Glauberg
Keltischer Grabhügel auf dem Glauberg/Hessen

Der Glauberg in der Wetterau ist ein bedeutender Grabungsort, der Funde von der Vorgeschichte bis ins Hochmittelalter zulässt.

Der Höhenrücken (Höhe 271 m ü. NN) am Ostrand der Wetterau ist ein Basaltausläufer des Vogelsberges. Er liegt zwischen dem Zusammenfluss von Nidder und Seemenbach und gehört zur Gemeinde Glauburg. Im Südwesten vorgelagert ist ihm das Enzheimer Köpfchen. Nach Nordwesten fällt er steil ins Niddertal ab, im Süden zieht sich vom Bergfuß eine gegliederte Hochfläche zum 2 km entfernten Seemenbach hin.

Durch seine natürlichen Gegebenheiten ist der Glauberg für eine Besiedlung und Befestigung hervorragend geeignet: Seine Kuppe überragt das Umland um 150 m und bildet ein fast ebenes Plateau von über 800 m Länge und 80 m bis fast 200 m Breite. Auf der Hochebene liegt ein kleiner Weiher, der nicht von einer Quelle gespeist wird, sondern vom abfließenden Oberflächenwasser gebildet wird. Er führte bis zu Sprengarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg auch in trockenen Hochsommern stets Wasser.

Am Fuße des Grabhügels wurde am 5. Mai 2011 das Museum und Forschungszentrum Keltenwelt am Glauberg eröffnet.

Inhaltsverzeichnis

Besiedlung und Befestigung

Ruine eines mittelalterlichen Burggebäudes auf dem Glauberg
  • Das Plateau des Glaubergs wurde bereits seit der Jungsteinzeit in der Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. besiedelt.
  • Zu einer zweiten Besiedlungsphase kam es während der spätbronzeitlichen Urnenfelderkultur im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr.
  • Die erste Befestigung entstand wahrscheinlich in frühkeltischer Zeit im 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr. Offenbar reichte der Weiher auf dem Plateau nicht mehr zur Wasserversorgung aus, und es mussten schützende Mauern, so genannte Annexwälle hangabwärts bis zum Quellhorizont gebaut werden, so dass ein riesiges Wasserreservoir von 150 m Länge und 60 m Breite umschlossen wurde. Die Erforschung der Besiedlung des Glaubergs und seines Umlandes in keltischer Zeit (Hallstattzeit und frühe Latènezeit) durch die Universität Mainz und die Römisch-Germanische Kommission wird seit 2004 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in dem Schwerpunktprogramm „Frühe Urbanisierungs- und Zentralisierungsprozesse“ (DFG-SPP 1171) gefördert.
  • In römischer Zeit (1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.) blieb der Glauberg unbesiedelt, vermutlich wegen seiner Nähe (5 km) zum Limes und zum Kastell Altenstadt.
  • Im 4. bis 5. Jahrhundert hatte der Glauberg wieder zentrale Bedeutung als Höhensiedlung eines alemannischen Kleinkönigs.
  • Im 7. bis 9. Jahrhundert trug er eine fränkische Großburg.
  • Im 12. und 13. Jahrhundert wurde der Glauberg in das staufische Burgensystem eingegliedert, wobei ein turmartiges Burggebäude am Rande der Mauerbefestigung errichtet wurde, dessen Untergeschoss mit romanischem Torbogen noch erhalten ist. Aus dieser Zeit stammen auch die Fundamentreste mittelalterlicher Häuser am Nordrand des auf der ganzen Fläche besiedelten Plateaus. Die Frankfurter Patrizierfamilie Glauburg hatte hier ihren Stammsitz.
  • Die Zerstörung der Burg und damit das Ende der Besiedlung des Glaubergs erfolgte wahrscheinlich im Jahr 1256.
Panorama am keltischen Kultplatz
Panorama am keltischen Kultplatz

Der Keltenfürst vom Glauberg

Der Keltenfürst vom Glauberg (ca. 500 v. Chr.)
Rekonstruiertes Kalendarium aus 16 Holzpfählen am Glauberg
Keltenfürst vom Glauberg auf einer Briefmarke von 2005

Schon seit Jahrzehnten forschen Archäologen am Glauberg nach den früheren Kelten.[1][2] Bei einem Erkundungsflug im Jahr 1988 erkannten Heimatforscher am Südhang des Glaubergs die Spuren eines riesigen Grabhügels in einem Getreidefeld. Später wurde noch ein zweiter Grabhügel entdeckt, der durch geophysikalische Messungen lokalisiert werden konnte. Beide Hügel waren eingeebnet und vom Boden aus nicht zu erkennen. Zwischen 1994 und 1997 führte das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden, Ausgrabungen durch. Die Grabanlage wurde anschließend rekonstruiert und steht zur Besichtigung zur Verfügung.

