Marino Faliero
Wappen Marino Falieros

Marino Faliero (* 1274; † 17. April 1355 in Venedig; meist nur Marin Falier) war der 55. Doge von Venedig, seine Berufung erfolgte am 11. September 1354. Die Familie stellte mit Vitale Faliero, Ordelafo Faliero und Marino Faliero drei Dogen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Faliero war mehrmals Mitglied im Rat der Zehn, er war Flottenkommandant in Konstantinopel und Podestà von Padua, Treviso und Chioggia. Als Diplomat hatte er sich in Österreich, in Genua, beim ungarischen König und am Hof von Innozenz VI. in Avignon ausgezeichnet. Er hatte als Admiral der Schwarzmeerflotte an der Schlacht am Bosporus von 1352 teilgenommen. In Venedig gehörte er einer Kommission an, die gegen Wucher vorgehen sollte. Während seiner Zeit im Rat der Zehn hatte er an dem Verfahren gegen den Verschwörer Baiamonte Tiepolo teilgenommen.
Faliero war mit Aluicha Gradenigo verheiratet. Er hatte eine Tochter, Lucia.

Das Dogenamt

Faliero trat sein Dogenamt in schwierigen Zeiten an. Die Bevölkerungszahl Venedigs war wegen der Pest, die seit 1347 in die Stadt eingeschleppt worden war, um die Hälfte zurückgegangen. 1354 kam es bei Methoni zu einer bitteren Niederlage der Venezianer gegen Genua, ein großer Teil ihrer Flotte wurde in Portalonga erobert und verbrannt. 5000 Mann gerieten in Gefangenschaft, darunter auch der Flottenkommandant und ehemalige Kriegsheld Niccolò Pisani, der nach seiner Freilassung aus der genuesischen Gefangenschaft keine Ämter mehr bekleiden durfte und zu einer harten Geldstrafe verurteilt wurde.

Die Verschwörung

Historisierendes Gemälde von Francesco Hayez (1867): Die letzte Stunde des Dogen Marino Faliero, Mailand, Brera

Faliero versuchte im Jahre 1355 in einem Staatsstreich, sich selbst zum Fürsten zu erheben, möglicherweise angeregt durch das Vorbild anderer oberitalienischer Familien.
Die genauen Umstände der Verschwörung sind nicht mehr zu rekonstruieren, da alle Gerichtsakten im Zuge der Damnatio memoriae vernichtet worden sind, und die Aussagen von Zeitgenossen widersprüchlich und mit Legenden und Gerüchten durchsetzt sind.
Der Große Rat hatte offenbar durch Spitzel Informationen über den geplanten Staatsstreich bekommen, worauf eine Reihe von Verschwörern verhaftet und ein Sondergericht einberufen wurde. 11 Verschwörer, darunter auch der proto des Dogenpalastes, Filippo Calendario, wurden vor dem Dogenpalast aufgehängt, andere wurden aus Venedig verbannt und Faliero selbst wurde am 17. April auf der selben Treppe, auf der er im September des Vorjahres zum Dogen gekrönt worden war, enthauptet.

Bilder

Marino Faliero, Sala del Maggior Consiglio

An Stelle eines Dogenporträts befindet sich an dem für Marino Faliero vorgesehen Platz in der Galerie der Dogenbilder in der Sala del Maggior Consiglio ein schwarzes Banner mit der weißen Inschrift: Hic est locus Marini Faletri decapitati pro criminibus (Hier ist die Stelle des Marino Faliero, wegen Verbrechen enthauptet.) Es wurde an dieser Stelle nach seinem Tod von Tintoretto angebracht: Auch dies ein Zeichen für die condamnatio memoriae (die Auslöschung der Erinnerung) des Dogen.

Grabmal

Der Doge wurde in der Familienkapelle der Faliero in SS. Giovanni e Paolo begraben. Das Grab ist nicht erhalten.

Marino Faliero in Kunst, Literatur und Musik

  • Carl Wilhelm Kolbe: Doge und Dogaressa. (Gemälde]
  • Gaetano Donizetti: Marino Faliero. Oper. (Libretto: Giovanni Emanuele Bidera nach einem Drama von Delavigne).

Zitat

Stärker war sein Temperament als seine Einsicht, sein Herz vermochte nicht in höchster Würde Genüge finden, denn mit dem linken Fuß hatte er den Dogenpalast betreten. Petrarca

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Andrea Dandolo Doge von Venedig
13541355
Giovanni Gradenigo

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Marino Faliero — Pour les articles homonymes, voir Faliero. Francesco Hayez, La dernière heure du Doge Marino Faliero, Milan, Academia di Belle Arti di Brera Marino Faliero …   Wikipédia en Français

  • Marino Faliero — For the opera, see Marino Faliero (opera). Coat of arms of Marino Faliero …   Wikipedia

  • Marino Faliero — La ejecución de Marino Faliero, Eugène Delacroix, 1827 (Colección Wallace). Marino Faliero (1285 – 17 de abril de 1355) fue el Dogo de Venecia número 55, proclamado como tal el 11 de septiembre de 1354. En el idioma véneto es denominado Marin… …   Wikipedia Español

  • Marino Faliero (opéra) — Marino Faliero Marin Falier[1] La décapitation de Marino Faliero, table …   Wikipédia en Français

  • Marino Faliero (opera) — Gaetano Donizetti …   Wikipedia

  • Marino — heißen die Orte Marino (Australien) Marino (Latium), Ort in der Provinz Rom Marino (Dublin), Stadtteil von Dublin, Irland Marino (Ilinden), Ort in der Republik Mazedonien Marino oder Mariño ist der Familienname folgender Personen: Carlo Antonio… …   Deutsch Wikipedia

  • Marino Falier — Wappen Marino Falieros Marino Faliero (* um 1285; † 17. April 1355 in Venedig; meist nur Marin Falier) war der 55. Doge von Venedig, seine Berufung erfolgte am 11. September 1354. Inhaltsverzeichnis 1 Fa …   Deutsch Wikipedia

  • Marino Morosini — (né à Venise en 1181, mort à Venise le 1er janvier 1253) est le 44e doge de Venise élu en 1249. Biographie Il y a peu d informations sur Marino Morosini, ses parents sont inconnus ainsi que d éventuels frères et sœurs. Il épouse Romerica… …   Wikipédia en Français

  • Marino Grimani — Dessus de porte avec blason de Marino Grimani (1596). Marino Grimani (Venise, 1er juillet 1532 …   Wikipédia en Français

  • Marino Zorzi — Blason de Marino Zorzi Marino Zorzi (né v. 1231 à Venise et mort le 3 juillet 1312 dans la même ville) est un homme politique italien de la fin du XIIIe et du début du XIVe siècle qui fut le 50e …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”