Amélie Thyssen

Amélie Thyssen (* 11. September 1877 in Köln-Mülheim; † 25. August 1965 auf Schloss Puchhof bei Straubing) wurde als Tochter der Fabrikantenfamilie zur Helle geboren und war Ehefrau von Fritz Thyssen.

Sie heiratete 1900 gegen den Widerstand ihres zukünftigen Schwiegervaters, des Industriellen August Thyssen, seinen Sohn Fritz.

Am 13. Mai 1909 wird ihre Tochter Anita geboren.

Als Fritz Thyssen 1939 wegen des Kriegsbeginns der Nationalsozialisten gegen Polen in die Schweiz emigriert, begleitet Amélie ihren Ehemann und verliert mit ihm ihre deutsche Staatsbürgerschaft.

Zusammen mit ihrem Mann flieht sie weiter nach Südfrankreich, um von dort nach Argentinien auszuwandern, wo sie als eine der ersten Deutschen Ende 1940 vom Vichy-Regime verhaftet und an Deutschland ausgeliefert werden. Ihr Vermögen wird beschlagnahmt. Zwei Jahre wird die Familie in einer geschlossenen Abteilung eines Sanatoriums bei Berlin festgehalten, bevor sie ins KZ Sachsenhausen eingesperrt wurden, von wo sie im Februar 1945 ins KZ Buchenwald und schließlich ins KZ Dachau verschleppt werden. Während des Gefangenentransports über Schönberg im Bayrischen Wald zum KZ Reichenau bei Innsbruck in den Alpen wird das Paar gemeinsam mit anderen Prominenten von der Wehrmacht befreit, die kurz darauf von der United States Army entwaffnet wird.

Nachdem Fritz Thyssen sich in einem Entnazifizierungsverfahren rechtfertigt, reist das Paar über Brüssel, von wo sie um die Rückgabe ihres Vermögens stritten, im Januar 1950 nach Buenos Aires, wo Tochter Anita seit 1936 mit ihrem Gatten, dem ungarischen Graf Gabor Zichy lebt. Nach dem Tode ihres Mannes am 8. Februar 1951 reorganisiert Amélie zusammen mit ihrer Tochter Anita Gräfin Zichy-Thyssen den Konzern, der den Angehörigen Fritz Thyssens von den Alliierten erst nach dem Tode zurückgegeben wird. Amélie gründet unter dem traditionsreichen Namen Phoenix-Rheinrohr eine neue Konzerngesellschaft, für die das „Dreischeibenhaus“ in Düsseldorf errichtet wird. 1964 wird Phoenix-Rheinrohr mit der Duisburger August-Thyssen-Hütte vereinigt, an der Anita Gräfin Zichy-Thyssen die Mehrheit hielt. Der Verwaltungssitz bleibt das Düsseldorfer Dreischeibenhaus.

Am 7. Juli 1959 gründen Amélie und ihre Tochter die „Fritz Thyssen Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung“ mit Aktien im Nominalwert von nahezu 100 Mio. DM, die erste große, private wissenschaftliche Einzelstiftung im Nachkriegsdeutschland. Am 7. August 1960 verleiht Bundeskanzler Konrad Adenauer Amélie Thyssen das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband auf Schloss Puchhof bei Straubing.

Sie starb am 25. August 1965 als Staatenlose, denn nach der Aberkennung ihrer Staatsbürgerschaft durch die Nationalsozialisten hat sie nie wieder ihre Staatsbürgerschaft neu beantragt.

Sie wurde wie ihr Ehemann auf Schloss Landsberg beigesetzt.


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