Drei


Drei

Drei, die erste ungerade Zahl nach der Einheit und die erste ungerade Primzahl. Die Dreizahl (Trias) ist die erste, mit der die Vorstellung einer wirklichen Menge verknüpft ist, sie galt daher von jeher für eine vorzugsweise heilige Zahl, der man in der körperlichen wie in der geistigen Welt eine hohe Bedeutung und einen geheimen Zauber beilegte. Daß schon den Hebräern die dreimalige Wiederholung einer Handlung bedeutungsvoll war, bezeugen biblische Stellen. Noah hatte drei Söhne, von denen die Dreiteilung der Völker ausging. Der Grieche teilte dem Hellen, der Germane dem Thuiskon drei Söhne zu. Auch den Pythagoreern galt die Dreizahl (Trias) als die vollkommenste, denn sie sahen in ihr als der Vereinigung der Monas (Einheit) und Dyas (Zweiheit) die erste Verbindung der von ihnen angenommenen Grundprinzipien aller Dinge. Ebenso legte Aristoteles der Trias eine besondere Bedeutung bei, indem er alles aus Anfang, Mitte und Ende bestehen läßt. Noch heute stuft man Klassen, Ämter, Orden, Titel gern in drei Grade ab, wie Lehrling, Geselle und Meister, oder zerlegt Symbole in drei Glieder, wie Glaube, Liebe, Hoffnung. Der Dreifuß war bei den Griechen das Attribut des orakelgebenden Gottes, das Dreieck bei den Indern das des Krischna, bei den Ägyptern das Symbol der Inkarnation des Osiris und des Apis, bei den Persern das der Fruchtbarkeit des Mithras. Im altindischen Brahmanismus finden wir die Trias als Brahma (Weltschöpfer), Vischnu (Erhalter und Beschützer) und Siwa (Zerstörer des Weltalls). Auch die überwiegende Mehrheit der christlichen Bekenntnisse zählt die Dreieinigkeit Gottes zu ihren Grundlehren (s. Trinität), und selbst in neuern philosophischen Systemen (bei Fichte, Hegel etc.) spielt die geheimnisvolle Dreizahl eine Rolle. Für ihre Bedeutung bei den Alten sprechen sonst noch zahlreiche Umstände. Es gab drei Parzen, drei Horen und anfangs drei, später dreimal drei Musen. Die Römer hatten dreierlei kurulische Würden, dreierlei Bänke des Senats und zuletzt auch dreierlei Stände. Schon Romulus zählte drei Tribus, und wenn die Triumvirate, die den Sturz der Republik zur Folge hatten, auch zufällig gewesen sein mögen, so vertraute man in Rom wichtige Aufgaben doch meist drei Männern (Triumvirn) an. Das dreimalige Aufgebot vor christlichen Eheschließungen, das dreimal ige Läuten vor dem Gottesdienst, das dreimalige Ausschreiben bei gerichtlichen Verhandlungen, der dreimalige Ausruf bei Versteigerungen, das dreimalige Lebehoch u.a. erinnern daran, daß auch die Gegenwart der Zahl D. wenigstens gewohnheitsmäßig noch eine besondere Bedeutung beimißt. Vgl. Bartholomäi, Zehn Vorlesungen über Philosophie der Mathematik (Jena 1860). – Auch in der Logik tritt die Dreizahl bedeutsam auf. Sie zählt drei Funktionen des Verstandes: Begriffs-, Urteils- und Schlußbildung, und leitet bei der letztern aus zwei gegebenen Urteilen das dritte ab, sowie sie zu der Thesis und Antithesis als die Verbindung von beiden noch die Synthesis hinzufügt. Die Grammatik führt drei Geschlechts- und Zahlformen, dreierlei Casus obliqui und Steigerungsgrade, dreierlei Personen und Zeiten auf.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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