Albert Geutebrück

Albert Geutebrück (* 6. Januar 1801 in Gotha; † 13. März 1868 in Graz, Steiermark) war ein deutscher Architekt des Klassizismus in Leipzig. Seine öffentlichen Großbauten im Stadtzentrum wurden fast alle Opfer der Luftangriffe auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg, so dass nur noch wenige seiner Bauten erhalten sind.

Leben und Bauwerke

Albert Geutebrück war eines der fünf Kindern des Gothaer Kammer­rentmeisters Johann Gottlob Geutebrück (1762–1837) und der Christiana Augusta, geborene Börner (1776–1836). An der Universität Leipzig studierte er Jura und Philosophie und lernte danach an der Leipziger Kunst­akademie. Sein Lehrer war hier Carl August Benjamin Siegel (1757–1832), dessen Nach­folge er 1823 antrat. Im gleichen Jahr heiratete er Emilie Marianne Schönherr (1799–1871). Aus der Verbindung gingen fünf Kinder hervor, eine Tochter und vier Söhne. Albert Geutebrück war Universitätsbaumeister und Stadtbaumeister in Leipzig, von 1823 bis 1863 auch Leiter der Abteilung für Baukunst an der Leipziger Kunstakademie, der späteren Baugewerkschule.

Das Neue Postgebäude am Augustusplatz, um 1840

Seine beiden bedeutendsten Bauwerke befanden sich am Leipziger Augustusplatz: das 1831 bis 1835 errichtete Hauptgebäude der Universität Leipzig, nach dem sächsischen König Friedrich August I. „Augusteum“ genannt. Die Fassade des Augustems beruht jedoch auf einen Vorschlag von Karl Friedrich Schinkel, dem der Entwurf Geutebrücks zur Begutachtung vorgelegt wurde. Das Gebäude wurde 1893 bis 1897 durch Arwed Roßbach tiefgreifend umgestaltet, nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Ruine abgebrochen. Geutebrücks Aula der Universität galt als einer der schönsten Innenräume Leipzigs. Schräg gegenüber am selben Platz errichtete Albert Geutebrück in den Jahren 1836 bis 1838 die Hauptpost, ein langgestrecktes Gebäude mit klassizistischem Säulenportikus, das jedoch ebenfalls 1881 bis 1884 tiefgreifend umgebaut und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Durch die Bauten Geutebrücks wurden die städtebaulichen Konturen des von Johann Carl Friedrich Dauthe angelegten Augustusplatzes geschaffen, der einst als einer der schönsten Plätze Deutschlands galt.

„Großer Blumenberg“
Briefmarke der Deutschen Post der DDR, (1979)

Das Gebäude für die Deutsche Buchhändlerbörse in der Ritterstraße 12 an der Nikolaikirche aus den Jahren 1834/1836 wurde ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erhalten geblieben sind lediglich das stattliche Bürgerhaus „Großer Blumenberg“ (1826/1832) am Richard-Wagner-Platz und das spätklassizistische, 1860 bis 1861 erbaute Königliche Palais (Goethestraße 7 / Ritterstraße 26), das als Unterkunft für den sächsischen König diente, der zugleich Landesherr und oberster Rektor der Universität Leipzig war. Das Gebäude weist bereits stilistische Elemente der Neorenaissance auf.

Zwischen der Stadt Leipzig und dem als sensibel geltenden Geutebrück kam nie ein ausgesprochen gutes Verhältnis zustande, so dass er unmittelbar nach seiner Pensionierung die Stadt zusammen mit seiner Familie für immer in Richtung Österreich verließ, wo er im Alter von 67 Jahren verstarb. Nach ihm ist in einer Leipziger Kleinsiedlung zwischen den Stadtteilen Sellerhausen und Paunsdorf eine Straße benannt.

Literatur

  • Birgit Hartung: Albert Geutebrück. Baumeister des Klassizismus in Leipzig. Lehmstedt-Verlag, Leipzig 2003, ISBN 3-937146-05-9
  • Nachkommen des Hutschmückers Heinrich Geutebrück aus Eckesey (Grafschaft Mark). In: Familie und Geschichte, Hefte für Familienforschung im sächsisch-thüringischen Raum. Neustadt a. d. Aisch, Degener Verlag, Heft 4, Oktober-Dezember 2000



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