Berlin [1]


Berlin [1]

Berlin, Stadt in der preußischen Provinz Brandenburg, Hauptstadt der preußischen Monarchie, Residenz des Königs u. Sitz der höchsten Staatsbehörden, liegt in einer sandigen Ebene, auf einem zum großen Theile von Infusionsthierschalen gebildeten Grunde zu beiden Seiten der Spree u. ihres Nebenarmes, durchschnitten von der Panke, welche unweit der Weidendammerbrücke in die Spree fällt, u. verschiedenen Kanälen, dem Kupfergraben, Königsgraben, Grünen Graben, u. im Süden begrenzt vom Landwehrgraben (ehedem Schafgraben). Die innere Stadt ist von einer 16 Fuß hohen, nicht ganz 2 Meilen im Umfang habenden Mauer umschlossen, u. bildet ein ungleichseitiges Viereck, dessen Längendiagonale ungefähr mit der Spree zusammenfällt u. 3/4 Meile beträgt, während die kleinere Diagonale, vom Hallischen zum Königsthore, etwa 1/2 Meile lang ist. Der ganze Flächenraum hält 6017 Magdeburger Morgen. Außerdem gehören noch zum Territorium der Stadt, welches ungefähr 1 QM. groß ist, die außerhalb der Ringmauern neuentstandenen Bahnhöfe, Kasernen u. Privathäuser. Diese eingerechnet hat B. über 12,000 bebaute Grundstücke u. mit Einschluß des 15,100 M. starken Militärs 460,000 Einwohner, darunter etwa 6000 Abkömmlinge der französischen Colonie, 1000 böhmischer Abkunft, 13,000 Israeliten, 5000 Separatisten u. Dissidenten, 18,000 Katholiken u. 415,000 unirte Protestanten, wenige Griechen u. Mennoniten.

I. Die Stadtheile B-s: a) Berlin, der innere Kern am rechten Ufer der Spree; b) Köln zwischen den beiden Hauptarmen der Spree, das wieder in Alt-Köln, den nördlichen u. Neu-Köln, den südlichen Theil zerfällt; c) Friedrichswerder, noch westlicher am linken Spreeufer mit Neu-Köln, von dem ehemaligen Festungsgraben umschlossen; d) (Neu-) Dorotheenstadt, so von der Kurfürstin Dorothea genannt, welche 1673 diesen schönsten Theil Berlins, vom Opernhaus bis zum Brandenburger Tbor, bebauen ließ, liegt westlich von den Vorigen; links u. südlich von der Spree; e) Friedrichstadt, größer als vorige, südlich von derselben u. westlich von Friedrichswerder, völlig regulär gebaut. Diese Städte sind noch umgeben von den ehemaligen Vorstädten: f) der Friedrich-Wilhelmsstadt, nördlich der Dorotheenstadt (früher Theil des folgenden); g) dem Spandauer Viertel, nördlich von Alt-B. u. der Dorotheenstadt; h) der Königsstadt, östlich von dem eigentlichen B.; i) dem Stralauer Viertel, südöstlich von der Königsstadt; sämmtlich am rechten Spreeufer; k) der Luisenstadt (sonst Köpnicker Viertel), südlich von Alt-B. u. östlich der Friedrichsstadt. Auf dem linken Spreeufer lagen 1840 innerhalb der Ringmauer noch große unbebaute Strecken, welche inzwischen zu einem eigenen Stadtviertel, l) Köpnicker Viertel, angewachsen sind. Eine eigentliche Vorstadt ist nur m) die Rosenthaler Vorstadt (Voigtland), nördlich des Spandauer Viertels, jenseits des Rosenthaler u. Oranienburger Thors, ehedem von armen Voigtländischen Handarbeitern colonisirt, jetzt Hauptsitz der Berliner Gewerbthätigkeit. Alle übrigen außerhalb der Ringmauer gelegenen Häuser u. Straßen sind zu den zunächst gelegenen Stadtvierteln zugezogen. Ehedem bildeten die 2 erstgenannten Stadttheile eigene Städte mit besonderen Magistraten u. die übrigen Stadttheile waren Vorstädte derselben. Jetzt sind alle Theile unter Einem Magistrat mit einem Oberbürgermeister u. eigenen Stadtverordneten vereinigt, u. in 21 Stadtbezirke getheilt.

II. Thore u. Brücken. Die Umfassungsmauer wird durch 18 Thore od. Ausgänge unterbrochen, von denen das schönste, das Brandenburger Thor, am Ausgange der Linden steht; es ist 1789–1793 von Langhans nach den Propyläen der Akropolis zu Athen in Form einer Colonade, mit 12 dorischen Säulen aus Sandstein, erbaut, 196 Fuß breit, 60 Fuß hoch u. mit der von Schadow modellirten, 20 Fuß hohen kupfernen Gruppe der Victoria, welche 4 Pferde leitet u. einen Stab mit dem umkränzten eisernen Kreuz in der Hand hält, geschmückt. (Diese Gruppe wurde von den Franzosen 1807 nach Paris geführt u. 1813 im Triumph von da zurückgebracht). Über die Spree führen da, wo sie in die Umfassungsmauer von B. ein- u. austritt, 2 Brücken (bei denen zugleich Wasserthore sind), nämlich der Ober- u. der Unterbaum. Außerdem führen eine große Anzahl öffentliche u. auch Privatbrücken über die Arme der Spree; unter diesen sind merkwürdig: die Kurfürsten- od. Lange Brücke, von der Königstadt nach dem Schloßplatz führend 1690–95 aus Pirnaischen Quadersteinen erbaut[621] auf dem mittleren Brückenpfeiler steht das eherne Reiterstandbild des Großen Kurfürsten (1703 von Schlüter modellirt, 300 Centner schwer, mit 4 gefesselten Sklavenstatuen zu feinen Füßen); die Schloßbrücke, von Schinkel 1822 erbaut, führt vom Lustgarten nach dem Opernplatz, ist 104 Fuß breit u. mit 8 Marmorgruppen von je 8 Fuß Höhe, die Laufbahn des Kriegers in mythologisch-allegorischer Weise darstellend, verziert. Die Gruppen sind nach Schinkels Idee von den Berliner Bildhauern Emil Wolf, Schievelbein, Möller, Wichmann, Alb. Wolf, Drake, Blaeser u. Wredow ausgeführt. Die Herculesbrücke, das Stadtviertel Berlin mit dem Spandauer Viertel verbindend, 1792 von Langhans aus Stein gebaut, mit 2 Sandsteingruppen nach Schadows Entwurf den Kampf des Hercules mit dem Nemeischen Löwen u. einem Centauren darstellend. Die Neue Friedrichsbrücke, von dem Lustgarten nach der Neuen Friedrichsstraße, über den Hauptarm der Spree führend. Die Durchfahrt durch die königlichen Mühlen, welche denselben Spreearm oberhalb der Kurfürstenbrücke überbrücken u. burgähnlich nach einem Entwurf von Persius, ganz aus Stein u. Eisen im englisch-normännischen Styl erbaut sind.

