Argus As 10
Argus As 10 C
Kenndaten

Der Argus As 10 ist ein Flugmotor der Argus Motoren Gesellschaft aus den 1930er-Jahren.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Das Kurbelgehäuse des Motors bestand aus Elektronguss. Die vierfach gekröpfte Kurbelwelle war fünffach gelagert, je zwei Pleuel griffen in einen Hubzapfen ein. Da die rechte und linke Zylinderbank absolut symmetrisch ausgeführt waren, kamen je Hubzapfen ein Gabelpleuel und ein mittig darin greifendes Einzelpleuel zum Einsatz. Die Kolben wurden im Kokillengussverfahren hergestellt und trugen drei Kompressionsringe sowie einen Ölabstreifring. Die Zylinderköpfe bestanden aus Aluminiumguss und trugen je ein Ein- und ein Auslassventil.

Die stehend oben liegenden Ventile wurden mit einer zentralen, fünffach gelagerten Nockenwelle über Stößel und rollengelagerte Kipphebel gesteuert und komplett öldicht ausgeführt. Der Antrieb der Nockenwelle erfolgte über eine Stirnradverzahnung.

Als Vergaser kamen zwei Stück der Ausführung SUM 729a oder 730a zur Anwendung, die rückenflugtauglich waren. Die Trockensumpfumlaufschmierung war mit einer Druckpumpe und zwei Absaugpumpen ausgestattet und konnte um eine Ölpumpe für den Rückenflug erweitert werden. Zur Ölreinigung waren drei Grobfilter und ein Spaltfilter vorgesehen.

Die flugzeugübliche Doppelzündanlage mit zwei Zündmagneten der Firma Bosch wies eine zweistufige elektrische Verstellung des Zündzeitpunktes auf. Zum Starten wurde die Zündung auf „spät“ (Zündung nach Überwinden des oberen Totpunktes) gestellt, was bei Fehlzündungen ein Rückschlagen des Motors verhinderte. Nach dem Anlaufen wurde sofort auf Frühzündung umgeschaltet und der Motor durfte hochgedreht werden.

Angelassen wurde der Motor entweder über eine Handstarteinrichtung (Handkurbel) oder eine Druckluftstartanlage. Optional war auch ein Bosch-Anlasser für ein 24-V-Gleichstrom-Bordnetz lieferbar.

Heutige Bedeutung

Derzeit ist nur noch eine sehr geringe Anzahl von Argus-AS-10-Motoren im Einsatz. Es dürften weltweit wohl weniger als zehn Stück sein, wovon drei Stück in den noch fliegenden deutschen Bf 108 und zwei in flugfähigen Fieseler Storch eingesetzt werden. Wie viele potentiell restaurationsfähige Motoren noch in Museen oder in Privatbesitz lagern, ist nicht ermittelbar. Die wenigen erhaltenen Oldtimerflugzeuge mit einem originalen Argus-AS-10-Motor sind auf Flugschauen heute gerne gesehene Gäste.

Technische Daten As 10 C

  • V8-Zylinder hängend, 90° Zylinderwinkel, Otto-Viertakt, luftgekühlt
  • Verdichtungsverhältnis 6,9:1
  • Bohrung × Hub: 120 mm × 140 mm
  • Gesamthubraum: 12.667 cm³
  • Startleistung: (5 Min) 240 PS bei einer Drehzahl von 2000/min
  • Notleistung: (30 min) 220 PS bei einer Drehzahl von 1940/min
  • Reiseleistung: 200 PS bei einer Drehzahl von 1880/min
  • Zylinderleistung: 30 PS
  • Hubraumleistung: 18,95 PS/l
  • Leistungsgewicht: 0,89 kg/PS
  • Kolbenbelastung: 0,265 PS/cm³
  • Einbaugewicht: 232 kg
  • Kraftstoffverbrauch Ottokraftstoff (min. 78 Oktan) im Reiseflug: ca. 60 Liter/Stunde
  • Höchster Luftschraubendurchmesser: 2300 mm
  • Zündfolge: 1–5–4–8–7–2–6–3
  • Drehsinn der Kurbelwelle: rechts
  • Untersetzungsgetriebe: nein
  • Höchstzulässige Zylindertemperatur: 285 °C
  • Leerlaufdrehzahl: 350/min
  • Grenzdrehzahl für eine Minute gedrosselten Sturzflug: 2600/min

Technische Daten As 10 E

  • V8-Zylinder hängend, 90° Zylinderwinkel, Otto-Viertakt, luftgekühlt
  • Verdichtungsverhältnis 6,9:1
  • Bohrung × Hub: 120 mm × 140 mm
  • Gesamthubraum: 12.667 cm³
  • Maximalleistung: (1 Min) 270 PS bei einer Drehzahl von 2100/min
  • Startleistung: (5 Min) 240 PS bei einer Drehzahl von 2000/min
  • Notleistung: (30 min) 220 PS bei einer Drehzahl von 1940/min
  • Reiseleistung: 200 PS bei einer Drehzahl von 1880/min
  • Einbaugewicht: 232 kg
  • Kraftstoffverbrauch Ottokraftstoff (min. 78 Oktan) im Reiseflug: ca. 60 Liter/Stunde
  • Höchster Luftschraubendurchmesser: 2300 mm

