Albanskirche (Frankenbach)
Albanskirche

Die Albanskirche in Frankenbach, einem Stadtteil von Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg, ist eine evangelische Kirche. Die Kirche geht auf eine mittelalterliche Kapelle zurück, wurde um 1590 erneuert und 1863/64 erweitert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1476 wird in der Wormser Synodale bereits eine Kapelle in Frankenbach erwähnt, die St. Alban geweiht wurde. Diese war eine Tochterkirche der Peterskirche zu Neckargartach. 1505 fragte die Frankenbacher Bevölkerung beim Wormser Bischof an und bat ihn um einen mercenarius, einen Priester. Am 3. Februar 1508 erlaubte Bischof Reinhard, dass in der Albanskapelle durch einen von ihm finanzierten Priester Messen gehalten werden können. In einem Vertrag vom 20. November 1508 wurde vereinbart, dass die Frankenbacher bei dem Neckargartacher Pfarramt den Priester vorschlagen müssen, der Neckargartacher den Frankenbacher Priester annehmen könne oder auch nicht, und der Frankenbacher dem Neckargartacher Pfarramt Gehorsam und Gebühren schuldig sei.

Der Reichsstadt Heilbronn gelang die Realisierung der Reformation in Frankenbach im Jahre 1530, indem man einen ausgetretenen Mönch des Heilbronner Franziskanerklosters, nämlich Lazarus Lebküchner, einsetzte und ihn dazu anhielt, evangelische Predigten zu halten.

Das heutige Gebäude wurde 1589/90 durch den Heilbronner Baumeister Martin Schwarz im Wesentlichen in seiner heutigen Gestalt erbaut und 1863/64 nach Osten erweitert. Die Erweiterung des 19. Jahrhunderts geschah mit finanzieller Hilfe der Verleger und Freiherren von Cotta vom nahen Hipfelhof, die dafür im Chor eine eigene Empore, das Baronenstüble, erhielten. Die letzte umfassende Renovierung fand 1972/73 statt, damals wurden unter anderem die einstigen Seitememporen durch eine große Orgelempore ersetzt.

Beschreibung

Portal

Portal der Albanskirche mit Jahreszahl 1590

Das Portal an der südlichen Seitenwand des Langhauses zeigt in seiner Umfassung mit kreuzrippenartigen Elementen Stilelemente der späten Gotik und in den Feldern zwischen den Rippen die Jahreszahl 1590.

Der auf das Portal aufgesetzte Tympanon zeigt Stilmerkmale der Renaissance und besteht aus mehreren Feldern. Das obere Feld enthält eine Inschrift, die den Baumeister Martin Schwarz aus Heilbronn für das Jahr der Erneuerung des Gebäudes benennt: Martin Schwarz zu Halbron ain Mauwrer alda wolgeton, im nein undt aczigsten ior den Durn erbauwet gar im finfzehen hundert neinzig die Kirchen ufrechtig stin. Unter der Baumeister-Inschrift befindet sich im mittleren Feld eine Sonnenuhr mit der Jahreszahl 1718.

Das untere und größte Feld des Tympanon enthält eine von Halbsäulen flankierte Tafel mit drei Köpfen und drei Wappenschilden. Diese Tafel soll an die Ermordung des Frankenbacher Schultheißen Wendel Jakob und anderer Personen während des Dreißigjährigen Krieges erinnern. Die einstigen Inschriften sind in der Beschreibung des Oberamts Heilbronn von 1903 überliefert, waren aber schon damals nicht mehr zu erkennen. Zwei der Wappen zeigen als Motiv eine Pflugschar, das historische Frankenbacher Wappenmotiv. Links ist der Kopf eines Mannes mit Bart zu sehen, dessen Mund weit aufgerissen ist. Rechts ist wiederum ein bärtiger Männerkopf dargestellt, der "in eine Ochsenhaut mit Hörnern hineingesteckt" worden ist. In der Mitte ist ein Frauenkopf, an dem die Oberamtsbeschreibung "aufgeschlitzte und mit Pfriemen durchbohrte" Ohren erkennt. Der linke Kopf soll durch ein Spruchband als Schultheiß Jakob Wendel bezeichnet gewesen sein. Die Inschrift des Steins lautete: Wendel Jakob Schultheiß am 6. Oktober 1634 allhie von den Soldaten übel umgebracht und am 8. Oktober begraben worden – Hans Treuninger ist am 25. Oktober des Jahres 1634 von 2 Soldaten in den Neckar bei Obereisesheim gesprengt, wieder herausgezogen, in eine Haut genäht nach Frankenbach geschleppt und daselbst elendlich gestorben. Der Frauenkopf könnte der Oberamtsbeschreibung zufolge Salome Haaß darstellen, über die das Totenbuch im Jahr 1638 berichtet: Salome, Michel Haaß Weib, 42 Jahre alt, von 2 Soldaten in Neckar gesprengt mit großem Leib, daraufhin gen Obereisesheim geschlept, und elentlich gestorben.

Inneres

Im Inneren ist die Kirche sehr schlicht und von jüngeren Renovierungsmaßnahmen geprägt. Das Kirchenschiff ist von einer Holzdecke überspannt. Der Chor ist polygonal, stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert und weist ein gotisches Maßwerkfenster auf. Das Chorgewölbe ist mit alten Evangelistensymbolen ausgemalt, die die einzigen älteren Schmuckelemente des Kircheninneren überhaupt sind. Im Chor steht ein Altartisch mit Altarkruzifix, rechts vom Chorbogen befindet sich eine moderne Kanzel.

Turm

Der Turm der Kirche befindet sich auf der westlichen Seite des Kirchenschiffs und stammt aus der Zeit der mittelalterlichen Wehrtürme. Im Jahr 1589 wurde der Turm restauriert und auf die Höhe von 25 Meter gebracht.

Sonstiges

Gedenktafel für die Kriegstoten 1914-18

In die Fassade der Kirche ist eine Gedenktafel für die toten Krieger des Ersten Weltkriegs 1914-18 eingelassen. Im Jahr 1938 wurde hinter der Kirche das Frankenbacher Kriegerdenkmal errichtet. Unter der Parole „Durch Kampf zum Sieg“ instrumentalisierten die NS-Machthaber das Totengedenken im Sinne ihrer Forderung nach Opferbereitschaft. Die historische Steinbrücke zwischen der Albanskirche und dem Friedhof überquert einen Überrest des Frankenbacher Dorfgrabens. Unterhalb der Kirche befindet sich in der Kirchstraße 4 das zugehörige historische Pfarrhaus, das 1756 über einem alten Bau von 1695 errichtet wurde.

Literatur

  • Jörg Kohler-Schunk: Die Albanskirche in Frankenbach. In: Matthias Treiber (Hrsg.): Die evangelischen Kirchen im Kirchenbezirk Heilbronn. Evangelischer Kirchenbezirk Heilbronn, Heilbronn 2005, S. 38–39
  • Eugen Knupfer (Bearb.): Urkundenbuch der Stadt Heilbronn. Kohlhammer, Stuttgart 1904 (Württembergische Geschichtsquellen. N. F. 5)
  • Beschreibung des Oberamts Heilbronn. Kohlhammer, Stuttgart 1901/1903
49.15859.1688055555556

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