1ª Brigata Aerea
Wappen der Brigade

Die 1ª Brigata Aerea Operazioni Speciali (dt.: „1. Luftbrigade für spezielle Operationen“) ist ein Großverband der italienischen Luftwaffe mit Hauptquartier in Rom-Centocelle. Die Brigade hat ihren Ursprung in dem 1923 aufgestellten 1. Jagdgeschwader (1º Stormo). Von 1959 bis 2007 war sie mit Flugabwehrraketen ausgesrüstet. Heute unterstehen ihr spezialisierte Bodentruppen und Hubschrauber.

Inhaltsverzeichnis

Organisation

Die operativen Kräfte der italienischen Luftwaffe werden vom Luftflottenkommando (Comando della Squadra Aerea) in Rom-Centocelle geführt. Diesem Kommando untersteht unter anderem die 1ª Brigata Aerea, in der folgende Verbände und Einheiten zusammengefasst sind:

Das 16. Geschwader schützt militärische Einrichtungen wie Flugplätze, Raketenstellungen oder Fernmeldeanlagen, insbesondere bei Auslandseinsätzen, und greift dabei in der Regel auch auf Militärhunde aus Grosseto zurück. Die Spezialkräfte des 17. Geschwaders operieren als luftbewegliche Bodentruppen beispielsweise im feindlichen Hinterland und dirigieren dort Einsätze von fliegenden Einheiten gegen Bodenziele. Das 9. Geschwader unterstützt die Spezialkräfte, unter anderem bei bewaffneter Suche und Rettung.

Geschichte

Das 1. Jagdgeschwader (1º Stormo) wurde am 7. Mai 1923 in Brescia aufgestellt. Zunächst unterstanden ihm verschiedene Gruppen und Staffeln, die bereits im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten. Am 1. Februar 1927 verlegte man das Geschwader mit den beiden fliegenden Gruppen 6 und 17 und deren nachgeordneten Staffeln (Squadriglie[1]) nach Campoformido bei Udine, wo sie die Fiat CR.20 erhielten. In den folgenden Jahren flog man die CR.32 und die CR.42. Im Zweiten Weltkrieg operierte das 1. Jagdgeschwader mit der Macchi MC.200 1940 zunächst von Sizilien aus. Anschließend erfolgte in Campoformido die Umrüstung auf die Macchi MC.202 und dann die Verlegung nach Nordafrika, wo das Geschwader bis Juni 1942 stark beansprucht wurde. Nach einer Pause in Campoformido folgten ab September 1942 zunächst Luftverteidigungseinsätze an verschiedenen Orten in Italien. Von November 1942 bis Juni 1943 stemmte sich das Geschwader über Tunesien und Süditalien gegen die alliierte Übermacht, zum Teil mit neuen Macchi MC.205. Die schweren Verluste erzwangen schließlich den Rückzug ins norditalienische Friaul, wo das Geschwader mit dem Waffenstillstand von Cassibile am 8. September 1943 aufgelöst wurde. Etliche Piloten entschlossen sich in der Folge, den Krieg in der Aeronautica Nazionale Repubblicana an der Seite der Wehrmacht fortzusetzen. Die 3ª Squadriglia der 1º Gruppo der ANR übernahm in Campoformido Wappen und Traditionen des aufgelösten 1. Jagdgeschwaders und setzte den Kampf gegen alliierte Bomberformationen bis 1945 fort.

Das 1. Jagdgeschwader entstand 1956 mit Flugzeugen vom Typ F-86K Sabre in Istrana wieder. Bereits drei Jahre später gab es alle Flugzeuge ab, um auf das Flugabwehrraketensystem Nike umzurüsten. Das Geschwader wurde auf Brigade-Niveau angehoben (1ª Aerobrigata) und verlegte seinen Stab nach Padua. Zu den beiden Gruppen 6 und 17 kam die 7. Gruppe hinzu.[2] Im Mai 1957 hatte man ein erstes Personalkontingent an die amerikanische Flugabwehrschule nach Fort Bliss in Texas entsandt,[3] das dort zunächst theoretisch geschult und anschließend auf der McGregor Range praktisch an der Nike Ajax und dann an der Nike Hercules ausgebildet wurde. Unterstützungspersonal absolvierte Lehrgänge im Redstone Arsenal in Alabama und an anderen Orten.

