Mutig-Preis

Mutig-Preis
Aschaffenburger Schloss (Standort des Schwedenkönigs) mit Kapuzinerkloster (kleines Türmchen links)

Der Aschaffenburger Mutig-Preis ist ein zweijährlich jeweils regional und überregional verliehener Preis für Zivilcourage. Er versteht sich als „Bürgerpreis“, der nicht von einer Institution oder Organisation verliehen wird.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Inspiriert von der Geschichte des Kapuzinerpaters Bernhard,[1] der im Jahre 1631 die Stadt Aschaffenburg durch seinen mutigen Einsatz vor der Zerstörung gerettet haben soll, riefen Wolfgang Gärthe, Geschäftsführer der Euro-Schulen-Organisation in Stockstadt, und Harald Maidhof, Chef der Aschaffenburger Agentur für Arbeit, gemeinsam mit dem Guardian des Aschaffenburger Kapuzinerklosters Pater Felix Kraus

Gedenkstein für Pater Bernhard Trier, den mutigen Retter von Aschaffenburg

diese Auszeichnung ins Leben. Sie wollen damit zum Nachdenken anregen und Mut zur Zivilcourage machen. Die Preisträger erhalten neben den 500 € Preisgeld eine Urkunde und einen silbernen Teller, der sich auf die Legende von Pater Bernhard bezieht.

Die Initiatoren äußerten zu ihrem Projekt: „Es gibt auch heute vielfältige Beispiele von Menschen die Mut beweisen“ (Harald Maidhof). „Manchmal entscheidet ein Augenblick darüber, ob man mutig ist oder nicht.“(Wolfgang Gärthe)....“das Bewusstsein stärken und eine Tat auszeichnen, die dem Allgemeinwohl dient“' (Pater Felix Kraus). [2] In der Jury sitzen Vertreter aus Wirtschaft, Medien und Kirche, die Kosten für die Übergabe und das Preisgeld werden aus Spendengeldern finanziert.

Schlüsselübergabe an den König Gustav II. Adolf von Schweden

Kriterium

Kriterium für eine Nominierung kann eine Tat oder eine mündliche oder schriftliche Äußerung sein, die laut Initiatoren mehr als Selbstverständlichkeit ist und die die allgemeinen Gepflogenheiten übertrifft. Die Tat soll nicht zum unmittelbaren persönlichen Vorteil unternommen worden sein, und sie soll zum Nacheifern motivieren. [3] Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen, einmal überregional und einmal für Ereignisse in der Region.

Preisträger

Bisherige Preisträger waren:

