Andersrum
Filmdaten
Originaltitel Andersrum
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2005
Länge 94 Minuten
Stab
Regie Mark Keller
Heiner Lauterbach
Drehbuch Mark Keller (Story)
Heiner Lauterbach (Story)
Elmar Schäfer
Produktion Mark Keller
Heiner Lauterbach
Kamera Franz Rath
Schnitt Steffen Wimmers
Besetzung

Joshua Keller, Aaron Keller, Nicole Mark u.a.

Andersrum ist eine deutsche Komödie, die 2005 auf ProSieben erstausgestrahlt wurde. Der Fernsehfilm basiert auf einer Idee der Schauspieler Heiner Lauterbach und Mark Keller, die beiden führten auch Regie und spielten die männlichen Hauptrollen.

Inhaltsverzeichnis

Vollständige Handlung

Der Film beginnt mit der Rahmenhandlung: Toni und Ferdinand haben gemeinsam ein Buch geschrieben. Bei einer Buchpräsentation lesen sie aus ihrem Werk.

Die Handlung beginnt 1968: Während Toni schon 13 Jahre zählt, ist Ferdinand damals noch ein Säugling. Von seinen Eltern im Wald ausgesetzt, wird er von dem homosexuellen Pärchen Ludwig (genannt „Laila“) und Harry gefunden und adoptiert. Die beiden ziehen ihn auf. Ferdinand wird durch das Vorbild der beiden stark geprägt und steht als junger Erwachsener durch sein tuntiges Verhalten am Rand der Gesellschaft.

Er arbeitet in einer Parfümerie und düst auf seiner rosa Vespa durch die Stadt. „Mutter“ Laila ist der festen Überzeugung, dass sein Sohn schwul ist und will Ferdinand mit anderen Männern verkuppeln. Ferdinand liebt tatsächlich Louise, die ihn aber ebenfalls für schwul hält und ihn deshalb nur als sehr guten Freund wahrnimmt. Toni ist währenddessen Buchautor geworden, wohnt fast gratis in einem Musterhaus und ist ein gefühlloser Macho, der nicht weiß und sich auch nicht dafür interessiert, was Frauen und insbesondere seine Freundin sich wünschen.

Ferdinands und Tonis Wege beginnen, sich zu kreuzen. Ferdinand erfährt, dass seine Louise den Buchhalter Rainer heiraten will, Toni wird wegen Nichtbeachtung von seiner Freundin Marina verlassen. In einer Kneipe treffen beide erneut aufeinander und ertränken dann gemeinsam ihren Kummer. Toni erklärt Ferdinand, warum er kein Glück bei den Frauen hat, und sie wanken zusammen nach Hause. Am nächsten Morgen erwachen sie nackt in Ferdinands Bett. Passiert ist zwischen ihnen jedoch nichts, auch wenn die hereinplatzende Laila das gerne glauben würde.

Durch Zufall treffen die beiden Männer sich wieder. Jetzt bittet Ferdinand Toni, ihm dabei zu helfen, sich wie ein „richtiger“ Mann zu verhalten. Er zieht zu Toni, erhält ein neues Styling und bekommt Unterricht in maskulinem Benehmen. Ferdinand lernt, dass Männer im Stehen pinkeln, nicht Blockflöte spielen, nicht tanzen außer im äußersten Notfall auf eine männliche Art und dass John Travolta oder sein Drehbuchschreiber eine Tunte sein muss. Sein rosa Roller, ein Geschenk seiner Eltern, kommt in die Schrottpresse.

Toni hat derweil Probleme, seinen aktuellen Roman fertigzustellen. Ferdinand und Toni verbringen stattdessen ihre Zeit damit, ihre Freundinnen (wieder) zu erobern. Es stellt sich heraus, dass auch die Freundinnen miteinander befreundet sind. Toni überzeugt Louise davon, dass Ferdinand nicht schwul ist, woraufhin diese Ferdinand vorwirft, ihr unter dem Anschein seines Schwulseins intimste Dinge entlockt zu haben.

