Charles Manson


Charles Manson
Charles Manson, Fahndungsfoto, Januar 1971

Charles Milles Manson (* 12. November 1934 in Cincinnati, Ohio) ist ein US-amerikanischer Krimineller. Er war Anführer der Manson Family, einer Hippie-Kommune in Südkalifornien in der Nähe von Los Angeles. Manson war ein eigenwilliger und mäßig erfolgreicher Folkrock-Musiker. Die Manson Family wurde 1969 durch die Ermordung von Sharon Tate und vier weiterer Menschen sowie von Leno und Rosemary LaBianca weltweit berüchtigt. Manson hatte diese angeordnet, aber nicht selbst gemordet. Er wurde wegen Verabredung zum Mord zum Tode verurteilt und verbüßt nach Abschaffung der Todesstrafe 1972 in Kalifornien eine lebenslange Haftstrafe im kalifornischen Staatsgefängnis in Corcoran.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Manson wurde 1934 als uneheliches Kind der sechzehnjährigen drogen-/alkoholkranken Prostituierten Kathleen Maddox geboren. Kurze Zeit nach Mansons Geburt heiratete seine Mutter den Arbeiter William Manson, von dem Charles den Familiennamen hat. Seinen leiblichen Vater lernte Manson nie kennen. Es soll sich dabei um einen "Colonel Scott" genannten Mann gehandelt haben, den Kathleen nur flüchtig kennengelernt hatte. Die Mutter wurde während Mansons Kindheit wegen bewaffneten Raubüberfalls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, aus diesem Grund wuchs er bei verschiedenen Verwandten auf. Zuerst lebte er bei seinen Großeltern, später bei einer Tante und seinem Onkel, die ihn streng und religiös erzogen. Manson erlernte nie fließend Lesen und Schreiben, besaß aber ein ausgeprägtes rhetorisches Talent.

Manson als Teenager und junger Erwachsener

Er verbrachte einen Teil seiner Jugend in Erziehungsheimen und kam mit sechzehn Jahren zum ersten Mal in Haft, unter anderem wegen Diebstahls, Kreditkartenbetruges und Zuhälterei. Im Gefängnis wurde der nur 1,57 Meter große Manson von seinen Mitgefangenen oft misshandelt, missbraucht und verprügelt. Aber auch Manson verhielt sich während der Haft gewalttätig, so bedrohte er im Januar 1952 einen ebenfalls jugendlichen Mithäftling mit einer Rasierklinge und zwang ihn zum Analverkehr. Eine in Aussicht gestellte dreimonatige Haftverkürzung wurde daraufhin nicht gewährt, und Manson wurde in die Besserungsanstalt Petersburg/Virginia verlegt.

Am 8. Mai 1954 kam er wegen guter Führung auf Bewährung frei. Der 19-jährige Manson lernte bald die Kellnerin Rosalie Jean Willis kennen und heiratete sie. Gemeinsam bekamen sie einen Sohn, Charles Junior. Charles Manson bekam zur Resozialisierung eine Anstellung als Parkplatzwächter. Er beging kleinere Delikte, brach Fahrzeuge auf und entwendete Autoradios und Ersatzteile. Seine Bewährung wurde am 14. März 1956 widerrufen, und er erhielt abermals eine Gefängnisstrafe. Als seine Frau die Scheidung einreichte, versuchte er, aus dem Gefängnis mit einem gestohlenen Auto zu fliehen. Dies brachte ihm eine Straferhöhung ein. Am 30. September 1958 wurde Manson entlassen.[1]

Im Anschluss betätigte Manson sich als Zuhälter. Da der Vater einer Frau, die Manson schwängerte, sich an die Bewährungshelfer wandte, wurde er am 23. Juni 1960 wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen sowie Förderung der Prostitution und Scheckbetruges zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt.

