navigationssystem. Als Vorstufe dazu hatte die deutsche A4-Rakete (vulgo V2) im Zweiten Weltkrieg ein Kreiselinstrument.

Heute werden solche Steuerungen durch Satellitennavigation wie GPS oder das russische GLONASS ergänzt. Eine Steuerung findet meist nur während der Brenndauer der Triebwerke statt; in neuerer Zeit wurden, als Reaktion auf die Weiterentwicklung der Raketenabwehr, auch steuerbare Gefechtsköpfe entwickelt, so MARV für ICBMs oder etwa die russische Iskander-Kurzstreckenrakete.

Ballistische Raketen gehören zu den Boden-Boden-Raketen und werden entsprechend ihrer Reichweite wie dort angegeben klassifiziert. Vor allem Muster mit großer Reichweite kommen in erster Linie gegen strategische Ziele zum Einsatz.

Die Treffgenauigkeit einer ballistischen Rakete wird als CEP in Metern angegeben, dem Circular Error Probable, der den Radius eines Kreises beschreibt, in dem statistisch 50 Prozent der Flugkörper um den Zielpunkt herum treffen. Die genauesten Interkontinentalraketen erreichen einen CEP von 100 m, die ungenauesten in Dienst gestellten von 5 km.

Literatur

  • Steven Zaloga: V-2 Ballistic Missile 1942–52, ISBN 978-1-84176-541-9
  • Tracy Dungan: V-2: A Combat History of the First Ballistic Missile, Westholme Publishing (Informationen online), 2005, ISBN 1-59416-012-0
  • Heinz Dieter Hölsken: Die V-Waffen: Entstehung – Propaganda – Kriegseinsatz, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984, ISBN 3-421-06197-1
  • Olaf Przybilski: Spurensuche Band 10Das Geheimnis der deutschen Raketen und raketengetriebenen Fluggeräte, Podzun-Pallas Verlag, 2002, ISBN 3-7909-0763-4
  • Gerhard Reisig: Raketenforschung in Deutschland. Wie die Menschen das All eroberten. Agentur Klaus Lenser, Münster 1997, ISBN 3-89019-500-8

Weblinks

 Commons: Ballistische Raketen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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