Handel

Handel. Man könnte den Handel die Blutcirkulation der Industrie eines Volkes, ja aller Völker, nennen. Er gibt den Maßstab für die Kultur; denn je höher die Kultur, nicht nur die des Bodens, sondern auch die technische und scientifische, desto bedeutender ist der Handel, desto größer der Umschwung des Verkehres. Völker, durch Meere und Gebirge von einander getrennt, tauschen die Erzeugnisse ihres Bodens und Klima's oder ihrer Kunstfertigkeit gegenseitig aus. Die Produkte einer Zone sollen das Gemeingut aller werden, die Völker einander als Brüder betrachten, da Einer wechselseitig des Andern Bedürfnisse, gleichviel ob der Nothwendigkeit oder des Luxus stillt. Schiffe durchkreuzen alle Meere, über Eisfelder und durch glühende Sandwüsten dringen Caravanen, in die Wälder und Schneesteppen der nördlichsten Zone dringt der Kanadier und Kamtschadale, auf den Boden des indischen Oceans versenkt sich der Perlenfischer, wie der Bergmann in die Gold-, Diamanten- oder Salzgruben –: alle um Gegenstände des Handels zu erringen und sie an Handelsleute entfernterer Gegenden entweder gegen Geld oder Austausch anderer Waaren zu überlassen. – Den stärksten Handel treiben Franzosen und Engländer, Holland und Nordamerika; schon ihre Lage an der See erleichtert den Verkehr. – Unsre meisten geographischen, statistischen und ethnographischen Kenntnisse verdanken wir größtentheils Handelsexpeditionen. Karthager, Phönizier und Griechen eröffneten mit kühnem Geiste diese Bahn, ihnen folgten die Araber im Mittelalter, Portugiesen, Spanier, Holländer unternahmen nach einander Entdeckungsreisen aus Handelszwecken, später England, Frankreich, Rußland. Letzteres dehnte seine Forschungen bis nach Kamtschatka aus. (S. d. Art. Entdeckungsreisen.) Und so verkehrt denn der Neger Afrika's mit dem Berber, dieser mit dem Türken und Christen, der Perser mit dem Russen und Engländer, der Chinese mit Letzterem, der Lappe mit dem Schweden, der Däne mit Grönland, fast alle Kauffahrtei treibende Staaten Europa's mit Nordamerika, Brasilien, dem Cap und den Antillen. Aus dem tiefsten Norden bringt der Kamtschadale, der Tschutschke, der Sibirier, der Tatar seine Erzeugnisse und Naturprodukte auf russische Handelsplätze. Auf den Messen im mittelsten Europa erscheinen nicht selten Perser, Türken, Armenier, Juden aller Zonen tausend und verkaufend. Was uns zur Nahrung, zum Nutzen und zum Luxus dient, ist häufig aus den verschiedensten Zonen herbeigeholt. Während uns die Inseln Ostindiens Gewürze senden, liefern wir den Capbewohnern getrocknete Pflaumen, für rohe Baumwolle, Kaffee und Zucker der Antillen tauschen wir Erzeugnisse unserer Manufakturen aus. Der afrikanische Wilde gibt uns Gold und Elfenbein, der amerikanische Pelzwerk; beide erhalten dafür Glaskorallen, gewebte Zeuge, Messer, Nadeln, Eisenwaaren aller Art. Wir holen uns Rosenöl, Kaschmirshawl's, Korallen, Hermelins, indische Vogelnester, Bernstein, Thee, Chinarinde, Eiderdunen, Bisam, Naphta, Farbehölzer, Weine, edle Früchte, bunte Prachtfedern etc. aus allen Breitegraden und schwelgen im Besitze solcher Seltenheiten. – Man theilt den Handel im Allgemeinen in Land- und Seehandel ein. Der Erstere zerfällt in Flußschifffahrt, Achsentransport und Karavanenhandel; Letzterer kann als Küsten- und Welthandel unterschieden werden. Man hat Chausseen und Commercialstraßen, Eisenbahnen, Canäle, Tunnel etc. angelegt, um den Landtransport zu erleichtern und zu beschleunigen. Tausende von Dampfmaschinen sind in Bewegung, um Wagen und Schiffe für den Handel