Am 21. März 1967 wurde Manson mit 35 $ Handgeld auf Bewährung entlassen.[2]

Sektenführer Manson

Er begab sich nach San Francisco in den Haight-Ashbury District und schloss sich dort einer Hippie-Wohngemeinschaft an, deren Mitglieder als Musiker durch das Land reisten und Konzerte gaben.

Wenig später gründete er seine eigene Kommune, die sich „The Manson Family“ nannte, bestehend aus über zwanzig 13 bis 26 Jahre alten "Drop-Outs", weitgehend rothaarige Frauen schmaler Statur, aus problematischen Verhältnissen stammend. Zur Family gehörten auch einige Kinder, darunter Mansons eigener Sohn, den Mary Brunner 1968 geboren hatte. Die Gruppe bestand aus einem festen Kern (ca. 20), dem sich viele für kürzere Zeiträume oder auch wiederholt anschlossen.

Charles Mansons Philosophie gründete auf einer rassistischen Denkweise, nur Weiße waren als Mitglieder erwünscht. Obwohl Manson verkündete, dass Frauen keine Seelen hätten und lediglich als Dienerinnen des Mannes eine Daseinsberechtigung besäßen, waren es besonders die weiblichen Mitglieder der Gruppierung, die immer wieder neue Bewerberinnen anlockten. Teilweise war der Andrang so groß, dass Manson per Losentscheid entschied, wer bleiben durfte oder zu gehen hatte.

Die Family wurde von Manson autoritär geführt; „Negermusik“ hören (beispielsweise Jimi Hendrix) war strengstens untersagt, auch das Tragen von Brillen sowie der Verzehr von Fleisch waren streng verboten. Manson versuchte neue Mitglieder mit Hilfe von Drogen und Gruppensex anzuziehen. Die Mitglieder machte er mit psychischer (auch sexueller) Abhängigkeit und Drogen, besonders LSD, gefügig.

„Prophet“ Manson

Manson prophezeite, dass 1969 die schwarzen Amerikaner rebellieren und grausame Morde in den Villen reicher weißer Amerikaner begehen würden. Ein Rassenkrieg wäre die Folge, den die Afroamerikaner gewinnen würden, worauf alle "weißen" Amerikaner ermordet würden. Überleben könnte man dieses Massaker nur, indem man sich ihm und seiner Family anschloss.

Die siegreichen Schwarzen wären aber auf Grund der sklavischen Natur ihrer Rasse unfähig dazu, sich selbst zu führen. Deshalb würden sie irgendwann ihn zu ihrem neuen Anführer wählen und zum Herrscher über die Welt machen.

Er verkündete seinen Anhängern, dass unter dem Tal des Todes eine riesige Höhle zum Paradies sei, in der man sich vor den Unruhen verstecken und diese nur dort überleben könne. Später würden alle dort Befindlichen von Jesus und den Beatles, alle vier als Engel, in die Seligkeit geführt werden. Den Chaos-Zustand des angeblich bevorstehenden Rassenkrieges nannte Manson „Helter Skelter“ und bezog sich damit auf den gleichnamigen Beatles-Song, aus dem er diesbezüglich geheime Botschaften herauszuhören glaubte.

Nach der Kontaktaufnahme zu satanistischen Gemeinschaften im Frühjahr 1968 verkündete Manson alsbald, dass er Jesus und Satan in einer Person sei, und erklärte sich zu einer Wiedergeburt Aleister Crowleys.

Als die angekündigten Unruhen 1969 nicht einsetzten, behauptete er, man müsse „den dummen Schwarzen zeigen, wie man Weiße tötet“. Um Aufmerksamkeit zu erregen, waren seine Ziele die Reichen und Berühmten in Bel Air.

Musiker Manson

Der nicht unbegabte und charismatische Manson hatte schon während seiner Haftzeit große Ambitionen als Musiker. Als die Beatles 1964 die USA bereisten, erreichte die einhergehende Beatlemania auch das MCNeil-Gefängnis, in dem Manson verwahrt wurde. Mitgefangene erinnerten sich daran, dass Mansons Interesse an den vier Musikern wahnhaft gewesen sei.

