Kamtschatka

Kamtschatka, russ. Provinz im nördlichsten Winkel von Asien, eine Halbinsel, fast gänzlich vom Meere umflossen und daher trotz der hohen Breite, nicht so kalt, daß nicht mancherlei Gartenfrüchte, Kohl, Rüben, Kartoffeln, verschiedene Beeren etc. dort gedeihen sollten. Die Wälder sind reich an Wild mit edlem Pelzwerk. Der Boden ist vulkanisch und mehrere Berge haben eine solche innere Wärme, daß niemals Schnee darauf liegt, während andere von ewigem Eise umstarrt sind. Der Awatscha oder Kamtschatka, der Tobaltschinsk, der Vilnízka haben durch ihre Eruptionen schon oft das Land verwüstet und mit dem Untergange bedroht, aber der Mensch hat sich vom eisigen Pol eben so wenig verscheuchen lassen, wie vom Fuße des Aetna oder Vesuvs, und mit ihm sind seine Begleiter die nützlichen Hausthiere: Schafe, Ziegen, Hunde, Rennthiere, Hühner, Enten, Gänse etc., geblieben, aber auch die grimmigen Bewohner des Waldes: weiße Wölfe, Bären, Füchse etc. und außer diesen die friedlichen Gattungen von Wild: Zobel, Hermeline, Murmelthiere, Vielfraß, Fischottern etc. Zahlreiche Vögelarten bevölkern die Wälder und Meeresufer, die See und Flüsse sind reich an Fischen, und Kamtschatka ist bei Weitem nicht so wüst und öde, wie man oft glaubt. Die eingebornen Kamtschadalen sind klein, dickköpfig, struppig von Aussehen, unreinlich, haben platte Gesichter, kleine Augen, schmalen Mund. Ihr Charakter zeichnet sich durch Sinnlichkeit, aber auch durch Gutmüthigkeit und Gastfreundschaft aus. Ihre Häuser sind Zelte aus Thierfellen auf hohen Pfählen errichtet, um sie vor dem Anfall wilder Thiere zu schützen, oder auch Winterjurten in die Erde gegraben, mit einer einzigen Oeffnung, welche zugleich als Thüre und Rauchfang dient. Ihre Kleidung ist zweckmäßig und zierlich und mit zarten Lederstreifen sehr geschmackvoll gestickt. Die Frauen sind, wie bei allen rohen Völkern, dienende Werkzeuge, sie müssen die schwersten häuslichen Geschäfte verrichten, während der Mann sich nur mit Fischfang und Jagd befaßt oder müßig hinter dem Kruge mit Thran (dem Lieblingsgetränke) sitzt. Viele Kamtschadalen sind noch Heiden, die Mehrzahl hat aber die christliche Religion angenommen und mit ihr einige Kultur. Die ganze Halbinsel hat kaum 5 bis 6000 Ew. und darunter viele Kosaken, Chinesen, Russen, Kolonisten, Staatsgefangene etc. Die Vermehrung hält nicht gleichen Schritt mit der Sterblichkeit; auch reiben die häufigen Kriege mit den Korjäken einen Theil der Population auf. Unter den Gewässern zeichnet sich der 57 Meilen lange Kamtschatka, der Tigil und die Bolschaja aus. Die Hunde sind für die Bewohner von außerordentlichem Nutzen, indem sie fast das einzige Zugthier ausmachen, bei Jagd und Fischerei behilflich sind und die Menschen mit ihrem Pelze bekleiden. Es ist darum nicht zu verwundern, daß es in K. eben so viele Hunde gibt, wie Menschen. Hauptstadt des Landes ist Nischnei-Kamtschatka, 1700 Meilen von Petersburg entfernt, mit dem Peterpaulshafen, 150 Häusern und 500 Einw.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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