Die Leistungssteigerung der E-Version gegenüber der C-Version wird durch einen größeren Luftdurchlassquerschnitt nebst einer größeren Bedüsung in den Vergasern erreicht.[1]

Technische Daten des As 10 C im Detail

  • Einbaumaße:
    • Länge, gr. (ohne Nabe): 1105 mm
    • Breite, gr.: 880 mm
    • Höhe, gr.: 718 mm
  • Kraftstoff:
    • Oktanzahl: mindestens 78
    • Kraftstoffdruck: 0,12 bis 0,2 at
  • Schmierstoff:
    • Sommer: Aeroshell Schwer / Stanavo 120 / Grünring
    • Winter: Aeroshell Schwer / Stanavo 100 / Rotring
    • Schmierstoffdruck: 3–6 at
    • Schmierstoffinhalt: 3,5 l
    • Eintrittstemperatur: bis 85 °C
    • Austrittstemperatur: 97 °C
    • Wärmeabfuhr 2500 kcal/h
  • Gewichte:
    • Trockengewicht: 213 kg
    • Einbaugewicht: 232 kg
  • Schwerpunkt des Motors:
    • hinter Luftschrauben Hinterkante: 545 mm
    • unter Kurbelwellenmitte: 128 mm
  • Schmierung:
    • Trockensumpf-Druckumlaufschmierung
      • eine Druckpumpe
      • zwei Absaugpumpen in einem Gehäuse
      • drei Siebgrobfilter
      • ein Spalt-Feinfilter
  • Anlasser:
    • rückschlagsichere, selbsttätig eingreifende Argus-Handdrehvorrichtung
    • Pressluft 20 bar oder elektrischer Bosch-Durchdrehanlasser
  • Kurbelgehäuse:
    • fünfteilig
    • aus vergütetem Elektronguss
    • durch doppelte Lagerwände besonders biegungs- und drehsteif ausgebildet
  • Kurbelwelle:
    • vierfach gekröpft, mit angeschraubten Gegengewichten
    • aus zäh vergütetem Sonderstahl im Gesenk geschmiedet und allseitig bearbeitet
    • fünf Kurbelwellenlager aus Bleibronze in Stahlschalen
  • Pleuel:
    • Gabel- und Mittelpleuelstangen mit H-Querschnitt
    • aus zäh vergütetem Sonderstahl im Gesenk geschmiedet und allseitig bearbeitet
    • Pleuellager aus Bleibronze in Stahlschalen
  • Kolben:
    • aus Aluminium-Sonderlegierung in Kokille gegossen
    • drei Kolbenringe
    • ein Schmierstoffabstreifring
    • schwimmend gelagerter Kolbenbolzen
  • Zylinder:
    • Laufbuchsen aus hart vergütetem Sonderstahl im Gesenk geschmiedet
    • Zylinderköpfe aus einer warmfesten Aluminiumlegierung gegossen
    • Auslassventile aus Sonderstahl
    • Einlassventile, Ventilführungen und Zündkerzensitze aus Bronze
  • Steuerung:
    • öldicht gekapselte Stoßstangensteuerung
    • rollengelagerte Kipphebel
    • Antrieb von der im Kurbelgehäuse fünffach gelagerten Nockenwelle
    • ein Einlass- und ein Auslassventil je Zylinder
    • Ventilschäfte durch Nitrieren gehärtet
    • Auslassventilträger mit Hartmetallauflage
  • Vergaser:
    • zwei SUM-Vergaser
    • Baumuster 729 und 730 mit Gemischregelung und Rückenflugeinrichtung
    • Gemischvorwärmung durch Abgase
  • Kraftstoffförderung:
    • eine mechanische JUMO-Kraftstoff-Doppelpumpe (Größe 2) mit selbsttätiger Druckregelung
  • Zündung:
    • zwei Bosch-Zündmagnete mit elektrischer zweistufiger Verstellung des Zündzeitpunktes und Schnappkupplung
    • zwei Zündkerzen je Zylinder, Gewinde M12 × 1,25
    • Entstörung der gesamten Zündanlage
  • Kühlung:
    • Luftkühlung mit besonderer Kühlluftführung
    • Kühlluftführung durch das teils doppelwandige Kurbelwellengehäuse durch Kühlluftkanäle unterhalb der Kurbelwellenlagerschalen
  • Luftschraubennabe:
    • Rupp-Anflanschnabe für Festpropeller oder typspezifische Nabe für verstellbare Luftschraube
  • Hilfsantriebe:
    • zwei freie Antriebe mit Flanschanschluss am hinteren Deckel zum beliebigen Anbau von:
      • Stromerzeuger
      • MG-Steuerung
      • Rückenflug-Schmierstoffpumpe
      • Öl- oder Luftverdichter

Siehe auch

Verwendung

Literatur

  • Bedienungsanleitung Argus As 10 C, Baureihe 3, (1937)
  • Werksprospekt Messerschmitt AG (französische Sprache, gedruckt in Deutschland, 1939)
  • Flugzeug Typenbuch – Handbuch der Deutschen Luftfahrt- und Zubehör-Industrie, Jahrgang 1939/40

Weblinks

 Commons: Argus As 10 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Handbuch ARGUS Flugmotor AS 10 C Baureihe 3, 2. Auflage mit nachträglich eingefügten Beiblättern zum Vergleich der Änderungen AS 10 C zu AS 10 E, Berlin 1937

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