III. Straßen, Plätze u. Denkmäler. Von Plätzen im älteren Theile von B. zeichnet sich der Schloßplatz, von wo über die lange Brücke die Königsstraße durch Alt-B. beginnt, durch Stattlichkeit aus; großartiger aber ist der vom Schloß, der Domkirche, dem Museum u. Zeughaus umschlossene, mit Bäumen u. Bowlinggreens geschmückte, in der Mitte mit einem Springbrunnen versehene Lustgarten, wo vor dem Museum die 22 Fuß im Durchmesser haltende, 1500 Centner wiegende Granitschale seit 1827 aufgestellt ist. Von da eröffnet sich über die Schloßbrücke, den Platz am Zeughaus u. den Platz am Opernhaus einer der großartigsten Prospecte nach den Linden, einer mit 4 Reihen Lindenbäumen besetzten Straße, welche, 250 Ruthen lang u. 14 Ruthen breit, nach dem Brandenburger Thor führt, einen Spaziergang für Fußgänger in der Mitte u. 2 Wege für Reiter u. Wagen zur Seite enthält u. mit dem 4eckigen Pariser Platz (sonst Viereck) endigt. Diesen Prospect machen die prächtigsten Gebäude zu einem der schönsten der Welt. Er ist mit ausgezeichneten Monumenten geziert: zwischen dem Opernhause u. dem königlichen Palais steht das 1826 errichtete, von Rauch modellirte eherne Standbild des Fürsten Blücher, 24 Fuß hoch, mit entsprechenden, von Schinkel entworfenen Basreliefs am Fußgestelle; diesem rechts u. links zur Seite die ebenfalls von Rauch modellirten Standbilder York's u. Gneisenau's u. ihnen gegenüber, neben der Königswache, die marmornen Statuen Scharnhorst's u. Bülow's, gleichfalls von Rauch, so wie zwischen der Königswache u. dem Zeughause, von einem Gitter umschlossen, die aus Lübeck nach Frankfurt entführte, von dort hierher gebrachte Riesenkanone u. 2 in la Fere zur Beschießung von Cadix gegossene, von den Preußen eroberte große Mörser. An dem Eingang der Linden, zwischen dem Palais des Prinzen von Preußen u. der Akademie, erhebt sich die broncene Reiterstatue Friedrichs d. Gr., zu der am 1. Juni 1840, wo Friedrich vor hundert Jahren die Regierung antrat, der Grund gelegt wurde. Diese, am 31. Mai 1851 enthüllt ist ebenfalls ein Werk Rauchs. Die ganze Höhe beträgt 43 Fuß, die der Figur des Königs zu Pferde, auf dem Kopf den dreieckigen Hut, in der Rechten den Krückstock tragend u. mit einem Hermelinmantel bekleidet, 18 Fuß; zu dem Ganzen sind 880 Centner Metall verwendet. Das Piedestal besteht aus 4 Absätzen. Der untere ist ein Granitsockel. Auf diesem ruht der untere Theil des Broncegusses, die Gedächtnißtafeln von 60 lerühmten Zeitgenossen des Königs u. die Inschrift: Friedrich dem Großen Friedrich Wilhelm III. 1840, vollendet unter Friedrich Wilhelm IV. 1851, enthaltend. Darüber erhebt sich der 3. Absatz, an dessen 4 Ecken die Reiterstatuen des Prinzen Heinrich, des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, der Generale Seydlitz u. Ziethen vorspringen. Die dazwischen liegenden Seiten des Absatzes sind mit Reliefs geschmückt, welche Scenen von historischem u. allegorischem Charakter, alle mit Bezug auf die Thaten des Königs u. die kriegerischen u. culturgeschichtlichen Momente seiner Zeit, darstellen. Die 4 abgestumpften Ecken des obersten Absatzes zieren 4 weibliche Figuren, die Cardinaltugenden, Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit u. Mäßigung, darstellend Die Reliefs der Seitenflächen geben in Allegorien die Geburt Friedrichs d. Gr., den Unterricht des Knaben in der Geschichte, die Weibe des Jünglings zum Krieger durch Pallas, die ihm das Schwert überreicht, den König nach der Schlacht bei Kollin als Feldherr, dann als Freund u. Schützer der Künste u. des Gewerbfleißes, endlich auf der Hinterseite eine Apotheose Friedrichs, wie er von einem Adler zum Himmel getragen wird. Völlig parallel mit den Linden laufen nördlich 3 u. südlich 13 breite u. schnurgerade Straßen, von denen die Behrenstraße die breiteste, die Leipziger Straße aber, welche mit dem Leipziger Platz (sonst Achteck, am Potsdamer Thore in der Nähe des Bahnhofs) beginnt u. neben dem Dönhofischen Platz über die in Form eines mit Säulengängen versehenen Rondels über den alten Festungsgraben weggebaute Spittelbrücke weg nach dem kleinen Spittelmarkte führt, die längste u. belebteste ist. Alle diese Straßen werden von der breiten, schnurgeraden, vom Hallischen nach dem Oranienburger Thore, von Süden nach Norden laufenden, 4250 Schritt (2/3 Ml.) langen Friedrichsstraße, welcher die Charlotten- u. Markgrafenstraße parallel laufen, rechtwinkelig durchschnitten; zwischen beiden letzteren, der Leipziger u. Französischen Straße liegt der Gensd'armenmarkt, ein großer, völlig regulärer Platz, welchen das Schauspielhaus u. symmetrisch daneben stehend, die Französische u. Neue Kirche zieren. Die Friedrichsstraße mündet südlich aus in den kreisrunden Belle-Alliance-Platz (sonst Rondel). In der Mitte desselben erhebt sich die Friedenssäule von Granit auf einem Piedestal von grauem Marmor, welches in Form eines Brunnens von einem granitnen Bassin umgeben ist. Auf dem Säulencapitäl von weißem Marmor steht in schwebender Haltung eine geflügelte Victoria von Bronce, modellirt von Rauch. Dort beginnt auch rechts die nordöstlich bis zum Dönhofischen Platz gerade laufende Lindenstraße u. die 3750 Schritt lange, schnurgerade Wilhelmsstraße, die nordwestlich nach den Linden führt u. vom Wilhelmsplatze an fast nur von den Hotels hoher Staatsbeamter u. Prinzen eingefaßt wird. Auf dem mit Gartenanlagen geschmückten [622] Wilhelmsplatze stehen die auf Friedrichs d. Gr. Befehl von Adam, Michael Renz u. Tassart gearbeiteten marmornen Statuen Schwerins, Winterfelds, Seidlitzs u. Keiths, neben diesen die Statuen des Fürsten Leopold v. Dessau u. des Husarengenerals Ziethen, beide von Schadow ausgeführt. Auf der anderen Seite der Linden setzt sich die Wilhelmsstraße als Neue Wilhelmsstraße mittelst eines Bogens unter einem Hause zwischen Colonnaden nach der Spree fort, die sie mittelst der Marschallsbrücke überschreitet, von dort an den Namen Luisenstraße führend u. an dem 4eckigen Luisenplatz, von wo die Straße durch das Neue Thor nach dem Hamburger Bahnhofe führt, endigend. Von der Wilhelmsstraße, zwischen dem Belleallianceplatz u. der Leipziger Straße in der Mitte, führt die auf der einen Seite von schönen Häusern, auf der anderen vom Garten des Prinzen Albrecht begrenzte Anhaltsche Straße nach dem Anhaltschen Bahnhofe. Von den mit der Friedrichsstraße parallel laufenden Straßen ist noch die Jerusalemer Straße zu erwähnen, welche von dem Hausvogteiplatz ausgehend an dem Dönhofsplatz vorüberführt u. in der Lindenstraße ausmündet. Die schönsten Privatgebäude finden sich in den vor dem Potsdamer Thore gelegenen neuen Stadttheilen: Potsdamer Straße, Lennéstraße, Thiergartenstraße, Karlsbad etc. In der Luisenstadt sind bemerkenswerth die Köpnicker Straße, welche nach dem Schlesischen, die Dresdener Straße, welche nach dem Kottbuser Thore u. von dort nach der Hasenhaide führt. Die Luisenstadt ist mit dem Stralauer Viertel durch 3 Brücken über die Spree verbunden. Die mittlere führt nach dem Stralauer Platze, in dessen Nähe der Frankfurter Bahnhof liegt. Die Hauptstraßen der Königsstadt sind die Landsberger u. die Neue Königsstraße, beide vom Alexanderplatz ausgehend, wo vom Innern der Stadt kommend die frequenteste aller Straßen, die Königsstraße, mit der Königsbrücke mündet. Die Hauptplätze der Spandauer Vorstadt sind nahe zusammenliegend der Haaksche Markt u. der Montbijouplatz, von wo aus die Rosenthaler u. die Oranienburger Straße beide nach den gleichnamigen Thoren führen. Von den Plätzen im Innern der Stadt sind noch merkwürdig der Werdersche Markt, an dem die Werdersche Kirche, u. der Platz an der Bauakademie, wo das Beuthdenkmal errichtet werden soll. Sämmtliche Straßen u. öffentliche Plätze der Stadt, mit Ausnahme weniger, erst vor Kurzem neubebauter Strecken, werden durch Gas erleuchtet, welches in den städtischen Gasanstalten am Stralauer Platze u. am Hellwege bereitet wird. Privatleute beziehen ihre Gasbeleuchtung theils von der städtischen Anstalt, theils von der seit 1825 bestehenden Continental-Gas-Association, deren Gasanstalten sich am Hellwege u. in der Holzmarktstraße befinden. Das Straßenreinigungs- u. Feuerlöschwesen, beide unter einer Verwaltung stehend u. von gemeinsamen Arbeitskräften betrieben, ist vortrefflich organisirt u. durch die seit 1855 in Thätigkeit gesetzte Wasserleitung zu einer hohen Stufe der Vollkommenheit gebracht. Die Feuerwehr, seit 1851 errichtet, besteht aus etwa 600 Mann. Die 23 Feuerwachen, welche in den 5 Brandinspectionen der Stadt gleichmäßig vertheilt sind, stehen mit der Hauptfeuerwache an der Breiten Straße durch einen elektrischen Telegraphen in Verbindung u. sind so eingerichtet, daß binnen 5 Minuten nach der geschehenen Anzeige eine genügende Anzahl Spritzen auf der Brandstätte concentrirt werden können. Die Wasserleitung, deren Druck- u. Pumpwerk mit 12 Dampfkesseln sich vor dem Stralauer Thore befindet, dient theils zum Reinigen der Abzugskanäle, theils zur Speisung der Spritzenschläuche bei Feuersgefahr, theils zum Besprengen der Straßen im Sommer u. theils endlich zum Privatgebrauch. Zur Regulirung des Plakatenwesens sind in allen frequenteren Stadttheilen runde, 12 Fuß hohe Anschlagesäulen aufgestellt. Zur bequemeren Communication innerhalb der Stadt dienen eine Anzahl Omnibus, welche regelmäßig auf bestimmten Wegestrecken hin- u. herfahren, u. über 1200 Droschken. Unter diesen befinden sich auch sogenannte Wegemesser, bei denen sich das Fahrgeld nach der Anzahl der Radumdrehungen richtet, die letztere aber durch ein Uhrwerk im Wagen auf einem Zifferblatte angezeigt wird. Eine Stadtpost, welche Bureaus in den verschiedenen Stadtvierteln besitzt u. in allen Hauptstraßen Briefkästen angebracht hat, sorgt für die Beförderung der Briefe innerhalb des Weichbildes. Außer den bei Erwähnung der merkwürdigen Straßen u. Plätze genannten Denkmälern befinden sich noch außerhalb der Ringmauern: das 1821 enthüllte Nationaldenkmal der Kriege gegen Frankreich 1813–1815, auf dem Kreuz- (Tempelhofer) Berge vor dem Hallischen Thore. Es ist 61 Fuß hoch, nach Schinkels Entwurf aus Eisen stückweis gegossen u. dann zusammengesetzt, besteht aus einer gothischen Spitzsäule mit 12 Kapellen, in denen die 12 Hauptschlachten aus den Kriegen 1813–15 als Genien nach Modellen von Rauch, Tieck u. Wichmann dargestellt sind, erhebt sich auf einem Sockel von mehreren Stufen u. ist von einem eisernen Gitter umgeben. Das National-Krieger-Denkmal, eingeweiht 1854, im Garten des Invalidenhauses vor dem Neuen Thore, in der Nähe des Hamburger Bahnhofes, dem Andenken der im Jahre 1848 u. 1849 gefallenen Soldaten gewidmet, ist eine 118 Fuß hohe Säule, innerhalb mit einer Wendeltreppe versehen, welche zu dem auf dem Capitäl derselben befindlichen 251/2 F. breiten fliegenden Adler führt. Das Capitäl ist mit einer Gallerie versehen. Das Denkmal ist von drei Seiten von einer Granitmauer umgeben, in welche 38 Marmortafeln mit den Namen der gefallenen Soldaten eingelassen sind. Marmorbild Friedrich Wilhelms III. von Drake, im Thiergarten vor der Stadt errichtet. Das Relief, welches das runde Piedestal umgiebt, bezieht sich auf den Charakter des Königs als Freund u. Beförderer des Familienglückes u. unschuldiger Naturfreuden.

