Activision Blizzard
Activision Blizzard, Inc.
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN US00507V1098
Gründung 10. Juli 2008
Sitz Santa Monica, Kalifornien, USA
Mitarbeiter 5000 (2011)
Umsatz 4,447 Milliarden Dollar (2010)
Gewinn 418 Millionen Dollar (2010)
Produkte Computer- und Videospiele
Website www.activisionblizzard.com

Activision Blizzard ist ein Computer- und Videospiele-Konzern mit Sitz in Santa Monica, USA. Gemessen am Umsatz ist das Unternehmen Marktführer im Computer- und Videospiele-Sektor. Mehrheitseigner von Activision Blizzard ist Vivendi, die Aktien des Unternehmens werden unter dem Kürzel ATVI an der NASDAQ gehandelt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Activision Blizzard entstand am 10. Juli 2008 durch die Fusion des US-Konzerns Activision und Vivendi Games, einer 100%igen Tochter des Medienunternehmens Vivendi. Dabei wurde die Spielesparte von Vivendi in Activision eingegliedert, wofür Vivendi mit 52 Prozent der Anteile die Aktienmehrheit an Activision Blizzard erhielt. Vivendi hat sich über Optionen die Möglichkeit der Aufstockung der Anteile auf 68 Prozent gesichert.[1]

Der Bestandteil Blizzard in der Unternehmensbezeichnung geht auf den Computerspieleentwickler Blizzard Entertainment zurück, welchen Vivendi Games mit in den neuen Konzern einbrachte. Auf Grund der allgemeinen Bekanntheit durch die Entwicklung des Computerspieles World of Warcraft, dem hohen Umsatzanteil in Vivendi Games und der Eigenständigkeit, den das Studio sowohl unter Vivendi Games als auch im neuen Konzern genießt, entschieden sich die Fusionspartner dazu, Blizzard im Namen des Unternehmens unterzubringen.

Geschichte

Activision

Activision wurde am 1. Oktober 1979 durch die vier ehemaligen Atari-Spieleentwickler David Crane, Larry Kaplan, Alan Miller und Bob Whitehead sowie den Manager Jim Levy, der aus der Musikindustrie stammte, gegründet.[2] Die Entwickler waren in den vorangegangenen Jahren an der Entwicklung von Videospielen für die Spielekonsole Atari 2600 beteiligt gewesen. Dabei entstanden Differenzen zwischen ihnen und ihrem Arbeitgeber wegen dessen Umgang mit den entwickelten Spielen. Die Entwickler kritisierten besonders, nicht am Erfolg eines Spieles beteiligt zu werden – nicht einmal ihr Name wurde genannt. Dies veranlasste sie, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Jim Levy sollte dabei das Unternehmen auf wirtschaftlich stabile Beine stellen und wurde Geschäftsführer (CEO). Activision wurde so der erste rechtlich völlig unabhängige Entwickler von Videospielen. 2003 erhielten die Entwickler für diesen Schritt den The First Penguin Award auf der Game Developers Conference.

In den Anfangsjahren entwickelte Activision Spiele für den Atari 2600 und war so auch der erste Spielehersteller für nicht von ihm selbst gebaute Konsolen. Diese neue Situation führte von der Gründung Activisions bis 1982 zu rechtliche Auseinandersetzungen. Ebenfalls 1982 erschien das von David Crane entwickelte Pitfall!, Activisions erfolgreichste Spiel für die Atari 2600. Pitfall! erreichte eine Verkaufszahl von über vier Millionen Exemplare und war auch kommerziell für Activision sehr erfolgreich.[3]

Sinkende Absatzzahlen der Atari 2600 sowie die finanzielle Absicherung durch hohe Verkaufszahlen führten dazu, dass sich Activision Anfang der 1980er-Jahre auch weiteren Plattformen zuwandte und mit der Entwicklung von Spielen für weitere Spielekonsolen und dem Beginn der Produktion von Computerspielen für PCs weitere Märkte erschloss. Die weitere Vorgehensweise der Expansion sorgte jedoch nicht bei allen Gründern für Zustimmung, so dass 1984 Alan Miller und Bob Whitehead kündigten und zusammen den neuen Computerspielentwickler Accolade gründeten. 1986 übernahm Activision den in Schwierigkeiten geratenen Entwickler von Textadventures Infocom. Dabei war Jim Levy ein großer Verfechter dieser Übernahme, die intern umstritten war. Schnelle Erfolge bei der Restrukturierung von Infocom konnte er jedoch nicht vorweisen. Sechs Monate nach der Übernahme trat er zurück; sein Nachfolger wurde Bruce Davis, der gegen die Übernahme gewesen war. Daraufhin verließ 1986 auch David Crane auf Grund persönlicher Differenzen zwischen ihm und Davis Activision.

