Sieden oder Kochen

Sieden oder Kochen, das eigenthümliche Wallen, die säuselnde, wellenförmige Bewegung der kleinen Dampfbläschen, in die sich die Flüssigkeit verwandelt, wenn sie mit dem Wärmestoff verbunden wird, und welche immer dichter in der Flüssigkeit aufsteigen, je heißer jene wird. Anfangs von dem Drucke der äußern Luft am Aufsteigen und Ausbreiten gehindert, erhalten die Dämpfe später die Leichtigkeit und Elasticität, um aus den Bläschen aufsteigen zu können, und nehmen alle freie Wärme hinweg. Aus diesem letzteren Grunde kann auch eine schon siedende Flüssigkeit, wenn sie unbedeckt ist, nicht mehr heißer werden; ist sie aber bedeckt, so wird sie auch immer heißer. Der Wärmegrad, bei welchem die verschiedenen Flüssigkeiten in's Sieden übergehen – der Siedepunkt –, ist sehr verschieden, da es hierbei auf den jeweiligen Luftdruck, welcher auf die Flüssigkeit wirkt, ankommt; denn je geringer die Einwirkung der äußeren Luft, desto leichter das S. So sieden die Flüssigkeiten weit leichter im luftverdünnten Raume, als in freier Luft, und im luftleeren Raume siedet z. B. Wasser schon bei dem Grade der gewöhnlichen Temperatur. – In der Kochkunst heißt bekanntlich S.: – einen Gegenstand durch im Wallen erhaltenes Wasser eßbar machen oder doch seine Eßbarkeit erhöhen, wodurch zugleich mit den Dünsten (s. d.) erst die animalischen Stoffe mit nahrhaften und gewürzreichen Erzeugnissen des Pflanzenreichs wahrhaft innig verbunden und zu einem organischen Ganzen umgebildet werden können. Es ist der Triumph einer kunstsinnigen Köchin, durch ruhiges, verständig bemeistertes S. das doppelt erfreuliche Resultat, gute, durch die verschiedensten Produkte angenehm variirte und würzige Brühe sowohl, als auch saftreich gesottenes Fleisch hervorzubringen.

4.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Sieden — Sieden, verb. irregul. ich siede, du siedest, (Oberd. seudest) er siedet, (Oberd. seudet); Imperf. ich sott; Mittelw. gesotten; Imper. Siede, (Oberd. seud). Es ahmet eigentlich den zischenden Laut nach, welchen ein in eine innere Bewegung… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • kochen — kọ·chen; kochte, hat gekocht; [Vt/i] 1 (etwas) kochen die Nahrung zum Essen vorbereiten, indem man sie heiß macht ≈ zubereiten: das Mittagessen kochen; Morgen koche ich Schweinebraten mit Knödeln und Salat; Kochst du gerne? || K : Kochbuch,… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • kochen — sieden; aufbrühen; schmoren; garen; dämpfen; dünsten; Essen zubereiten; am Herd stehen (umgangssprachlich); Essen machen (umgangssprachlich) * * * …   Universal-Lexikon

  • Kochen — Kóchen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt gebraucht wird.i. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es von flüssigen Körpern gebraucht wird, wenn sie von dem Feuer auf Einer Seite durchdrungen und in Blasen in die Höhe getrieben… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Sieden — (Kochen), das Aufwallen einer Flüssigkeit, wobei sich nicht nur an der Oberfläche, sondern auch im Innern der Flüssigkeit Dampf bildet. Im Innern einer Flüssigkeit aber können Dampfblasen nur dann bestehen, wenn die Spannkraft des in ihnen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Sieden — heißt die Bildung von Dampfblasen im Innern einer Flüssigkeit (vgl. Dampf, Bd. 2, S. 537). Alle Flüssigkeiten lassen sich durch genügende Wärmezufuhr zum Sieden bringen (s. Flüssigkeitswärme). Der Beginn des Siedens ist an eine gewisse… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Kochen [2] — Kochen, in der Technik und im Haushalt die Behandlung verschiedenartiger Substanzen bei der Siedetemperatur des Wassers unter gewöhnlichem, höherm oder niederm Drucke. Durch das K. werden mancherlei Zwecke verfolgt. Flüssigkeiten kocht man, um in …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Sieden — Sieden, Kochen, die bei einer bestimmten Temperatur, dem Siedepunkte oder Kochpunkte, erfolgende Verwandlung einer Flüssigkeit in Dampf. Der Siedepunkt ist für verschiedene Flüssigkeiten verschieden und auch vom Luftdruck anhängig, so daß er auf… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • sieden — aufbrühen; kochen * * * sie|den [ zi:dn̩], sott/siedete, gesotten/gesiedet: 1. a) <itr.; hat (landsch., Fachspr.) ↑ kochen (2 b): Wasser siedet bei 100º; die Milch fängt an zu sieden; siedend (kochend) heißes Öl. b) <tr.; hat zum Kochen… …   Universal-Lexikon

  • Kochen — Köche beim Kochen Kochen (von lateinisch coquere, „kochen, sieden, reifen“ entlehnt) ist im engeren Sinne das Erhitzen einer Flüssigkeit bis zum Siedepunkt, im Weiteren das Garen und Zubereiten von Lebensmitteln allgemein, unabhängig von der… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”