1967 arbeitet er als Straßenmusiker entlang der Westküste. Mehrere seiner frühen Anhängerinnen wie Mary Brunner und Susan Atkins lernten ihn kennen, als er Gitarre spielte und sang.[3]

1968 hatte Dennis Wilson, Mitglied der US-amerikanischen Band Beach Boys, zwei Anhalterinnen mitgenommen, die zu Mansons Gruppe gehörten. Sie machten Wilson mit Manson bekannt. Zeitweise wohnte die Family in Wilsons Villa am Sunset Boulevard 14400. Anfänglich freundete sich Wilson mit der Situation an. Er unterhielt sich gerne mit Manson über dessen Philosophie, sie nahmen gemeinsam Drogen, redeten über Musik und spielten zusammen Gitarre. Manson und Dennis begannen, zusammen Lieder zu schreiben, und Wilson wollte ihm helfen, im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Seine beiden Brüder, Brian und Carl Wilson, produzierten zu diesem Zweck mit Charles Manson eine Demoaufnahme. Dennis Wilson machte Manson auch mit dem Produzenten Terry Melcher bekannt, bei dem die Aufnahmen, nach anfänglichem Interesse, keinen Anklang fanden.[4]

Mansons Lied Cease to Exist schaffte es 1969 unter dem Titel Never Learn Not to Love als B-Seite auf eine Beach-Boys-Single. Brian Wilson hatte an Mansons Lied einige Veränderungen vorgenommen, insbesondere am Text, was Manson sehr erzürnte. Als Honorar erhielt Manson Geld sowie ein BSA-Motorrad, das er Family-Mitglied Litte Paul schenkte.[5] Die Family nutzte ungefragt Wilsons Besitz, u.a. dessen Kreditkarte, stahl dauerhaft Kleidungsstücke und verschenkte oder tauschte zehn goldene Platten Wilsons; eine erhielt die Besitzerin der Barker Ranch. Dennis Wilson schätzt, dass die Beherbergung der Family ihn 100.000 $ gekostet hat. Einmal bedrohte Manson Wilson lt. dessen Aussage mit einem Messer, der das gelassen hinnahm. Kurz darauf zog Wilson aber aus seiner eigenen Villa aus und überließ es seinem Management, in der Villa für Ordnung zu sorgen und die Family des Hauses zu verweisen. Den Kontakt zu Manson brach er im Frühjahr 1969 ab, im Sommer forderte Manson erneut Geld von ihm und drohte sogar, Wilsons Sohn Scott zu entführen.[5]

1969, erst nach den Morden, wurde auch die Öffentlichkeit auf den Musiker Manson aufmerksam. Ein Folkrockkritiker bezeichnete die Songs als höchst gewöhnlich, allerdings mit gutem Gitarrenrhythmus unterlegt, konnte aber nichts Originelles an der Musik entdecken. Die Texte beschrieb er als "unheimlich." Auch Dennis Wilson äußerte sich zu Mansons musikalischem Talent. Er sagte, dass ihm dessen Spontanität beim Musizieren gefallen hätte, er aber keinen einzigen Funken Musikalität besitzen würde. Im Gegensatz zu dieser nach Mansons Verhaftung erfolgten Aussage, hatte er aber zuvor sehr viel dafür getan, dass Manson musikalisch erfolgreich werden könnte.[6]

1970 wurde Mansons erste Langspielplatte unter dem Titel „LIE“ veröffentlicht, die Verkaufszahlen waren unbedeutend.

