Famagusta

Famagusta
Die Lala-Mustafa-Pascha-Moschee, die frühere St. Nikolaos-Kathedrale
Das Portal der Lala-Mustafa-Paşa-Moschee, der früheren St. Nikolaos-Kathedrale

Famagusta, griechisch Ammóchostos (Αμμόχωστος), türkisch Gazimağusa, auch Mağusa, ist eine Hafenstadt an der Ostküste Zyperns, in Nordzypern. Sie ist Hauptort des Distriktes Mağusa und formal des gleichnamigen Bezirkes der Republik Zypern.

In der Antike hieß die Stadt nach der ägyptischen Königin Arsinoë II zeitweilig auch Arsinoë. Die griechische Bezeichnung „Ammochostos“ bedeutet „versteckt im Sand“; aus diesem Namen hat sich im Mittelalter „Famagusta“ beziehungsweise „Mağusa“ entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Fischersiedlung Ammochostos gewann in römischer Zeit an Bedeutung, als die Bewohner der nördlich benachbarten Stadt Constantia/Salamis, nach Überfällen der Araber, mehreren Erdbeben und der Versandung ihres Hafens hierher umsiedelten. Trotz seines günstigen tiefen Hafens blieb der Ort jedoch auch unter den Byzantinern unbedeutend.

Der Aufschwung zur reichsten Stadt des östlichen Mittelmeeres setzte im 13. Jahrhundert ein, nachdem der fränkische Kreuzritter Guido von Lusignan aus dem Haus Lusignan, bis 1192 König von Jerusalem, im Dritten Kreuzzug vom englischen König Richard Löwenherz 1192 die Insel Zypern gekauft hatte. Nach Guidos Tod im Jahre 1194 übernahm dessen älterer Bruder Amalrich II. die Herrschaft.

Die neue römisch-katholische Hierarchie verdrängte die griechisch-orthodoxe Kirche, Famagusta wurde katholischer Bischofssitz. 1291, nach dem Fall von Akkon, siedelten sich Adlige, Ritter, Kaufleute und Klerikale aus Palästina auf der Insel an. Die Stadt galt im Mittelmeer als östlichster Außenposten der römischen Kirche. Sie erlebte als Handelszentrum mit Verbindungen zu den Häfen des Nahen Ostens und Italiens eine bedeutende wirtschaftliche, kulturelle und bauliche Entwicklung. Im 14. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl auf 40.000 an. Den Wohlstand der Kaufleute zu wahren erforderte die Anlage von Befestigungsanlagen. Unter Heinrich II. entstanden diese Festungsbauten: die Zitadelle am Hafen als Wehr- und Wohnturm (Othello-Turm), in dem sich die Ereignisse abgespielt haben sollen, die dem Drama von Shakespeare zu Grunde liegen, und die mächtige Stadtbefestigung mit zahlreichen Türmen und Toren. Als weltoffene und tolerante Stadt wurden Gotteshäuser für alle bedeutsamen Glaubensrichtungen errichtet. Von 1291 bis 1373 wurde die Kathedrale St. Nikolaos, im Stil der französischen Gotik erbaut. Hier fand im 14. Jahrhundert die Krönung der Lusignans zu Königen des untergegangenen Königreiches Jerusalem und von Zypern statt. Im Umkreis der Kathedrale errichteten im 14. und 15. Jahrhundert die Ritterorden und Händlerkolonien der Syrer, Armenier, Italiener, Griechen und Juden eine Vielzahl von Kirchen, Konventen und Klöstern. Um 1330 erreicht der Wohlstand der Stadt und ihrer Einwohner ihren Höhepunkt. Genua und Venedig gewannen jedoch zunehmend an Macht und Einfluss und konkurrieren um die Vormachtstellung in der Stadt. Frieden und Wohlstand endeten 1372, als anlässlich der Krönung von Peter II. zum König von Jerusalem in der Stadt ein Aufruhr ausbrach. Es kam zu Plünderungen, Zerstörungen und einem Massaker an genuesischen Kaufleuten. Daraufhin besetzte ein Geschwader unter Pietro di Campofregoso 1374 Famagusta und verlangte hohe Reparationen sowie einen jährlichen Tribut. Ammochostos wurde von Jakob I. an Genua abgetreten. Mit Hilfe der Venezianer erlangten die Lusignans 1464 die Herrschaft über Ammochostos zurück. 1489 fühlte sich Königin Katharina Cornaro aus Venedig veranlasst, die Herrschaft über die gesamte Insel an ihre Heimatstadt abzutreten.

Wallanlagen in Famagusta (links: San Luca-Bastion, im Hintergrund: Ruine der Karmeliter-Kirche)

Unter venezianischer Herrschaft gelangte Ammochostos noch einmal zu kurzer Blüte. Angesichts der osmanischen Bedrohung wurden 1491 bis 1567 die Befestigungsanlagen im Renaissance-Stil umgestaltet und verstärkt: die etwa 3,5 km lange Stadtmauer wurde auf 17 m erhöht und bis auf 9 m verbreitert, es wurde ein breiter Wallgraben angelegt, den Bastionen Rivettina/Limassol-Tor und Martinengo wurden 1544 bis 1567 eindrucksvolle Raveline vorgesetzt, das See-Tor wurde prunkvoll umgestaltet, die Zitadelle 1552 bis 1554 vergrößert und 1552 ein Gouverneurs-Palast errichtet.