IV. Kirchen. Kirchen zählt B. 40, darunter: die Nikolaikirche, mit einem Grabmal Pufendorfs, die älteste, 1223 geweiht, 1817 im Innern restaurirt, an der äußeren Kirchenmauer die Denkmäler Speners u. Spaldings; die Marienkirche, mit dem Grabe des Dichters Kanitz u. einer von Schlüter 1703 aus Alabaster erbauten Kanzel; die Garnisonkirche; die Graue-Klosterkirche, mit dem Grabmal Ludwigs des Römers; die Parochialkirche, mit Glockenspiel, sämmtlich in Alt-B.; die Domkirche im Lustgarten beim Schlosse, mit Begräbniß des Grossen Kurfürsten u. Friedrichs I., Bildsäulen[623] der Kurfürsten Johann Cicero u. Joachim I., marmornem Taufstein von Rauch, Altarblatt von Begas; die Werdersche Kirche auf dem Friedrichswerder, neu, nach Schinkels Angabe ganz von Ziegeln im altdeutschen Styl gebaut u. mit Altargemälden von Begas u. W. Schadow, mit einem St. Georg über dem Haupteingange von gebranntem Thon nach einem Modell von Tieck; in der Friedrichsstadt befinden sich die Katholische Kirche St. Hedwig, eine nach dem Muster der Maria Rotonda zu Rom gebaute Rotunde, innen von 24 korinthischen Säulen getragen; das mit 6 römischen Säulen geschmückte Portal u. die Gruppe Christus u. Maria am Hochaltare, ließ der Cardinal Quirini auf seine Kosten errichten; die Dorotheenstädtsche Kirche, mit den Denkmälern Lamberts u. des Grafen von Mark, natürlichen Sohnes Friedrich Wilhelms II., von Schadow; die Französische u. Neue Kirche, beide auf dem Gensdarmenmarkt sich einander gegenüber stehend. Die 225 F. hohen Thürme mit schlanken Kuppeln sind nach dem Muster der Kirche Maria del popolo zu Rom gebaut. Auf den Kuppeln stehen kupferne, vergoldete Figuren (15 F. hoch), die der erstern die triumphirende Religion, die der andern die siegende Tugend darstellend; die St. Petrikirche in Köln, seit 1852 an der Stelle, wo schon seit 1237 eine mehrere Male, zuletzt 1809 abgebrannte Kirche stand, nach einem Plane von Strack in Form eines griechischen Kreuzes erbaut, mit einem 307 F. hohen Thurme, dessen 107 F. hohe Spitze von Eisen ist, u. vier achteckigen Thürmen an den Ecken; die St. Marcuskirche in der Weberstraße, 1855 eingeweiht, nach Stülers Entwurf im Rundbogenstyl mit Kuppel ausgeführt; die Jerusalemer Kirche, die Dreifaltigkeitskirche u. m. a. Die Jüdische Synagoge wurde 1714 von Kemmater, die neue von Titz 1850 erbaut. Der Tempel der jüdischen Reformgemeinde ist 1854 nach dem Entwurf G. Stiers errichtet. Die Englische Kapelle befindet sich seit 1854 im Schlosse Montbijou.

V. Königliche Schlösser u. sonstige Paläste. Das Königliche Schloß in Köln, ein längliches Viereck, 1011/2 F. hoch. Der ursprüngliche, jetzt nicht mehr vorhandene Bau, wurde 1451 unter Kurfürst Friedrich II. begonnen u. 1538 durch Kurfürst Johann II. niedergerissen. Von dem dann von Kasp. Theis neu erbauten Schlosse ist an der Wasserseite noch ein Theil übrig. Das jetzige Schloß wurde erst unter König Friedrich I. 1600 von Schlüter begonnen, von Eosander v. Goethe fortgesetzt u. 1710 endlich von Böhm vollendet. Die Hauptfronte des Schlosses ist 276 rhein. F. lang u. hat ein nach dem Triumphbogen des Septimius Severus erbautes Portal. Über dieses wölbt sich die unter Friedrich Wilhelm IV. erbaute Schloßkuppel, welche die Decke der darunter befindlichen Schloßkapelle bildet. Die Seitenfronten nach dem Lustgarten u. dem Schloßplatz sind 430 F. lang u. von Portalen durchbrochen, welche nach den vier inneren Höfen führen. Von den 600 Zimmern des Schlosses sind bemerkungswerth der Rittersaal, der weiße Saal, das Wohnzimmer Friedrichs I. u. Friedrich Wilhelms II., das Kurfürstenzimmer, das Kroncabinet, die Brautkammer, das Schwarze-Adlerzimmer u. die Bildergallerie. Das Schloß ist Wohnung des Königs Friedrich Wilhelm IV. Das Königliche Palais auf dem Friedrichswerder, vom großen Kurfürsten aufgeführt, ursprünglich den Gouverneurs zur Wohnung bestimmt, dann von Friedrich II. als Kronprinz, später von Friedrich Wilhelm III. als Kronprinz u. König bewohnt, endlich von dem Prinzen Friedrich Wilhelm, einstigem Thronerben, bezogen, nachdem es um ein Stockwerk erhöht worden ist, ist durch einen über die Oberwallstraße gehenden Bogen mit dem ehemaligen Palais des Prinzen Louis (Prinzessinnenpalais) verbunden, welches letztere später Wohnung der Fürstin von Liegnitz wurde. Das Gartenschloß Montbijou, in dem Spandauer Viertel, an der Spree, mit Park umgeben, von Eosander v. Goethe in zwei getrennten Gebäuden erbaut u. von den Gemahlinnen Friedrich Wilhelms I. u. II., dann vom Herzog Karl von Mecklenburg (gegenwärtig vom Landgrafen von Hessen-Philippsthal, Prinzen Alexis Wilhelm Ernst u. dessen Gemahlin) bewohnt. Das Palais des Prinzen von Preußen, 1834–36 von Langhans gebaut; das Palais des Prinzen Karl in der Wilhelmsstraße, 1787 als Palais des Johanniterordens erbaut, 1828 von Schinkel umgeändert, mit Waffenhalle im unteren Stock; das Palais des Prinzen Albrecht, 1738 als Privathaus erbaut, von Friedrich II. seiner Schwester, der Prinzessin Amalie, zur Sommerwohnung bestimmt, seit 1810 Luisenstiftung, 1832 von Schinkel für den Prinzen Albrecht eingerichtet; das Palais des Prinzen Adalbert am Leipziger Platz, zugleich Admiralitätsgebäude; unter den Linden das des Prinzen Friedrich der Niederlande; im Thiergarten das Schloß Bellevue an der Spree, früher dem Prinzen Heinrich, dann dem Prinzen August von Preußen gehörig, gegenwärtig königlich, mit Park u. Bildergallerie.

VI. Militäretablissements besitzt B., als Hauptstadt Preußens, sehr viele. Das Zeughaus auf dem Friedrichswerder, wurde von Nehring begonnen, von de Bodt 1696 umgeschaffen u. 1706 vollendet; von Schlüter sind die in Stein gehauenen Masken sterbender Krieger im inneren Hof u. über der Hinterthür die der Reue, die Statuen des Mars u. der Bellona u. die übrigen kriegerischen Embleme über den Bogenfenstern u. auf dem Dache. Das Bauwerk bildet ein Quadrat, jede Seite 290 Fuß lang mit 3 Portalen. In den um das ganze Viereck herumlaufenden hohen u. sehr breiten Gallerien sind Gewehre aus neuerer Zeit symmetrisch geordnet u. eine reiche Sammlung alter Waffen, so wie eine andere von Modellen zu Kriegsmaschinen befindlich; die Wände sind mit französischen Fahnen aus der Revolutionszeit geziert; das untere Stockwerk enthält Geschütze, auch eine Sammlung von alten Geschützen aus der frühesten Zeit bis jetzt. Neben ihm steht die Königswache, 1819 von Schlakel in Form eines römischen Castrums gebaut; über die Statuen daneben, s. oben III.; das Kriegsministerium in der Leipziger Straße; das Invalidenhaus vor dem Neuen Thore an der Panke, 1748 für 600 Mann eingerichtet, aus 2 palastähnlichen Vierecken, die durch ein Mittelgebäude verbunden sind, bestehend; auf dem Kirchhof daneben das Denkmal Scharnhorsts; mehrere Artillerieetablissements in der Jungfernhaide vor dem Unterbaum, sehr viel Kasernen, Exercirhäuser, Reitbahnen, das Gießhaus, Festungsmodellhaus, Admiralität etc. Außer dem Kriegsministerium u. seinem Zubehör (Militärökonomiedepartement, Abtheilung für Invalidenwesen,[624] desgleichen für Remonteaugelegenheiten, Generalauditoriat, Generalmilitärkasse), sind der große Generalstab, das Trigonometrische u. das Topographische Bureau, die Plankammer, die Direction des Militärmedicinalwesens, das Königliche Lithographische Institut, das Generalcommando des Garde- u. Grenadiercorps, das des 3. Armeecorps, das Generalinspectorat der Artillerie, das der Festungen u. Ingenieure, die Divisionscommandos der beiden Gardedivisionen, das Gouvernement von B. u. viele Examinations- u. andere Commissionen hier stationirt. In Garnison zu B. befinden sich das 2. Gardeinfanterie-, Kaiser-Alexander- u. Kaiser-Franz-Grenadierregiment, Gardereserve-Infanterieregiment, das Gardeschützenbataillon, das Gardecürassier-, Gardedragoner-, 2. Gardeulanenregiment, die Lehrescadron, die Gardeartilleriebrigade, die Gardepionierabtheilung, das Berliner Invalidenbataillon, die Cadres des 1. Bataillons des Gardelandwehr- u. das 1. u. 3. Bataillon des 20. Landwehrregiments. Über die militärischen Unterrichtsanstalten s. unten VIII. – Von den übrigen merkwürdigen Gebäuden werden die meisten bei den Behörden, wissenschaftlichen, Kunst-, Unterrichts-, Industrie- u. milden Anstalten erwähnt werden; wir nennen daher hier nur das Lagerhaus, als älteste Residenz der Markgrafen u. Kurfürsten, später Wollenmanufactur, jetzt Atelier Rauchs; das Kammergericht (Collegienhaus) in der Lindenstraße; den Königlichen Marstall in der Breitenstraße.