In Norditalien baute die Brigade schrittweise ihre drei Flugabwehrraketen-Gruppen auf, die jeweils vier Raketen-Staffeln hatten. Die 6. Gruppe kam nach Campformido, die 7. Gruppe nach Montichiari und die 17. zusammen mit einer Ausbildungseinheit nach Padua. Die einzelnen Staffeln hatten dezentrale, ortsfeste Raketenstellungen. Im Jahr 1964 wurden die genannten Verbände und Einheiten um eine Stufe angehoben. Die Gruppen (Bataillone) erhielten einen Geschwaderstatus (Regiment), die Staffeln (Batterien) einen Gruppenstatus (Bataillon). Die Nummerierung der Verbände wurde nicht verändert, mit Ausnahme der 6. Gruppe, die im Zug der Vergrößerung die Nummer 16 erhielt.[4] Nach einigen Verlegungen ergab sich von 1964 bis 1977 folgendes Bild:

Nike-Feuerstellung (Base Tuono) der 66º Gruppo Intercettori Teleguidati auf dem Monte Toraro, unweit des Passo Coe. Die Stellung ist heute eine Touristenattraktion. Die logistische Basis der Einheit war in Tonezza del Cimone. Die Einheit hatte keine nuklearen Gefechtsköpfe.
  • Stab 1. Brigade mit Unterstützungseinheiten in Padua, Raketenschule in Montichiari
  • 7. Flugabwehrgeschwader mit Stab in Vicenza und den Gruppen 64 (Monte Grappa), 65 (Montichiari), 66 (Monte Toraro), 67 (Monte Calvarina)
  • 16. Flugabwehrgeschwader mit Stab in Treviso und den Gruppen 56 (Ca`di Tron), 57 (Ceggia), 58 (Cordovado), 59 (Monte Pizzoc)
  • 17. Flugabwehrgeschwader mit Stab in Padua und den Gruppen 72 (Bovolone), 79 (Zelo), 80 (Conselve), 81 (Chioggia)

Die Nike-Hercules-Stellungen hatten ihren Schwerpunkt in Venetien und in den angrenzenden Regionen und bildeten in diesem Gebiet eine Art Kreuz. Die Raketen konnten im Rahmen der nuklearen Teilhabe mit atomaren Gefechtsköpfen ausgestattet werden, welche unter der Kontrolle der 559th US Artillery Group in Vicenza standen. Zu den für große Höhen vorgesehenen Nike Hercules kamen die für mittlere Höhen geeigneten Hawk-Raketeneinheiten des Heeres, die operativ von der italienischen Luftwaffe geführt wurden.

Die jährlichen Übungen mit scharfem Schuss (Annual Service Practice) führte man noch bis 1966 in den Vereinigten Staaten durch, in den folgenden 40 Jahren dann auf dem Raketenstartplatz Salto di Quirra auf Sardinien. 1977 wurde das 7. Flugabwehrgeschwader im Zug von Umstrukturierungen aufgelöst, und mit ihm die Gruppen 56, 59, 64 und 66. Das 16. Geschwader in Treviso übernahm die Gruppen 57, 58, 80 und 81, das 17. die Gruppen 65, 67, 72 und 79. Die Raketensysteme wurden in den folgenden Jahren mehrfach modernisiert, entsprachen jedoch bald nicht mehr den Anforderungen. Die Ablösung durch das Flugabwehrsystem Patriot kam nach dem Ende des Kalten Krieges wegen notwendiger Haushaltskonsolidierungen über das Planungsstadium nicht hinaus.[5] 1995 begann die schrittweise Auflösung der Brigade, zunächst mit der Auflösung von zwei Gruppen (67, 81), 1998 dann mit der Auflösung des 16. Geschwaders und drei weiterer Gruppen (57, 65, 79). Es verblieb das 17. Geschwader mit drei Gruppen (58, 72, 80) und vorübergehend ein weiterer Verband mit dem Flugabwehrsystem Spada.

