Agathias

Agathias (Beiname Scholastikos; * um 536 in Myrina in Kleinasien; † um 582 in Konstantinopel) war ein oströmischer Historiker und Dichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werke

Agathias, Sohn des Memnonios, studierte in Alexandria in Ägypten Rechtswissenschaften, wobei er jedoch später in Konstantinopel tätig war. Vermutlich war er auch curator in Smyrna. Agathias, der offenbar Christ war,[1] ist als Autor eines erotischen Werks (Daphniaka) bekannt, welches in neun Bücher eingeteilt war, aber verloren gegangen ist und vermutlich noch zu Lebzeiten des Kaisers Justinian I. publiziert wurde. Erhalten sind jedoch der so genannte Kyklos (Kreis), der eine Reihe von Gedichten enthält und um 567 veröffentlicht wurde; es wurde später in die Anthologia Graeca aufgenommen.

Vor allem aber verfasste Agathias auch ein erhaltenes (allerdings unvollendetes) Geschichtswerk, das unter dem Titel Historien bekannt ist. Es behandelt die Regierungszeit des Kaisers Justinian für die Jahre 552 bis 559 in fünf Büchern. Es schließt an das (weitaus bedeutendere) Werk des Prokopios von Caesarea an und ist zu den letzten Werken der spätantiken Geschichtsschreibung zu zählen. Da Agathias noch den Tod des Perserkönigs Chosrau I. (579) erwähnt, zugleich aber noch nichts von der Kaisererhebung des Maurikios (582) zu wissen scheint, dürfte das Werk um 580 entstanden sein. Wahrscheinlich hatte Agathias geplant, die Historien mindestens bis in die 60er Jahre des 6. Jahrhunderts fortzusetzen,[2] was aber durch seinen Tod verhindert wurde. Fortgesetzt wurde Agathias dann von Menander Protektor, dessen Werk aber nur fragmentarisch erhalten ist. Agathias schrieb, wie auch Prokopios, noch ein recht gutes attisches Altgriechisch (auch wenn bei ihm einiges bereits auf das Mittelgriechische vorausweist) und stand damit ganz in der Tradition der älteren griechischen Literatur. Die sehr starke Betonung seiner klassischen Bildung (Paideia) führt aber teils zu einer sehr gespreizten und umständlichen Ausdrucksweise.

Agathias widmete dem Sassanidenreich relativ viel Aufmerksamkeit und ging in zwei Exkursen auf Persien ein.[3] Auch der bedeutende Sassanidenkönig Chosrau I. wird von Agathias charakterisiert; in diesem Zusammenhang ging Agathias auf die bekannte Episode des Weggangs von sieben heidnischen Philosophen nach Persien ein, nachdem Justinian 529 die „Platonische Akademie“ in Athen hatte schließen lassen (siehe Damaskios und Simplikios).[4] Von Bedeutung ist, dass Agathias nach eigenen Angaben auch zu persischen Quellen jener Zeit Zugang hatte, wie den sassanidischen Reichsannalen, die ihm ein Bekannter, der Übersetzer Sergios, zusammengefasst und übersetzt haben soll.[5] Ob er tatsächlich Zugriff auf eine griechische Übersetzung der Reichsannalen hatte, ist allerdings angesichts zahlreicher Fehler und Irrtümer zumindest zweifelhaft.[6]

Agathias ging auch auf die Ereignisse im Westen ein, wo in dieser Zeit langsam die frühmittelalterliche Welt Konturen annahm. Er konnte sich sicherlich auf schriftliche Quellen stützen, zumal er selbst nur wenig aus eigener Erfahrung beisteuern konnte und nie in den Westen gereist war. Obwohl er seinem Vorbild Prokopios als Historiker unterlegen ist, ist Agathias doch ein weitgehend zuverlässiger und wichtiger Berichterstatter für diese Phase der ausgehenden Spätantike; auch sein Bericht über das Merowingerreich und andere ethnographische Exkurse sind bedeutsam.

Literatur

Überlieferung

  1. ῾Ιστορίαι auch Περἱ τῆς ᾿Ιουστινάνου βασιλείας (Historiae; Historien) nach 579 n. Chr.; Kriege Justinians.
  2. Κύκλος τῶν νέῶν ἐπιγραμμάτῶν (Corona; Sammlung der neuen Epigramme) um 567.
  3. Δαφνιακά (Sammlung mythologischer erotischer Gedichte)

Es existiert eine Handschrift „Vaticanus gr. 151“ aus dem 10/11. Jahrhundert. Von den erotischen Gedichten ist nur der Prolog in der Anthologia Palatina 6,80 überliefert. Die erste kritische Ausgabe gab G.B. Niebuhr im Corpus Scriptorum Byzantinorum 1828 heraus.

  • Agathias: Historiarium [The Histories]. Übersetzt von Joseph D. Frendo, Berlin 1975 (englische Übersetzung, Corpus Fontium Historiae Byzantinae Series Berolinensis Bd. 2a).
  • Otto Veh: Historiae. Griechisch-Deutsch. In: Prokop, Werke. Bd. 2. München 1966.

Sekundärliteratur

  • Dariusz Brodka: Die Geschichtsphilosophie in der spätantiken Historiographie. Studien zu Prokopios von Kaisareia, Agathias von Myrina und Theophylaktos Simokattes (Studien und Texte zur Byzantinistik 5). Frankfurt am Main 2004, S. 152 ff.
  • Averil Cameron: Agathias. London (u.a.) 1970.
  • Averil Cameron: Agathias on the Sassanians. In: Dumbarton Oaks Papers 23-4, 1969, S. 65–183.
  • John R. Martindale (Hrsg.): The Prosopography of the Later Roman Empire IIIa. Cambridge 1992, S. 23–25.
  • Warren Treadgold: The early Byzantine Historians. Basingstoke 2007, S. 279–290.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Unlängst wurde die These vertreten, Agathias sei (wie angeblich auch Prokopios von Caesarea) in Wahrheit ein heimlicher Heide gewesen, vgl. A. Kaldellis, The historical and religious views of Agathias. A reinterpretation, in: Byzantion 69, 1999, S. 206ff. Diese Minderheitenposition hat sich in der Forschung jedoch nicht durchgesetzt.
  2. Vgl. Agathias IV 22,9.
  3. Agathias II 25ff. (zur persischen Religion) und IV 24ff. (zur Geschichte der Sassaniden); vgl. dazu Cameron, Agathias on the Sassanians, S. 74ff. bzw. 112ff. (Text mit englischer Übersetzung und Kommentar).
  4. Agathias II 28ff. Siehe dazu Cameron, Agathias on the Sassanians, S. 164ff., und H. Börm, Prokop und die Perser, Stuttgart 2007, S. 277ff.
  5. Agathias IV 30.
  6. Vgl. aber Cameron, Agathias on the Sassanians, S. 162f.

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