zu treiben. Um dem Handel einen großen Umschwung zu geben, haben sich, da zu bedeutenden Unternehmungen und Speculationen die Kräfte eines Einzelnen nicht hinreichen, Handelsgesellschaften gebildet, die oft ungeheuere Resultate lieferten, wir erwähnen hier nur der Hansa (s. d.), der oft indischen Compagnie, der rheinisch-westindischen etc.; der deutsche Zollverein selbst ist nur ein großartiges Institut zur Belebung des Handels, zur Erleichterung des merkantilischen Verkehrs aller deutschen Völkerschaften. – In Folge des Handels entstanden Banken (s. d.), Meßplätze, Stapelplätze, Assekuranzen (s. d.), und hundert andere merkantilische, industriöse Vereine, Associationen und Institute.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Handel — Handel. I. Handel im Allgemeinen ist jeder Austausch von Gütern irgend welcher Art gegen andere, gleichviel ob derselbe durch Kauf u. Verkauf (gegen Geld) od. durch Tausch (gegen Waare) bewirkt wird; insbesondere der gewerbmäßig betriebene Ein u …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Handel — treiben: Geschäfte machen. Der Begriff ›Handel‹ wurde erst im Mittelalter nach ›handeln‹ gebildet. Dieses findet sich schon früh als ›hantolôn‹: mit Händen fassen, dann ›tun, betreiben, verrichten‹. Erst seit dem 15. Jahrhundert auch üblich für… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Händel — Händel, Georg Friedrich, Komponist, geb. 23. Febr. 1685 in Halle a. S. als Sohn eines Wundarztes, gest. 14. April 1759 in London, zeigte früh auffallende musikalische Begabung, so daß schon 1696 der Kurfürst, nachmals König Friedrich I., dem… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Händel — Händel, 1) Georg Friedr., geb. 24. Februar 1685 in Halle a. d. S. Sein Talent zur Tonkunst wurde von seinem Vater niedergehalten, u. nur der Herzog von Weißenfels vermochte den Vater, H. der Tonkunst zu überlassen. Schon als Knabe von 7 Jahren… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Handel — (lat. Commercium, franz. Commerce. engl. Commerce, Trade), im weitern Sinne jeder zur Erzielung eines Gewinnes vorgenommene Austausch von Gütern, im engern Sinne der auf Arbeitsteilung und eigner Berufsbildung beruhende gewerbsmäßige Ein und… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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  • Handel — [han′dəl] George Frideric [frē′dər ik, frē′drik] (born Georg Friedrich Händel) 1685 1759; Eng. composer, born in Germany Handelian [han del′ē ən, handē′lēən; handel′yən, handēl′yən] adj …   English World dictionary

  • Handel — Handel, im weitern Sinne jede Art des Güteraustausches zum Zweck der Befriedigung von Bedürfnissen, im engern Sinne der gewerbsmäßige Eintausch von Gütern zu dem Zweck, sie mit Gewinn wieder zu veräußern, vermittelt zwischen Produzent und… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Handel — Sm std. (13. Jh.), mhd. handel Stammwort. Rückbildung zu handeln, zunächst allgemein in den Bedeutungen dieses Verbs, dann spezialisiert auf die kaufmännische Bedeutung. Hand, Händel. ✎ Ganz (1957), 90f.; LM 4 (1989), 1895 1901; Röhrich 2 (1992) …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Händel — Sm std. stil. (16. Jh.) Stammwort. Frühneuhochdeutsche Variante von Handel in der Sonderbedeutung Verhandlung, Streitsache ; vor allem im Plural spmhd. hendel (vielleicht unter dem zusätzlichen Einfluß der Verbalform hendeln, die zunächst nur… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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