Am 24. November 2006 erfolgte in Salto di Quirra (Capo San Lorenzo) der letzte Abschuss einer italienischen Nike Hercules. Am 1. Juli 2007 wurde auch das 17. Geschwader aufgelöst. Seine drei verbliebenen Gruppen (Staffeln) rüsteten auf das Flugabwehrsystem Spada um und verlegten nach Rivolto bei Udine, wo sie vom 2. Geschwader übernommen wurden. Die 1. Flugabwehrraketenbrigade nahm gleichzeitig ihre heutige Bezeichnung an und konzentrierte sich auf Sonderoperationen. Als Vorbild diente in diesem Zusammenhang das amerikanische Air Force Special Operations Command. Die Brigade kam Ende 2009 von Padua zum Sitz des Luftflottenkommandos in Rom-Centocelle. Die ehemaligen Flugabwehrgeschwader 16 und 17 entstanden mit spezialisierten Bodentruppen wieder und übernahmen die genannten Objektschutz- und Spezialaufgaben. Sie wurden in letzter Zeit mehrfach in Afghanistan eingesetzt.

Anmerkungen

  1. Squadriglia entspricht wörtlich dem deutschen Begriff Staffel. Im Ersten Weltkrieg und in den Jahren danach war die Squadriglia die zentrale operative Einheit. Im Lauf der Zeit reduzierte sich Umfang und Bedeutung dieser Organisationseinheit. Im Zweiten Weltkrieg umfasste sie in der Regel sechs bis zwölf Flugzeuge, die übergeordnete Gruppe (Gruppo) hatte in etwa 18 bis 24 Maschinen. Obwohl die Gruppe bis heute Bataillonsäquivalent ist, entspricht sie vom Umfang einer Staffel (Kompanie). Selbst die italienische Luftwaffe übersetzt Gruppo heute mit dem englischen Begriff Squadron. Die Squadriglia ist heute im fliegerischen Bereich de facto auf den Rang einer Teileinheit (Schwarm) gesunken und umfasst in der Regel nicht mehr als sechs Flugzeuge.
  2. Die 6. und 17. Gruppe bildeten seit 1927 den Kern des Geschwaders. Die 7. Gruppe hatte kurz nach Aufstellung des Geschwaders in Brescia vorübergehend dazugehört und wurde aus diesem Grund wiederum miteinbezogen.
  3. Von Mai 1957 bis Februar 1959 wurden insgesamt 808 Soldaten der italienischen Luftwaffe entsandt.
  4. Die 6. Gruppe erhielt im Zug der Vergrößerung die Bezeichnung 16. Geschwader, weil die Nummer 6 bereits das 6. Jagdbombergeschwader in Ghedi führte.
  5. Ursprünglich waren nicht weniger als 20 Patriot-Einheiten geplant, dann reduzierte man sie auf zwölf, dann auf nur neun. Schließlich wurde das Programm trotz offensichtlichem Bedarf aus finanziellen Gründen ganz gestrichen. Dem neuen Bedrohungspotenzial aus dem Süden (Nordafrika, Nahmittelost) sollen Kriegsschiffe der italienischen Marine begegnen, insbesondere Luftverteidigungszerstörer, die mit ihren Flugabwehrsystemen bedrohte Landesteile auch gegen ballistische Raketen schützen. Italien ist im MEADS-Flugabwehrprogramm vertreten, dessen Realisierung ungewiss ist.

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