Unter der Führung von Davis begann eine Umstrukturierung des Konzerns. Neben Computer- und Videospielen sollten auch weitere Anwendungssoftware hergestellt werden. Dies führte 1988 zur Umbenennung von Activision in Mediagenic, da man diesen Namen für geeigneter hielt, das gesamte Spektrum des umgestalteten Konzerns abzudecken. Activision wurde aber weiter als Marke in der Spielebranche genutzt. Das Geschäft mit Anwendungssoftware lief jedoch von Anfang an schlecht. Auch die Geschäftszahlen des Unternehmens verschlechterten sich Ende der 1980er Jahre rapide. Auch die von Infocom übernommenen Studios erzielten weiterhin Verlust. Als Konsequenz wurden 1989 die durch die Übernahme erhaltenen Entwicklungsabteilungen von Infocom geschlossen, lediglich elf von 26 Mitarbeitern erhielten ein Übernahmeangebot, fünf nahmen es an. An der breiteren Aufstellung hielt das jetzt Mediagenic genannte Unternehmen jedoch fest, obwohl die Anwendungsbereiche ebenfalls Verluste schrieben. Bis 1992 verschlechterte sich die Situation so dramatisch, dass Mediagenic Insolvenz anmelden musste. Bruce Davis verließ in Folge dessen das Unternehmen.

Das Unternehmen wurde in Folge der Insolvenz neuorganisiert: Lediglich das profitable Computer- und Videospielsegment wurde fortgeführt, außerdem übernahm Mediagenic im Rahmen des Insolvenzverfahrens den Entwickler The Disc Company. Im Dezember 1992 erhielt das Unternehmen außerdem mit Activision seinen ursprünglichen Namen wieder. Mit der Veröffentlichung von Spielekollektionen baute die neue Unternehmensführung das umgestaltete Unternehmen wieder auf. Die erfolgreichste Kollektion war dabei die unter dem Titel „The Lost Treasures of Infocom“ veröffentlichte Zusammenfassung von Spielen Infocoms, die bis zu ihrer Schließung unter Activision unprofitabel arbeitete. In der Folgezeit trat Activision stärker auch als Publisher für andere Entwicklungsstudios auf. Beginnend in den späteren 1990er Jahren expandierte Activision hauptsächlich mit strategischen Übernahmen von Entwicklungsstudios, die bereits bei Activision unter Vertrag waren, prominente Beispiele waren die Übernahmen von Raven Software 1997 und Neversofts, dem Entwickler der Tony-Hawk-Serie, im Jahr 1999. Zum 25. Geburtstag im Jahr 2004 vermeldete Activision wieder Rekord-Geschäftszahlen und seit der Insolvenz 1992 immer noch jedes Jahr steigende Gewinne.

Verstärkt wurde der Fokus auch auf die Lizenzierung und Umsetzung von Spielen zu bekannten Serien wie Star Trek oder Spiderman gelegt. Eigene bekannte Marken wie die Call-of-Duty-Franchise des 2003 übernommenen Entwicklers Infinity Ward werden durch regelmäßige Veröffentlichungen von Nachfolgern rege ausgenutzt. Die teilweise sehr kurzen Veröffentlichungszyklen, die ein Entwicklungsstudio alleine nicht umsetzen kann, führten dazu, dass manche Serien parallel durch zwei Spieleentwickler hergestellt werden. Da sich die Serienspiele auf Spielekonsolen deutlich besser verkauften, war die Stärke Activisions beim Zusammenschluss mit Vivendi Games die Konsolensparte.

Vivendi Games

Der französische Mischkonzern Vivendi erwarb 1998 Havas. Durch die Übernahme dieser ebenfalls französischen Medienagentur stieg die Firma in den Computerspiele-Markt ein. Havas hatte im selben Jahr das durch einen massiven Buchhaltungsskandal ins Straucheln geratene Unternehmen Cendant Software übernommen und war so in Besitz der Computerspielesparte gekommen. Cendant Software selbst ist im Dezember 1997 durch die Fusion von CUC International, einem Dienstleistungskonzern, und dem Immobilienunternehmen HFS Incorporated entstanden. CUC International war erst im Februar 1996 mit den Übernahmen des Computerspiele-Konzerns Sierra Entertainment und des Zwischenhändlers Davidson & Associates, der 1994 Blizzard Entertainment kurz vor deren Durchbruch mit dem Spiel Warcraft gekauft hatte, für zusammen über 3 Mrd. US-Dollar groß in das Geschäft eingestiegen.