Manson ist bis heute musikalisch aktiv und veröffentlicht seine Musik bisweilen auf Kleinstlabels.[7]

Manson und Gewalt

Eskalierende Gewalt

Ab Mitte 1968 wurde Mansons Verhalten zunehmend aggressiver und er bekam regelmäßig Wutanfälle. Gewalttätig innerhalb der Family wurde er nur gegenüber weiblichen Mitgliedern. Bevorzugtes Opfer war die erst 13-jährige Diane Lake alias Snake, diese wurde nahezu täglich von Manson, auch mit Gegenständen, geschlagen. Musikproduzent Terry Melcher wurde im Frühjahr 1969 einmal Zeuge davon, wie Manson den Ranchcowboy Randy Starr verprügelte – zeitgleich verebbte Melchers Interesse an Mansons Musik. Am 1. Juli 1969 verletzte Manson den schwarzen Drogendealer Bernard Crowe durch einen Bauchschuss schwer.[8] Manson benutzte hierbei dieselbe Waffe, die kurz darauf von Charles „Tex“ Watson bei den Tate-Morden eingesetzt werden sollte.

Mord an Gary Hinman

Der erste belegte Mordauftrag, den Manson erteilte, erfolgte Ende Juli 1969 und war gegen den Musiker und Bekannten der Family, Gary Hinman, gerichtet. Hinman beherbergte zuvor in seinem Haus zeitweise Family-Mitglieder und versorgte die Kommune mit diversen Drogen, darunter LSD und Meskalin. Bei einem größeren Meskalindeal lieferte Hinman angeblich Untaugliches, das an die Rockergang „Straight Satans“ weitergereicht worden war; diese Gruppierung forderte von Manson das Geld zurück. Daraufhin entsandte Manson Mary Brunner, Bobby Beausoleil und Susan Atkins zu Hinman, die diesen über zwei Tage folterten, um von ihm Geld zu erhalten. Hinman weigerte sich oder konnte nicht zahlen, daraufhin erschien Manson persönlich am Tatort und beteiligte sich an den Folterungen. Schlussendlich schnitt oder schlug er Hinman ein Ohr ab und verließ die Szenerie mit den an Beausoleil gerichteten Worten: „Du weißt, was zu tun ist!“ Daraufhin erstach Beausoleil Hinman in Mansons Abwesenheit. Die Mörder hinterließen mit Hinmans Blut an den Wänden die Worte „Political piggy“ und einen Tatzenabdruck, letzteres, um den Verdacht auf die militante Schwarzenbewegung „Black Panthers“ zu lenken.

Kurz darauf wurde Beausoleil mit blutverschmierter Kleidung schlafend in Hinmans Wagen von der Polizei aufgegriffen. Hinmans Leiche war bereits gefunden worden, der Wagen zur Fahndung ausgeschrieben. Beausoleil wurde wegen Mordverdachts in Haft genommen.

Die Tate-Morde

Wenige Tage später entsandte Charles Manson Susan Atkins, Patricia Krenwinkel, Linda Kasabian und Charles Watson in das ehemals von Melcher bewohnte Haus am Cielo Drive. Melcher wohnte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dort, die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate, die das Haus mit ihrem Ehemann Roman Polański gemietet hatte, ihre Freunde Jay Sebring, Abigail Folger und Voyteck Frykowski und der zufällig auf dem Grundstück anwesende Steven Parent wurden zu Opfern der Family. Die Gruppe drang in der Nacht vom 8. auf den 9. August 1969 in das Haus ein und ermordete die Anwesenden durch Schüsse und zahlreiche Messerstiche. Mit dem Blut von Sharon Tate schrieb Susan Atkins das Wort „PIG“ an die Haustür.