VII. Behörden. Außer dem Staatsrath u. den verschiedenen Ministerien, die ihre eigenen Palais haben, ist B. Sitz des Geheimen Staatsarchivs, des Statistischen Bureaus, der Direction der Rentenbank, des Generalpostamts (mit weitläufigem Gebäude), der Telegraphendirection, Verwaltung der Eisenbahnen, der Technischen Baudeputation, der Technischen Deputation für Gewerbe, des Generalmünzdirectoriums, des Oberbergamts, der Bureaus des Herren- u. Abgeordnetenhauses, des Geheimen Obertribunals, des Kammergerichts, des Disciplinarhofs, der Centralstelle für Preßangelegenheiten, des Geheimen Ministerialarchivs, der Immediat-Examinationscommission, der Generatordenscommission, der Generallotteriedirection, der Verwaltung der Staatsschulden, des Landesökonomiecollegiums, der Staatsdruckerei, der Seehandlung, des Hauptsteueramts, der wissenschaftlichen Deputation für das Medicinalwesen, der Oberexaminationscommission für die Staatsprüfungen der Ärzte u. Wundärzte; des Seminars für gelehrte Schulen, der Intendantur der königlichen Museen, der Intendantur der Schauspiele u. mehrerer Behörden der Provinz Brandenburg: der Hauptritterschaftsdeputation der Kur- u. Neumark, Kriegsschuldentilgungscommission, Feuerversicherungsanstalt u. der Stadtbehörden, Polizeipräsidium, Baucommission, Magistrat, Stadtgericht.

VIII. Wissenschaftliche u. Kunstanstalten. Die Königliche Akademie der Wissenschaften, s.u. Akademie X. E). Das Akademiegebäude unter den Linden hat eine Uhr, welche als Normaluhr dient; in demselben finden auch die großen Kunstausstellungen statt, so wie dort auch die Akademie der Künste (die Kunstakademie) ihre Säle hat u. Sitzungen hält. Die Königliche öffentliche Bibliothek, in einem 1780 von Friedrich II. erbauten Bibliothekgebäude am Opernplatze besteht aus 600,000 Bänden u. 10,000 Manuscripten; außerdem haben die Universität, die meisten höheren Behörden u. die wichtigsten Unterrichtsanstalten noch Bibliotheken. Die Universität wurde 1809 von Friedrich Wilhelm III. gestiftet u. hat ihren Sitz im ehemaligen Palais des Prinzen Heinrich unter den Linden. Sie hat 4 Facultäten. Die Zahl der Lehrer beläuft sich gegenwärtig auf 175, die Zahl der Zuhörer auf über 2300. Mit der Universität ist ein Theologisches u. Philologisches Seminar verbunden. Die Universität wird durch einen (wechselnden) Rector geleitet; die akademische Gerichtsbarkeit führt in dessen Namen ein akademischer Syndicus. Zu ihren Hülfsanstalten gehören: das Pathologisch-anatomische Institut, die Anatomische Sammlung, das Institut für Chirurgie u. Augenheilkunde, die Poliklinik, die Entbindungsanstalt, das mit der Charité verbundene Klinicum, das Zoologische Museum, das Mineralogische Cabinet, beide in dem Universitätsgebäude, die Physikalische Apparatensammlung, das Meteorologische Institut, der Physiologische Apparat, die Chirurgische Instrumentensammlung, das 1849 gegründete Christliche Museum (welches christliche Denkmäler von den ersten Anfängen des Christenthums an in geschnittenen Steinen, Inschriften, Miniaturgemälden, Elfenbeinschnitzwerken, Abbildung kirchlicher Bauwerke, Nachbildungen religiöser Gegenstände, auch Ölgemälde biblischen Charakters umfaßt), der Botanische Garten im nahen Schöneberg, die kleinere botanische Anpflanzung nebst Winterhaus hinter der Universität u. viele andere Anstalten; dann die Sternwarte, 1835 neu errichtet, unweit des Hallischen Thores am Enckeplatz. Außerdem bestehen hier noch die Bauakademie in dem von Schinkel in Backstein aufgeführten Gebäude an der Werderschen Straße, seit 1824 von der Akademie getrennt, seit 1849 neu organisirt. Daran schließt sich das Beuth-Schinkelmuseum, theils Handzeichnungen Schinkels zu Bauwerken u. Sculpturen, theils Kupferstiche u. andere Gegenstände aus dem Beuthschen Nachlasse enthaltend; das Technische Gewerbeinstitut in der Klosterstraße zur Ausbildung von Schülern bestimmt, die sich dem Maschinenbau u. der Technik überhaupt widmen wollen; mit demselben ist eine Musterweberei verbunden; die Baugewerbeschule für Handwerker. Die Königliche Thierarzneischule befindet sich in einem 1840 erbauten Gebäude an der Luisenstraße. Zu erwähnen bleibt noch: das Königliche Seminar für Stadtschulen; ferner das Königliche Gymnastische Centralinstitut mit Turnplätzen auf der Hasenhaide u. in Moabit, Außerdem bestehen in B. folgende Schulen: 7 Gymnasien u. 6 Realschulen (worunter eine Gewerbschule), theils königlichen, theils städtischen Patronats. Es sind mit einzelnen derselben Alumnate u. Vorschulen, auch ein Seminar für Lehrer der Mathematik u. Physik für Gymnasien verbunden. Sie haben zusammen etwa 6600 Schüler mit 211 Lehrern. Neben ihnen stehen 6 höhere Töchterschulen mit 1800 Schülerinnen u. 70 Lehrern u. Lehrerinnen (die königliche Bildungsanstalt für Lehrerinnen u. Erzieherinnen ist darin einbegriffen), 6 höhere u. mittlere Knabenschulen mit 1200 Schülern u. 40 Lehrern, u. 17 Elementarschulen mit 4900 Schülern, 6000 Schülerinnen u. 210 Lehrern, alle königlichen od. städtischen Patronats. Dazu kommt[625] eine Anzahl Schulen, welche unter Specialaufsicht von Vereinen u. Kirchenministerien stehen: 9 sogenannte Erwerbschulen, jede von 2 Klassen u. 80 Mädchen. Sie sind unter besonderer Protection der Königin u. haben zum Zweck, Töchter armer Eltern von 7–14 Jahren zu unterrichten u. ihnen zugleich durch Handarbeiten zeitig einen Verdienst zu gewähren. Ferner 13 Parochialschulen, darunter die der Böhmisch-reformirten, Böhmisch-lutherischen, Böhmisch-mährischen u. der Französisch-reformirten Gemeinden. In ihnen werden 820 Knaben u. 910 Mädchen von 50 Lehrern u. Lehrerinnen unterrichtet. Mit Waisenhäusern u. Erziehungsanstalten verbundene Schulen bestehen 9. Darunter das Kinderhospiz der Französischen Kirche, ferner eine Anstalt, in welcher die unterrichteten erwachsenen Mädchen zu Kinderwärterinnen ausgebildet werden, u. ein Institut für sittlich verwahrloste Kinder. Im Ganzen werden in diesen Schulen unterwiesen 400 Knaben u. 260 Mädchen. Katholische Schulen gibt es 6 (darunter eine höhere Töchterschule), mit 820 Schülern, 700 Schülerinnen u. 36 Lehrern u. Lehrerinnen. Jüdische Schulen existiren 4; darunter eine Religionsschule, worin Zöglinge aus 36 anderen Schulen (Gymnasien, Real-, Knaben- u. Töchterschulen) Religionsunterricht erhalten. Die jüdischen Schulen zählen 430 Schüler u. 300 Schülerinnen. Dazu kvmmen 113 zum großen Theil sehr klassenreiche Privatschulen; unter denselben zählt man 8 höhere Knabenschulen, welche ihre Zöglinge für Gymnasien u. Realschulen vorbereiten u. zusammen etwa 1500 Schüler haben; ferner 12 mittlere Knabenschulen mit 3000 Schülern u. 18 Elementarknabenschulen, zusammen mit 5000 Schülern. Höhere Privattöchterschulen gibt es 29; die meisten sind zugleich Pensions- u. Erziehungsanstalten; eine derselben ist mit einem Privatlehrerinnenseminar verbunden. Unterrichtet werden in ihnen etwa 4000 Schülerinnen. Mittlere Töchterschulen gibt es 13, mit 2700 Schülerinnen; Elementartöchterschulen 17 mit 4800 Schülerinnen; 16 Elementarschulen für beide Geschlechter mit 3900 Schülern u. Schülerinnen. Sämmtliche Schulen B-s, insofern sie nicht besondere Fortbildungsanstalten (u. solcher gibt es für Erwachsene auch 3) sind, sondern die allgemeine Schulbildung bezwecken, stehen theils als Schulen königlichen Patronats u. besonderer kirchlicher Corporationen unter der unmittelbaren Leitung u. Aufsicht des königlichen Provinzialschulcollegiums, theils als Schulen städtischen Patronats od. als Privatlehranstalten unter der Verwaltung u. Aufsicht der städtischen Behörden, insbesondere der städtischen Schuldeputation. Letztere ist zusammengesetzt aus 2 Stadtschulräthen, 3 Superintendenten, 7 Stadträthen, 8 Stadtverordneten u. 7 Bürgerdeputirten u. hat ihre stehenden Plenarsitzungen. Zu erwähnen sind noch 33 Kleinkinderbewahranstalten, welche über alle Stadttheile verbreitet sind u. die Kinder armer Eltern bis zum schulpflichtigen Alter beaufsichtigen; 9 städtische Sonntagsschulen mit 2100 Schülern u. Schülerinnen, endlich 8 sonntägliche Freischulen für »versäumte« Lehrlinge. Zur Weiterbildung dienen den Strebsamen sodann die städtischen Volksbibliotheken, jetzt 5 an der Zahl, die Jedem leicht zugänglich sind u. bes. aus dem Ertrage der wissenschaftlichen Vorlesungen in der Singakademie erweitert u. vermehrt werden. Militärische Unterrichtsanstalten sind: das Medicinisch-chirurgische Friedrich-Wilhelms-Institut (mit der sonstigen Pepinière vereinigt, dient zur Ausbildung von Militärärzten), die Allgemeine Kriegsschule (nur für Offiziere zu höherer Ausbildung), die Artillerie- u. Ingenieurschule mit eigenem Gebäude, das Cadettenhaus (1775 erbaut, mit Modellsaal u. Kartensammlung). Zur Ausbildung von Musikern, Sängern u. Sängerinnen bestehen folgende Anstalten: die Akademie der Tonkunst seit 1855, das Institut für Kirchenmusik (zur Ausbildung von Musiklehrern u. Organisten), die Singakademie (mit 500 Mitgliedern, in einem eigenen 1826 erbauten Gebäude mit großem Concertsaal), die Gesangklasse der königlichen Oper u. ein Conservatorium für Musik. Wissenschaftliche u. Kunstvereine, außer den von Staatswegen angeordneten Akademien bestehen: die Gesellschaft für Erdkunde (Organ: Zeitschrift für Erdkunde, herausgeg. von Neumann), die Gesellschaft naturforschender Freunde, die Hufeland'sche medicinisch-chirurgische Gesellschaft, die Deutsche zoologische Gesellschaft, der Statistische Verein, der Wissenschaftliche Verein des Gewerbeinstituts, der Musikalische Orchesterverein, die Liedertafel, der Wissenschaftliche Verein (in welchem Vorträge während der Wintermonate in der Singakademie gehalten werden, gründete mehrere Volksbibliotheken), der Kunstverein, der ältere u. jüngere Künstlerverein, Gesellschaft für deutsche Sprache u. Alterthumskunde (gegründet 1815), der Literarische Sonntagsverein (gegründet 1827), der Apothekerverein, der Architektenverein, Preußische Hauptbibelgesellschaft, Hauptverein für evangelische Mission, Hauptverein für christliche Erbauungsschriften, Evangelische Bücherstiftung, Zweigverein der Evangelical-Alliance in London, Katholischer Leseverein, Schachgesellschaft (welche Schachturniere veranstaltet, Organ: Berliner Schachzeitung), Handwerkerverein (mit einem Gebäude), Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes, Frauenbildungsverein, Deutscher Feuerversicherungsverein, Verein für Eisenbahnkunde, Zweigverein des Schillervereins, Verein zur Förderung des Gartenbaues (hält halbjährliche Ausstellungen u. vertheilt Preise, verbunden mit einem Gärterlehrinstitut). Außerdem befördern die Kunst die Ateliers mehrerer Künstler, so Rauchs, Kiß', Drake's, Wichmann's, Schievelbein's, Cornelius', Mentzel's, J. Schrader's, Meyer's von Bremen. Meyerheim's, Hildebrandt's u. A., u. die Ausstellungen im Akademiegebäude. Hinsichtlich der literarischen Production ist Berlin nächst Leipzig der bedeutendste Platz in Deutschland. Außer einer Menge wissenschaftlicher Journale u. belletristischer Blätter erscheinen folgende größere politische Zeitungen: Der Staatsanzeiger u. die Preußische Correspondenz (officiell), die Zeit (halbofficiell), die Vossische Zeitung (mit der stärksten Auflage) u. die Spenersche Zeitung (beide conservativ-liberal), die Neue Preußische Zeitung (Kreuzzeitung, conservativ), die Volkszeitung (populär u. liberal), die Nationalzeitung (liberal).