Die reich ausgestatteten Gräber dreier keltischer Krieger aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. belegen die gehobene Stellung der Verstorbenen. Die Gräber werden zu den keltischen Fürstengräbern gezählt und gehören zu den prachtvollsten, die aus dieser Zeit bekannt sind. Eine weitere Sensation war die Entdeckung einer lebensgroßen Steinfigur eines Kriegers. Die bis auf die Füße vollständig erhaltene Stele (Statue) ist mit einer haubenartigen Kopfbedeckung versehen, die als (Mistel-)Blattkrone gedeutet wird und als Grabbeigabe in Grab 1 gefunden wurde. Da die Mistel laut antiker Autoren bei den Kelten eine wichtige kultische Bedeutung besaß, mag dies auf die Rolle des Bestatteten als Priester hinweisen. Diese Figur des „Keltenfürsten vom Glauberg“ ist bislang der bedeutendste Fund der Latènekultur in Hessen. Originalgroße Kopien der Statue können im Heimatmuseum in Glauburg sowie im Wetteraumuseum in Friedberg besichtigt werden. Fragmente von drei weiteren Statuen, die der ersten en detail gleichen, aber andere Proportionen aufweisen, wurden ebenfalls gefunden.

Weiterhin wurden am Fuß des großen Grabhügels Pfostenlöcher von 16 Holzpfosten gefunden, deren genaue Funktion nicht bekannt ist. Einer von dem Frankfurter Astrophysiker Prof. Dr. Bruno Deiss aufgestellten Theorie nach handelt es sich dabei um ein keltisches Kalenderbauwerk, das zur astronomischen Bestimmung von Feiertagen verwendet wurde. Die These, wonach das Kalenderbauwerk Grundlage der überregionalen Bedeutung des Glaubergs in frühkeltischer Zeit ist, ist ebenso umstritten wie die These, dass dafür eine angeblich verkehrsgeographisch günstige Lage des Glaubergs entscheidend war. Eine mögliche Rekonstruktion dieses Kalenderbauwerks wurde am 1. September 2007 eingeweiht.

Die bedeutendsten Fundstücke aus den Gräbern selbst sind ein goldener Halsreif und eine keltische Schnabelkanne. Die Funde waren im Hessischen Landesmuseum Darmstadt bis zu dessen Schließung aufgrund von Renovierungsarbeiten ausgestellt. Im Herbst 2007 wurde mit dem Bau eines Museums mit Forschungszentrum in der Nähe des Grabhügels am Glauberg begonnen. Die vom Land Hessen getragenen Kosten für den Bau betrugen rund 9 Millionen Euro. Das Museum wurde am 5. Mai 2011 eröffnet.[3] Dort sind alle Originalfunde einschließlich der Stele des keltischen Kriegers zu sehen.

Nach einer neueren Ansicht hatten die 16 Holzpfähle aufgrund ihrer Errichtung in größeren zeitlichen Abständen nicht die Funktion eines Kalenderbauwerks und dienten auch nicht astronomischen Bestimmungen, sondern waren vermutlich zu verschiedenen architektonischen Zwecken gedacht. Laut dem hessischen Landesarchäologen Fritz-Rudolf Herrmann könnten dies Speicher, Brücken oder ein Tempel gewesen sein.[4][5][6]

Einzelnachweise

  1. Richter, Heinrich: Der Glauberg - Bericht über die Ausgrabungen 1933-1934. (= Sonderdruck aus Volk und Scholle, 12/10). Darmstadt 1934. 28 S.
  2. H. Baitinger: 75 Jahre archäologische Ausgrabungen auf dem Glauberg - Die Untersuchungen von Heinrich Richter 1933-1939. Denkmalpflege & Kulturgeschichte 3, 2008, 10 ff.
  3. Eine Heimstatt für die Wetterauer Kelten. FAZ.NET. Abgerufen am 5. Mai 2011.
  4. Offenbar doch kein Kalenderbauwerk. Rätselraten um keltische Pfosten auf dem Glauberg. Frankfurter Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  5. Kalenderbauwerk am Glauberg soll anders gestaltet werden. Kreis Anzeiger. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  6. Rätselhafte Pfähle. Frankfurter Rundschau. Abgerufen am 28. Januar 2011.

Literatur

  • Das Rätsel der Kelten vom Glauberg. Glaube – Mythos – Wirklichkeit. Eine Ausstellung des Landes Hessen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 24. Mai bis 1. September 2002 (Theiss-Verlag Stuttgart 2002), ISBN 3-8062-1592-8.
  • Fritz-Rudolf Herrmann und Otto-Herman Frey: Ein frühkeltischer Fürstengrabhügel am Glauberg im Wetteraukreis. Bericht über die Forschungen 1994–1996. Hrsg. von der Archäologischen Gesellschaft in Hessen e. V. Wiesbaden 1998, ISBN 3-8982-2129-6 (auch in der Reihe Archäologische Denkmäler in Hessen Nr. 128/129, Titel: Der Keltenfürst vom Glauberg - Ein frühkeltischer Fürstengrabhügel am Hang des Glauberges bei Glauburg-Glauberg, Wetteraukreis, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1996 und Germania 75, 1997 S. 459–522).
  • Fritz-Rudolf Herrmann: Glauberg. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 12, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998, S. 188–195.
  • Jörg Lindenthal: Kulturelle Entdeckungen. Archäologische Denkmäler in Hessen. Jenior, Kassel 2004, S. 85–90, ISBN 3-934377-73-4

Weblinks

 Commons: Oppidum vom Glauberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Keltenfürst vom Glauberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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