1570 stand das Heer der Osmanen unter General Lala Mustafa Paşa vor der Stadt. Nach elfmonatiger Belagerung mussten sich die letzten 500 Verteidiger am 1. August 1571 der Übermacht ergeben. Die im Kampf kaum beschädigte Stadt wurde von den Eroberern nachträglich zerstört, Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, so unter anderem die St. Nikolaos-Kathedrale in die Lala Mustafa Paşa-Moschee, andere Kirchen als Lagerhallen genutzt.

Famagusta hat gegenwärtig noch 22 Kirchen, die meisten von ihnen gelten allerdings als Ruinen.

Siehe auch: Geschichte Zyperns, Eroberung Zyperns durch die Osmanen 1570/71


Neuen Aufschwung erlebte Famagusta Ende der 1960er Jahre: Mit steigendem touristischem Interesse wurde nach der Entlassung der Insel in die Unabhängigkeit ab 1960 am südlichen Stadtrand der Stadtteil Varosha mit zahlreichen großen Hotels zum wichtigsten Tourismuszentrum der Insel ausgebaut.

Bei der türkischen Invasion im Jahre 1974 spielte die Altstadt von Famagusta eine besondere Rolle: Viele türkische Zyprioten waren in den Kriegswirren aus der Umgebung in die Altstadt geflohen und wurden dreieinhalb Wochen durch die Zyprische Nationalgarde belagert. Die türkischen Streitkräfte besetzten sowohl die Stadt Famagusta als auch den touristisch wichtigen Stadtteil Varosha; dieser wurde zur militärischen Sperrzone erklärt und sollte als Pfand für spätere Verhandlungen dienen.

Das heutige Famagusta mit seinen rund 40.000 Einwohnern hat als einziger Frachthafen Nordzyperns, als Touristenziel und seit einigen Jahren auch als Universitätsstadt wieder an Bedeutung gewonnen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Altstadt umgibt eine noch weitgehend original erhaltene Festungsmauer aus dem 16. Jahrhundert. Sie besitzt eine Gesamtlänge von über 3500 Metern.[1] In der Altstadt war der Palazzo del Provveditore der Amtssitz des venezianischen Stadtkommandanten - heute eine Ruine. Diesem benachbart befinden sich die Ruinen eines Franziskaner-Klosters. Die Paläste der Kreuzritter und reichen Kaufleute in der Altstadt sind überwiegend als Ruinen erhalten. Das heutige Zentrum der Altstadt bildet die Lala-Mustafa-Pascha-Moschee, sie entstand kurz nach der Eroberung der Stadt auf den Grundmauern der zerstörten St. Nikolaus-Kathedrale - diese war eine 1326 von französischen Baumeistern als dreischiffige Basilika errichtet Hauptkirche der Lusignan. Ebenfalls aus der arabischen Periode stammt das Badehaus Paşa Hammam, es wurde aber in eine Bar umgebaut. Das Stadtmuseum Namık Kemal bewahrt zahlreiche Funde aus der Stadtgeschichte auf, in einem gesonderten Raum befindet sich das mit militärischen Insignien und Fahnen geschmückte Grab von Canbulat.[2]

Wirtschaft

Famagusta galt als wichtiger Handelshafen und war Hauptniederlassung einiger Reedereien. Die Stadt ist auch einer der wichtigsten Standorte der Tourismusbranche Nordzyperns. Im Stadtgebiet befinden sich zwölf Hotels.

Sport

Famagusta war die Heimat der Fußballvereine Anorthosis Famagusta und Nea Salamis Famagusta, diese wanderten jedoch nach der türkischen Invasion nach Larnaka ab. Anorthosis gewann während seiner Zeit in Famagusta sechsmal die nationale Meisterschaft (1950 bis 1963); seit 1995 folgten weitere sieben Meistertitel im Exil. Anorthosis Famagusta schaffte 2008 den Einzug in die Champions League.

Einzelnachweise

  1. Man kann diese italienisch beeinflusste Renaissancce-Festungsarchtektur auch als Kulisse von vielen Abenteuerfilmen der 1960er Jahre wiederkennen.
  2. Nach der Überlieferung opferte der osmanische Offizier sein Leben, um eine von den Verteidigern errichtete, bis dahin unüberwindliche Sperranlage unbrauchbar zu machen, dieser Moment der Verwirrung verschaffte den osmanischen Angreifern die Gelegenheit, in die Festung eindringen zu können. Canbulat wird seitdem als Kriegsheld verehrt.

Literatur

  • P.- J. Albrecht: Nord-Zypern, Havellia-Verlag, Berlin

Weblinks

 Commons: Famagusta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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