Königreich Navarra
Wappen des Königreichs Navarra, die Navarrakette.

Das Königreich Navarra (baskisch Nafarroako Erresuma, französisch Royaume de Navarre, spanisch Reino de Navarra) war ein historischer Staat im westlichen Pyrenäenraum. Es existierte als unabhängiger Staat von ca. 824 bis 1589, als der verbliebene Teil nördlich der Pyrenäen unter Heinrich IV. (zunächst in Personalunion) mit Frankreich verbunden wurde. Der weitaus größere südliche Teil war jedoch schon 1512 von Kastilien erobert und annektiert worden. Die französischen Könige führten bis 1830 den Titel König von Frankreich und Navarra.

Bis 1134 wird es überwiegend als Königreich Pamplona bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Navarra im Mittelalter

Ursprung und das Haus Arista (824–905)

Nach der arabischen Invasion der iberischen Halbinsel im Jahre 711 kam zunächst auch das Gebiet des späteren Königreichs Navarra unter maurische Herrschaft. Anfang des 9. Jahrhunderts gründeten die Franken als vorgeschobene Verteidigungslinie gegen die Mauren im Süden der Pyrenäen eine Reihe von Grafschaften (Spanische Mark). So geriet auch das Gebiet um die Stadt Pamplona unter fränkischen Einfluss. Um 816 gelang der einheimischen christlichen Adelsfamilie Arista mit Unterstützung des ursprünglich ebenfalls christlichen, aber zu dieser Zeit schon zum Islam konvertierten Adelsgeschlechts der Banu Qasi die Vertreibung des fränkischen Statthalters. Als 824 auch ein maurisches Heer geschlagen wurde, war dies die Geburtsstunde des Königreichs Pamplona und Iñigo Arista gilt als dessen erster König. In den folgenden zwei Jahrhunderten muss sich das kleine Königreich häufiger Angriffe der Mauren erwehren, kann seine Autonomie jedoch verteidigen.

Unter dem Haus Jiménez (905–1234)

Das Königreich Navarra (orange) unter Sancho III. im Jahre 1030

Nach dem Tod des letzten Königs aus dem Haus Arista (Fortún Garcés, † 905) kommt mit dem Ehemann von dessen Enkelin, Sancho I., das Haus Jiménez an die Macht. Sein Nachfolger García I. erwirbt 925 durch Heirat die Grafschaft Aragón. Auf den Höhepunkt seiner Macht gelangt das Reich mit Sancho III. (1004–1035). Dieser erobert um 1020 die östlich angrenzenden Pyrenäen-Grafschaften Sobrarbe und Ribagorza und wird 1029 auch Graf von Kastilien. Er ist damit der mächtigste christliche Herrscher der Halbinsel.

Allerdings teilte er dieses große Reich in seinem Testament an seine Söhne auf: García III. wurde König von Pamplona, Ramiro I. König von Aragón. Gonzalo erhielt die Grafschaften Sobrarbe und Ribagorza und Ferdinand die Grafschaft Kastilien. Ferdinand reißt kurze Zeit später die kastilische Krone an sich und wird erster König des vereinigten Kastilien-León.

Das Königreich Pamplona selbst hatte danach nicht mehr lange Bestand: Sancho IV., der Sohn Garcías III., wurde 1076 ermordet. Die dadurch eingetretene Lage nutzten seine Vettern Sancho von Aragón und Alfons VI. von Kastilien-León und teilten das Reich unter sich auf, wobei der Aragonier die östliche Hälfte und als Sancho V. die Königswürde von Pamplona erhielt.

Jedoch wird der 1076 an Aragón gegangene Reichsteil als Königreich Navarra bereits 1134 wieder unabhängig, als Alfons I. von Aragón kinderlos stirbt. Während ihm in Aragón sein Bruder Ramiro auf dem Thron folgt, wird in Navarra García IV., ein Urenkel Garcías III., zum König proklamiert. Das Reich ist aber von Kastilien-León und Aragón eingeschlossen, sodass sich ihm im Gegensatz zu seinen beiden großen Nachbarn keine Möglichkeit der Ausdehnung nach Süden auf Kosten der Mauren mehr bietet.

Unter französischem Einfluss (1234–1425)

Stammbaum der Herrscher von Pamplona/Navarra (824–1516)

Deshalb sucht es stärkere Bindungen nach Frankreich. 1234 verstirbt König Sancho VII. ohne legitime Nachkommen zu hinterlassen und ihm folgt mit seinem Neffen Theobald I. (ein Sohn von Sanchos Schwester Blanka und deren Ehemann Theobald von Champagne) der erste König aus dem französischen Hause Blois-Champagne.

König Heinrich I. (1270–1274) wird von seiner erst zwei Jahre alten Tochter Johanna I. beerbt, die 1284 mit einem Sohn des französischen Königs verheiratet wird, der 1286 als Philipp IV. König von Frankreich wird (in Navarra zählt er als Philipp I.). Von da an sind die französischen Monarchen aus dem Haus der Kapetinger bis 1328 gleichzeitig Könige von Navarra.

