Gottesdienst

Gottesdienst, oder richtiger Gottesverehrung. Mit dieser Benennung bezeichnet man alle Handlungen, durch welche religiöse Gefühle ausgedrückt oder auch erst erweckt werden sollen. Diese Handlungen sind nun entweder durch den Stifter einer Religion förmlich eingesetzt und vorgeschrieben worden, oder die Sitte hat sie eingeführt, oder eine religiöse Gesellschaft hat sich zu ihrer Beobachtung vereint. Zu leicht vergißt der Mensch über der Sorge für die Außenwelt, die Dankbarkeit gegen den, aus dessen liebevoller Vaterhand ihm aller Segen kommt. Deßhalb sind Anstalten nothwendig, welche den Menschen theils auf seine Abhängigkeit von der Gottheit aufmerksam machen, theils aber auch fromme Gefühle und Entschlüsse in ihm anregen. Dieser Zweck wird nun am sichersten durch den öffentlichen Gottesdienst erreicht. Hier wirkt die an Andern wahrgenommene gefühlvolle oder vielmehr religiöse Stimmung, wahre, reine und vielleicht auch fruchtbringende Begeisterung für das Gute, Edle und die Absichten des Schöpfers Fördernde. Die Formen sind zwar in der Regel nach Verschiedenheit der religiösen Vorstellungen des Charakters und der sittlichen Bildung der Menschen verschieden, aber der Zweck bleibt bei Allen derselbe: Anerkennung der Uebermacht höherer Wesen, Dank für erwiesene Gnade, Bitte um fernere Gunstbezeigungen. Am tiefsten steht der Fetischmus oder der Gottesdienst, welcher nur auf Begehren und Verabscheuen, auf Furcht und Hoffnung sich gründet und rohe Steine anbetet. Höher steht der Sabäismus, welcher von dem wohlthätigen Einfluß der Gestirne ausgeht und sie verehrt. Doch beiden fehlt die moralische Grundlage. Diese zeigt sich erst im Polytheismus, welcher ausgezeichnete Menschen feiert, die sich durch Großthaten oder durch nützliche Erfindungen Ansprüche auf Achtung erworben haben. Am höchsten steht der Monotheismus, welcher einen einzigen, allmächtigen, heiligen, über alle menschlichen Begriffe erhabenen Weltregierer verehrt. Zwar kann man auch zu Hause oder in Gottes großem Tempel, in der weiten Natur, Privatgottesdienst feiern, aber nie wird hier der Zweck so vollkommen erreicht, als bei dem öffentlichen, wo die Heiligkeit des Ortes, die Absonderung von jeder entweihenden Nähe, des Gebetes Eifer, die Begeisterung der Gemeinde, des Gesanges heilige Macht das Herz mächtig ergreift, erhebet und heiliget.

–s–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Synonyme:

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  • Gottesdienst —  Gottesdienst …   Hochdeutsch - Plautdietsch Wörterbuch

  • Gottesdienst — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Auch: • Kirche • Dienst • Service Bsp.: • Er geht selten in die Kirche. • Das Dorf hat eine schöne Kirche. • …   Deutsch Wörterbuch

  • Gottesdienst — Gottesdienst, die Art u. Weise, durch Gefühle, Gesinnungen u. Handlungen seine Ehrfurcht gegen Gott, als das höchste Wesen, auszudrücken u. sich zum Gehorsam gegen die Gebote desselben zu erwecken. Jede Religion hat nach ihren verschiedenen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gottesdienst — Gottesdienst, gewöhnlich soviel wie Kultus (s. d.). Da die Religion (s. d.) auf einer praktischen Nötigung des persönlichen Geisteslebens beruht, ist es natürlich, daß auch die Lösung des praktisch empfundenen Gegensatzes von Freiheit und… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gottesdienst — Gottesdienst, s.v.w. Kultus (s.d.); auch die kirchliche Einzelfeier …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Gottesdienst — Gottesdienst, kann von der Gottesverehrung nur unterschieden werden, insofern man Form und Inhalt einer und derselben Sache, die äußeren religiösen Gebräuche u. die innere Andacht getrennt denkt. Im weitesten Sinne ist G. die Hingebung des… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Gottesdienst — Gottesdienst, Gottesfurcht, gottesfürchtig, Gotteshaus, Gotteslästerung, Gottheit, göttlich, gottlob ↑ Gott …   Das Herkunftswörterbuch

  • Gottesdienst — Ein Gottesdienst ist eine religiös motivierte Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben oder Opfer zu bringen bzw. eine auferlegte religiöse Pflicht zu erfüllen. Er kann in einer… …   Deutsch Wikipedia

  • Gottesdienst — Messe; Andacht; Mette; Messfeier * * * Got|tes|dienst [ gɔtəsdi:nst], der; [e]s, e: (in den christlichen Kirchen) religiöse Feier der Gemeinde (mit Predigt, Gebet, Gesang): ein evangelischer, katholischer, ökumenischer Gottesdienst; den… …   Universal-Lexikon

  • Gottesdienst — 1. Alles Gottesdienst stehet im gehorsam. – Henisch, 1440, 62; Petri, II, 7. Dän.: Ret Guds tieneste læres ved troen, ei ved fornuften. (Prov. dan., 260.) 2. Der grösseste Gottesdienst ist gehorsam. – Petri, I, 16. 3. Der Polnisch gotsdienst, Ein …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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