LaBianca-Doppelmord

Am nächsten Tag ermordeten Mitglieder der Family den italienischen Supermarktbesitzer Leno LaBianca und seine Frau Rosemary, die eine Edelboutique betrieb, in deren Villa in Los Angeles. Manson selbst war anfangs zugegen, fesselte die Opfer und verließ dann den Tatort. Tex Watson, Patricia Krenwinkel und die bislang nicht gewalttätig in Erscheinung getretene Leslie Van Houten verübten daraufhin die Morde. Mit dem Blut der Opfer wurden die Wörter „Death to pigs“ und „Rise“ an die Wände des Hauses geschrieben und „Healter Skelter“ an die Kühlschranktür geschmiert. Leno LaBianca wurde das Wort „War“ in den Bauch geritzt, zudem steckte eine Tranchiergabel in seinem Bauch.[9][10]

Die Morde in der Polański-Villa und dem LaBianca-Anwesen wurden zunächst getrennt untersucht. Dass beide zusammenhingen, wurde erst Ende Oktober 1969 klar, als Susan Atkins im Gefängnis, wo sie wegen Mordverdachts im Fall Hinman einsaß, zwei Mitgefangenen gegenüber mit ihrer Beteiligung an den Tate-Morden prahlte.

Ermordung von Donald „Shorty“ Shea

Am 16. August, rund eine Woche nach den Morden, wurden die meisten Tatbeteiligten einschließlich Manson auf der Spahn Movie Ranch festgenommen - allerdings nicht wegen Mordes, sondern wegen Autodiebstahls. Manson vermutete, der Stuntman Donald „Shorty“ Shea, der auf der Spahn Movie Ranch arbeitete, hätte sie verraten. Nach der Freilassung Mansons und anderer Mitglieder verschwand Shea Ende August 1969 spurlos. Obwohl die Leiche lange nicht gefunden wurde, wurden mehrere Family-Mitglieder wegen der Ermordung Sheas verurteilt, darunter „Clem“ Steve Grogan, der im Rahmen seiner Resozialisierungsbemühungen Anfang 1977 die Ermittler zu Sheas Grab in der Nähe der Spahn Movie Ranch führte.

Motiv der Gewalttaten

Die genauen Motive für die Tate- bzw. LaBianca-Morde sind nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Möglich ist, dass Manson das von ihm erträumte „Helter-Skelter“-Chaos entfachen wollte. Die Geldbörse von Rosemary LaBianca wurde in einer Tankstelle einer schwarzen Wohngegend platziert, Schwarze sollten die Kreditkarten benutzen, damit die Morde den Schwarzen angelastet werden könnten. Ein Rassenkrieg sollte die Folge sein. Mehrere Family-Mitglieder, darunter Susan Atkins, gaben dies als Motiv für die Taten an. Die Staatsanwaltschaft baute ihre Anklage auf das Helter-Skelter-Motiv auf, nur mit dieser Motivlage konnte sie Manson als geistigen Urheber der Morde überführen. Die Jury folgte bei ihrem Schuldspruch der vorgelegten Beweiskette, inklusive dem Helter-Skelter-Motiv.[11]

Ein weiterer Anlass könnte die Inhaftierung von Family-Mitglied Bobby Beausoleil gewesen sein. Beausoleil hatte nach einem gescheiterten Mescalin-Deal den Musiklehrer Gary Hinman auf Anweisung Mansons getötet. Atkins, Krenwinkel, Van Houten und Watson könnten die nachfolgenden Morde als Nachahmungstaten inszeniert haben, um den inhaftierten Beausoleil zu entlasten. Manson ging darauf auch in seiner Verteidigungsrede ein, in der er sagte, dass dies alles nur aus Liebe für ihren zu Unrecht verhafteten „Bruder“ Robert Beausoleil geschehen wäre.

Dass die Morde am Cielo Drive 10050 den Musikproduzenten und Vormieter des Hauses, Terry Melcher, hätten treffen sollen, ist eine weitere unbestätigte Theorie. Melcher hatte Manson keinen Plattenvertrag gegeben und bis Januar 1969 am Cielo Drive gewohnt. Manson war am Tag vor Sharon Tates Abreise nach England im Frühjahr 1969 auf dem Grundstück und wurde von Sharon Tates Fotografen an der Tür abgewiesen mit dem Hinweis, dass Melcher nicht mehr dort wohne. Er musste daher wissen, dass neue Mieter eingezogen waren. Der Besitzer des Anwesens, Rudi Altobelli, erinnerte sich später an den gemeinsamen Flug nach Europa mit Tate und deren Bemerkung über den Besucher vom Vortag. Manson hatte laut Altobellis Aussagen einen sehr negativen Eindruck bei ihr hinterlassen.