Mit dem Aussterben der Kapetinger 1328 konnte sich Navarra wieder von Frankreich lösen: Der französische König Karl IV. (in Navarra: Karl I.) verstarb kinderlos. Nach dem für die Krone von Frankreich geltenden salischem Recht waren Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen. Für Navarra galt dieses jedoch nicht, sodass dort Karls Nichte Johanna II. und ihr Ehemann Philipp III. aus dem Haus Évreux auf den Thron gelangten, in Frankreich jedoch Philipp VI. von Valois. Obwohl es von den mächtigen Nachbarn Kastilien-León, Aragón, Frankreich und England (das im Hundertjährigen Krieg Aquitanien besetzt hält) umringt ist, kann das kleine Königreich - wenn auch mit Mühen - seine Selbständigkeit wahren.

Innere Wirren und Niedergang (1425–1516)

Mit dem Tod Karls III. (1387–1425) beginnt eine lange Zeit innerer Wirren, wobei sich die Adelsparteien der Agramonteses und der Beaumonteses gegenüberstehen: Seine Tochter Blanka I. hatte 1419 Johann, den Bruder des aragonesischen Königs, geheiratet. Als Karl III. stirbt, besteigen beide den Thron. 1441 stirbt Blanka und hinterlässt neben zwei Töchtern ihren Witwer und den gemeinsamen Sohn Karl von Viana. Zwischen Vater (unterstützt von den Agramonteses) und Sohn (unterstützt von den Beaumonteses) herrschen von Anfang an Spannungen, aus denen sich ein offener Konflikt entwickelt, als Johann 1444 wieder heiratet. Dieser verläuft wechselhaft. Auf Zeiten der Verständigung folgen solche der Auseinandersetzung. 1458 wird Johann nach dem Tod seines Bruders auch König von Aragón. 1461 stirbt Karl von Viana in Barcelona und es entwickeln sich Gerüchte, dass sein Vater dabei die Hände im Spiel hatte, was wieder zu Aufständen führt.

Als Johann 1479 stirbt, erbt Eleonore, eine Tochter aus seiner ersten Ehe mit Blanka, die Krone von Navarra. Sie selbst stirbt allerdings nur wenige Wochen danach. Ihr folgt ihr Enkel Franz I., der aber nur von einer der Adelsparteien unterstützt wird, bei der Thronbesteigung erst zwölf Jahre alt ist und auch schon vier Jahre später kinderlos verstirbt. Neue Königin wird seine Schwester Katharina, die aber auch erst 13 Jahre alt ist und deren Ansprüche ebenfalls nicht unbestritten bleiben.

Aufteilung zwischen Spanien und Frankreich

Der Streit zwischen Agramonteses und Beaumonteses mündete zwischen 1512 und 1515 wieder in einen Bürgerkrieg. Im Verlaufe dieses Bürgerkriegs eroberte Fadrique Álvarez de Toledo, 2. Herzog von Alba für König Ferdinand II. von Aragon und Kastilien-León den südlich der Pyrenäen gelegenen Teil des Königreiches Navarra. Katharina und ihr Ehemann Johann von Albret fliehen in den kleinen Reichsteil nördlich der Pyrenäen. Der jetzt mit dem Königreich Kastilien-León und den Ländern der Krone Aragon zum Königreich Spanien vereinigte südliche Teil Navarras wurde von 1512 bis 1702 von spanischen Vizekönigen von Navarra verwaltet. Ähnlich wie die schon zuvor an Kastilien gekommenen westlich benachbarten baskischen Provinzen behielt Navarra bis Mitte des 19. Jahrhunderts seine eigenständigen inneren Institutionen.

Der kleinere, nördlich der Pyrenäen gelegene Landesteil blieb bis zum Jahr 1589 offiziell souverän. Da die übrigen Besitzungen des regierenden Hauses Albret jedoch alle Lehen der französischen Krone waren, war Navarra de facto auch von dieser abhängig. Ab 1589, als Heinrich III. von Navarra als Heinrich IV. König von Frankreich wurde, war dieser Teil Navarras in Personalunion, seit 1620 in Realunion, mit Frankreich verbunden und die Könige trugen bis in die Zeit der Französischen Revolution (bis 1791) den Titel König von Frankreich und Navarra. Der mit Frankreich verbundene Teil Navarras, der auch als Niedernavarra (französ. Basse-Navarre) bekannt war, behielt ebenso wie die anderen historischen Provinzen Frankreichs bis zur Französischen Revolution seine eigenständige innere Rechtsordnung. Bei der Neugliederung Frankreichs in Départements 1789/1790 wurde er Teil des Département Basses-Pyrénées (heute Pyrénées-Atlantiques). Nach der Wiedereinsetzung der Bourbonen im Jahre 1815 nahmen diese bis 1830 erneut den Titel König von Frankreich und Navarra an, als selbständige politische Einheit wurde Navarra jedoch nicht wiederhergestellt.

Der spanische Teil Navarra bildete seit dem 19. Jahrhundert die Provinz und seit 1982 die Autonome Region Navarra.

Von baskisch-nationaler Seite wird Navarra als Ganzes heute als eines der historischen Territorien des Baskenlandes betrachtet, auch wenn die baskische Sprache lediglich im nördlichen Teil der spanischen Region und im französischen Niedernavarra verbreitet und auch dort in jüngerer Zeit zunehmend von Spanischen bzw. Französischen verdrängt worden ist.

Siehe auch

 Portal:Basken – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Basken


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