Ferdinand entdeckt Tonis vernachlässigtes Manuskript auf dessen Computer und schreibt es kurzerhand heimlich zu Ende. Toni findet einen Zugang zu seinen Gefühlen, bittet Marina öffentlich um Verzeihung und macht ihr einen Heiratsantrag. Louises Verlobter Rainer zieht eigenmächtig den Hochzeitstermin vor und verstört Louise außerdem mit dem Plan, ins Dachgeschoss bei seinen Eltern einzuziehen. Toni entdeckt den fertigen Roman und findet ihn nach erstem Ärger brauchbar. Am geplanten Hochzeitstermin von Rainer und Louise verhindern Toni und Ferdinand mit Hilfe von Marina unter Turbulenzen die Heirat der beiden. Louise gibt Rainer noch im Standesamt den Laufpass.

Der Film endet bei der Buchpräsentation, wo Toni das Fazit zieht, dass beide Männer voneinander etwas gelernt hätten und darüber hinaus jetzt glücklich mit ihren jeweiligen „Schnecken“ seien, die sie demnächst heiraten werden.

Entstehung und Hintergrund

Lauterbach darüber, wie es zu diesem Film kam: „Die Idee dazu hatten Mark und ich schon vor zehn Jahren. Wir waren in einer Diskothek, zusammen mit Til Schweiger und Heinz Hoenig. Und die war abgesehen von uns leer. Da haben wir uns gegenseitig vorgespielt, wie die verschiedensten Leute auf die Tanzfläche gehen.“ Keller gab dabei einen Schwulen zum besten und „als Mark verrückt-tuntig auf der Tanzfläche hüpfte, da dachte ich mir: Da muss man was daraus machen.“ Mark Keller: „Eine Tunte spielen, das konnte ich mir vorstellen! Aber bitte eine, die nicht schwul ist! Männer knutschen war noch nie so mein Ding!“ Er musste zwar mit Lauterbach unter einer Decke liegen, „aber untenrum hatten wir was an!“, wie Keller betonte. Abgesehen von Schweiger, der anderweitig Termine hatte, haben alle Freunde dieses Abends mitgemacht.

Sie ließen ein Drehbuch entwickeln, doch die Suche nach einem Produzenten war schwierig, denn er sollte keinesfalls „zu viel reinreden und uns damit die Freude an der Sache nehmen“, so Lauterbach. Letztendlich fanden sie den Hockenheimer Unternehmer Jürgen B. Harder, welcher ein Neuling im Filmgeschäft ist und für diese Produktion die „Harder Beta Filmproduktions GmbH & Co. KG“ gegründet hat. Das Budget war trotzdem knapp, und so spielten viele Freunde und Verwandte mit. 95% der Darsteller waren auf Lauterbachs Hochzeit.

Erste Ausschnitte bekam das Publikum am 16. Mai 2005 bei Wetten, dass..? in der Türkei zu sehen. Eine Vorpremiere gab es am 4. Dezember 2005 bei Freunden von Keller, dem SC Pfullendorf am Bodensee, und erstmals ausgestrahlt wurde der Film am 27. Dezember 2005 auf ProSieben.

Der Film weckt Erinnerungen an zwei Komödien. Einerseits durch das Tuntenklischee und das Elternpaar an „Ein Käfig voller Narren“ (1978), worin Hoenig, bei besserer Maske, gut hineingepasst hätte. Auf der anderen Seite durch die Story mit dem „ummodeln“ und vor allem durch die Tanzszene an „In & Out“ (1997), wo Keller völlig fehl am Platz gewesen wäre.

Viktoria Lauterbach über diese Szene: „In der Tanzszene finden sich doch viele Männer wieder. Mir ist das auch schon mal passiert, dass ich mit einem Mann auf der Tanzfläche stand, der sich so albern bewegte, dass ich dachte: Oh nein, hoffentlich sieht mich hier keiner!“

In „In & Out“ hört der Hauptdarsteller in einem Kassettenlehrgang, wie man sich als richtiger Mann zu benehmen hat, und zwischendurch erklingt als Test ein Song von Gloria Gaynor, einer Ikone der Schwulenszene. Da kann er sich nicht mehr zurückhalten und fängt fast professionell zu tanzen an. Bei „Andersrum“ legt Ferdinand „Cheri Cheri Lady“ (1985) von Modern Talking auf, welche wegen ihres Aussehens und ihrer butterweichen Popsongs von Machos als nicht männlich, also schwul, angesehen werden (→ Kommentar von Marty Brem zu Thomas Anders), und beginnt wild herumzuckend zu tanzen, bis ihm Toni die Musik abdreht und erklärt, dass Männer nicht tanzen, außer auf eine ganz männliche, also kantige Art.

