Stadion


Stadion
Das Stadion von Olympia in Griechenland
Stadion in Messene mit steinernen Sitzstufen und unbefestigten Tribünen
Das Kolosseum in Rom. Amphitheater als Vorbild moderner Stadien

Ein Stadion (Pl. Stadien) ist ein Austragungsort von sportlichen Wettkämpfen in Form eines Spielfeldes. Umgeben wird dieses von einer nach oben meist offenen baulichen Struktur, die es einem Publikum ermöglicht, von Steh- oder Sitzplätzen aus das Geschehen zu beobachten. Oft werden Stadien auch für Konzerte und andere Großveranstaltungen benutzt. Seit einiger Zeit wird als Synonym Arena verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Stadion (altgr.) bezeichnete im ursprünglichen Wortsinn ein antikes griechisches Längenmaß mit einer Strecke von 600 Fuß, was je nach regionalem Fußmaß ungefähr einer Länge zwischen 165 und 196 m entspricht. In Griechenland war wohl schon in geometrischer Zeit der Lauf über die Strecke eines Stadions ein beliebter Wettkampf, so beispielsweise in Olympia seit 776 v. Chr. historisch überliefert. Die Bezeichnung des Längenmaßes hat sich auf die Wettkampfanlage übertragen, also auf die Laufbahn und die längs davon angelegten Zuschauerwälle.

Stadien wurden in vielen antiken griechischen Städten und Heiligtümern gefunden, so z. B. in

Während in Griechenland und Kleinasien Stadien auch noch in römischer Zeit errichtet wurden, spielten sie in Italien kaum eine Rolle, da die griechischen Sportkämpfe dort keine kultische Bedeutung hatten und lange als unmoralisch galten. Dennoch errichtete Kaiser Domitian in Rom ein Stadion (die heutige Piazza Navona).

Weitaus größere Bedeutung hatten dort die Amphitheater, in denen Kampfspiele und Tierhatzen stattfanden. Das bekannteste Beispiel ist das heute Kolosseum genannte Flavische Amphitheater in Rom. Aus den römischen Amphitheatern ist die Form des modernen Stadions entwickelt. Die moderne Wortbedeutung des Stadions ist viel weiter gefasst und bezeichnet Sportkampfstätten mit Besuchertribünen, meist mit einer um ein Rasenspielfeld angelegten Laufbahn.

Reitstadion in Aachen während der Weltreiterspiele 2006

Spielfelder

Mögliche Arten von „Spielfeldern“ sind:

Allianz Arena München

Architektur

Im Allgemeinen besteht ein Stadion aus den Teilen Erdstadion, Ingenieurbauwerk und (Tribünen-)Dach. Einige moderne Stadien können mittels eines verschließbaren Daches bei Bedarf in eine Halle umgewandelt werden. Bekannte deutsche Beispiele sind die Veltins-Arena, die Commerzbank-Arena und das Gerry-Weber-Stadion, sowie auf internationaler Ebene die Amsterdam Arena und das neue Wembley-Stadion in London. Andere Stadien zeichnen sich durch eine besondere Fassade oder Hülle aus (Allianz Arena München).

Grundriss

Der Grundriss eines modernen Stadions wird im Wesentlichen vom Verwendungszweck, beispielsweise der Gestalt des Spielfeldes, und der daraus resultierenden Anordnung seiner Tribünen geprägt. Da diese möglichst vielen Zuschauern eine gute Sicht auf das Sportgeschehen gewähren sollen, haben sich mit der Zeit für den jeweiligen Verwendungszweck bestimmte Grundrisse für Stadien bewährt:

Rosenaustadion Augsburg. Nach Leipzigs Zentralstadion zweitgrößtes deutsches „Nachkriegsstadion“

Ovaler Grundriss

Ein Stadion mit diesem Grundriss entspricht der allgemeinen Vorstellung von einem typischen Stadion. Bei besonders weitläufigen Stadien dieser Art (z. B. für Motorsportveranstaltungen) ist streng genommen der Grundriss aufgrund der zwei parallelen Geraden nicht oval, sondern nähert sich dieser Form nur an. Darüber hinaus sind in der Regel die Tribünen nicht geschlossen. Stadien mit ovalem Grundriss können insgesamt für folgende Verwendungen vorgesehen sein:

„Busch Stadium“ (Baseball) in St. Louis

Kreisförmiger Grundriss

Neben dem kreisförmigen Grundriss zählen hier auch Stadien mit kreisähnlichen Grundrissen dazu. Das betrifft vor allem Baseballstadien, welche ein gleichschenklig dreieckiges Spielfeld besitzen.

