Grüner Veltliner


Grüner Veltliner
Grüner Veltliner

Grüner Veltliner ([ˈɡʀyːnɐ ʋɛltˈliːnɐ]) oder Weißgipfler ist eine weiße Rebsorte.

Die in Österreich, insbesondere in Niederösterreich, am weitesten verbreitete Traube wird außerhalb ihrer Heimat wenig angebaut, abgesehen von einigen kleineren mitteleuropäischen Regionen, etwa in Tschechien in der Slowakei oder Ungarn. Sie gedeiht besonders gut auf Lössböden wie im nördlichen Weinviertel, wo die Rebe in Boden und Klima optimale Voraussetzungen findet, ebenso in der Wachau, im Kamptal, Kremstal und am Wagram. Im 20. Jahrhundert wiederentdeckt, ist sie heute die Traube in Österreich, wo sie im Jahr 2009 mit 32,6 % der bewirtschafteten Gesamtrebenfläche mit Abstand den ersten Platz belegt.[1] So wurde dem Grünen Veltliner der erste österreichische DAC-Wein, der Weinviertel DAC, gewidmet. Seit 2006 gibt es auch noch einen weiteren DAC aus dieser Rebsorte mit dem Traisental DAC, seit dem Jahrgang 2007 sogar einen dritten - den Kremstal DAC der am Weißweinsektor als erster DAC eine Reservelinie gestattet.

Ihre Weine bestechen durch ihr intensives Bouquet und durch ihre Frische. Typisch können angenehme Aromen nach weißem Pfeffer oder auch Tabak ausgemacht werden, hervorragend ist aber meist die intensivere Nase und der Geschmack nach Citrus und Frucht (Pfirsich). Ein guter Veltliner besticht durch seine Frische am Gaumen und ist, entgegen landläufiger Meinung, die auf vielen eher mäßigen Veltlinern beruht, durchaus lagerfähig. Bei Verkostungen älterer Weine beeindrucken hochwertige Veltliner immer wieder durch ihre erstaunliche Frische.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Der Grüne Veltliner ist die wichtigste autochthone Rebsorte von Österreich (Niederösterreich).

Abstammung

Natürlichen Kreuzung von Traminer x St. Georgen.

Der zweite Elternteil wird Klosterneuburg nach dem Auffindungsort St. Georgen am Leithagebirge als St. Georgen bezeichnet. Lokal dürfte die Traube als Grünmuskateller bezeichnet worden sein[2]. Die Mutter-Rebe, die ein Alter von ungefähr 400 Jahre aufweist, wurde im Februar 2011 durch Vandalen stark beschädigt, sodass befürchtet wurde, dass sie nicht mehr austreiben würde. Nach Auskunft des Winzers Hans Moser ist es aber durch umfassende Pflege gelungen, bis Mai 2011 mehrere Austriebe heranzuziehen.[3] [4]

Der Grüne Veltliner ist nicht näher verwandt mit dem Frühroten Veltliner und Roten Veltliner.

Siehe auch: Veltliner

Verbreitung

Die Rebflächen in Österreich verteilten sich im Jahr 2007 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Wachau 727,99
Kremstal 1.193,00
Kamptal 2.001,84
Traisental 431,29
Wagram 1.369,27
Weinviertel 8.528,87
Carnuntum 294,93
Thermenregion 202,32
Neusiedlersee 1.272,25
Neusiedlersee-Hügelland 882,08
Mittelburgenland 133,37
Südburgenland 45,24
Wien 201,36
Südoststeiermark 2,77
Südsteiermark 0,88
Weststeiermark 0,07
Summe Österreich 2007 17.287,53

Quelle: Weingartenerhebung 1999 + Umstellungsänderungen bis 2007 (ausgepflanzte Flächen)[5]

Kleinste Bestände sind auch in der Schweiz bekannt (0,56 Hektar, Stand 2007, Quelle: Office fédéral de l'agriculture OFAG [6]).

In Deutschland gibt es seit Beginn dieses Jahrhunderts diverse Versuche diese Sorte, die bis in die 1930er Jahre in vielen gemischten Sätzen zu finden war, wieder heimisch werden zu lassen, so u.a. im Rheingau (Weingut Ferdinand Koegler und Weingut Künstler) und in der Pfalz (Weingut Thomas Dollt in Flemlingen, Weingut Gerhard Klein in Hainfeld, Weingut Lukas Krauß in Lambsheim und der Winzerverein in Freinsheim), aber auch in Rheinhessen, Franken (Versuchsanbau: Weingut LandArt) und Württemberg. Die mit Grünem Veltliner bestockte Rebfläche lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2008 bei sechs Hektar.