Verhaftung

Am 16. August 1969 wurden Manson und Mitglieder seiner Family unter dem Verdacht des Autodiebstahls auf der Spahn's Movie Ranch in den Santa Susanna Mountains festgenommen. Einige Tage später mussten sie wegen eines falsch datierten Haftbefehls wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Manson und seine Anhänger zogen auf die Barker Ranch im Death-Valley-Nationalpark um.

Am 12. Oktober 1969 wurden sie dort bei einer Polizei-Razzia verhaftet. Die Gruppe hatte eine neue Straßenbaumaschine (Anschaffungswert 30000 US$) angezündet und so auf sich aufmerksam gemacht. Manson und seinen Anhängern wurden Brandstiftung und schwerer Diebstahl zur Last gelegt. Erst in den darauffolgenden Wochen wurde durch die polizeilichen Ermittlungen und Zeugenaussagen die Urheberschaft der Manson-Family an den Tate-Morden,den Morden am Ehepaar LaBianca, an Gary Hinman und Donald Shea deutlich.

Prozess

Am 24. Juli 1970 begann der Tate-LaBianca-Mordprozess gegen Charles Manson, Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten in Los Angeles. Linda Kasabian sagte als Kronzeugin aus. In dem bis dahin längsten Strafverfahren der US-Geschichte verbrachten die Geschworenen 225 Tage isoliert im Ambassador Hotel. Der Prozess verlief turbulent. Mansons weibliche Mitangeklagte trugen bizarre Selbstbezichtigungen vor und beteuerten die Unschuld ihres Gruppenführers. Die skurrile Selbststilisierung der Beschuldigten, die schockierende Grausamkeit der Taten und der ungeklärte Todesfall von Ronald Hughes, dem Strafverteidiger von Leslie Van Houten, der sich bei der Family unbeliebt gemacht hatte, da er Manson die Hauptschuld gab, sorgten für ein beispielloses Medieninteresse.[12]

Während des Prozesses brannte sich Manson erst ein X in die Stirn, das er im Prozessverlauf zu einem Hakenkreuz umwandelte, das noch heute zu sehen ist.[13] Seine Anhänger folgten sofort seinem Beispiel und brannten oder schnitten sich ebenfalls ein X in die Stirn, die Swastika übernahmen Mansons Jünger aber nicht. Manson bewunderte Adolf Hitler und den als Wüstenfuchs bezeichneten General Rommel. Seinen Anhängern verkündete er, dass Hitler die besten Antworten auf alles gehabt hätte und dass er das Karma der Juden ausgeglichen habe. Am 29. März 1971 verurteilte die Jury die vier Angeklagten zum Tod in der Gaskammer. Der vorsitzende Richter Charles Older bestätigte das Urteil am 19. April 1971.

In der Todeszelle

Charles Manson wurde im April 1971 in eine Todeszelle in San Quentin gebracht. Am 18. Februar 1972 erklärte der Oberste Gerichtshof von Kalifornien die Todesstrafe für verfassungswidrig. Alle Todesurteile wurden daraufhin in lebenslängliche Haftstrafen umgewandelt. Im Oktober 1972 wurde Manson in das Folsom State Prison überstellt. 1973 wurde dort ein Giftanschlag auf Manson mit Strychnin verübt, Manson überlebte den Mordanschlag und kommentierte diesen als neue Erfahrungsebene. Im Mai 1976 wurde er in das California State Medical Corrections Facility, das größte US-amerikanische Gefängniskrankenhaus in Vacaville (Solano County) verlegt. Die Wiedereinführung der Todesstrafe in Kalifornien im Jahr 1978 hatte für die zum Tode Verurteilten der Mansonbande keine Bedeutung; die Umwandlung der Todestrafen in lebenslange Haftstrafen war gesetzmäßig verbindlich.