IX. Dir Sammlungenwissenschaftlicher u. Kunstgegenstände sind zum Theil schon oben bei der Universität genannt. Außerdem dienen diesem Zwecke die beiden mit einander verbundenen königlichen Museen zwischen der Spree u. dem Schleusengraben am Lustgarten. Das alte Museum[626] im Lustgarten, 1824 begonnen, von Schinkel aufgeführt, 1829 eröffnet, ist ein 276 F. langes, 179 F. breites, bis zur Oberkante 61 F. hohes Viereck, nach dem Vorbilde des Tempels der Athene Polias in Athen gebaut. Zu der auf dem massiven Unterbau ruhenden, von 18 attischen Säulen getragenen Vorhalle, führt eine breite Treppe, deren linke Wange die Amazonengruppe von Kiß trägt, während die rechte zur Aufnahme eines Pendants von Rauch bestimmt ist. An den vorderen Ecken des Schutzdaches, welches die in der Mitte des Gebäudes sich erhebende Kuppel überdeckt, stehen, in Eisen gegossen, die Dioskuren von Tieck u. in der Säulenhalle die Marmorstatue des Erbauers, ebenfalls von Tieck. Die Hinterwand der Halle ist zu beiden Seiten des Portals mit Frescogemälden (nach Schinkels Entwurf von Cornelius gemalt) ausgeschmückt, ebenso die Hinterwand des Vestibuls oberhalb der zum zweiten Geschoß führenden Treppe. Durch das Vestibul tritt man in die 72 F. hohe Rotunde. In dieser, sowie in den anstoßenden Räumen des unteren Geschosses, dem Götter- u. Heroensaal, dem Kaisersaal, dem mittelalterlichen Saal u. dem Etruskischen Saal, sind antike u. moderne Sculpturwerke aufgestellt. Auf der Gallerie der Rotunde befinden sich Nachbildungen der für Leo X. zu Arras gewebten Gobelins. Das obere Geschoß enthält in 37 Cabinetten die Gemäldegallerie, die aus den Kunstwerken in den königlichen Schlössern, aus der 1815 in Paris erkauften Giustinianischen u. der Sollyschen Gallerie u. anderen Erwerbungen zusammengesetzt ist. Im Grundbau befindet sich das Antiquarium, bestehend aus einer Gemmensammlung, einer Münzsammlung, Sammlung antiker Metallarbeiten, Terracotten, Wandmalereien aus Herculanum u. Pompeji, antiker Thongefäße etc. Das neue Museum, 1843 nach einem Plane Stülers in einem antiken, mit modernen Elementen gemischten Style begonnen (gegenwärtig noch nicht vollendet). Seine Länge beträgt 337 F., seine Höhe 75 F., seine Tiefe 128 F., der Mittelbau, das Treppenhaus enthaltend, überragt das Gebäude um 25 F., die Decken der Säle sind gewölbt u. werden von theils marmornen, theils Stuck-, theils gußeisernen Säulen getragen. Die einzelnen Abtheilungen mit ihren verschiedenen Sammlungen sind im ersten Geschoß: das Museum nordischer Alterthümer u. das Ägyptische Museum (Gräbersaal, Mythologischer Saal); im zweiten Geschoß: Gypsabgüsse antiker, mittelalterlicher u. moderner Sculpturen (8 Säle); im oberen Geschoß: die Kunstkammer, die Ethnographische Sammlung, die Sammlung vaterländischer Alterthümer (letztere drei ehedem im königlichen Schlosse befindlich) u. das Kupferstichcabinet. Das Treppenhaus, welches die ganze Tiefe des Gebäudes einnimmt, ist geschmückt mit den berühmten Wandgemälden W. v. Kaulbachs. Außerdem finden sich noch Gemäldesammlungen. im königlichen Schloß u. in Bellevue (letztere aus Ölgemälden neuerer Meister bestehend). In mehreren Privatsammlungen sind noch Kunstschätze gehäuft, so Gemälde im Palais des Grafen Raczynski vor dem Brandenburger Thore, wo sich auch das Atelier von Cornelius befindet, beim Consul Wagner, Ravène, eine permanente Gemäldeausstellung in der Kunsthandlung von Sachse u. Comp., eine Kupferstichsammlung beim Kaufmann Thiermann u. m. a. X. Heil- u. milde Anstalten. Die mit dem Klinicum verbundene Charité, seit 1710 bestehend u. 1400 Kranke beherbergend; die Grässche Augenklinik, das Militärlazareth, Heilanstalt durch Elektricität u. Magnetismus, mehrere Orthopädische Institute, Brunnenanstalten, Wasserheilanstalten, Mineralwasseranstalten von Struve u. Soltmann, Eiselens Anstalt für Leibesübungen. Unter den Badeanstalten ist namentlich zu erwähnen die 1855 ins Leben getretene großartige Wasch- u. Badeanstalt in der Schillingsgasse, hervorgerufen von einer Actiengesellschaft mit einem Capital von 113,700 Thlrn. Noch zahlreicher sind die milden Anstalten, theils unter der Armendirection, theils unter Privatleitung, zahlreiche Hospitäler zur Verpflegung Armer u. Infirmer: Heiligen-Geistshospital, Gertrauden-, Jerusalemer-, Jakobshospital; das Diakonissenhaus Bethanien (gegründet 1847, eine Stiftung Friedrich Wilhelms IV. unter dem Protectorat der Königin, zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen, ist für 300 Kranke eingerichtet), das Elisabeth-Krankenhaus, das St. Hedwigs- (katholische) Krankenhaus, Heil- u. Bildungsanstalt für Blödsinnige, mehrere Armen- u. Versorgungshäuser, darunter das vom Kaiser Nikolas als Ehrenbürger von B. gegründete Nicolai-Bürgerhospital, die Rotherstiftung für Beamtentöchter über 40 Jahr, Christliche Mägdeherberge, Hollmanns Wilhelminen-Amalienstiftung für alte Frauen über 60 Jahr, Alterversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde, die Pischonsche Pensionsstiftung für Volkslehrer u. Lehrerinnen, Königliche Wittwenpflegeanstalt, Offizierwittwenkassen u. mehrere Anstalten für Predigerwittwen; Waisenhäuser, darunter das große Friedrichswaisenhaus, welches für Waisen u. verwahrloste Kinder bestimmt ist, das Kornmessersche u. Schindlersche Waisenhaus (beide Privatanstalten), die Jüdische Waisenerziehungsanstalt, das Friedrichsstift. Erziehungs- u. Besserungsanstalten: die Baviersche Anstalt zur Erziehung mutterloser Kinder, Magdalenenstift für sittlich verderbte Mädchen, Pestalozzistiftung, Kleinkinderbewahranstalten (s. oben Unterrichtsanstalten). Taubstummen- (1798 vom Staate) u. Blindeninstitut (1800 von Zeune gegründet, jetztköniglich), Beschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde; Unterstützungskassen u. Unterstützungsvereine, darunter das 1840 von der Kaiserin von Rußland nach dem Tode ihres Vaters Friedrich Wilhelm III. mit 46,000 Thlrn. aus ihrem Erbschaftsantheil gegründete Friedrich-Wilhelmsinstitut für unbeschäftigte Arbeiter (Vorschußkasse), Bürgerrettungsinstitut (1796 von Baumgarten gegründet, soll zurückgekommene Gewerbtreibende mit Vorschüssen unterstützen), Hinkeldeystiftung für hülfsbedürftige Bürger Berlins, die Blechersche Stiftung für junge Künstler zur Reise nach Italien; Allgemeine Landesstiftung, Nationaldank zur Unterstützung alter Krieger, gegründet aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Prinzen von Preußen 1854, mehrere Gesellen- u. Arbeiterunterstützungskassen, die Augusten-Stiftung, zur Aussteuer armer Brautpaare, gegründet bei der silbernen Hochzeit des Prinzen von Preußen, Gesindebelohnungsfond, Unterstützungsanstalt der Gesellschaft der Freunde für Wittwen u. Waisen, Gemeinnützige Baugesellschaft, gegründet 1848 (hat den Zweck, durch Bauten gesunde u. wohlfeile Wohnungen für sogenannte kleine Leute zu beschaffen); Lutherstiftung für Waisen[627] des Lehrerstandes, Vereinssterbekasse, Wittwenpensions- u. Unterstützungskasse, Speiseanstalten. Vereine: für Kleinkinderbewahranstalten, Alterversorgungsgesellschaft für deutsche Schauspieler (Perseverantia), gegründet von L. Schneider 1857, Unterstützungsverein hülfsbedürftiger Buchhändler, Hülfsverein für jüdische Studirende, Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen, Frauengroschenverein etc. Zur Beschaffung von Geldmitteln dienen Darlehns- u. Vorschußvereine in allen Stadtbezirken, die städtische Sparkasse, die Sparvereine, das königl. Leihamt u. die Darlehnskasse des Berliner Frauenvereins zur Abhülfe der Noth unter den kleinen Fabrikanten u. Handwerkern; Detentionshäuser, Gefängnisse; das Arbeitshaus, zugleich Zufluchtsort für Obdachlose, Siechenhaus u. Irrenbewahranstalt, die Stadtvoigtei für in Untersuchungshaft Befindliche u. Strafgefangene, das Zellengefängniß in der Nähe des Hamburger Bahnhofs mit 800 Gefangenen.