Auch in Übersee ist der Grüne Veltliner gelegentlich zu finden, so u.a. in Australien (Lark Hill Winery, deren Grüner Veltliner Lark Hill 2009 von James Halliday unter die Top 100 Weinen Austrialiens gereiht wurde,[7] Hahndorf Hill Winery in den Adelaide Hills) vor allem aber in Neuseeland,[8] derzeit sind etwa 40 Hektar ausgepflanzt, und auch in den USA. Dort gibt es inzwischen in verschiedenen Bundesstaaten ca. ein knappes Dutzend Veltliner-Produzenten wie die Black Ankle Winery (Maryland), Galen Glen Vineyards Pensylvania), von Strasser (Kalifornien), Bob Betz Family Winery (Woodinville bei Seattle) und Reustle Prayer Rock Vineyard (Oregon). Weitere Anbauversuche werden derzeit in Indien unternommen.

Synonyme

Für die Sortenkennzeichnung sind lt. Qualitätssortenliste in Österreich nur Grüner Veltliner und Weißgipfler zulässig.

Die Rebsorte Grüner Veltliner, auch manchmal kurz GrüVe, GruVe oder GV (sprich GeVau) genannt, ist auch unter folgenden - heute nicht mehr geläufigen - Begriffen bekannt:[9][10] Bielospicak, Cima Biancam, Dreimänner, Feherhegyü, Feldlinger, Green Veltliner, Greener (im englischen Sprachgebrauch), Grün Muskateller, Grüne Manhardsrebe, Grüner, Grüner Muskateler, Grüner Muskateller (bis in die 1930er Jahre gebräuchlich), Grüner Velteliner, Grüner Weißgipfler, Grünmuskateller, Manhardsrebe, Manhardtraube, Manhartsrebe, Mauhardsrebe, Mouhardrebe, Mouhardsrebe, Muskatel, Muskatel Zeleny, Nemes Veltelini, Plinia Austriaca, Ranfol Bianco, Ranfol Bijeli, Ranfol Weißer, Rdeci Veltinec, Reifler Weiß, Ryvola Bila, Tarant Bily, Valtelin Blanc, Valtelina Vert, Valteliner, Valteliner Blanc, Valteliner Vert, Velteliner Grüner, Velteliner Vert, Velteliner Weißer, Veltelini Zöld, Veltlin Zeleny, Veltlinac Zeleni, Veltlinec, Veltliner, Veltliner Blanc, Veltliner Grun, Veltliner Gruner, Veltliner Grün, Veltliner Verde, Veltlini, Veltlínské zelené (CZ), Veltlínske zelené (SK), Veltlinski Zelenii, Veltlinsky Vert, Veltlinsky Zeleny, Vetlinac, Vetlinac Zeleni, Weißer Raifler, Weißer Reifler, Weißer Valteliner, Weißer Velteliner, Weißer Veltliner, Weißgipfler Grüner, Yesil Veltliner, Zeleni Vetlinac, Zeleny Muskatel, Zeleni veltlinec (SL), Zleni Veltinac, Zöld Muskotaly, Zöld Muskotalynak, Zöld veltelini (HU), Zöld Velteliny, Zöldveltelini und Zold Veltelini.

Einzelnachweise

  1. Rebsorten in Österreich
  2. Elternteil des Grünen Veltliners gefunden
  3. Vandalen zerstören uralte Weinrebe im Kurier vom 10. Februar 2011
  4. Historische Veltliner-Rebe überlebt Vandalenakt im Standard vom 5. Mai 2011
  5. Österreichische Weinmarketingserviceges.m.b.H. (ÖWM) (Hrsg.): Dokumentation Österreichischer Wein 2007. Wien 2008, S. 40ff. (PDF 4,5 MB).
  6. Das Weinjahr 2008 (PDF), Herausgeber Office fédéral de l'agriculture OFAG
  7. Grüner Veltliner Lark Hill
  8. Forrest Winery
  9. Vitis International Katalog - Datenbank Geilweilerhof: Veltliner Gruen, aufgerufen am 24. März 2010
  10. Die Rechtschreibung der frendsprachigen Bezeichnungen wurde laut [1] korrigiert.

Literatur

  • Pierre Galet: Dictionnaire encyclopédique des cépages. 1. Auflage. Hachette Livre, 2000, ISBN 2-0123-6331-8.
  • Klaus Egle: Der Österreichische Wein.. Verlag Pichler, Wien 2007, ISBN 978-3-85431-403-5.
  • Helmut Romé: Die großen Weine Österreichs.. Verlag Seewald, Stuttgart-Degerloch 1979, ISBN 3-512-00558-6.
  • Jancis Robinson (Hrsg.): Das Oxford Weinlexikon. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2006, ISBN 978-3-8338-0691-9.
  • Walter Hillebrand, Heinz Lott und Franz Pfaff, Taschenbuch der Rebsorten, Fachverlag Fraund, Mainz 13. Auflage 2003, ISBN 3-921156-53-X.
  • Ferdinand Regner: Herkunft unserer Rebsorten: Grüner Veltliner, Blaufränkisch und St. Laurent. In: Der Winzer 04/2007.
  • Karl Bauer et al.: Weinbau. 8. Auflage 2008, Österreichischer Agrarverlag, ISBN 978-3-7040-2284-4
  • Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Erst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schuhmann: Farbatlas Rebsorten, 3. Auflage, Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4.
  • Ferdinand Regner: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2008, LFZ Klosterneuburg.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Grüner Veltliner – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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