Liebhabertheater

Liebhabertheater, Privattheater. Die wachsende Theilnahme für dramatische Darstellungen, das Verlangen, die Stunden in geselligen Kreisen mit etwas Anziehenderem als Tanz, Kartenspiel und Medisancen auszufüllen, hat die Liebhabertheater in's Leben gerufen. Fast jeder Mensch besitzt den Ehrgeiz, seine Bestrebungen, namentlich Kunstleistungen, wenn sie auch nur approximativ sind, vor einem größeren Kreise zu zeigen und die Hoffnung auf glücklichen Erfolg, auf Beifall, beschwichtigt jedes Mal sehr leicht die angeborne, anerzogene Zaghaftigkeit. Nenne man dieß Eitelkeit – das Resultat bleibt in der Regel ein erfreuliches, weil es in den meisten Fällen ein genußreiches ist. Daß die herbe und öffentliche Kritik in Privatcirkeln verstummt, belebt den Muth derjenigen, die durch ihre Darstellung zur Erheiterung beitragen wollen. Großen Reiz hat überdieß das wechselseitige Mitwirken der Darstellenden, der trauliche Verkehr, in welchen sie mit einander treten, die gegenseitige freundliche Berührung in den Proben und scenischen Vorbereitungen. Ein deutscher Schriftsteller nennt die Liebhabertheater geheime Heirathsbureaus; denn hier wie nirgends lernen sich junge Leute ohne die Beschränkungen des socialen Ceremoniels und dennoch innerhalb der Schranken des Anstandes besser und genauer kennen, als dieß auf Bällen, in Concerten und Soireen der Fall ist! – Van der Velde hat uns ein solches Liebhabertheater in seiner gleichnamigen Novelle mit allen seinen Freuden und Mühseligkeiten, seinen kleinen Intriguen, Verliebungen und Enttäuschungen meisterhaft geschildert. – Bei der Organisation von Liebhabertheatern muß namentlich auf den disponiblen Personalbestand der befähigten Individuen und auf die Localität Rücksicht genommen werden. Es versteht sich von selbst, daß es Privatcirkeln nicht beikommen wird, höhere Kunstaufgaben zu lösen und mit den dramat. Darstellern vom Fache in die Schranken zu treten. Ihre Leistungen beschränken sich in der Regel auf das Conversationsstück, die Posse, das Singspiel und allenfalls eine Operette. Und gerade in diesem Genre ist es Privatvereinen häufig gelungen, die Schauspieler stehender Bühnen durch das Ensemble, durch Feinheit, Decenz und Grazie der Darstellung, durch Präcision und Delicatesse zu übertreffen. Ein solches Resultat entspringt aus der wechselseitigen Liebe zu einer Lieblingsidee, aus dem rastlosen Fleiße, der durch keine Brod- und Beschäftigungsrücksichten gehemmt wird, aus dem Grade der socialen Bildung, den Mitglieder solcher Vereine in der Regelbesitzen. – Müllner gab in seinem Almanach für Privatbühnen brauchbare Andeutungen für solche gesellige Unterhaltungen. Er, Kotzebue, Steigentesch, Kurländer, Lebrun und Andere haben viele, recht gute dramat. Kleinigkeiten für die Darstellung auf Liebhabertheatern geschrieben.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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