Abtei Mariendonk
Außenansicht der Abtei Mariendonk

Die Abtei Mariendonk ist ein Benediktinerinnenkloster in Grefrath, Ortsteil Mülhausen, bei Kempen im Bistum Aachen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte als Klosters der ewigen Anbetung

Gründung

Die Gründung des Klosters Mariendonk an der Grenze der Kreise Viersen und Kleve ist eng mit der allgemeinen Geschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts, insbesondere dem Kulturkampf, verbunden. Für die Klöster war vor allem das "Gesetz, betreffend die geistlichen Orden und ordensähnlichen Kongregationen der katholischen Kirche" von 1875 entscheidend, denn in ihm wurden alle Klöster in Preußen aufgelöst, mit Ausnahme derer, die sich der Krankenpflege widmeten. Viele aufgelöste Gemeinschaften gründeten sich daher in den Niederlanden neu. Unter anderen auch die die Gemeinschaft des Klosters Bonn-Endenich in Driebergen bei Utrecht.

Dennoch hatte in dieser Zeit die klösterliche Lebensform große Anziehungskraft auf junge Frauen und die auch Gemeinschaft in Driebergen wuchs sehr schnell. Nach dem Ende des Kulturkampfes erfuhren die Schwestern bald, dass in der Nähe von Kempen eine Frau, Johanna Stieger (1848-1904), bereit sei, ein Grundstück sowie Geld zum Bau eines Klosters zu schenken.

1900 - 1948

Am 23. Oktober 1900 kam die neue Priorin, Mutter Ursula Kleberg, mit 22 Schwestern von Driebergen. Um eine materielle Grundlage zu schaffen und die Ernährung der Gemeinschaft zu sichern, wurde bald mit dem Aufbau einer kleinen Landwirtschaft begonnen. Die Stickerei, die die Schwestern auch betrieben, brachte nur gelegentlich Einnahmen, und die Hostienbäckerei begann langsam seit 1914.

Am Ende des Ersten Weltkrieges lebten etwa 40 Schwestern in Mariendonk. Die Gründungspriorin, Mutter Ursula Kleberg, führte weiterhin die Gemeinschaft.

Mit der Auflage, für das Militär Näh- und Stickarbeiten zu übernehmen, wurde das Kloster im Zweiten Weltkrieg nicht geschlossen, jedoch wurden größere Bereiche des Hauses zu Soldaten- und später zu Flüchtlingsunterkünften erklärt. Auch ausgebombte Nachbarsfamilien fanden hier Zuflucht. 1946 fand die Wahl von Sr. Felicitas Berg (1909-1989) zur Priorin statt. Sie konnte auf Wunsch der Gemeinschaft und nach gründlicher Vorbereitung durch den Spiritual P. Hermann Keller, Beuron (Spiritual von 1946-1970) die Umwandlung von einem Kloster der Ewigen Anbetung zur ursprünglich monastischen Form einer Abtei vollziehen.

Kirche der Abtei Mariendonk

Geschichte der Abtei Mariendonk

1948 - 1982

Im Jahr 1948 erfolgte die Bestätigung der neuen Konstitutionen durch den Vatikan und die offizielle Erhebung zur Abtei. Am 24. Juni wurde die bisherige Priorin Felicitas Berg zur ersten Äbtissin geweiht. Die Abtei wählte den Namen Mariendonk. Eine Donk ist ein erhöhter Platz in einer Sumpflandschaft, hier insbesondere der Niersaue. Am 24. Oktober 1950 erfolgte die Weihe der inzwischen umgebauten, jetzt der Öffentlichkeit zugänglichen Kirche sowie Benedizierung (Segnung) der ebenfalls umgebauten Krypta.

Ab 1953 begannen die Schwestern mit der eigenen landwirtschaftlichen Bearbeitung der zur Abtei gehörenden Felder. Zwei Schwestern wurden zu Landwirtschaftsmeisterinnen ausgebildet, die gemeinsam mit P. Hermann Keller OSB, dem die Unabhängigkeit des Konventes ein großes Anliegen war, weitere Schwestern anleiteten. Erst 1993 musste die Landwirtschaft eingestellt werden, da die Arbeit von den Schwestern nicht mehr zu leisten war. Geblieben ist der Obst- und Gemüseanbau für den eigenen Bedarf.

