Militärgeschichtliches Forschungsamt
Militärgeschichtliches Forschungsamt der Bundeswehr
– MGFA –
MGFA Wappen.jpg
internes Verbandsabzeichen
Aufstellung Jan. 1957
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Organisationsbereich Bundeswehr Logo Streitkraeftebasis with lettering.svg Streitkräftebasis
Unterstellung Streitkraefteamt Wappen.gif Streitkräfteamt
Standort Potsdam
Kommandeur
Amtschef Oberst i. G. Dr. Hans-Hubertus Mack

Das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) der Bundeswehr ist das größte historische Institut in Deutschland. Es ist eine militärische Dienststelle und Einrichtung der Ressortforschung des Bundes und betreibt im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung militärhistorische Forschung. Es ist der Streitkräftebasis zugeordnet, wobei es dem Streitkräfteamt truppendienstlich untersteht.

Durch eine breit angelegte militärhistorische Grundlagenforschung leistet das MGFA einen Beitrag für die historische Bildung in den Streitkräften und stellt Expertisen für die politische Leitung und militärische Führung sowie für die wissenschaftliche und allgemeine Öffentlichkeit im In- und Ausland bereit. Dazu wendet es die Regeln und Standards der allgemeinen Geschichtswissenschaft an.

Sitz des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes ist die Villa Ingenheim in Potsdam. Amtschef des MGFA ist derzeit Oberst i. G. Dr. Hans-Hubertus Mack, der dieses Amt im März 2010 von Oberst Dr. Hans Ehlert übernahm.

Das MGFA ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Ressortforschungseinrichtungen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

  • April 1952 – Einrichtung des Referats für Zeitgeschichte im Amt Blank.
  • Januar 1957 – Aufstellung der Militärgeschichtlichen Forschungsstelle in Langenau bei Ulm.
  • Januar 1958 – Umbenennung in Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA).
  • Oktober 1958 – Umzug des MGFA von Langenau nach Freiburg im Breisgau.
  • Oktober 1970 – Beginn des Forschungsprojektes „Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik“.
  • Januar 1971 – Beginn des Forschungsprojektes „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“.
  • 1978 – Aufbau einer eigenständigen Abteilung „Ausbildung, Information, Fachstudien“ (AIF).
  • 1984 – Einrichtung eines Wissenschaftlichen Beirates für das MGFA.
  • 1987 – Angliederung des Luftwaffenmuseums in Uetersen an das MGFA.
  • 1994 – Verlegung des MGFA von Freiburg im Breisgau nach Potsdam in die Villa Ingenheim, ehemals Sitz des Militärgeschichtlichen Instituts der DDR von 1958 bis 1992.
  • 1994 – Angliederung des Militärhistorischen Museums in Dresden und des Luftwaffenmuseums in Berlin-Gatow.

Leitung

Ein Amtschef und ein „Leitender Historiker“ führten seit 1968 das MGFA gemeinsam. Die Position des Leitenden Historikers war dem Amtschef gleichgestellt; er leitete die Forschungsabteilung und war direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt. Diese relative Unabhängigkeit sollte ermöglichen, die Richtlinien der Forschung frei festzulegen. Erster Leiter der Forschungsabteilung wurde Andreas Hillgruber. Sein Nachfolger, der Historiker und Jurist Manfred Messerschmidt, bekleidete dieses Amt fast zwanzig Jahre. Nach ihm übernahm Wilhelm Deist diese Aufgabe. Er leitete auch die Herausgabe des Sammelwerks „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“, dessen erster Band 1978 erschien und dessen letzter Band 10 im Jahr 2008 herauskam. Der Nachfolger Deists, Hans-Erich Volkmann, wurde in die Hierarchie des MGFA eingebunden und war nicht mehr direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt. Im Jahr 2003 wurde das Amt mit Beatrice Heuser besetzt, die 2005 mit ihrer Planstelle an die Universität der Bundeswehr München wechselte, wo sie sich bis 2010 für einen Lehrauftrag im Vereinigten Königreich beurlauben ließ. Die Position des Leiters der Forschungsabteilung wurde solange von Oberst Dr. Winfried Heinemann kommissarisch betreut. Am 1. Februar 2009 übernahm Michael Epkenhans die erneut mit B2 besoldete Leitung der Forschungsabteilung. Epkenhans ist Fachmann für die Geschichte des Ersten Weltkriegs mit Schwerpunkt Marinegeschichte.

Auftrag

Das Militärgeschichtliche Forschungsamt erforscht die deutsche Militärgeschichte mit dem Schwerpunkt Zeitalter der Weltkriege und Zeit nach 1945, publiziert die Forschungsergebnisse, bereitet diese pädagogisch-didaktisch auf und stellt sie den Streitkräften als Lehrunterlagen zur Verfügung. Es erarbeitet historische Beiträge für die politische Bildung und die Traditionspflege in den Streitkräften.