Tennis-Arena „Rod Laver“ in Melbourne

Rechteckiger Grundriss

Dieser Grundriss entsteht durch die geschlossene Anordnung vier gerader Tribünen um das Spielfeld. Allerdings besitzen relativ wenige dieser Bauwerke wirklich einen rechteckigen Grundriss, da in der Regel die Ecken oder sogar die gesamten Tribünen leicht abgerundet sind (z. B. Camp Nou). Diese Gestaltung, welche sich an die klassische ovale Stadionform anlehnt, soll von allen Zuschauerplätzen aus eine gleich gute Sicht auf das Spielfeld ermöglichen. Eine andere Umsetzung verkörpert zum Beispiel die Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Hier stehen die Tribünen entlang der Seiten- und Torlinien nicht parallel sondern leicht versetzt. Der Grundriss dazu bildet daher genau genommen ein Sechzehneck. Vorrangig werden Stadien mit rechteckigem Grundriss für folgende Sportarten genutzt:

Dieser Abschnitt stellt nur eine vereinfachte Einteilung hinsichtlich der Stadiontypen und ihrer Nutzung dar und besitzt daher nicht zwangsläufig für jedes Stadion seine Gültigkeit. Ein Beispiel hierfür bilden einige der sogenannten Motor Speedways, welche sich deutlich vom „ovalen“ Einheitslook der nordamerikanischen Rundkurse abheben und jeweils ihre eigene Charakteristik besitzen (z. B. Darlington Raceway und Daytona International Speedway). Ähnliches gilt auch für das Easycredit-Stadion in Nürnberg. Ein weiteres Beispiel sind die „reinen“ Fußballstadien in Südamerika, welche entgegen der in Europa vorherrschenden Norm häufig einen kreisförmigen Grundriss besitzen. Dies betrifft unter anderem das Maracana und Morumbi (beide Brasilien), sowie das Estadio Centenario (Uruguay). Ein Sonderfall unter den Stadien bilden aufgrund ihrer unregelmäßigen Streckenform die herkömmlichen Rennstrecken, welche beispielsweise in der Formel 1 oder im Motorrad-Rennsport befahren werden.

Anzahl der Ränge

Stadien können je nach Bauform unterschiedlich viele Zuschauerränge, d. h. übereinander liegende Ebenen der Zuschauertribünen, besitzen. Vorzugsweise bei Fußballstadien unterscheidet man daher in der Regel in:

Darüber hinaus gibt es beispielsweise mit dem Aztekenstadion in Mexiko-Stadt oder dem Madrider Santiago-Bernabéu-Stadion weitere Stadien, welche mehr als drei Ränge besitzen. Überhaupt ist diese Art der Einteilung in vielen Fällen eher subjektiv, da die Definition für einen Rang nicht eindeutig festgelegt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass es Stadien gibt, welche häufig durch wiederholte Umbaumaßnahmen eine ungleichmäßige Struktur besitzen, was sich bisweilen auch durch Tribünen mit ungleicher Rang-Anzahl widerspiegelt (z. B. Ibrox Stadium oder Signal Iduna Park).

Modulares Stadion

Ein Modulares Stadion[1][2][3] ist eine Sportstätte, die aus Modulen gebaut wird. Im Vergleich zu einem temporären Stadion, werden modulare Stadien ohne zeitliche Begrenzung, also permanent, errichtet. Dabei wird auf Beton beim eigentlichen Baukörper verzichtet. Im Vordergrund steht der Stahlbau. Das modulare Bauen arbeitet mit Elementen, die sich auch nach der eigentlichen Fertigstellung erweitern oder verkleinern lassen. Die Konstruktionen bleibt auf diese Weise flexibel, wiederverwendbar und können ohne großen Aufwand im Bedarfsfall neuen Anforderungen angepasst werden – etwa wenn ein Fussballclub in die nächsthöhere Liga aufsteigt.

In Verbindung mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nach Katar [4][5][6] hat man bereits Konzepte für die Errichtung modularer Stadien erarbeitet und auch Pläne für modulare Erweiterungen bestehender Sportstätten vorgelegt.