Lauterbach über seine Funktion als Lehrer in diesem Film: „… Und ich gebe ihm erstmal nur Tipps, wie man sich 'normal' benimmt, wie man 'normal' geht, also als Mann, der auf Frauen fixiert ist.“

Kritiken

  • quotenmeter.de (zur Fernsehpremiere): „Herausragend waren die Werte nicht, jedoch liegen sie über dem Schnitt des Senders.“[1]
  • Teleschau - der mediendienst; rhein-main.net: „Was an der spritzigen Komödie allerdings für militante Stereotypen-Gegner zum großen Problem werden könnte: Ein Klischee jagt das nächste, aber genau das macht das Flair des Films aus. Wer das ganz und gar nicht verkraftet, sollte besser nicht einschalten. Für alle anderen, die Vorurteile mit einer gehörigen Portion Humor sehen können, ist "Andersrum" genau das richtige.“[2]
  • Frankfurter Rundschau (Kathrin Hartmann): „Rosa Vespa gegen Betonpfeiler … ein völlig überzogener, tendenziell homophober Unfug mit allerhand überholten Klischees und mittelmäßigem Klamauk.“[3]
  • Die Presse (Beate Lammer): „Klischee allein ist zu wenig. … Ein Macho lehrt einen Möchtegern-Macho. Das reicht für eine (müde) Pointe, nicht aber für eineinhalb Stunden. Wir haben trotzdem durchgehalten. Und dabei überlegt, ob wir uns für alle Fälle "Ein Käfig voller Narren" ausborgen sollten. Obwohl wir es schon kennen. Weil es klischeehaft und trotzdem witzig ist.“[4]
  • taz & Der Spiegel (Christian Buß): „‚Käfig voller Dilettanten‘ bzw. ‚Mann, was für ein Schund!‘ … Heinz Hoenig und Rolf Zacher delirieren hier nämlich als schwules Elternpaar, stark gepudert und mit Fistelstimmen, durch eine "Ein Käfig voller Narren"-Variation. Ein grausamer Klamauk, der einen neuen historische Tiefpunkt in der immer weiter abfallenden Kurve der eigenproduzierten Pro-7-Comedys markiert.“[5]
  • Focus (Carin Pawlak): „Holla die Waldfee! … Die Dialoge klingen jedenfalls ganz so, wie wenn einem tschechischen Pornofilm der Drehbuchschreiber durchgebrannt ist.“[6]
  • Du & Ich (Dirk Ludigs): „(Queer as Folk) … Und hier zu Lande? Dürfen Mark Keller und Heiner Lauterbach – ein ganzer Mann dank Jenny – ihre Draufsicht auf Homosexuelle in ein Drehbuch packen.“

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Fabian Böhme: «Andersrum» erntet Erfolg, quotenmeter.de, 28. Dezember 2005, Zugriff: 22. Mai 2008
  2. www.berlinien.de/kino/tv_tipp162763.html, Zugriff: 31. März 2006
    www.rhein-main.net/sixcms/detail.php/2688439, Zugriff: 31. März 2006
  3. www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/medien/?cnt=776050, 27. Dezember 2005, Zugriff: 31. März 2006; (Ausschnitt bei lesben-magazin.com, 27. Dezember 2005, Zugriff: 22. Mai 2008)
  4. www.diepresse.com/textversion_article.aspx?id=528934, Zugriff: 31. März 2006
  5. Christian Buß: TV-KOMÖDIE "ANDERSRUM" - Mann, was für ein Schund!, spiegel.de, 27. Dezember 2005, Zugriff: 22. Mai 2008
  6. Carin Pawlak: Holla die Waldfee!, 27. Dezember 2005

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