1984 wurde Manson von einem Mitgefangenen mit Nitroverdünnung überschüttet und angezündet, er erlitt dabei schwerste Verbrennungen. Im Juli 1985 wurde Charles Manson nach San Quentin gebracht, seit März 1989 sitzt er im kalifornischen Staatsgefängnis in Corcoran (Kings County) ein.

Im Mai 2007 wurde sein mittlerweile elftes Bewährungsgesuch abgelehnt, das nächste Gnadengesuch kann nun frühestens 2012 eingereicht werden.

Über die Jahre hinweg distanzierten sich die meisten Family-Mitglieder von Charles Manson und wandten sich dem Christentum zu. Einige von ihnen heirateten im Gefängnis und gründeten eine Familie. Nur zwei Mitglieder der ehemaligen Family halten Manson bis heute noch die Treue (Lynette Fromme und Sandy Good).

Mythos Manson

Es gibt inzwischen viele Artikel mit Bezug zu Charles Manson zu kaufen. So gibt es unter anderem T-Shirts, Poster, Anstecker und Aufnäher. Es existieren etliche Bücher und andere Printmedien, dazu noch diverse Veröffentlichungen aus dem Audio- und Videobereich sowie etlichen Internetpräsenzen, wobei hier der Bereich von naiver, kultartiger Verehrung bis hin zum Versuch einer ernsthaften Dokumentation der Geschehnisse um Manson variiert. Es existieren sowohl Tonträger mit Material von vor seiner Inhaftierung als auch Aufnahmen, die in Haftanstalten aufgenommen wurden. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Musik oder Interviews auf nicht lizenzierten Tonträgern. Einen nahezu ikonenartigen Status erreichte das Cover des Life-Magazins vom 19. Dezember 1969, es wurde zu einer Art Markenzeichen für oben genannte Manson-Devotionalien. Manson hält zudem den Rekord, jener Haftgefangene zu sein, der die meisten E-Mails, Briefe und Grußkarten bekommt.

Sonic Youths Album Bad Moon Rising (1985) mit dem darauf enthaltenen Titel Death Valley '69, das Album Evol (1986) sowie Teile des Bootlegs The Walls Have Ears (1985) beschäftigen sich thematisch mit Manson. Lydia Lunch schrieb die Texte für Death Valley '69, welches auch unter dem Titel Spahn Ranch Dance bekannt ist. Der Titel der LP The Whitey Album von Ciccone Youth (einem Nebenprojekt von Sonic Youth) von 1988 spielt außerdem mit dem Wort „Whitey“ (Bezeichnung für Weiße als Pendant zu „Nigger“) auf Mansons Rezeption des weißen Albums der Beatles an. Auch in dem Lied Glad to See You Go von den Ramones wird Charles Manson mehrmals erwähnt.