XI. Industrie u. Handel. B. ist Concentrationspunkt der Gewerbe eines großen Theils der Monarchie u. seine Industrie ist sehr bedeutend. Der Verein zur Beförderung der Gewerbe in Preußen wirkt neben den schon oben VIII. erwähnten technischen Lehranstalten u. Vereinen, zu denen noch die Polytechnische Gesellschaft zu zählen ist, durch Eröffnung von Concurrenzen u. Aussetzung von Prämien für die Beförderung des Gewerbfleißes. Von technischen Instituten des Staats sind die Münze (mit Münzgebäude, auf broncirten steinernen Basreliefs von Schadow, die Operationen des Münzend darstellend), die königliche Porzellanfabrik (fertigt auch Gesundheitsgeschirr), die königliche Eisengießerei u. die königliche Bronzegießerei. Die Privatindustrie entwickelt sich in wahrhaft großartiger Weise von Jahr zu Jahr. Großen Ruf hat die Eisenindustrie B-s erlangt, namentlich im Fache des Maschinenbaues. Unter den zahlreichen Fabriken, die sich damit befassen, verdient besondere Erwähnung das Borsigsche Etablissement, das große seiner Art in Deutschland, aus welchem im Jahre 1854 bereits die 500. Locomotive hervorging. Die Zahl der in den sämmtlichen Maschinenbauanstalten beschäftigten Arbeiter beläuft sich auf 12,000. Außerdem producirt B. die verschiedenartigsten Gegenstände des Luxus u. der Mode: Teppiche, Parfümerien, Hüte, Spiegel u. Bronzesachen, Lampen, Möbel, Porzellanöfen, Seiden-, Halbseiden-, Baumwollen- u. Leinenwaaren, Flußkähne, Wagen, Tapeten, Silberwaaren, Stutz- u. andere Uhren, Holzbronze, Bijouterie-, lackirte Blech- u. hölzerne Waaren, Sohnen- u. Regenschirme, chirurgische, mathematische, optische u. musikalische Instrumente, chemische Waaren, Leder, künstliche Blumen u.a. Putzwaaren, fertige Kleidungsstücke, seine Korbflechtereien, Strohhüte, Stärke, Spielwaaren, Liqueurs etc. Der Handel B-s wird von dem Staate durch das Institut der Preußischen Bank (s. Bank II. Cc) q) aa) u. der Seehandlung (beide mit eigenen großen Gebäuden) unterstützt u. von der Handelskammer u. dem Handelsrath überwacht. Außerdem befördern den Geldverkehr die Bank des Berliner Kassenvereins (s. Bank II. Cc) q) b), die Discontokasse (s. ebenda cc), u. eine große Anzahl zum Theil großartiger Bankgeschäfte; die Börse (an dem Lustgarten) dient zur Erleichterung des Waaren- u. Geldgeschäfts; sie ist eine der bedeutendsten Deutschlands, ihre Curszettel erscheinen täglich. Der Handel erstreckt sich, außer auf Staatspapiere, auf Actien u. Wechselgeschäfte, Spedition, Vertreiben der Erzeugnisse der Industrie B-s etc. Auch findet im Juni ein großer Wollmarkt statt. Die bedeutenderen in- u. ausländischen Assecuranzgesellschaften haben in B. Comptoire, ihren Hauptsitz haben daselbst: die Berlinische Feuerassecuranz, die B-er Transportassecuranz, die Preußische National Feuer- u. Transportassecuranz, die B-er Hagelassecuranz, die B-er Renten- u. Capitalversicherungsbank, die Preußische Rentenversicherungsanstalt, die Alterversorgungsgesellschaft; ferner mehrere industrielle Gesellschaften: die Elbschifffahrts- u. Dampfschifffahrtsgesellschaft u. mehrere Eisenbahn- u. andere Actiengesellschaften. Fünf in B. zusammenlaufende Eisenbahnen, nämlich die Berlin-Hamburger, die Berlin-Stettiner, die Berlin-Frankfurter, die Anhaltische u. die Berlin-Potsdamer Bahn, vermitteln außer der Spreeschifffahrt den auswärtigen Verkehr. Elektrische Telegraphen verbinden die Stadt mit allen Theilen der Monarchie u. den bedeutendsten Haupt- u. Handelsstädten des Continents, so mit Paris, Petersburg u. Constantinopel. Maße u. Gewichte, s.u. Preußen (Geogr.); die alten Maße u. Gewichte sind seit 1816 abgeschafft.

XII. Vergnügungen u. Geselliges Leben. Unter den Vergnügungen B-s steht das Theater oben an. Die Hauptgebäude sind: Das große Opernhaus, der Universität gegenüber, 1741 erbaut u. zu Opern, größern Schauspielen, so wie zu Concerten (wofür ein eigner großer Saal) benutzt, brannte 1843 ab, wurde aber mit Benutzung der stehen gebliebenen Umfassungsmauern fast ganz in derselben Weise wieder aufgebaut. Es ist 265 Fuß lang, 103 Fuß breit u. 73 Fuß hoch, im Giebel sind Basreliefs von Rietschel; der Zuschauerraum hat 4 Logenreihen u. faßt 2000 Personen. Das Schauspielhaus auf dem Gensdarmenmarkte, 1803 von Langhans gebaut, brannte 1817 ab u. wurde 1820 von Schinkel neu erbaut; es hat eine breite Freitreppe, welche zu einem vorspringenden Peristyl von 6 ionischen Säulen führt, ist 245 Fuß lang u. im Mittelbau 160 Fuß tief; es enthält einen Concertsaal mit Nebenzimmern u. Gallerien u. einen Decorationssaal; der Zuschauerraum faßt 1500 Personen. Im Opernhaus wie im Schauspielhaus spielen die königlichen Schauspieler mit den Opernsängern u. dem königlichen Ballet, gleichzeitig od. abwechselnd, doch so, daß die größeren Opern, Schauspiele u. Ballets im Opernhause, die kleineren, weniger Apparat erfordernden Stücke, Lustspiele u. dergl. im Schauspielhause gegeben werden. Das Ganze steht unter der Generalintendanz der königlichen Schauspiele. Ballet u. Oper werden vorzugsweise gepflegt, die dramatische Darstellung steht andern deutschen Bühnen nach. Das Königsstädter Theater, ein kleineres Theater, ehedem auf dem Alexanderplatze in der Königsstadt, auf Actien gegründet, für das Lustspiel u. die komische Oper bestimmt, blühte in den vierziger Jahren u. rivalisirte mit der Königlichen Bühne, später kam es in Verfall, wurde dann in einen Circus in der Charlottenstraße u. von dort nach der Blumenstraße verlegt. Später wird es unter dem Namen Victoriatheater in einem bis jetzt noch nicht vollendeten Gebäude in der Münzstraße seinen Sitz aufschlagen. Das Friedrich-Wilhelm- [628] städtische Theater in der Schumannsstraße, verbanden mit Sommertheater, für Lustspiel, komische Oper u. Posse bestimmt, wurde 1850 eröffnet u. faßt 1600 Personen. Das Krollsche Etablissement am Exercierplatz mit großen Sälen, eins der großartigsten Vergnügungslocale der Welt, faßt an 5000 Personen. Das 1834 errichtete Gebäude wurde, nachdem es 1851 niedergebrannt war, von Titz wieder aufgebaut; es ist 366 Fuß lang, 95 Fuß tief u. mit den beiden Thürmen 120 Fuß hoch. Die verschiedenen Säle dienen theils zu Bällen u. Familienfesten, theils zu Concerten; der große Königssaal ist mit einer kleinen Bühne verbunden, welche zur Darstellung von Farcen u. Localpossen dient. Außerdem finden theatralische Aufführungen statt im Henningschen Sommer- u. Wintergarten, zugleich Concertlocal, in dem Vorstädtischen Theater, mehreren Sommer- u. Liebhabertheatern. Concerte werden außer in den erwähnten Localen in Jachmanns Garten, auf dem Bockberge, im Hofjäger, Moritzhof, Albrechtshof (letztere 3 im Thiergarten) u.a. Orten veranstaltet. Die königliche Kapelle gibt allwinterlich 6 Symphonie-Soireen, die Singakademie eine Reihe von Symphonieconcerten. Sehenswerth find die Gropiusschen Dioramen (s.d.). In einem Circus an der Friedrichsstraße werden equestrische Schauspiele gegeben. Innerhalb der Mauer gewähren mannichfache Locale in vielen Abstufungen Gelegenheit, sich bes. durch Tanzen zu vergnügen, werden aber nur von einer sehr gemischten Gesellschaft u. Damen von zweideutigem Rufe besucht. Unter den zahlreichen Conditoreien sind die von Josti, Stehely, Spargnapani, d'Heureuse u. Kranzler die bekanntesten Elegante Cafés, die zugleich Speiselocale sind, werden von dem feineren Publicum besucht, während die Kellerwirthschaften meistens nur für niedere Volksklassen eingerichtet sind. Dagegen pflegen in den Delikatessenkellern nur die höheren Stände zu verkehren. Unter den zahlreichen Bierlocalen sind mehrere, in denen nur echtes baierisches Bier geschenkt wird u. die von einem gewählteren Publicum besucht sind; eigentliche Weißbierlocale, wo nur od. fast ausschließlich dieses Berliner Getränk (kühle Blonde) verabreicht wird, sind die Sammelpunkte der eigentlichen Berliner. Verschiedene geschlossene Gesellschaften suchen einzelne Stände od. Coterien zu isoliren, üben jedoch fast gar keinen Einfluß aus den freien geselligen Verlehr, der durch den fortwährenden Ab- u. Zugang von Fremden, die sich nur zeitweise in B. aufhalten, bedingt wird. Fast alle geschlossenen Gesellschaften haben eine bestimmte Tendenz, welcher der Zweck geselliger Unterhaltung untergeordnet ist, mehrere sind bereits oben angeführt worden; die 3 Großlogen: Nationalmutlerloge zu den 3 Weltkugeln, Landesloge u. Royal York verfolgen in eigenen Localen mit Gärten, jede in mehrere Johannislogen zerfallend, freimaurerische Zwecke, dirigiren zugleich die übrigen Logen im Preußischen Staate u. bilden auch außer der Loge geschlossene gesellige Vereine. Noch gedenken wir der Pferderennen, die seit 1828 bei B. jährlich während des Wollmarktes von dem Verein für Pferdezucht ausgehend, vor dem Schönhauser Thore Statt finden, ferner des Schützenfestes, welches alljährlich am 27. Aug. auf dem Schützenplatz in der Lindenstraße stattfindet, u. endlich der sogenannten Corsofahrten im Spätsommer vor dem Schönhauser Thore.