Projektliste Modulare Stadien:

Umbenennung des Stadionnamens

Seit den 90er Jahren verloren viele Stadien ihren angestammten, teilweise seit Jahrzehnten bestehenden Namen durch den Verkauf an einen Sponsor. Bei Stadienneubauten ist es inzwischen üblich, den Namen an einen Sponsor zu verkaufen, um mit dem Erlös einen Teil der Baukosten zu finanzieren (siehe Liste in Artikel Fußballstadion).

Katastrophen

Die Heysel-Katastrophe 1985 war eine der größten Stadion-Katastrophen in der Moderne. Bei einer Massenpanik nach Fan-Krawallen bei einem Fußballspiel starben 39 Menschen, 454 wurden verletzt.

Bei vergleichbaren Ereignissen, z. B. im Moskauer Luschniki-Stadion, waren sogar noch mehr Tote zu beklagen.

Rekord

Das größte Stadion mit einem Spielfeld in heute üblichen Dimensionen ist das Stadion Erster Mai auf der Insel Nŭngna-do in Pjöngjang, Nordkorea. Es hat eine Kapazität von 150.000 Zuschauern und wird für Sportveranstaltungen, Paraden und Feste genutzt.

Das absolut größte Stadion weltweit ist das Strahov-Stadion in Prag. Es fasst ca. 220.000 Zuschauer. Das Spielfeld ist an allen Seiten von Tribünen umgeben und hat eine Fläche von 62.876 m² (acht Fußballfelder, davon sechs in Standardgröße und zwei verkleinerte Felder). Es wurde hauptsächlich für Turnveranstaltungen, Spartakiaden und andere Massenveranstaltungen genutzt.

Die größte Sportstätte der Welt ist mit ca. 257.000 Sitzplätzen der Indianapolis Motor Speedway. Zusammen mit den Stehplätzen im Innenfeld erreicht er eine Gesamtkapazität von über 300.000 Zuschauern.

Auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sollte ab 1937 das Deutsche Stadion mit 100 Meter hohen Rängen und Plätzen für 400.000 Zuschauer entstehen. Allerdings wurden im 2. Weltkrieg die Bauarbeiten eingestellt. Die bis dahin ausgehobene Baugrube lief innerhalb kurzer Zeit mit Grundwasser voll und wurde nach Kriegsende teilweise mit Trümmerresten und Bauschutt verfüllt.

Erwähnenswertes

Stadionwurst: In allen deutschen und vielen internationalen Stadien gilt die Bratwurst als der beliebteste heiße Snack. Sie wird dort umgangssprachlich als Stadionwurst bezeichnet.

Im Tennisstadion von Wimbledon sind dagegen Erdbeeren mit Sahne die beliebteste Mahlzeit.

La Ola, die Welle, ist eine vom Publikum ausgeführte Massenperformance in Stadien.

Groundhopping nennt man das Bestreben von Personen, möglichst viele Stadien, Arenen oder Hallen einer bestimmten Sportart zu besuchen. Diese Personen bezeichnet man als Groundhopper.

Als Flitzer bezeichnet man Menschen, die in Stadien Aufmerksamkeit erregen möchten, indem sie während einer Veranstaltung nackt über das Spielfeld laufen. Bekanntester Flitzer ist der Brite Mark Roberts.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Brita Arena SV Wehen Wiesbaden. Abgerufen am 23. März 2010.
  2. Brita Arena SV Wehen Wiesbaden: Stadiongebäude nach Baukastenprinzip. Abgerufen am 23. März 2010.
  3. Empire Fields Vancouver, Canada. 6. Januar 2010, abgerufen am 23. März 2010.
  4. Katar WM-Stadions: Grüne Stadien in Qatar sind «aufwändig, aber machbar». Abgerufen am 23. März 2010.
  5. Qatar Stadiums for Fifa 2022 World Cup. Abgerufen am 23. März 2010 (englisch).
  6. Sportstätten: Stadien aus einer anderen Zeit. Abgerufen am 23. März 2010.
  7. Temporäres Stadion Fortuna Düsseldorf: airberlin ist Namensgeber für die mobile Arena in Düsseldorf. Abgerufen am 29. März 2010.
  8. Temporäres Stadion Fortuna Düsseldorf: Live Webcam. Abgerufen am 29. März 2010.

Weblinks

 Commons: Stadion – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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