1988 verarbeitete Ozzy Osbourne auf dem Album No Rest for the Wicked in dem Song Bloodbath in Paradise die Morde der Manson-Family, in dem zu Beginn ein Manson-Zitat rückwärts abgespielt wird. 1993 veröffentlichte die Hard-Rock-Band Guns N’ Roses den Manson-Song Look at Your Game Girl als Hidden Track auf dem Album The Spaghetti Incident?. Schock-Rocker Marilyn Manson hat Charles Mansons Namen angenommen, allerdings nicht, um seine Verehrung auszudrücken, sondern um zwei Extreme US-amerikanischer Popularität, Marilyn Monroe und Charles Manson, in einem Namen zusammenzufassen, um beispielsweise den Irrsinn und die Tragik des Starkults hervorzuheben, der beiden Geschichten anhaftet. Auch er veröffentlichte ein Lied von Charles Manson (My Monkey) auf seinem Album Portrait of an American Family. 1995 verwendete die Metalband Paradise Lost Manson-Zitate in Forever Failure auf Draconian Times. Auch die Alternative-Metal-Band System of a Down zeigt sich zum Teil von Charles Manson inspiriert, beispielsweise mit dem Lied ATWA auf dem Album Toxicity. Scars on Broadway, die Band von Daron Malakian, erwähnt Manson in der Single 3005 auf dem Album Scars on Broadway. Die US-amerikanische Horrorpunkband Die Monster Die widmete Manson auf ihrem Album Honor Thy Dead das ironische Lied Charles Manson, He's So Handsome. Die Band Der Blutharsch verarbeitete in einem ihrer Songs einen von Manson gesprochenen Text („The war is not over“), ebenfalls erwähnt die Band Mushroomhead Charles Manson in ihrem Song Bwomp. Das Stück A Poem About an Old Prison Man der polnischen Death-Metal-Band Decapitated basiert zudem auf einem Gedicht Mansons. In der amerikanischen Zeichentrickserie South Park bekam Manson eine Spezialfolge, in der er aus dem Gefängnis flieht, zum Ende hin ein gutes Gemüt bekommt und seine Memoiren schreibt. 2009 beschäftigte sich die Ausstellung MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation in der Hamburger Kunsthalle mit dem Mythos Charly Mansons.

Literatur

  • Vincent Bugliosi: Helter Skelter. The True Story of the Manson Murders. Arrow, London 1992, ISBN 0-09-997500-9.
    • Deutsche Ausgabe: Vincent Bugliosi, Curt Gentry (Bearb.): Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson. Riva, München 2010 (übersetzt von Anke Kreutzer), ISBN 978-3-86883-057-6.
  • Ed Sanders: The Family. Die Geschichte von Charles Manson. Rowohlt, Reinbek 1995 (1. Ausgabe 1972), ISBN 3-499-19644-1.
  • Charles Watson: Bekenntnisse eines Mörders. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1988, ISBN 3-7751-1316-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ed Sanders: The Family. S. 18.
  2. Ed Sanders: The Family. S. 28.
  3. Ed Sanders: The Family. S. 29–30.
  4. Vincent Bugliosi: Helter Skelter. The True Story of the Manson Murders. S. 372–373.
  5. a b Ed Sanders: The Family. S. 83–84.
  6. Vincent Bugliosi: Helter Skelter. The True Story of the Manson Murders. S. 373.
  7. Charles Mansons Diskografie bei Discogs, abgerufen am 29. Oktober 2010.
  8. Vincent Bugliosi, Curt Gentry (Bearb.): Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson. Riva, München 2010 (übersetzt von Anke Kreutzer), ISBN 978-3-86883-057-6, S. 604.
  9. Vincent Bugliosi, Curt Gentry (Bearb.): Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson. Riva, München 2010 (übersetzt von Anke Kreutzer), ISBN 978-3-86883-057-6, S. 70 und 71.
  10. Ed Sanders: The Family. S. 305.
  11. Vincent Bugliosi, Curt Gentry (Bearb.): Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson. Riva, München 2010 (übersetzt von Anke Kreutzer), ISBN 978-3-86883-057-6, S. 445–561/599.
  12. Manson wollte sich selbst verteidigen, dies wurde ihm aber untersagt. So hatte er nur Gelegenheit, sich als Angeklagter zu äußern. Die deutschsprachige Übersetzung seiner einstündigen Aussage ist nachzulesen unter: http://serien-killer.com/000000968e11c0e2b/53735996aa0cb7301/00000096900132506/537359974c043ee01.html
  13. Ivor Davis: The Devil's disciples. 40 years after his killing sprees, Charles Manson is now a grotesque celebrity with a Twitter page. In: Daily Mail. 8. August 2009 (mit Photos von Manson von 1971 und heute, Mail online, abgerufen am 22. Oktober 2010).



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