XIII. Das Leben in B. ist das einer großen Stadt von vorherrschend industriellem Charakter. Das Hofleben tritt äußerlich nur wenn der König in B. residirt u. bei Hoffestlichkeiten hervor, da der Adel keinen großen Aufwand macht u. die reicheren Grundbesitzer nur den Winter in B. zu verleben pflegen. Das Interesse für Kunst u. Wissenschaft hat in den industriellen Kreisen zugenommen u. reiche Privatleute aus dem Adel sowohl, wie aus dem Bürgerstande, lieben es, sich mit einem gewählten Kreise von Künstlern u. Gelehrten zu umgeben. Sonst scheiden sich die verschiedenen Elemente der gebildeten Klassen, je nach den gemeinsamen Interessen, die sie verbinden, in bestimmte Coterien. Eine gewisse äußere Bildung ist auch den niederen Klassen eigen, u. der B-er Volkswitz, der durch Glasbrenner u. Beckmann zuerst eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, offenbart sich in einer Menge von Localpossen u. in dem verbreitetsten Witzblatte Deutschlands, dem Kladderadatsch. Das Volksleben concentrirt sich selten auf Einem Punkte; nur große, vom Hofe veranstaltete Feste, große Paraden, festliche Einzüge etc. bringen ganz B. auf die Beine, ohne jedoch nachhaltend zu wirken. Nicht mit Unrecht gibt man den B-rn eine gewisse Leichtfertigkeit u. Frivolität schuld, wie solche fast in jeder großen Stadt, welche viele Gelegenheit zum materiellen Genuß des Lebens bietet, zu Hause ist. Die Berliner Volkssprache ist kein eigentlicher Dialekt, sondern nur ein corrumpirtes Hochdeutsch. In den gebildeten Kreisen ist dieselbe verpönt. Die eigenthümlichen Ausdrücke, welche der B-er häufig in der gewöhnlichen Conversation, vorzüglich in Bezug auf den kaufmännischen Verkehr gebraucht, sind meistens jüdischen Ursprungs, indem ein sehr großer Theil der Handelswelt aus israelitischen Elementen besteht. Die Prostitution ist in B. geduldet u. wird von der Sanitätspolizei überwacht. Die im Jahre 1846 angeordnete Schließung der Bordelle äußerte schlimme Folgen in Bezug auf den Gesundheitszustand der Stadt, weshalb sich die Regierung 1850 entschloß, wieder Concessionen zur Errichtung öffentlicher Häuser zu ertheilen. Aus Gründen der öffentlichen Sittlichkeit erfolgte 1854 das Verbot, in Bierlocalen u. Schenkstuben Frauenzimmer zur Bedienung der Gäste zu halten, u. 1856 die Ausweisung aller fremden Freudenmädchen.

XIV. Umgebung Berlins. Die Umgebungen B-s sind nichts weniger als freundlich. Eine todte Sandebene, von keinem Berg, ja fast von keinem Hügel unterbrochen, auf der fast nur Nadelholz, wenig Getreide, Kartoffeln u. Gemüse gedeihen, umzieht B. in weitem Kreise. Freundliche Spaziergänge gewährt der durch mehrere Alleen u. Chausseen durchschnittene Thiergarten, ein ziemlich ansehnlicher, sich von B. nach Charlottenburg gegen Westen erstreckender Wald mit Parkanlagen (Goldfischteich mit der Venus Victrix, Floraplatz, Exercierplatz zwischen Krolls Etablissement u. dem Raczynskischen Palais, Luiseninsel), Landhäusern, mehreren zum Theil schon erwähnten Gartenvergnügungslocalen, u. dem Zoologischen Garten (einem abgezäunten Theile, in welchem ausländische, namentlich tropische Thierracen, darunter Löwen, Bären, Affen, Känguruhs, Adler, Krokodile etc. gehalten werden). Eine schnurgerade Chaussee führt durch den Thiergarten nach Charlottenburg. Diese sowohl, wie die[629] Seitenwege, sind an schönen Sonntagen von Fußgängern u. Wagen ungemein belebt. Ein Hauptweg führt von der Charlottenburger Straße über die Spree nach dem Dorfe Moabit, dem Hauptvergnügungsort für Dienstmägde u. Soldaten u. dem Sitz einer der Borsigschen Maschinenbauanstalten, deren Vergrößerung auch die Vergrößerung des Ortes durch Arbeiterwohnungen zur Folge gehabt hat. Der Name soll von den unter Friedrich I. hier angesiedelten französischen Gärtnern herrühren, welche den Ort des unfruchtbaren Bodens wegen la terre moab od. terre maudite nannten. Vor dem Halleschen Thore, dem Kreuzberg gegenüber, liegt der Bockberg mit einer Baierischen Bierbrauerei, einem Concertsaale u. Parkanlagen auf der Höhe. Von hier, wie vom Kreuzberge aus, wo ehemals ein sehr besuchtes Vergnügungslocal, das Tivoli, bestand, hat man einen schönen Überblick über die Stadt, sowie über das Dorf Schöneberg, weiterhin eine Aussicht nach dem Grunewald, nach Charlottenburg u. nach den das Spreethal bei Spandau einschließenden Anhöhen (Pichelsberge). Nach der entgegengesetzten Seite liegt die waldige Hasenhaide, 1/4 Stunde von der Stadt, mit Kaffee- u. Landhäusern, Vergnügungsort der niederen Stände; dort ein besonderer Platz mit Schießständen für das Militär u. der Turnplatz. B-s Hauptvergnügungsort in der Ferne ist Charlottenburg, wohin Nachmittags stündlich Wagen (eine regelmäßige Fuhrgelegenheit dahin, die auch nach anderen Orten benutzt wird, sind die sog. Kremser od. Thorwagen) gehen. Ein sehr besuchter Ort ist Stralau an der Spree (bes. zur Zeit des dortigen Fischzuges, des einzigen B-er Volksfestes), das gegenüberliegende Treptow u. Rummelsburg am Rummelsburger See, mit einer Arbeitsanstalt für Sträflinge. Außerdem werden noch bes. die Dörfer Tegel, mit dem Landhause Alex. v. Humboldts, Pankow, Schönhausen, Friedrichsfelde, Tempelhof, Großbeeren, Grunewald, Pichelsdorf, Saatwinkel, die Stadt Köpnick an der Frankfurter Eisenbahn, in deren Nähe der Müggelsee liegt, der Gesundbrunnen od. das Luisenbad ver dem Rosenthaler Thore etc. besucht.