1961 war die Errichtung des dringend notwendigen Neubaus mit Bibliothek, Gästezimmern sowie Arbeitsräumen für die Stickerei und der als neuen Arbeitsbereich hinzugekommenen Weberei beendet. Im Neubau gab es nun auch mehr Platz für die wissenschaftliche Arbeit an der altlateinischen Bibel, der sogenannten Vetus Latina.

Die erst durch das II. Vatikanum kirchenrechtlich mögliche volle Eingliederung der Laienschwestern in den Konvent wurde 1968 vollzogen; die Aufhebung der Trennung von Laien- und Chorschwestern war jedoch bereits seit langem ein Wunsch eines großen Teiles des Konventes.

1982 - 2005

1982 wurde Sr. Luitgardis Hecker nach dem altersbedingten Rücktritt von Mutter Felicitas Berg zur Äbtissin geweiht. Unter ihrer Leitung wurde 1984 die Gästekapelle umgestaltet, so dass Gäste nun gemeinsam mit dem Konvent an der Eucharistiefeier und dem Chorgebet teilnehmen können. Die Teilnahme der Gäste an der Liturgie war ein großes Anliegen der Gemeinschaft. Deshalb wurde auch sehr bald nach Ende des zweiten vatikanischen Konzils entschieden, den Gottesdienst in deutscher Sprache zu feiern.

Nach der ersten Promotion einer Mariendonker Schwester im Fach Theologie / Altes Testament und bedingt durch die schwere Erkrankung und den Tod des letzten Spirituals P. Bonifatius Fischer OSB, Beuron, (1915-1997, Spiritual von 1973-1997) übernahmen die Schwestern mehr und mehr die Aufgabe der theologischen Wissensvermittlung selbst. Seitdem finden konventinterne Weiterbildungen statt.

Ab 1990 begann die Mitarbeit von Mariendonker Schwestern an einer zweisprachigen Kirchenväterausgabe, der Fontes Christiani, sowie die Intensivierung der Seelsorge und der theologischen Weiterbildung für Gäste in Form von Vorträgen, Bibelgesprächen und Exerzitien. 1992 wurden Patristikkurse für Ordensmitglieder eingerichtet.

Der Spiritual P. Bonifatius Fischer hat viel dazu beigetragen und vor allem die liturgischen Texte ins Deutsche übertragen, so dass die Abtei ihre Liturgie neu gestalten konnte.

Schwestern der Abtei Mariendonk

Seit 2005

Im Juli 2005 wurde Sr. Christiana Reemts (* 1957) zur Äbtissin geweiht, nachdem Mutter Luitgardis Hecker aus Altersgründen zurückgetreten war. Der Konvent bestand im Jahr 2011 aus 34 Schwestern mit ewiger Profess, einer Klausuroblatin, drei Schwestern mit zeitlicher Profess sowie einer Postulantin.

Schwestern der Abtei arbeiten zur Zeit an folgenden wissenschaftlichen Projekten mit

  • Die Reihe „Biblische Gestalten bei den Kirchenvätern“, angebunden an das Dölger-Institut, Bonn
  • Mitarbeit an der Edition der Vetus Latina
  • Mitarbeit am NTP (Novum Testamentum Patristicum)

Spiritualität

Für die Spiritualität der Gemeinschaft von Mariendonk ist seit vielen Jahrzehnten das Schriftverständnis der Kirchenväter, also der Theologen aus den ersten sechs Jahrhunderten nach Christi Geburt, ein besonderer Schwerpunkt. Neben den Lesungen aus der Bibel sind ihre Bibelkommentare die einzigen Texte, die während der Messe und des Stundengebets gemeinsam gehört werden. Einzelne Schwestern haben auch wissenschaftliche Arbeiten zu Origenes und anderen Kirchenvätern veröffentlicht.

Die Liturgie in der Abtei Mariendonk ist geprägt von längeren Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament. Außer der Schrift wird in der Liturgie nur aus den Werken der Kirchenväter vorgelesen.

Schwester bei der Arbeit an dem Vetus-Latina-Projekt

Weblinks

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