Vögel

Vögel. Obgleich die Säugethiere in der Klassificirung des Thierreichs den ersten, die Vögel aber erst den zweiten Rang einnehmen, so erregen diese doch bei Weitem mehr Interesse. Sie besitzen alle 2 Füße, 2 Flügel, hornigen Schnabel, Federbekleidung, legen Eier und brüten diese zur Fortpflanzung ihres Geschlechts aus. Aber welcher Unterschied zwischen dem 14 F. (bei ausgespannten Flügeln) breiten Condor, der als König der Lüfte noch weit über den höchsten Spitzen der riesigen Anden schwebt, und niederstoßend ohne Beschwerde ein Kalb verzehrt – und dem kaum die Größe einer Hummel erreichenden Fliegen-Colibri, der gleich den Bienen summend, nur vom Safte der Blüthen und Blumen der tropischen Zone lebt! Gibt es einen stärkeren Contrast als das den Seefahrer erschreckende Eselsgeschrei des Albatrosses, verglichen mit den melodischen, Alles entzückenden Tönen der Nachtigall? oder dem gräulichen Aeußeren des Uhu, verglichen mit dem herrlichen, in allen Farben schimmernden Gefieder des Pfaues, mehrerer Papageien, des Paradiesvogels, Rubin-Colibris etc.? – Die Sinne der Vögel sind zum Theil sehr scharf; so sieht z. B. die Henne den feindlichen Habicht in einer Entfernung, welche das menschliche Auge unbewaffnet nie erreicht, wie denn auch die Krähe gewiß keinen Jäger mit der Flinte herankommen läßt, wenn sie nur einmal Pulver gerochen hat. Alle V. bauen mehr oder weniger künstliche Nester, sorgen zärtlich für die den Eiern entschlüpften Jungen und wissen sich einander durch verschiedene Töne verständlich zu machen, die Traurigkeit, Zufriedenheit, Furcht etc. andeuten. Die in Monogamie lebenden, und es sind dieß die meisten, lieben sich zärtlich und das Männchen versorgt nicht nur das brütende Weibchen mit Futter, sondern löst es auch zuweilen im Brüten ab; dagegen bekümmert sich bei den Polygamvögeln, als den Hühnern etc., der Hahn weder um Mutter, noch Nest oder Jungen. Ihre Gelehrigkeit ist bekannt; der Papagei, mehrere Raben etc. lernen schnell die menschliche Stimme nachahmen und sprechen oft ganze Sätze nach, während der Gimpel, Kanarienvogel etc. sich bald vorgepfiffene Melodien aneignen. Man theilt die Vögel in Stand-, Strich- und Zugvögel. Wenn nämlich der Winter herannaht und die Kälte zu empfindlich wird, so ziehen die nördlich wohnenden zum großen Theil südlich; einige Gattungen nur in das mittlere und südliche Europa, andere nach Afrika etc., und kehren erst im Frühjahr zurück. Dieß sind die Zugv.; die Striehv. gehen nur einige M. weit und kehren bald zurück. Bewunderungswürdig zeigt sich bei dieser Gelegenheit ihr Gedächtniß. Nach einer Reise von oft über 1000 M. und mehrmonatlicher Abwesenheit findet der Storch sein Nest, die Schwalbe den Balken des Hauses, der Finke seinen Baum, das Rothkehlchen seinen Busch etc. wieder. Im Ganzen werden sie sehr alt; die Tauben leben gegen 20, Finken, Stieglitze etc. selbst in der Gefangenschaft wohl 25, Papageien und Adler 100 und mehr, und Schwäne sollen gar 300 J. gelebt haben. Ein, auch zweimal des Jahres mausern sie sich, d. h. es fallen ihnen die äußersten unbrauchbar oder unscheinbar gewordenen Federn aus, und werden durch neue ersetzt. Der Nutzen, den uns die Vögel schaffen, ist nicht zu berechnen. Nicht allein durch ihr Fleisch, ihre Eier und Federn (s. Federn. Federschmuck), sondern auch durch Vertilgung schädlichen Ungeziefers, durch Fortschleppen und Verbreiten von Sämereien etc. Blumenbach klassificirt das ganze Geschlecht in: Raubvögel, Leichtschnäbler, Spechte, Raben (Krähen), Singvögel, Hühner, Strauße, Sumpf- und Schwimmvögel. Vergl. die einzelnen A. der bedeutenderen Vögel.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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