Während Blizzard Entertainement als klar geführtes, einzelnes und kommerziell erfolgreiches Entwicklungsstudio die Wechsel der Eigentümer ohne große Probleme überstand, kam es bei Sierra in Folge dieser zu einer Krise. Ab 1997 wurde das Unternehmen nicht mehr mit klarer Linie geführt; 1998 und 1999 kam es zu mehreren Umstrukturierungen, in dessen Folge viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. 1999 drückte der 1997 aus dem Unternehmen ausgeschiedene Gründer von Sierra Ken Williams allen ausgeschiedenen Mitarbeitern per Brief sein Mitgefühl aus und bedauerte, was aus dem Unternehmen geworden war, das er gegründet hatte.

Mit der letzten Umstrukturierung unter Vivendi wurde Sierra hauptsächlich als Publisher aufgestellt: Die meisten Entwicklungsstudios wurden 1999 geschlossen. Doch auch in den ersten fünf Jahren des 21. Jahrhunderts wirtschaftete Sierra nicht profitabel, so dass sich Vivendi 2004 entschied, auch die beiden letzten beiden in Sierras Besitz verbliebenen Entwicklungsstudios Impressions Games und Papyrus Games zu schließen. So verblieb als einziges Entwicklungsstudio Blizzard Entertainment in Vivendis Besitz, die zu diesem Zeitpunkt immer bessere Geschäftszahlen vorlegten.

Im Jahr 2005 erschien dann das von Blizzard Entertainment entwickelte World of Warcraft, was als Online-Rollenspiel mit monatlichen Gebühren konzipiert worden war. Im ersten Jahr mit vollständigen Betrieb erwirtschaftete Blizzard allein durch die monatlichen Gebühren mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz.[4] Diese Erfolge führten dazu, dass Vivendi jedes Quartal neue Rekordzahlen vermelden konnte, und die Bedeutung von Sierra im Unternehmen weiter sank. Da Blizzard lediglich Spiele für den PC-Markt erstellte, stellten diese auch das Hauptumsatzfeld unter Vivendi Games dar.

Activision Blizzard

Activision Blizzard entstand aus der am 2. Dezember 2007 angekündigten Fusion von Activision und Vivendi Games, wobei der Vivendi-Konzern zunächst 52 % der Anteile halten wird, plant aber, durch Aktienrückkäufe, letztendlich 68 % der Anteile an Activision Blizzard zu halten.[5] Die Aktionäre stimmten am 8. Juli 2008 der Transaktion zu, vorher genehmigten bereits die Kartellbehörden den Zusammenschluss, so dass Activision Blizzard seit dem 10. Juli 2008 als Unternehmen auftritt. [6]

Geldbuße wegen Kartellbeteiligung

Im Februar 2011 bestätigte der Europäische Gerichtshof eine Geldbuße in Höhe von 500.000 Euro gegen Activision Blizzard, wegen der Beteiligung an einem Kartell für Nintendo-Videospielkonsolen und -Datenträger. Illegale Vereinbarungen sollten den Parallelhandel beschränken (Az.: C-260/09 P). Die Kommission verhängte gegen Nintendo, diverse Vertragshändler und die Activision Blizzard Germany GmbH Geldbußen in einer Gesamthöhe von 167,843 Millionen Euro. Activision Blizzard sollte eine Geldbuße in Höhe von einer Million zahlen, der Betrag wurde aber wegen der passiven Rolle von Activision Blizzard auf 500.000 Euro reduziert. Das Unternehmen legte Rechtsmittel ein, welche vom EuGH jedoch zurückgewiesen wurden, sodass die Geldbuße bestätigt wurde.[7]

Produkte

Wichtige Spiele und Spieleserien dieses Unternehmens sind unter anderem Diablo, StarCraft (II), Warcraft, Guitar Hero, Call of Duty, James Bond, Tony Hawk’s Skateboarding, Spider-Man, Spyro, World of Warcraft, Scarface: The World Is Yours und diverse Star-Wars-Spiele.

Weblinks

Fußnoten

  1. PCGames-Hardware: Activision Blizzard: Die neue Nr. 1, 14. Januar 2008 (abgerufen am 14. November 2008)
  2. CGE Services: Classic Gaming Expo Distinguished Guest: ALAN MILLER, Juli 2007, englisch (abgerufen am 14. November 2008)
  3. IGN Retro Games: Top 10 Best-Selling Atari 2600 Games, 26. August 2008, englisch (abgerufen am 14. November 2008)
  4. New York Times: Online Game, Made in U.S., Seizes the Globe, 5. September 2006, englisch (abgerufen am 16. November 2008)
  5. Activision Blizzard: Die neue Nr. 1
  6. Activision Blizzard, Pressemitteilung: Vivendi and Activision Complete Transaction to Create Activision Blizzard, englisch, 10. Juli 2008
  7. juris Rechtsportal - Geldbuße gegen "Activision Blizzard" für Kartellbeteiligung bestätigt

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