Heide (Landschaft)
Typische Sandheide (Lüneburger Heide)
Heidelandschaft bei Niederhaverbeck
Heidschnucken in der Lüneburger Heide
Atlantische Ginster-Heidestrauch-Heide auf Sheep’s Head, Irland
Atlantische Ginsterheide bei Dublin
Heideflecken nahe der Lettstädter Höhe im Mittleren Schwarzwald

Heide oder Haide ist die Bezeichnung für einen Landschaftstyp.

Kennzeichnend ist der oft nährstoffarme und saure Boden. Typische Pflanzen der Heidelandschaft sind Heidekrautgewächse, Wacholder und Kiefern. Bekannte Heidelandschaften sind die Lüneburger Heide in Niedersachsen, die Dresdner Heide in Dresden, die Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt, die Senne in Nordrhein-Westfalen oder die Schorfheide in Brandenburg. Bei den Lechtalheiden handelt es sich um in Süddeutschland vorkommende Heiden mit gänzlich anderem Bodenrelief und Vegetationstyp als die in Norddeutschland vorhandenen Heiden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Im Ursprung bezeichnete das althochdeutsche Heide (auch Heyde) einfach "unbebautes Land". Dieser Name wurde auf die Allmendeweiden übertragen, die von allen Bauern der Gemeinde gemeinsam genutzt wurden; dabei waren Wald und Weideland nicht voneinander geschieden, der Wald wurde mitbeweidet und lichtete sich dadurch immer mehr aus. "Heide" war danach mehr ein Rechtsbegriff als eine Landschaftsform, andernorts sprach man im gleichen Sinne von "Mark", "Gemeine/Gemeinde/Gemeinheit", "Allmende". Entsprechend sind "Heiden" in Norddeutschland Zwergstrauchfluren, in Süddeutschland Kalktriften mit Magerrasen, im Osten lichte Kiefernwälder. In der Neuzeit setzte sich dann (wohl bedingt durch das Heidekraut und die Berühmtheit der Lüneburger Heide) der norddeutsche Name durch. Regional gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für Heide, zum Beispiel „Palve“ im baltischen Raum.

Entstehung von Heidegebieten

Ursprünglich waren Heiden nur an natürlich waldfreien Standorten an Küsten (Dünen), in Mooren und im Gebirge zu finden. Die typischen Heidelandschaften traten durch menschliche Bewirtschaftung anstelle der ursprünglichen Wälder (in der Regel bodensaure Laubwälder). Dies zeigt sich unter anderem am Beispiel der Lüneburger Heide. Die Weide- und Feldwirtschaft auf den Böden im norddeutschen Tiefland prägte zwar bis zum 10. Jahrhundert bereits die Landschaft. Den wüchsigen Eichen- und Buchenwaldgesellschaften gelang es jedoch immer wieder, die vom Menschen aufgegebenen Flächen zu besiedeln. Die intensive Nutzung der Waldbestände in den folgenden Jahrhunderten erschöpfte die Regenerationskraft der Bestände. Durch Rodung, Beweidung und Feuer wurden die Wälder aufgelichtet und die Ausbreitung lichtliebender Pflanzengesellschaften gefördert. Bei extremer Übernutzung kam es auf leichten Böden (pleistozäne Sander und Dünen) zur Bildung von Flugsanden. Als besonders verheerend erwies sich die zusätzliche landwirtschaftliche Nutzung durch Plaggenhieb.

Beim bis ins 19. Jahrhundert praktizierten Plaggenhieb wurde der Oberboden mit der Vegetation und der Wurzelzone entfernt. Zurück blieb der reine Mineralboden. Die Plaggen wurden als Brennmaterial genutzt oder als Einstreu in Stallungen verwendet und mit dem Kot der Tiere vermengt als Dünger auf die Felder ausgebracht. Weitere Nährstoffe wurden durch Beweidung, insbesondere mit Heidschnucken entzogen. Die Beweidung verhinderte zudem den Aufwuchs größerer Gehölze bzw. von Bäumen und förderte nicht verbissene Gehölzarten (Weideunkräuter) wie den für Heidelandschaften charakteristischen Wacholder.

Nährstoffe wurden aus den so genutzten Böden exportiert. Niederschläge wuschen die letzten verbleibenden Nährstoffe aus, die im durchlässigen Bodenausgangsmaterial (Sande) schnell in tiefere Schichten verlagert wurden. Auf diesen degradierten Böden siedelten nun Spezialisten wie Heidegewächse (Ericaceen) und Wacholder (Juniperus communis), die durch starke organische Säuren die letzten Nährstoffe aus den Böden erschließen. Es kam zu einer Versauerung des Bodens, in dem immer weniger Mikroben existieren können. In der Folge konnte Streu und organische Bestandteile immer weniger zersetzt werden. Unterhalb des Auswaschungshorizontes dieser Böden bildete sich eine Zone, in der organische Komplexbildner (Polyphenole, Carbonsäuren, Fulvosäuren) mit Eisen, Mangan und Aluminium ausfallen und sich verfestigen. Auf feuchteren Standorten unter Erikaheiden bildete sich in dieser Schicht der für Pflanzenwurzeln oft undurchdringliche Ortstein, auf trockeneren Böden unter Callunaheiden Orterde.

Die kargen Heiden Nordwestdeutschlands mit ihrer Wacholder- und Heidevegetation sind aus einer über Jahrhunderte andauernden Nutzung durch das Heidebauerntum entstanden. Erst mit der Einführung von Kunstdünger wurde diese Art der landwirtschaftlichen Nutzung aufgegeben. Seither wurde die Entstehung und/oder der Fortbestand von Heidelandschaften vor allem durch militärische Nutzungen (z. B. Lieberoser Heide, Senne, Osterheide bei Schneverdingen) gesichert. Beim Wegfall der ursprünglichen Nutzungen erfolgt eine Wiederbewaldung – es sei denn, die historische Kulturlandschaft wird durch Heidepflege erhalten. Die Heidepflege imitiert das Heidebauerntum unter anderem durch Beweidung, Plaggen und die Entfernung von Gehölzen.

Literatur

  • Herrmann Cordes (Hrsg.): Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Hauschild, Bremen 1997, ISBN 3-931785-36-X.
  • Thomas Kaiser u. a.: Pflege- und Entwicklungsplan Naturschutzgroßprojekt Senne. Zweckverband Naturpark Eggegebirge und Teutoburger Wald, Detmold 2007, ISBN 978-3-00-021675-6.
  • H. Ellenberg, C. Leuschner: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Auflage. Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-2824-2.

Siehe auch

Heidelandschaft im Steingrund in der Lüneburger Heide beim Wilseder Berg

Weblinks

 Commons: Heide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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