Bewegung

Bewegung

Bewegung nennt man im weitern Sinne die selbstständige oder von Außen bedingte Ortsveränderung eines Körpers, oder alle Umgestaltung der Verhältnisse desselben, die sich auf den Raum beziehen. Die Myriaden von Sonnen und Erden, der Lichtstrahl des goldenen Sternes, der Hauch des blüthenzerstreuenden, säuselnden Zephyrs, das Wüthen der meererschütternden Stürme, der Kampf der Segler mit den erzürnten Wellen, das majestätische Rudern von Leda's geliebtem Vogel, der gedankengleiche Flug des Geschosses, das Kriechen des ärmlichsten Wurmes, der zerschmetternde Strahl aus angehäuften Gluthen, der Vulkane landerschütterndes Beben, das Entfalten der knospenden Rose, alle Aeußerungen des Lebens und der Thätigkeit sind an Bewegung gebunden. Ruhe besteht nicht in der lebenden Schöpfung, sie ist das Ende des Lebens. Im Chaos war Ruhe, aber der Odem des Allmächtigen belebte das Weltall, und es lebt der Stein und die Gruft. – Die Bewegung befolgt Gesetze, deren Betrachtung hier zu weit führen würde. – Die Bewegung des Menschen hängt von den Muskeln ab, welche nach dem Willen der Seele die Glieder in veränderte Lagen bringen. Das Aufheben des Armes, das Neigen des Kopfes sind Bewegungen. Die Bewegung des Körpers ist als eine Lebensäußerung für die Gesundheit des Körpers von der höchsten Wichtigkeit und muß mit einer gewissen Kraftanwendung verbunden sein, wenn sie für den Körper heilsam sein soll. Der schleppende Gang in den Räumen des Hauses, der weiblichen Beschäftigungen an und für sich, das maschinenmäßige Wandern auf staubbedeckten Promenaden, das Gehen aus Zwang und ohne freudiges Ziel, so wie alle Bewegungen wider Willen sind unzulängliche. Eine gesunde Bewegung muß in den günstigsten Stunden des Tages, im Winter des Mittags, im Sommer früh und Abends, in angenehmer Gesellschaft, auf freundlichen Wegen, im Sommer besonders auf Wiesen und in schattigen Wäldern Statt finden. Man habe ein Ziel vor sich, ein freundliches Plätzchen zum Ruhen, eine einladende Erfrischung, damit das Gemüth unterwegs angenehm erwartend beschäftigt sei. Einsame Spaziergänge sind bei trüber Gemüthsstimmung ohne aufheiternde Begleitung nicht zu empfehlen. Sich selbst überlassen, versäumt man es, die wohlthätigen Eindrücke von Außen in sich aufzunehmen und der wahre Zweck des Gehens wird verfehlt. Das Gehen befördert den Umtrieb des Blutes und der Säfte, verhindert die oft so verderbliche Anhäufung in einzelnen Organen, trägt demnach zur gleichmäßigen Ernährung und Erkräftigung des ganzen Körpers bei und ist ein souveraines Mittel zur Erhaltung der Gesundheit. Je weniger, namentlich den Frauen höherer Stände, sich die Gelegenheit bietet, dem Körper Bewegung zu machen, um so mehr müssen sie bedacht sein, das Fehlende durch Gehen in der freien Natur zu ersetzen.

D.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Bewegung — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Übung • Aufgabe • Sport Bsp.: • Es war wenig Bewegung in der Luft. • Hast du viel Bewegung? • …   Deutsch Wörterbuch

  • Bewegung — Bewegung, 1) (Phys.), ist die Veränderung des Ortes, welchen ein Körper einnimmt; sie bildet den Gegensatz zur Ruhe, bei welcher keine Veränderung des Ortes vorgeht, u. ihre Gesetze werden in der Dynamik, dem zweiten Haupttheile der Mechanik,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Bewegung — Bewegung, das Übergehen eines Körpers oder eines materiellen Punktes aus einer räumlichen Lage in eine andre. Die Orte, die ein in B. begriffener Punkt nacheinander einnimmt, bilden in ihrer stetigen Aufeinanderfolge eine gerade oder krumme Linie …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Bewegung — Bewegung, die stetige Ortsveränderung eines Körpers im Raume. Man denkt sich die B. entstanden durch Einwirkung einer Kraft auf eine Masse nach dem Gesetz: Kraft ist gleich Masse mal Beschleunigung. Wirkt die Kraft in gleicher Stärke fort, so… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Bewegung — eines Körpers nennt man die Veränderung seines Ortes; absolute B., die Veränderung seiner Oertlichkeit im allgemeinen Weltraum, ohne Rücksicht seiner Lage zu andern Gegenständen; relative B., die Veränderung seiner Lage in Bezug auf andere Körper …   Herders Conversations-Lexikon

  • Bewegung — Bewegung, als B. innerhalb von Zellen, Organen, eines Organismus oder als freie Ortsbewegung (Lokomotion) eines der Merkmale von Lebewesen. Man unterscheidet: ⇒ intrazelluläre B., Ortsveränderungen von Einzellern bzw. von Fortpflanzungseinheiten… …   Deutsch wörterbuch der biologie

  • Bewegung — Beförderung; Verschiebung; Transport; Positionsänderung; Translokation; politische Bewegung; Fortbewegung; Regung * * * Be|we|gung [bə ve:gʊŋ], die; , en: 1. das Bewegen, Sichbewegen; Veränderung der Lage, Stellung …   Universal-Lexikon

  • Bewegung — Be·we̲·gung1 die; , en; 1 das Bewegen1 (1) eines Körperteils <eine Bewegung mit dem Arm machen; eine weit ausladende, geschmeidige, heftige, ruckartige, unbeholfene, ungeschickte Bewegung> || K: Armbewegung, Handbewegung, Körperbewegung 2… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Bewegung — die Bewegung, en (Grundstufe) Veränderung der Lage Beispiele: Der Redner macht viele heftige Bewegungen. Sie haben die Maschine in Bewegung gesetzt. die Bewegung (Aufbaustufe) Zustand innerer Erregung Synonyme: Bewegtheit, Ergriffenheit, Rührung… …   Extremes Deutsch

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