Es konzipiert, gestaltet und betreut Wanderausstellungen innerhalb und außerhalb der Bundeswehr und führt Tagungen und Weiterbildungen zur deutschen und internationalen Militärgeschichte durch. Gemäß Weisung des Generalinspekteurs der Bundeswehr vom 19. März 1999 unterstützt das MGFA museumsfachlich den Aufbau von militärgeschichtlichen Sammlungen der Bundeswehr. Dafür sind dem MGFA die beiden Museen der Bundeswehr, das Luftwaffenmuseum in Berlin-Gatow und das Militärhistorische Museum in Dresden als selbstständige militärische Dienststellen fachlich und truppendienstlich nachgeordnet. Der Eintritt in diese Museen ist frei.

Als laufende Publikationen gibt das MGFA eine wissenschaftliche Zeitschrift, die Militärgeschichtliche Zeitschrift (MGZ) (ISSN 0026-3826 beim R. Oldenbourg Verlag), sowie eine populärwissenschaftliche Zeitschrift, die Militärgeschichte – Zeitschrift für historische Bildung (ISSN 0940-4163), heraus. Mit der Reihe Wegweiser zur Geschichte (Verlag Ferdinand Schoeningh, bislang: Bosnien und Herzegowina, Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Kosovo, Naher Osten, Horn von Afrika, Sudan, Kaukasus, Usbekistan [eine Überblicksdarstellung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr sowie ein Band zu Pakistan befinden sich in Vorbereitung]) vermittelt es historisches, politisches und kulturelles Orientierungswissen insbesondere für Soldaten im Auslandseinsatz und trägt damit zur einsatzvorbereitenden Ausbildung der Streitkräfte bei.

Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Bearbeitung von Anfragen aus den Streitkräften, der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur deutschen Militärgeschichte, sowie die Erarbeitung militärhistorischer Studien und Gutachten für das Bundesministerium der Verteidigung und anderen Bundes- und Landesbehörden. Zudem unterstützt es Dienststellen der Bundeswehr bei der Vorbereitung historischer Geländebesprechungen und kriegsgeschichtlicher Beispiele.

Organisation

Das MGFA wird als militärische Dienststelle geführt und gliedert sich in zwei wissenschaftliche Abteilungen, die Schriftleitung sowie einen Verwaltungs- und Unterstützungsbereich mit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Forschungsamt unterhält außerdem eine Bibliothek und Fachinformationsstelle, die sowohl den Wissenschaftlern und Gastwissenschaftlern des Amtes als auch allen externen Benutzern offen steht. Die Bibliothek des MGFA bildet mit über 240.000 Bänden und 200 laufend gehaltenen Zeitschriften die reichhaltigste deutsche Spezialbibliothek zum Thema Militärgeschichte.

Die Abteilung für Forschung gliedert sich in die Fachbereiche „Allgemeine Militärgeschichte bis 1914 und übergreifende Themen“, „Zeitalter der Weltkriege“, „Militärgeschichte der Bundesrepublik“ und „Militärgeschichte der DDR“.

Zurzeit gibt es am MGFA 14 Stellen im Höheren Dienst für beamtete Wissenschaftler bzw. Wissenschaftlerinnen und 24 Stellen für Historikeroffiziere, die habilitiert, promoviert sind oder an ihrer Dissertation schreiben.[1] Zwei Drittel des wissenschaftlichen Personals arbeitet in der Abteilung für Forschung, ein Drittel in der Abteilung für Ausbildung, Information und Fachstudien (AIF).

Anfragen

Im Rahmen freier Kapazitäten beantwortet das Militärgeschichtliche Forschungsamt Anfragen von Privatpersonen und Medien zur deutschen Militärgeschichte. Die Anfragen umfassen ein breites Spektrum, zum Beispiel Verifizierung der Einsatzräume von Truppenteilen sowie von Luftangriffen auf die Zivilbevölkerung, Unterstützung von Forschungs- und Ausstellungsvorhaben innerhalb und außerhalb der Bundeswehr sowie Auskünfte zur Heereskunde einschließlich Uniformkunde. Jährlich werden bis zu 2500 Auskünfte erteilt.[2]

Archiv

Das Militärgeschichtliche Forschungsamt verfügt an seinem Standort in Potsdam über kein eigenes Archiv. Für seine Arbeit ist es deshalb auf die Bestände des Bundesarchiv-Militärarchivs in Freiburg im Breisgau angewiesen, in dem es eine Außenstelle unterhält.

Einzelnachweise

  1. 5 Soll-Stellen A16, 10 Soll-Stellen A15 lt. Stellenplan 2005 in der Stellungnahme zum Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) des Wissenschaftsrates, S. 65
  2. Anfragen an das MGFA mit Kontaktadresse und Ansprechpartner

Weblinks


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