XV. Geschichte Berlins. Die ältesten Ansiedler an der Stelle der Spree, an welcher das jetzige B. liegt, waren ohne Zweifel wendische Fischer. Die beiden Dörfer, Berlin u. Köln, welche sie bewohnten, wurden durch die Spree getrennt. Der Sitz der wendischen Fürsten war das nahe Köpnick, weshalb den Markgrafen, welche die Grenzen des Deutschen Reiches nach dieser Seite gegen die räuberischen Einfälle der Slaven zu schützen hatten, an dem Besitz des von Wasser umflossenen, also bis zu einem gewissen Grade festen Platzes, Köln bes. gelegen sein mußte. Albrecht der Bär war der erste, welcher bis hierher vordrang (um 11 42) u. durch Ansiedler, namentlich aus den Niederlanden, deutsche Sprache u. Sitte an der Spree einführte. Wahrscheinlich legte er die ersten Befestigungen an. Unter seinen Nachfolgern blüheten die Schwesterstädte, die zuerst 1237 u. 1244 als besondere Orte genannt werden, namentlich durch den Handelsverkehr mit den Slaven, an deren Grenze sie lagen, auf. 1253 war B. schon eine ansehnliche Stadt, nach deren Muster Frankfurt a. O. damals städtische Rechte u. Freiheiten erhielt. Unter Joachim Friedrich wurde der Molkenmarkt angelegt u. das Hohe Haus (Lagerhaus) gegen Ende des 13. Jahrh. zur Wohnung der Markgrafen, deren Residenz damals Salzwedel war, eingerichtet. Die beiden Communen wurden 1307 mit einander vereinigt u. das gemeinsame Rathhaus in der Poststraße, sowie die Lange Brücke erbaut. Nun hob sich B. immer mehr, u. im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrh. war die Stadt das Haupt eines märkischen Städtebundes, welcher der Willkühr des räuberischen Adels einen Damm entgegensetzte. 1340 schloß B. einen Handelstractat mit Magdeburg u. trat in den Bund der Hansa. Nach dem Erlöschen der Askanier brachen Unruhen im Lande aus u. wirkten lähmend auf den Handel u. Verkehr B-s, u. erst unter der kräftigen Herrschaft des Burggrafen Friedrich von Nürnberg (von 1411 an) gelang es, die Sicherheit im Lande wieder herzustellen. Zwar hatten die Hohenzollern manchen Kampf mit der Bürgerschaft, die sich ihre alten Rechte nicht nehmen lassen wollte, auszufechten u. namentlich gegen Friedrich den Eisernen (1440–1470) erhob sich die Stadt, als er eine Burg bauen wollte, in offener Fehde; doch unterwarf sie sich später, die Burg wurde gebaut u. die städtische Verwaltung wieder getrennt. Johann Cicero erhob B. zu Ende des 15. Jahrh. zur festen Residenz, welches bisher Spandau gewesen war, setzte das Hoch- u. Kammergericht ein u. gab der Stadt u. dem Lande eine bessere Rechtspflege. Die Reformation fand unter Joachim II. (1535–71) rasch Eingang. Der Kurfürst trat 1539 zur Evangelischen Lehre über, mit ihm der Rath u. die Bürgerschaft. In demselben Jahre wurde in B. die erste Buchdruckerei errichtet. Im 30jährigen Krieg ließ der Statthalter B-s bei Annäherung der Schweden sämmtliche Vorstädte Kölns u. einige B-s abbrennen. Dadurch u. durch Brandschatzungen litt die Stadt ungemein. Eine neue Periode raschen Aufblühens beginnt für B. mit dem Regierungsantritt des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm (1640–1688), der dem Friedrichswerder Stadtrechte gab, die Neustad erbaute (nach seiner Gemahlin auch Dorotheenstadt benannt), u. Neu-Köln u. mehrere Vorstädte jenseits der alten Festungswerke, die er nach neuem System umschuf, anlegte. Er bevölkerte die erweiterte Stadt mit fremden Colonisten, bes. reformirten Franzosen, welche den religiösen Verfolgungen wegen ihre Heimath verließen; die Bevölkerung stieg dadurch von 6000 zu 20,000 Einwohnern. Kurfürst Friedrich III., nachmals König Friedrich I., baute die Friedrichsstadt, erweiterte die Vorstädte, erhob B. zur königlichen Residenz u. vereinigte die beiden getrennten Magistrate von B. u. Köln 1709 von Neuem. Prachtvolle Bauten (das Schloß, Zeughaus, Pesthaus, später Charité, die Französische u. die Neue Kirche) wurden unter ihm aufgeführt. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde der Bau des Schlosses vollendet, u. 1727 siedelte sich die Böhmische Colonie in B. an; die Einwohner, deren Zahl unter Friedrich I. 50,000 betragen hatte, mehrten sich auf 90,000. Friedrich II. baute, obgleich er in der Regel nicht in B. residirte, viel neue Gebäude, ließ die Festungswerke B-s demoliren u. Alleen in den Thiergarten hauen; die Einwohnerzahl wuchs bis 145,000. Im Siebenjährigen Kriege wurde B. 1757 von den Kroaten unter Haddik gebrandschatzt, 1760 von den Russen unter Todleben genommen, jedoch bald wieder verlassen; 1785 wurde in B. der Deutsche Fürstenbund geschlossen u. 1792 der Allianzvertrag mit Österreich[630] gegen Frankreich unterzeichnet. Friedrich Wilhelm II. baute u.a. das Brandenburger Thor; Friedrich Wilhelm III. that zu Anfang seiner Regierung Manches zur Verschönerung B-s, doch wurde sein Bemühen schon nach 10 Jahren durch den Krieg von 1806 unterbrochen. In den folgenden Jahren litt B. durch die Calamität, in welche der Staat durch den Französischen Krieg gerieth, großen Schaden. Damals erhielt die Köpnicker Vorstadt den Namen Luisenstadt; den 19. November 1808 wurde B. die Städteordnung verliehen, u. 1809 die Universität von Frankfurt a. O. nach B. verlegt. Im März 1813 wurden die Franzosen von den Kosacken aus B. vertrieben. Die Einwohnerzahl betrug 1815 175,000. Nach dem Kriege hob sich B. ungemein, es vergrößerte sich nach allen Seiten, bes. nach W. u. S. u. Prachtgebäude aller Art (Museum, Königswache, neues Schauspielhaus, die Bauakademie, die Werdersche Kirche, die Sternwarte) u. Denkmäler erstanden. 1826 wurde die Gasbeleuchtung eingeführt; 1828 erhielt der nordwestliche Stadttheil den Namen Friedrich-Wilhelmsstadt; 1831 wüthete die Cholera. Beim Tode des Königs 1840 betrug die Zahl der Einwohner 310,000 u. der Werth der Grundstücke war seit Ende des vergangenen Jahrhunderts auf das dreifache gestiegen. Unter Friedrich Wilhelms IV. Regierung wurde das neue Museum erbaut, die Schloßkuppel u. das Friedrichsdenkmal vollendet, die Schloßbrücke mit Statuen u. der Opernplatz mit neuen Denkmälern geschmückt, sowie auch die Friedensäule auf dem Belleallianceplatze zum Andenken an den 30jährigen Frieden errichtet. Auch das wissenschaftliche u. Kunstleben hob sich unter dem persönlichen Einflusse des Königs, u. die Bedeutung, welche B. als Centralpunkt norddeutschen Handels u. Gewerbfleißes errungen hat, zog u. zieht immer neue unternehmende Kaufleute, Arbeitskräfte u. Capital an, so daß die Grenzen der Stadt sich weit über die Ringmauer ausdehnten. Im August 1844 fand hier die erste große Gewerbeausstellung der Zollvereinsstaaten (s.u. Industrieausstellungen), 1851 der Abschluß des Postvereinsvertrags u. der Anschluß des Steuervereins an den Zollverein, 1853 die Unterzeichnung des Handelsvertrags zwischen Österreich u. dem Zollverein u. die Ratification des Vertrags mit dem Steuerverein, ferner ein Congreß der Telegraphendirectoren Deutschlands u. der Niederlande u. 1855 die Deutsch-belgisch-französische Telegraphenconferenz Statt. Von größeren Bränden der neuesten Zeit sind zu erwähnen der des Kroll'schen Etablissements 1851, des Sitzungslocals der Ersten Kammer in demselben Jahre, des Tivoli auf dem Kreuzberge 1853, der Rentz'sche Circus 1854 u. in demselben Jahre der der Salvatorkirche. In Bezug auf kirchliche Angelegenheiten wurde hier 1846 die Evangelische Kirchenconferenz, im Herbst desselben Jahres die Hauptversammlung des Gustav-Adolfs-Vereins u. der Deutsch-evangelischen Missionsgesellschaft, im Mai 1847 das zweite Concil der Deutsch-katholiken u. im September 1857 die Versammlung der Freunde des Evangelischen Bundes abgehalten. Regeres politisches Leben entfaltete sich, nachdem hier 1846 zwischen Preußen, Rußland u. Österreich die Einverleibung Krakaus in die österreichischen Staaten beschlossen war, im Jahre 1847 nach Berufung des ersten allgemeinen Landtages; im März 1848 war B. Schauplatz eines blutigen Straßenkampfes, im October versammelte sich hier der Demokratische Congreß, vom November 1848 bis Ende Juli, 1849 wurde über die Stadt der Belagerungszustand verhängt u. im Mai 1849 wurde hier das Dreikönigsbündniß unterzeichnet; im Mai 1830 trat hier der Fürstencongreß zusammen u. im Juli wurde hier der Friede mit Dänemark abgeschlossen. Am 28 Juni 1853 wurde die neue Städteordnung eingeführt.

XVI. Literatur: Mila, Geschichte des Ursprunges B-s etc., Berl. 1829; Fidicin, Beiträge zur Geschichte der Stadt B., ebd. 1837, 3 Thle.; Klöden, Über die Entstehung etc. der Städte B. u. Köln, ebd. 1839; Fidicin, Die Gründung B-s, ebd. 1840; Chronik B-s für die Jahre 1837–40, herausgeg. von Gropius, ebd. 1837–40, 4 Jahrgänge; Geppert, Chronik von B., ebd. 1837 ff; Ramgo, Neue Berliner Stadtchronik, 1841; Braß, Chronik von B., 1841; Nicolai, Beschreibung B-s u. Potsdams etc., ebd. 1779, 2 Thle.; Gädicke, Lexikon von B. u. der umliegenden Gegend, ebd. 1806; Helling, Geschichtlich-statistisch-topographisches Taschenbuch von B. etc., ebd. 1830; Die Umgegend B-s, ebd. 1833; Cosmar, Bilder u. Skizzen aus dem Berliner Leben, ebd. 1839; Wegweiser durch B. u. Potsdam, 15. Aufl., ebd. 1854. Spiker, B. u. seine Umgebung im 19. Jahrh., ebd. 1833 ff.; Berlin, ein Führer etc., 5. Aufl., ebd. 1857.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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