Sclaven

Sclaven. Die Sclavenketten sind fast so alt wie die Geschichte, sie sind älter als die Blumenketten, als die Lorbeer- und Myrthenkränze; alle alten Völker hegten und pflegten die Sclaverei, und selbst in dem Haine von Paphos tönte durch die festlichen Gesänge, die Aphroditens süße Macht priesen, das Kettengeklirr der das Opfergeräth herbeischaffenden S. Der freigeborne Römer überließ S. den Handel und alle Handarbeiten, und ein Heer von hundert Sclavinnen stand stets bereit, der stolzen Römerin die unersättlichen Wünsche ihrer ausschweifenden Vergnügungssucht zu befriedigen. Eine jede derselben hatte einen besonderen Theil der Toilette zu besorgen. Es gab Schminkmädchen, Weiß- und Rothauslegerinnen, Augenbraunmalerinnen und Zahnputzerinnen. Aengstlich harrte der Troß der unglücklichen Zofen stundenlang in den Vorzimmern, um zitternd die sich tausendfach kreuzenden Befehle der stolzen Domina zu empfangen. Läßt doch ein röm. Dichter eine solche Dame sehr naiv fragen: ob denn eine Sclavin wirklich auch ein Mensch sei? Nur mit Mühe konnten daher die Römer zwei Aufstände ihrer gemißhandelten Leibeigenen unterdrücken, welche die Geschichte als Sclavenkriege bezeichnet. – Auf den Bazars von Algier und Tripolis standen, wer weiß es nicht, oft weiße Frauen, den schamlosen Blicken der lüsternen Türken preißgegeben, um dem, welcher das Meiste dem Sclavenhändler zahlte, in den Blumenkäfig seines Harems zu folgen. Nur erst seit Algier's Falle 1830 ist den Menschenräubereien der Barbareskenstaaten kräftig Einhalt geschehen, doch noch immer handelt man im Oriente mit Sclavinnen, namentlich mit Circassierinnen und Georgierinnen, Asiens reizendsten Töchtern. – Ein anderes Bild. Brasiliens Sonne scheint heiß, so heiß wie die von Afrika; aber es ist doch nicht die afrikanische Sonne! denkt die unglückliche Negersclavin. Da gewähren üppige Palmen den lieblichsten Schatten; unter himmelhohen Adiansonen an den Ufern des heiligen Senegal ist es so süß, seine Jugendjahre zu verträumen Da weilen ihre Eltern, ihre Brüder, – die sie selbst verkauften an die Europäer für schnöden Gewinnst. Denn seit die Portugiesen im 16. Jahrh. den Sclavenhandel einführten, wüthet unablässig im Innern Afrika's ein blutiger Bürgerkrieg, eine gräßliche Menschenjagd, um den weißen Menschenmäklern selbst in die Hände zu arbeiten. Dabei mußte oft der zehnte Theil der Erkauften, während der Ueberfahrt eingepfercht in den untersten Schiffsraum, in der gräßlichen Stickluft verschmachten. Ueber 30 Mill. solcher Unglücklichen sind im Laufe der Zeit nach Amerika transportirt worden. Aber einmal ging endlich durch alle Sclavenhütten ein jubelnder Schrei: Britannia hatte eben (1807) im Einverständniß mit vielen andern christlichen Staaten auf das unermüdliche Drängen edler Menschenfreunde, wie eines Wilberforce, eine feierliche Acte gegen den Sclavenhandel erlassen. Doch nur theilweise trat Linderung ein, und namentlich die südlichen Staaten der nordamerikanischen Union kämpfen für das alte, barbarische System mit einer Erbitterung, beobachten und beschränken ihre Neger mit einer so argwöhnischen Grausamkeit, daß der fühlende Weltbürger des 19. Jahrhunderts sich nur mit Abscheu von diesem Schaudergemälde menschlicher Selbstsucht abwenden kann. Auch die Sonne Brasiliens, sie geht noch immer auf und geht nieder, und sieht wie vor 3 Jahrhunderten Freie, die peinigen, und Sclaven, die gepeinigt werden!

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http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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