  • 2004:
    • Vytautas Landsbergis, ehemaliger litauischer Staatspräsident, war der erste Ausgezeichnete. Landsbergis habe an der Spitze der Vorbereitung und Umsetzung des Unabhängigkeitsprozesses in Litauen gestanden; gemeinsam mit anderen habe er sichergestellt, dieses Ziel zu erreichen, dafür sei die Übernahme von persönlichem Risiko und unklarem Ausgang Voraussetzung gewesen. Die Auszeichnung sei auch eine Anerkennung der vielen Menschen Litauens, die sich mutig am Unabhängigkeitsprozess beteiligt haben. (Gärthe)[4] Friedrich Magirius, Superintendent (1982-1995) an der Leipziger Nicolaikirche war Laudator.
    • Michael Allig war der erste regionale Preisträger, dem am 27. November 2004 der Mutig-Preis verliehen wurde. Der damals 23-jährige Aschaffenburger sah nicht weg, als am 1. Mai 2003 vor einer Diskothek in Niedernberg ein Mann seine Freundin brutal zusammenschlug. Er versuchte ihr zu helfen und ging dazwischen um sie zu schützen. Dabei wurden ihm von einem Freund des Schlägers aus dem Hinterhalt mit einer Rasierklinge schwere Verletzungen zugefügt, die ihm fast sein Leben kosteten. [5]
  • 2006:
    • Franjo Komarica, Bischof aus Banja Luka, war Preisträger im Jahre 2006. Er habe während des Krieges allen Bedürftigen – Katholiken, Muslimen und Serben – mit der von ihm aufgebauten Caritas humanitär geholfen. Trotz größter Gefahr für Leib und Leben sei er in Banja Luka geblieben, „weil er wusste, dass er für viele Menschen die einzige moralische Stütze ist".(Jury)[6]
    • Mit ihm ausgezeichnet wurde der Miltenberger Stadtpfarrer Ulrich Boom, seit 8. Dezember 2008 Weihbischof der Diözese Würzburg. Ulrich Boom habe „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort ein positives Zeichen gesetzt“. Mit einem 20-minütigen Geläute seiner Stadtpfarrkirche St. Jakobus hat er eine Demonstration der Nachwuchsorganisation der NPD gesprengt. Dem Geistlichen sei es darum gegangen, „Verblendung und Verirrung umzuwandeln in Innehalten und Nachdenken (Jury).[7]Es wurde erwogen, dies mit einer Geldbuße wegen Verstoßes gegen die Versammlungsfreiheit zu ahnden, das Verfahren wurde aber ohne Auflagen eingestellt. Der Spiegel und der Berliner Tagesspiegel tauften Boom den „Glöckner vom Untermain“; sogar Radio Vatikan erwähnte den Mutigpreis.
  • 2008:
    • Den Mutig-Preis 2008 erhielt die 32-jährige gebürtige Somalierin Jawahir Cumar. Sie kämpft seit 1996 mit ihrem Verein „STOP Mutilation“ gegen die Beschneidung von Mädchen in Europa und Afrika. Sie selbst hat die Beschneidung als junges Mädchen in Somalia erfahren. Im Alter von elf Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland.[8]
    • Mit dem regionalen Preis 2008 wurden Marcus Diller und Axel Dehler ausgezeichnet. Sie sorgten dafür, dass im August 2004 ein Straftäter in der Aschaffenburger Fußgängerzone festgenommen werden konnte. Der 43-Jährige trat aus „persönlicher Frustration“ den Außenspiegel eines Autos ab. Passant Diller stellte ihn zu Rede, wobei er daraufhin angegriffen und mit Fausthieben ins Gesicht verletzt wurde. Die übrigen Passanten sahen zu; der hinzugekommene Dehler rief mit seinem Handy die Polizei. Sie verfolgten den flüchtenden Täter und stellten ihn; dieser wurde später zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.[9]
  • 2010:
    • Kurt Masur erhält 2010 den Mutig-Preis für sein friedliches Engagement bei der Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989. Seine Aufrufe über Lautsprecher hätten seinerzeit eine Eskalation verhindert.[10] Kurt Masur mit Ehefrau Tomoko Sakurai aus New York angereist, im Gespräch mit jungen Leuten. „Ich bin ehrlich, dazu gehört Mut" und weiter, „Ich habe mich auch nicht mit wehender Fahne an die Spitze eines Zuges gestellt, sondern auf meine Art das unterstützt, was die Menschen wollten." Zum Mutig-Preis: Er selbst verstehe ihn als Ehrung dafür, dass er geholfen hat, die Katastrophe zu verhindern.[11] Laudator Wolfgang Tiefensee, Ex-Oberbürgermeister von Leipzig und Bundesverkehrsminister a.D.: Masurs Name sei „untrennbar mit dem Begriff der friedlichen Revolution verbunden".[12]
    • Regionale Preisträger wurden Moein Ramezani aus Aschaffenburg und Marc Kohlert aus Haibach, die einen schweren Fall von Kindesmisshandlung aufdeckten und zur Anzeige brachten. Den beiden Elektromarktverkäufer fiel ein apathischer zweijähriger Junge auf, der wie sich später herausstellte, vom Lebensgefährten der Mutter mehrfach verprügelt und misshandelt wurde.

Literatur

  • Himmlischer Lärm. In: Der Spiegel. Nr. 49, 2006 (online).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Schwedenkönig Gustav Adolf in Aschaffenburg – „Historiker haben berichtet, dass Gustav II. Adolf einige Male in Aschaffenburg war und von den Honoratioren der Stadt gebührend empfangen wurde“
  2. Main-Echo Nr.164 vom 16. Juli 2004
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr.1 71 vom 26.Juli 2004
  4. Main-Echo Nr. 179 vom 3. August 2004
  5. Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 279 vom 29.November 2004
  6. Main-Echo Nr. 120 vom 25. Mai 2006
  7. Main-Echo Nr. 273 vom 27. November 2006
  8. Main-Echo Nr. 272 vom 22. November 2008
  9. Main-Echo Nr. 273 vom 24. November 2008
  10. „Masur erhält Mutig-Preis“. In: BR-online, 8. März 2010, abgerufen am 14. Oktober 2010
  11. Main-Echo Nr. 252 vom 30./31. Oktober/1. November 2010
  12. Main-Echo Nr. 253 vom 2. November 2010

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